HMS Mercury - Fregatte der Enterprize-Klasse, 1778; Shipyard-Modell, 1:72

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    • @Klueni: Tommi, mein Bester, hab ich jetzt einen Gedankenfehler oder du? Du hast vier Wanten auf jeder Seite, also werden das je Seite 2 Wantenpaare. Du legst also ein Tau, welches reichlich doppelt so lang ist wie der Abstand Rüstbrett zum Masttop um den Masttop. Die beiden Enden da oben dicht unter dem Masttop zusammenzubinden ist doch kein Akt!? Denn beide Enden gehen zur selben Schiffseite. Wie willst du da, vom Kleeden mal abgesehen, vereinfachen?

      Hier mal eines meiner Wantenpaare, damit wir beide vom selben Ding reden:


      Im Bau: HMS Mercury
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    • Ahoi Fritz,

      nein, bei ungerader Anzahl an Wanten wurden die beiden hintersten Wanten aus einem Ende hergestellt; das Auge für den Masttop baute man durch einen sog. Hufeisenspleiß, also im Prinzip so wie ich weiter vorn beim Hanger gezeigt habe. zwinker2

      Gruß,

      Bonden


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    • Bonden schrieb:

      So, man ist ja oft heute schlauer als gestern. Die Tauende der Wanten kreuzen die Wanten immer auf der Innenseite, nicht außen! Das hab ich also falsch gemacht. Nun ja, bei normalem Betrachtungsabstand erkennt man das nur mit superguten Augen und optimalen Lichtverhältnissen. Dennoch, bei den nächsten Wanten wird das selbstverständlich beachtet.
      Um allen zu verdeutlichen, was das in der Praxis heißt (und um meine Lernfähigkeit unter Beweis zu stellen grins 3 ), hier die korrekt gespannten Wanten auf der Backbordseite:


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    • Urlaub vorbei! traurig1 Morgen hat mich der Ernst des Lebens wieder, dann heißt es wieder warten aufs Wochenende, um in der Werft weiterzukommen. Aber immerhin gehe ich mit einer kleinen Freude in die Werftpause: Es ist Fockwantenhalbzeit! Acht von 16 Wanten stehen. (Der Tommi wäre bei dem Stand fertig mit seiner Alert... frech 1 )

      Und wie ich so die Bilder bearbeite, sehe ich, dass es da noch ein wenig nachzuspannen gibt - ist schon erledigt, aber dafür wollte ich jetzt nicht nochmal die Kamera bemühen. Da wird sowieso im Laufe des Baus immer wieder nachzuspannen sein; bis jetzt schaut es jedenfalls gut aus, was die ungefähre gleiche Höhe der Wantjungfern anbelangt.

      So, jetzt noch ein paar Bilder, und dann geht's am Wochenende wieder weiter. zwinker2




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    • petcarli schrieb:

      Lediglich eine (3. oder 4. ) steuerbord scheint auf den beiden Aufnahmen minimal etwas aus der Reihe zu tanzen.
      Ok, wenn du es sagst:


      Upps, das war ja Backbord! rotwerd1

      happy1

      Na, geschockt? Nee, nicht wirklich - wer meinen Baubericht bis hierher verfolgt hat, wundert sich über gar nichts mehr. frech 1
      Hintergrund ist die Reeperei. Ich war einfach unzufrieden mit dem Ergebnis meiner Tauschlagerei bei den dünnen Taljereeps. Nachdem ich dann aber die entscheidenden Tipps bekam, wie ich es besser machen kann, kamen plötzlich genau die Taue aus meiner Reeperbahn, die ich wollte. Also wurden die alten abgeschnitten und durch die neuen ersetzt - und betrachtet euch jetzt die vorher-nachher-Bilder, und ihr werdet mir Recht geben:


      Selbstverständlich hab ich das auch an Steuerbord gemacht. zwinker2 Und so bleibt es jetzt! grins 3


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    • Bonden schrieb:

      Und so bleibt es jetzt!
      Selten so gelacht. happy1



      Jetzt hält mich wahrscheinlich auch der letzte bisher noch positiv gestimmte Mensch hier für total bekloppt, aber ich hab die Wanten wieder runtergefetzt.
      Nun ja, gefetzt stimmt nicht ganz, die Taljereeps sind ganz geblieben, die werden nochmal verwendet. frech 1

      Was ist passiert? Ich habe ja erst kürzlich gezeigt, dass ich durch neue Erkenntnisse bezüglich meiner Tauschlägerei zu besseren Ergebnissen gekommen bin. Und da habe ich mir auch meine Wanten sehr kritisch betrachtet. Also wurde probehalber ein neues Wanttau geschlagen. Holla! Und schon war die Entscheidung gefallen; ich hätte mich sonst einfach nicht mehr wohlgefühlt mit meinem Schiffchen. Wenn man was besser machen und es auch noch ohne größere Abrissarbeiten umsetzen kann, dann soll man es auch tun. Nach der Devise handele ich ja bekanntlich schon einige Zeit bei meiner Mercury.

      Aber seht selbst: Das erste neugeschlagene Wantenpaar, natürlich wurde das vordere Wanttau wieder durchgehend gekleedet. Daneben habe ich nochmal eins von den alten Tauen steifgesetzt. Man erkennt deutlich die viel zu lang gezogenen Kardeele - sieht nicht wirklich gut aus:


      Die Hälfte der Wanttaue ist bereits neu geschlagen; Takelgarn ist alle, Nachschub wurde bereits bestellt.
      Auf jeden Fall haben diese Wanten jetzt relativ große Chancen, etwas länger an meinem Schiffchen verweilen zu dürfen... grins 3

      Bei der Gelegenheit wurde dann auch noch eine andere Korrektur vorgenommen: Ich hatte das eine Ende des Seitentakels an einer sehr ungünstigen, um nicht zu sagen total falschen Stelle des Rüstbrettes mittels eines dort eingelassenen Augbolzens eingehakt. Kenner der Materie sehen das auf dem obigen Bild: So kann der Penterbalken nicht zum Einsatz kommen, da sein Auflieger direkt hinter diesem Takel ist. Also einen neuen Augbolzen ins Rüsteisen gesteckt und befestigt, vom Seitentakel genug Spannung genommen, um es da unten auszuhaken, dann den Haken in den neuen Augbolzen, wieder straff ziehen und belegen. Jetzt ein Wantenpaar nehmen und die beiden Enden so legen, als ob das linke Ende die Pardune ist, die später an der kleineren Jungfer befestigt wird. Penterbalken in die Halterung - passt! daumen1


      Und wenn ich mir da jetzt so das Tau des Seitentakels anschaue... Da geht auch noch was! lala1


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    • Hallo Bonden!

      Respekt und Hut ab! cool1
      Für den Detailverliebten geht es immer noch ein bisschen besser, aber das ist Eigenkritik auf allerhöchstem Niveau. holmes1
      Für uns Zuschauer ist es natürlich eine Freude, mit solchen Feinheiten in die Geheimisse des laufenden und stehenden Gutes eingeführt zu werden. klasse1
      Immer weiter so! hüpf1
      Herzliche Grüße / Best regards,
      Andreas

      Optimismus ist die Kunst, mit dem Wind zu segeln, den andere machen.
      Alessandro Manzoni (1785 – 1873)

      Buddys Kartonuniversum
    • @petcarli Ahoi Fritz, danke für die netten Worte. Ja, ich bin ein lupenreiner Purist - ein Vielfältigkeitspurist. grins 3 Und was heute noch das Beste scheint, ist morgen plötzlich... siehe unten. frech 1

      @Buddy Auch dir danke, Andreas. Ich bin ja auch noch ein Lernender. Da beschäftige ich mich seit meinem 12. Lebensjahr mit historischen Segelschiffen - aber erst durch dieses Modell und den Kontakt mit ein paar echten Modellbaugöttern merke ich, was ich alles noch nicht weiß. Und daher hat Ludwig Recht:

      @Gnost Ja, stimmt, wat mutt, dat mutt. Ich durfte jetzt lernen, dass nicht nur das stehende Gut geteert wurde, sondern auch Teile des laufenden Guts, wenn auch nicht so intensiv wie das stehende. Ich zitiere hier mal einen Fachmann:
      "Alle Stricke, die in Bereichen angebracht waren, die mit Meerwasser in Berührung kamen, waren grundsätzlich durch die Verwendung von Stockholmteer geschützt. Die einen mehr (Wanten, Stage, Wasserstage, Pardunen), die anderen weniger (Taljen, Takel usw.), also Tauwerk, das bewegt werden mußte, aber nicht zum "Laufenden Gut" gehörte. Takel und Taljen wurden mittelstark geteert, Laufendes Gut leicht, und Stehendes Gut stark geteert "

      Und ein weiterer Fachmann meint: "Die hellen Taljen an Modellen sind ein Fauxpas, der sich durch alle Modellbaugenerationen durchzieht."

      Ich habe gute Gründe, diesen Leuten zu glauben. happy 2 Und es gibt sehr schöne Modelle, die dunkle Taljereeps zeigen. Es gibt aber auch wunderschöne und historisch auch sehr genaue Nachbauten, wie z.B. die schwedische Fregatte Gotheborg: In diesem Video wird so etwa ab 3:00 gezeigt, wie sie die Wanten nachspannen - mit geteerten Taljereeps.

      Und so wird wieder mal was abgeändert...

      Bonden schrieb:

      Auf jeden Fall haben diese Wanten jetzt relativ große Chancen, etwas länger an meinem Schiffchen verweilen zu dürfen...
      Ja, das bleibt auch so (vorerst...? frech 1 ) - aber die Taljereeps kommen nochmal ab, nehmen ein Tauchbad in extrem dunkler Beize und dürfen dann wieder an Bord.
      Hier mal der Vergleich alt - neu. Der damalige Teer war ja nicht schwarz, sondern eher von dunkler brauner Farbe. Und wenn denn solche Taue wie die Taljereeps nur mittelstark geteert wurden, könnte es so ausgesehen haben wie jetzt an meiner Mercury. Eins von den bisherigen Taljereeps habe ich daneben über die Rüstjungfern gelegt.


      Wer jetzt aufmerksam mitgelesen hat, könnte sofort einwenden, dass, wenn das mit der Farbe des Teers damals stimmt, meine Wanten auch nicht schwarz sein dürften. Stimmt! Aber die bleiben so - irgendwo ist da eine Grenze, die ich nicht überschreiten will. grins 3
      Beim nächsten Schiff wird das dann aber beachtet. zwinker2

      Und an alle Karton-Puristen der freundliche Hinweis, dass es bei einem Segelschiff in diesem Baustadium einfach nicht möglich ist, nur mit Karton zu bauen. Wanten aus Papier funktionieren hier irgendwie nicht. frech 1 Aber ich verspreche, dass es da auch noch einiges gibt, was aus Karton gebaut werden muss. Also gilt das Motto einer alten DDR-Fernsehsendung: Bleiben Sie schön neugierig! grins 3


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    • @Hagen von Tronje Danke! Nun ja, ich habe das Gefühl, an dem Modell könnte ich meinen Meister machen - aber soweit bin ich noch nicht.

      @Buddy Willkommen im Club. grins 3 Was ich in den letzten Monaten alles Neues erfahren habe, ist schon beachtlich - und ich vermute, es kommt noch jede Menge dazu. happy 2 Das Lernen höret nimmer auf, lautet ein bekanntes Zitat. Stimmt! daumen1


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    • Moin Bonden,

      na, da schmeisst Du ja mal wieder jede Menge alteingesessener Erkenntnisse über'n Haufen.... grins 1
      Was immer nun auch richtig sein mag....zumindest sieht das, was Du Dir da zusammentakelst, ausgezeichnet aus! cool1

      Ich für meinen Teil habe mich jedoch entschieden, in der Form weiter zu takeln wie bisher. Also mit hellen Jungfern, Blöcken, Taljereeps, schwarzem, stehendem Gut usw.
      Durch das viele Herunterreißen und wieder aufbauen wird der Kram nicht besser, wie ich an einer meiner Kanonen und heute auch an einer Klampe am Bugspriet erkennen musste.

      Deine Fregatte jedoch wird auf jeden Fall was außergewöhnlich Gutes! ja 2 ja 2 ja 2

      lg.
      Tommi
      ....und ab dafür! rollen1
      Vergammelte Werke
    • Nun ja,

      im Ernst, ich bin schon etwas erstaunt! Eine lange Zeit wird überall gepredigt, dass Wanten pottschwarz sind und Taljen und Webleinen auf keinen Fall geteert sind, denn dann würde ja das Deck verschmutzt und der Kapitän würden im Sechseck springen. Nun aber die Kehrtwendung? kratz1
      Obwohl ich sagen muss, es sieht so auch nicht schlecht aus! Aber das Argument von oben hatte ja auch etwas für sich:?

      Heute habe ich Kluenis Schiff im Original auf der ZAMA gesehen. Wenn ich ehrlich bin, ich würde es wahrscheinlich genauso wie Tommi halten. Ansonsten bin ich erst einmal froh, dass ich noch etwas Zeit bei mir bis dahin habe und so das Ganze mal setzen lassen kann.

      Wenn ich das alles so mal bedenke, ist das Resultat auf die Schnelle:

      Klueni schrieb:

      Deine Fregatte jedoch wird auf jeden Fall was außergewöhnlich Gutes!
      aber noch bevorzuge ich

      PRT schrieb:

      oder etwas außergewöhnlich Richtiges - wäre da nicht die Formulierung
      Doch Augenblick neige ich noch mehr zu folgender Kürzung:

      oder etwas Außergewöhnliches?

      Gruß
      Fritz
    • @petcarli Nun ja, Fritz, das mit dem pottschwarz ergibt sich, zumindest im Modellbau, einfach aus dem überschaubaren Angebot an käuflichen Takelgarnen. Und auch aus der Vorstellung und dem Wissen in der heutigen Zeit zum Thema Teer. Teer ist schwarz, das weiß man, man braucht ja bloß auf die Straße gucken.

      Damals verwendete man speziell im Schiffbau den sog. Stockholm-Teer. Der wurde aus Kiefern gewonnen und hatte, je nach dem wie er produziert wurde, eine mehr oder weniger dunkelbraune Farbe. Dazu kommt dann noch die Farbe des Ausgangsmaterials, also des Tauwerks - das war ja auch alles andere als weiß.

      Zu den Taljen hatte ich ja bereits etwas geschrieben, und auf denen trampeln die Seeleue ja auch nicht regelmäßig herum und machen sich die Füße dreckig. Wichtig ist, dass diese Taue vor den Einwirkungen des Salzwassers geschützt werden - löst sich ein Wanttau, weil das Taljerrep bricht, hat das unter ungünstigen Umständen weitaus verheerende Auswirkungen als wenn irgendwo am Marssegel eine Brasse reißt...

      Bei den Webleinen ist es etwas anders - hier würde eine fette Teerung in der Tat dazu führen, dass die Seeleute pausenlos das Deck verdrecken würden. Aber andererseits ist das auch nicht auszuschließen, denn sie müssen bei ihrer Arbeit in der Takelage die Füße auch immer wieder auf Stellen mit gut geteertem stehenden Gut setzen. Daher wurde ja auch - zumindest auf Kriegsschiffen - täglich das Deck geschrubbt. Hauptsächlich um die Salzreste zu entfernen vom Meerwasser, aber eben auch die Teerflecken. Und auch die Webleinen, die ja auch täglichen Beanspruchungen ausgesetzt waren, mussten geschützt werden. Und durch das ständige Anfassen und Draufrumlatschen von Matrosenhänden und -füßen wurden sie auch nicht heller. Insofern muss man sich wohl wirklich ernsthaft überlegen, in welchem Farbton man sie will. zwinker2


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    • Ahoi allerseits,

      gut, daß das mal in aller Deutlichkeit so gesagt wurde: ganz schwarz ist nicht zutreffend, und hell trifft's auch nicht. Heute hat man da keine Ausrede mehr, denn wie historisches Tauwerk aussah, kann man im Internet recherchieren (oder in manchen Büchern über Tauwerk, Knoten etc.).

      Gratuliere zur derzeitigen(?) Version der Wanten, Bonden: die sehen tatsächlich noch schöner aus als ihre Vorgänger (die aber auch schon nicht schlecht waren). Weiter so, das gefällt mir extrem! Ruhig am Anfang ein paar mal testen, nachbessern, abändern – und erst dann die Serienproduktion starten.

      Noch was zu den gleichlangen Taljen (was Du aber natürlich weißt!): die Vorstellung von schön gleichlangen Taljen an den Rüsten ist Modellbau-Ästhetik. Man kann sich heute kaum mehr vorstellen, wie nervig dieses Naturfaserzeugs war: wenn die Wanten nass warn, hingen sie durch und mussten nachgespannt werden. Trockneten sie, zogen sie sich wieder zusammen und spannten extrem, mussten also wieder gelöst werden. Ja, sogar das Herumschwanken in der Flaute tat dem Tauwerk nicht gut: Zug - Lose – Zug – Lose … Natürlich reckten sich die Wanten und Pardunen nicht alle gleich, also waren dann auch die Taljen nicht schön ausgerichtet. Aber sooo realitätsnahe muß es ja nicht sein.

      Beste Grüße
      CLaudia
    • Ahoi Claudia,

      danke für dein tolles Feedback! daumen1 Du hast hinsichtlich des einheitlichen Abstandes von unterer zu oberer Jungfer völlig Recht - aber es gibt offenbar so ein paar ungeschriebene (bzw. in dem Fall sogar geschriebene, siehe Mondfeld und andere) Gesetze beim Bau historischer Schiffsmodelle, die man ohne triftige Gründe besser nicht verletzen sollte. grins 3 Ich unterstelle einfach mal, dass meine Mercury erst kürzlich zur Überholung in der Werft war, daher schaut alles noch relativ neu aus. zwinker2

      Heute hatte ich ein kleines Päckchen in der Post: Nachschub an Takelgarn, da ich ja etliche Taue neu schlagen will, und ein feines Kettchen. Das gab mir Gelegenheit zu einem kleinen Intermezzo - wer will schon immer nur Wanten anbringen...
      Weiter vorn hatte ich ja gezeigt, wie ich die Sorgleine angebracht hatte: Falsch! Sie hing zu sehr durch, hätte so teilweise ständig im Wasser gehangen, was dem Material ja nicht wirklich gut tut.
      Damit nicht alle hektisch in meinem Baubericht blättern müssen, hier zum einen das Vorher-Bild und zum anderen die Erklärung, bevor dann das Nachher-Bild folgt:


      Bonden schrieb:

      Sorgleinen? werden jetzt einige fragen, was soll das denn? Nun, ich habe ja eben erläutert, wie das Ruder am Achtersteven befestigt wird. Nun stellt euch vor, es ist rauhe See, Brecher treffen auf das Schiff, schütteln es unkontrolliert durch. Da kann es schon mal passieren, dass das Ruder aus den Scharnieren springt - und dann ist Platsch und Geschrei und Ruder weg. Nicht aber, wenn man eine Sorgleine hat! Die war zumeist keine wirkliche Leine, sondern eine Kette. Das wusste auch Shipyard und hat eine Kette aus Messing mitgeliefert. Nach dem Brünieren sah sie gut aus, und witzigerweise ging sie mir beim Rausholen aus der Brünierbrühe kaputt - und das so ziemlich in der Mitte. Passend, wollte ich sie doch eh teilen. Zur Befestigung am Schiff habe ich die beiden Teile jeweils an beiden Enden mit einem kleinen Augbolzen verbunden.
      Auf dem Bild ist deutlich zu sehen, dass die beiden Ketten zu tief hängen. Ich hatte mich schlau gemacht und gelernt, dass es verschiedene Befestigungsvarianten gibt. Außerdem erfuhr ich, dass die Sorgleinen auch dazu dienten, im Falle von Störungen an den Rudertaljen mit ihnen eine Art Notsteuerung zu realisieren. @Gnost Ludwig hatte mich in dem Zusammenhang damals darauf hingewiesen, dass die Sorgleinen mittels weiterführender Taue an den Rumpfseiten belegt wurden. Ob ich diese Taue noch anbringe, weiß ich noch nicht - die Historiker-Experten führen dazu höchst interessante Diskussionen, die ich jetzt hier aber nicht referieren möchte. grins 3
      Mir war wichtig, die Sorgleinen neu zu bauen; mittels der Kette aus meiner heutigen Lieferung war das dann auch möglich. Ist gar nicht so einfach, so eine feingliedrige und vor allem wie eine Schiffskette und nicht wie geklauter Schmuck aussehende Kette zu bekommen. Also, da gab es ja eine Goldkette im Schmuckkästchen von Mrs. Bonden, aber sie wollte mir partour nicht gestatten, diese ins Brünierbad zu schmeißen und anschließend an meinem Schiff anzubringen. Frauen sind manchmal schon ein wenig seltsam... frech 1

      Und hier nun das Nachher-Bild. Jetzt baumeln die Ketten nicht permanent im Wasser; so soll es sein.


      Wie gesagt, nur ein kleines Intermezzo, aber der Baubericht wäre unvollständig, wenn ich nicht darüber berichten würde. happy 2


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    • Hallo Bonden

      Meisterklasse! Ich weiss gar nicht, was ich da noch sagen soll, da seid Ihr vier meisterlichen Bauer von historischen Schiffen, und mich würde das eigentlich auch unheimlich reizen. Aber ich werde es bei weitem nicht annähernd in diese Klasse schaffen. Aber vielleicht tut ein Kontrast auch gut happy1
      Vorerst bin ich aber noch anderweitig beschäftigt und schaue Euch gebannt bei Eurer Kunst zu!

      Freundliche Grüsse
      Peter
      Wenn Schokolade die Antwort ist, dann ist die Frage unwichtig ostern 3

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      Meine versemmelten Werke
    • petcarli schrieb:

      denn gemäß Deines letzten Bildes bist Du wohl noch nicht in 2017 angekommen!
      Pah, ich baue ein über 200 Jahre altes Schiff, da kommt's auf das eine Jährchen nicht an. grins 3 Aber danke für den Hinweis, muss ich gleich mal ändern für künftige Bilder.

      @Peter_H Danke für deine netten Worte; und gebanntes Zuschauen ist hier jederzeit erwünscht. zwinker2 Und dann noch dazu etwas:

      Peter_H schrieb:

      Aber ich werde es bei weitem nicht annähernd in diese Klasse schaffen.
      Keine Angst vor großen Tieren, Peter, wir haben alle mal klein angefangen. cool2 happy 2


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    • Moin Bonden,


      Bonden schrieb:

      ......keine Angst vor großen Tieren, Peter, wir haben alle mal klein angefangen.......
      ....stimmt genau, ich bin gerade dabei.... . grins 1 ...
      Dein gülden Sorgleinen-Kettschen macht sich allerliebst unterhalb des Sterns der 38-Kanonen-Dame.
      Wenn man mit diesen Leinen tatsächlich eine Art Notruderbedienung durchführen konnte, wurden die Dinger denn in das Schiffsinnere hineingeführt? Würd dann ja Sinn machen.
      Soweit mir bislang bekannt war, wurden die Sorgleinen lediglich außen auf der Bordwand belegt. denk1

      Aber da Du ja jemanden zu haben scheinst, der Dir da über die Jahrhunderte hinweg ständig was Neues in's Öhrli flüstert augenbraue1 ....vielleicht gibt's ja neue Erkenntnisse?

      lg.
      Tommi
      ....und ab dafür! rollen1
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    • Klueni schrieb:

      Dein gülden Sorgleinen-Kettschen macht sich allerliebst unterhalb des Sterns der 38-Kanonen-Dame.
      @Klueni Ahoi Tommi, zwei Korrekturen erlaubst du mir sicher: Das Kettchen ist mitnichten gülden, es schimmert nur so im Licht, wurde aber einem ausgiebigen Brünierbad unterzogen. Und meine Mercury hat lediglich 32 Kanonen, happy 2 Aber eine treffsichere und gut eingespielte Mannschaft - da nehmen wir es mit jeder größeren Fregatte auf, harr harr! pirat1
      Wie ein Notruder aussehen kann, habe ich ja mit der verlinkten Zeichnung gezeigt. Eine Spiere als Notpinne ließ sich meist noch auftreiben; Seeleute waren damals ja sehr erfinderisch.
      Der Begriff "Sorgleine" suggeriert ja nicht unbedingt eine Kette. Die Kette sollte verhindern, dass das Ruderblatt abhanden kommt, wenn es, wie oben bereits beschrieben, ungewollt ausgehängt wird. Die an den Enden der Ketten befestigten und außen an der Bordwand weitergeführten Taue wurden benötigt, wenn z.B. der Ruderstand weggeschossen wurde.


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    • Hier mal etwas speziell für @Klueni und @petcarli :

      Tommi und Fritz, ihr habt ja auch die Kleedemaschine von Chuck gekauft. Für mich das größte Manko ist die Kurbelvorrichtung. Ich hatte über eine Motorlösung nachgedacht, ähnlich wie bei der Reeperbahn, aber das war mir dann doch zu aufwändig. Also habe ich ein ausgemustertes Stück Rundholz genommen, in das eine Ende ein Loch gebohrt, ebenso in den einen Kurbelarm, und dann mit einer Schraube fest miteinander verbunden. Kurbelt sich jetzt wesentlich leichter!
      Nicht wundern - ich bin so ein halber Linkshänder, daher steht die Maschine für eure Augen gewissermaßen verkehrt herum. happy 2


      P.S.: Speziell für Fritz: Beachte die Jahreszahl im Wasserzeichen! flüstern1 grins 3


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    • Moin Bonden,

      diese kleine Kurbel könnte tatsächlich eine Verbesserung darstellen. Dieses Kurbeln nur mit einem Finger ist auf Dauer nicht nur anstrengend, sondern tut auch weh.
      Wenn sich die Kurbel dann noch in sich selbst dreht, also hohl mit durchgehender Achse ist, dürfte das wesentlich besser gehen! ja 2
      Schaun mer mal! arbeit2
      lg.
      Tommi
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    • @Klueni Ja, Tommi, das hatte ich auch überlegt, die Kurbel beweglich zu machen, aber ich hatte nix Passendes da, und ehrlich, das geht mit dem relativ dicken und schön glatten Rundholz richtig gut. Da waren meine neuen Wanten heute ratz-fatz gekleedet, und ich konnte weitermachen.

      Erneut habe ich Fockwanten-Halbzeit. Auch wenn Claudia völlig Recht hat hinsichtlich der gleichen Höhe aller Wantjungfern - der eifrige Schiffchenbastler bemüht sich dennoch um eine schöne gerade Linie. grins 3 Ich bin da heute auf einen simplen Trick gekommen, den wahrscheinlich passionierte Segelschiffbauer schon kennen: Will man geringfügige Höhenunterschiede korrigieren, hilft es, das betreffende Wanttau nochmal zu lösen und dann in sich in die entsprechende Richtung zu drehen, also faktisch das Tau noch ein bischen zu reepen zum Verkürzen oder "ent-reepen" zum Verlängern. Allzu viele Umdrehungen sollte man nicht machen, da dann der Drang des Taues, sich zurückzudrehen, enorm ist. Das führt dann dazu, dass die obere Wantjungfer schief steht. Aber kleine Differenzen kann man so gut beheben.
      Und mit diesem Bild geht's dann wieder in die Arbeitswochenpause - am Wochenende wird dann wieder in der Werft malocht. happy 2


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    • Es geht derzeit recht langsam auf meiner Werft voran, obwohl ich jedes Wochenende fleißig am Werkeln bin. Aber heute kann ich mal wieder eine kleine Erfolgsmeldung verkünden: Die Unterwanten am Fockmast stehen jetzt alle! freu1
      Es gab ein paar sehr zeitintensive "Besonderheiten", so manche Wantjungfer wurde bis zu dreimal eingebunden und dann wieder gelöst... Den meisten Spaß hatte ich, als sich eine der Rüstjungfern vom Rüsteisen löste. Und dazu die Preisfrage: Mit Blick auf den Fockmast - wo, meint ihr, passiert sowas, wenn sowas passiert? Richtig: Genau hinter dem Schweinsrücken/Ankerscheuer! Also musste ich den seeeehr vorsichtig abpulen, das Rüsteisen reparieren bzw. ersetzen und dann wieder das Teil dranpappen. Immerhin, man sieht nichts mehr davon. Ein Glück auch... frech 2 Und für das nächste Schiff merken wir uns: Ankerscheuer erst anbringen, wenn die Wanten stehen! grins 3
      Im Schnitt benötige ich je Wantpaar zwischen einer und zwei Stunden, da ich mir wirklich jedes einzeln vornehme. Mittlerweile habe ich aber meine Technik so optimiert, dass ich wohl künftig mit weniger Zeit auskommen werde.
      Kleinere Abweichungen bei der Höhe der Wantjungfern werden beim späteren endgültigen Steifsetzen noch korrigiert; im Übrigen hat ja Claudia dazu weiter vorn sehr treffend etwas geschrieben.

      Hier nun was zum Schauen:




      Ein Detailblick zum Masttop: Mit den gekleedeten Wanttauen sieht der Top irgendwie... aufgeräumt aus. Ich sag's mal so: Ich find es geil!


      Jetzt kommen als nächstes Stag und Borgstag dran sowie die Püttingswürste, Schwichtschenkel und Püttingswanten.
      Wenn da jetzt einige Begrifflichkeiten noch unklar sein sollten: Geduld, ich zeige und erkläre das dann alles am "lebenden" Objekt. grins 3


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    • Hallo Bonden

      Das sieht wirklich hervorragend aus! Deine Mercury wird ein absolutes Prunkstück und ich würde viel darum geben, diese einmal live zu sehen. Aber Mespelbrunn wird wohl nicht möglich sein für mich, obwohl, ein winzig kleiner Funken Hoffnung besteht noch engel1

      Freundliche Grüsse
      Peter
      Wenn Schokolade die Antwort ist, dann ist die Frage unwichtig ostern 3

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