SMY Hohenzollern, Zustand ca.1895

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    • SMY Hohenzollern, Zustand ca.1895

      Hallo zusammen,

      nachfolgend möchte ich Euch gern mein aktuelles Projekt vorstellen: Es handelt sich um ein noch im Entstehen begriffenes, allerdings so langsam bereits der Fertigstellung entgegengehendes Modell der kaiserlichen Yacht „Hohenzollern“ (II) im frühen Bauzustand ca. 1895, also z.Zt. der Eröffnung des damaligen Kaiser-Wilhelm-Kanals) auf Basis des mittlerweile vergriffenen und leider nicht mehr neu aufgelegten HMV-Kartonmodells aus dem Jahre 1998. Das Vorbild war zwischen 1893 und 1914, insgesamt also über 20 Jahre, im Einsatz. Zur näheren Geschichte des Schiffes lässt sich Einiges im Internet nachlesen.

      die-kartonmodellbauer.de/index…8136222f4be61b7cf9bfec045

      Es gibt nach meinem Eindruck leider vergleichsweise wenige Modelle dieses schönen und jedenfalls im ursprünglichen Zustand auch recht eleganten Schiffes. Soweit ich sehe, sind zudem die wenigen vorhandenen Modelle (einschließlich des HMV-Kartonmodells) in der Regel auf Basis des Planes von Wolfgang Bohlayer erstellt worden, der in etwa den schon recht „opulenten“ Bauzustand der mittleren Einsatzjahre 1903-1906 widerspiegelt. In größeren Maßstäben habe ich demgegenüber noch kein Modell früherer oder späterer Bauzustände entdecken können, obwohl es einige interessante und markante Unterschiede gibt. In der Zeitschrift „Das Logbuch“ 1998, S. 96 ff., hat Bohlayer sehr differenziert fünf verschiedene Bauzustände der Hohenzollern zwischen 1893 und 1914 beschrieben.

      Mein Modell orientiert sich am Bauzustand 2 der Jahre 1895-1898. Warum gerade dieser frühe Zustand?

      • 1895 war „die Welt noch in Ordnung“ und der KWK wurde eingeweiht .
      • Spass beiseite: Es gibt diesbezüglich nicht nur kein mir bekanntes Modell, sondern vergleichsweise auch nur wenige Fotos, was die bei historischen Modellen übliche Detektivarbeit besonders reizvoll und die Freude über unerwartete Funde umso größer macht, s. z.B. hier: digitaltmuseum.se/021017014329…holms-strom-under-wilhelm. Unter dem Suchwort „Hohenzollern“ finden sich hier auch noch einige weitere, modellbauerisch verwertbare frühe Fotografien der Yacht.
      • Vor allem aber: Insgesamt verfügte die Yacht 1895 noch im Vergleich zu späteren Bauzuständen über ein vergleichsweise schlichtes, klassisches Erscheinungsbild. Es gibt noch keine Stagsegelbäume an den drei Masten und noch keine große Fockrah. Zudem ist die Zahl der Beiboote geringer und auch eine große, barock wirkende Heckgalerie mit protzig wirkendem Adler ist noch nicht vorhanden. Die Hohenzollern – einschließlich Brücke mit schmalerer Frontverglasung - wirkt so optisch insgesamt graziler und schlanker als in späteren Jahren und entspricht in Verbindung mit einer größeren Anzahl von Salutgeschützen auch eher der Vorstellung eines klassischen Avisos, mit der sie übrigens seiner Zeit auch trickreich durch den Reichstag geboxt worden war, um ihre Finanzierung zu ermöglichen.
      • Last not least: Der mit Ausnahme der Mehrzahl an Geschützen und einiger Lauben unter dem Strich doch wohl etwas geringere Bauaufwand im Bereich von Heckgalerie, Beibooten und Takelage kommt mir als „faulem“ Modellbauer mit begrenzter Lebenszeit sehr entgegen.
      Sodann noch ein paar Anmerkungen zum zugrundeliegenden HMV-Kartonmodell und für etwaige „Nachahmungstäter“:

      • Das HMV-Kartonmodell wurde meines Wissens von M. Wiekowski auf Grundlage des Bohlayer-Planes als Wasserlinienmodell erstellt (Bauzustand daher 1903-1906). Es ist – wie bei HMV üblich – von sehr guter Qualität und auch für Kartonanfänger wie mich über weite Strecken sehr gut baubar, auch, weil einem u.a. die bei vielen zeitgenössischen Schiffen übrlichen Lüfterorgien und ähnliches erspart bleiben. Leider wurde das Modell aber bislang nicht neu aufgelegt und ist mittlerweile nur noch recht selten in elektronischen Buchten aufzufischen. Eine Suche nach dem dazugehörigen, unbedingt empfehlenswerten Ätzteilsatz gleicht mittlerweile schon fast der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Ich konnte mich erst aufraffen, endlich mit dem Projekt zu beginnen, als ich nach längerer Suche endlich auch den dazugehörigen Ätzteilsatz ergattert hatte.
      • Aus meiner Sicht gibt es eigentlich nur zwei - farbliche - Schwächen des Kartonmodells, die jedoch leicht selbst behebbar sind: Erstens wird der laut zeitgenössischer Bauvorschrift vorgegebene, zusätzliche Decksbelag in der Kartonvorlage nicht abgebildet; die diversen Decks können jedoch durch Einsatz eines breiteren dunkelbraunen Eddingstifftes leicht in entsprechender Weise (am besten mehrfach!) nachgefärbt werden. – Zweitens tendieren Masten und Schornsteine (einschl. Schornsteinkappen) im HMV-Bogen zu einem Orangeton. Wie bei kaiserlichen Modellen üblich, helfen Ölgemälde, dem Originalfarbton möglichst nahe zu kommen – und der tendiert für mich überwiegend doch eher in Richtung gelb, vgl. z.B.rosehr-erich.de/bilder/restaur…-hohenzollern-nach-gr.jpg. Korrigiert man in diesen beiden farblichen Punkten selbständig nach, so ergibt sich in der Gesamtschau ein hübsches, etwas farbenfroheres Gesamtbild des Modells, dabei vertragen auch die kelchförmigen Schornsteinkappen innen und außen eine farbliche Nachbehandlung. – Die gelb lackierten Masten sind bei meinem Modell aus Gründen der Stabilität und der angepassten Farbgebung aus Holz und Metall; für die Schornsteine ergibt sich der gelbe Farbton aus selbstklebender Folie.
      • Auch im Bereich von Brücke und Promenadendeck erfordert der frühere Bauzustand 1895-1898 einige kleinere, aber recht leicht zu realisierende Änderungen gegenüber dem von der Kartonvorlage repräsentierten Bauzustand von 1903-1906: U.a. ist beidseitig die äußere Frontverglasung der unteren Brücke zu entfernen (auch dies ist im Ergebnis optisch eher von Vorteil, da die Simulation größerer Glasflächen m.E. eine typische optische Schwäche von Kartonmodellen darstellt); zudem sollte die Laube hinter dem vorderen Schornstein gegen zwei offenen Lauben bzw. Sitzgruppen links und rechts vom Schornstein eingetauscht werden. – Generell ist es im Hinblick auf derartige Änderungen nicht von Nachteil, wenn man den HMV-Hohenzollern-Bogen in zwei Exemplaren zur Hand hat, um ggf. vorab ein wenig experimentieren und/ oder bei Bedarf nachträglich korrigieren zu können.
      • In verschiedenen Quellen ist die Rede davon, dass Hohenzollerns Bewaffnung im Laufe der Jahre immer weiter reduziert wurde. Das scheint leicht erklärbar, denn das Schiff veraltete militärisch rasch und die Mogelpackung „Aviso“ interessierte im Reichstag nach einigen Jahren vermutlich auch niemanden mehr. Allerdings ist es nicht ganz leicht, den genauen Aufstellungsort der ursprünglichen Bewaffnung zu rekonstruieren, zumal auch der og. Plan und das Kartonmodell ja nicht den ursprünglichen Zustand abbilden und sich daher auf insgesamt zwei Geschütze unter dem Promenadendeck beschränken. Auf dem oben verlinkten schwedischen Bild erkenne ich auf der Steuerbordseite vier Geschütze, von denen die freistehenden im Bug- und Heckbereich etwa auf Höhe der jeweiligen Niedergänge montiert sind. An meinem Modell sind bislang nur unvollständige Platzhalter angebracht. Im Übrigen bietet Digital Culture Metropolitan NY einige ausgezeichnete Detailaufnahmen der Hohenzollern, die anlässlich ihres dortigen Besuches im Jahre 1902 entstanden sind, so etwa diese von einem Geschütz: dcmny.org/islandora/object/photosnycbeyond%3A41974. - Überhaupt findet man in Deutschland weithin unbekanntes Bildmaterial zur Hohenzollern am ehesten wohl noch in digitalen Sammlungen ihrer ehemaligen Destinationen, so. z.B. neben Schweden und New York auch in Dänemark: kbhbilleder.dk (Suchwort Hohenzollern).
      • Es sollte möglichst Takelgarn mit sehr feinem Durchmesser Verwendung finden (bei meinem Modell 0,1 – 0,03 mm). Auch der rare Ätzteilsatz wertet das Modell in Kombination mit feinem Takelgarn ungemein auf. Abgesehen von den goldenen Ranken für Bug und Heck und den oberen Handläufen der Reling (auch hier: brauner Edding, mehrfach aufgetragen) habe ich die Ätzteile nicht lackiert, weil es Arbeit spart und mir ein metallisch glänzender „Werftmodelllook“ bei Beschlagteilen ohnehin gut gefällt.
      • Ggf. ist es für manchen Geschmack auch eine Idee, die für die Yacht typischen Fensterklappen des ersten Wohndecks auf einer Seite offen, auf der anderen Seite geschlossen darzustellen. Bei Kombination geschlossene Fensterklappen-Bauzustand vor 1899 sollte zudem beachtet werden, dass deren Bullaugen von geringerem Durchmesser waren, als im HMV-Kartonmodell; schwarze Punkte mit ca. 1mm Durchmesser genügen insoweit.
      Weitere Bilder bis zur Fertigstellung werde ich in den kommenden Wochen noch nachreichen. Und: Vielleicht finde ich irgendwann auch noch einmal Zeit für ein Modell im letzten Bauzustand 1907-1914? Auch die HMV-Hafentorpedoboote reizen mich sehr.

      Henrik
    • Sehr schön! daumen1

      Lieber Henrik,
      das ist doch mal ein Startschuss nach meinem Geschmack. Wenn ich richtig gelesen habe, baust Du mangels Unterlagen nur nach Fotos um den Ursprungszustand zu realisieren? Es wäre interssant nachzuforschen, ob mit der Öffnung der östlichen Archive in den 90ern die Originalpläne mit dem Ursprungszustand aufgetaucht sind. Ich werde mir gleich mal das erwähnte LOGBUCH schnappen um ins Thema zu kommen... les 2
      Da bin ich ja mal gespannt wie Dein Modell bisher aussieht!

      Viele Grüße,
      Klaus
      »Man lernt das Matrosenleben nicht durch Übungen in einer Pfütze« (Franz Kafka)

      arbeitskreis-historischer-schiffbau.de/

      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Vielen Dank für Euer Interesse! @Klaus, ich verwende das Kartonmodell als Grundlage; die vorgenommenen Abänderungen beruhen auf dem oben zitierten Logbuchbeitrag und dem mir dazu vorliegenden Modellbauplan von Wolfgang Bohlayer (einschl. der dort enthaltenen zeitgenössischen Bauvorschrift) sowie ergänzend eigenen fotografischen Recherchen im Internet. Unten ein paar Bilder vom aktuellen Baustadium des Modells. Vorab aber nochmal kompakt zusammengefasst die aus dem Bauzustand resultierenden wesentlichen Unterschiede zwischen der Kartonmodellvorlage bzw. dem entsprechenden Plan einerseits und dem hier angestrebten früheren Bauzustand 1895 andererseits:

      • Zusätzlicher, vermutlich dunkelbrauner Linoleumdecksbelag und gelbe statt orangefarbener Schornsteine und Masten
      • Fünf Davidpaare an Backbord, nur drei an Steuerbord (später: sechs bzw. vier)
      • Noch keine Heckgalerie nebst großem Adler
      • Noch keine Stagsegelbäume und keine große Fockrah
      • Noch keine Laube hinter dem vorderen Schornstein, stattdessen zwei offenen Lauben bzw. Sitzgruppen links und rechts vom Schornstein, s. z.B. hier: digitaltmuseum.se/021017014311…i-stockholm/media?slide=0
      • Acht statt später nur noch zwei Geschütze, d.h. vier auf jeder Schiffsseite, die zusätzlichen etwa auf Höhe der jeweiligen Niedergänge im Bug und Heckbereich, s. z.B. hier: digitaltmuseum.se/021017014289…der-wilhelm/media?slide=0
      • Beidseitig verkürzte Brückenverglasung
      • Zufallsfund: Zwei Treppenaufgänge (statt nur einem in Kartonmodell und Plan!) zwischen Achterschiff und Promenadendeck, s. hier: dithmarschen-wiki.de/Datei:Kaiser,Hohenzollern_um_1895.jpg. An der Stelle muss ich wohl nochmal eine kleine „OP“ ansetzen, da ich dieses Bild erst kürzlich entdeckt habe.
      • Bullaugendurchmesser der Fensterklappen des ersten Wohndecks nur 200mm (statt später 344 mm)
      • Zusätzliche vierte Zierleiste etwa auf halber Höhe des Schanzkleides (diese wurde später entfernt). Auch das ist mir leider zu spät aufgefallen und es ist vermutlich zu spät, das jetzt noch risikolos zu korrigieren. Oder hat jemand von Euch eine Idee?

      Zu den Modellbildern: Es fehlen im Wesentlichen noch die Beiboote, verfeinerte und vervollständigte Geschütze sowie die restliche Takelage. Wanten hinter einem befestigten Schanzkleid straff zu befestigen, macht kein Vergnügen; ich habe das "Drama" im Grunde kommen sehen …







    • Hallo Henrik,

      ich habe gestern aus Interesse nochmal den LOGBUCH-Beitrag gelesen und mir meine Fragen selbst beantworten können. Die Originalpläne der HOHENZOLLEN kamen wie von mir vermutet in den 90ern aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland zurück. Im Beitrag steht auch, dass die Modellbaupläne damals auch in der Aussicht auf die Konstruktion von einem Kartonmodell gezeichnet wurden. Herr Wiekowski hat ja einige Kartonmodelle nach den Bauplänen von Wolfgang Bohlayer konstruiert (WESPE, BEOWULF, VICTORIA LOUISE)

      Dein Modell sieht schon klasse aus! Die fehlende Galerie am Heck macht sich positiv bemerkbar daumen1 Zur Farbe der Schornsteine bei Kaierlichen Schiffen streiten sich ja gerne die Fachleute. Ich finde, Deine Farbwahl deckt sich gut mit den bekannten Gemälden der Jacht.

      Sag mal... Nach Deinen Nickname und dem Jachtmodell auf Deinen Fotos im Hintergrund vermute ich, dass Du damals mal im Forum Kaiserliche Marine aktiv warst? Du hattest damals eine der kaiserlichen Segeljachten im Bau. Also entweder eine der METEORe oder die IDUNA? denk1

      Viele Grüße,
      Klaus
      »Man lernt das Matrosenleben nicht durch Übungen in einer Pfütze« (Franz Kafka)

      arbeitskreis-historischer-schiffbau.de/

      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Hallo Klaus,

      ja, ich denke auch, die fehlende Galerie steht der Hohenzollern optisch gut. Bei der Farbe der Schornsteine habe ich so lange experimentiert, bis es gemessen an den damaligen Werken von Stöwer & Co passte. Falls jemand interessiert ist, kann ich nochmal recherchieren, welcher Ton es am Ende genau war.

      Stimmt, ich war früher einige Jahre im alten kaiserlichen Forum unterwegs und freue mich, mit Dir ein Mitglied von damals wiederzutreffen; die Welt ist klein :-). Das Modell im Hintergrund ist die Segeljacht Germania von 1908 in 1:44, mein letztes Projekt, bevor ich jetzt erstmal beim Kartonmodell gelandet bin. Zuvor hatte ich tatsächlich mehrfach auch das Schwesterschiff Meteor IV in meiner Werft, allerdings in kleineren Maßstäben.

      Viele Grüße,
      Henrik