HMS Mercury - Fregatte der Enterprize-Klasse, 1778; Shipyard-Modell, 1:72

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Gnost wrote:

      Und mir kannst du mit deinen Fachausdrücken nicht imprägnieren! Hab schließlich 11 Sesterzen an der Uni stufiziert!
      Der ist ja sowas von gut happy1 die Fachausdrücke verstehe ich sogar.....oder denk1
      Die Texte zu den Bildern lese ich schon lange nicht mehr, Mich regt das fürchterlich auf, dass ich nicht verstehe was da steht. Also schaue ich lieber die Bilder an und genieße, denn die sind echt der Hammer...............
      Es grüßt der
      Helmut
      aus dem Bergischen
    • Ahoi allerseits,

      es hat sich einiges getan in meiner Werft, und um es gleich voran zu schicken: Ich bin wieder ganz der Alte, sprich, es wurde mal wieder was abgerissen. grins 2 Aber dazu später.

      Ich will heute mal versuchen, etwas mehr die Fachausdrücke zu erklären, da ich gern möchte, dass möglichst alle wissen, wovon ich hier schreibe. Ich gebe zu, es ist ja manchmal echt verwirrend mit den unterschiedlichen Bezeichnungen für scheinbar die gleichen Dinge.

      Das fängt ja bereits beim Mast an. Für einen unbedarften Schiffsgucker ist der Mast das lange Ding, welches aus dem Deck kommt und irgendwo da oben kurz vor den Wolken aufhört. An sich erst einmal nicht verkehrt, aber geht man ins Detail, wird es kompliziert. Bei meinem Schiff bestehen die Masten aus drei Teilen. Da haben wir den Untermast, der jedesmal anders heißt: Vorn ist es der Fockmast, in der Mitte der Großmast und hinten der Besanmast oder auch Kreuzmast. Dann kommt die Marsstenge, die auch wieder ganz unterschiedlich bezeichnet wird. Auf dem Fockmast sitzt nämlich nicht etwa die Fockmarsstenge, sondern die Vormarsstenge. Großmarsstenge und Kreuzmarsstenge folgen dann auf dem Weg zum Heck des Schiffes. Das selbe Prinzip gilt dann für die Vorbramstenge, Großbramstenge und Kreuzbramstenge.

      Was bei mir also aktuell noch fehlte, war die Vorbramstenge. Das Rundholz dafür habe ich vorher noch etwas nachbearbeitet, den Stengehummer (also den Absatz, auf dem später die Wanten liegen) etwas herausgearbeitet und zwei Scheibgats eingesetzt. Also nicht wirklich, aber es sieht so aus, als ob da Scheibgats drin wären, und die Funktion der beiden Öffnungen ist die selbe wie in echt. In dem Fall also für Tauwerk des Außenklüvers und für das Drehreep der Bramrah.
      Ach ja, Scheibgats: Das sind in ein Rundholz oder auch in die Bordwand eingearbeitete Laufrollen, über die Taue geführt werden.
      Drehreep: Eine Befestigungsart für die Rahen, also die Querhölzer am Mast - bis dahin haben wir aber hier in diesem Baubericht noch etwas Zeit... happy 2


      Nun wurden die Wanten vorbereitet, also die Taue, die die Stenge seitlich abstützen. Auch diese Taue habe ich natürlich wieder selbst geschlagen und auch gekleedet.
      Die beiden vorderen Bramwanten wurden wieder jeweils paarweise aufgelegt, das heißt, es gab auf jeder Seite ein Auge mit Plattbindselung, und auch hier kam zwischen die beiden Wanten eine Kausche zur Führung der Bramtopnanten. Für diese Arbeiten bewährt sich meine tolle Lupenlampe immer wieder aufs Neue. Kein Augenverbiegen mehr, und dank der dritten Hand ist es ein feines Arbeiten mit dem fizzligen Kram. Auf den Fotos sieht man die Kausche sehr gut, durch die später ein Tau laufen wird, und auch das "Auge", also die obere Schlaufe, die dann über die Stenge geschoben wird, mit der Plattbindselung, ist gut zu erkennen.




      Auch hier ist der spannendste Part das Durchfädeln der Wanten durch die Öffnungen in den Quersalingen, also den dünnen Streben, die am ende der Marsstenge zu sehen sind. Nun, die ersten beiden sind durch, also 1/3 geschafft.


      Für Want Nummer 3 wird wieder ein durchgehendes Tau für beide Seiten geschlagen und in der Mitte gekleedet. Mit einem gekleedeten Stück Tau wird ein Auge angesetzt, so dass auch dieses Want Halt auf der Stenge findet.


      Dann wieder das spannende Durchfädeln, was doch dann auch tatsächlich ohne Schäden klappt.


      Da macht sich dann doch Erleichterung breit: Keine einzige Beschädigung an allen drei Salingen! Nun werden die Wanttaue hinter der Püttingswurst der Marswanten zur Marsplattform geführt. (Püttingswurst: Ein gekleedetes Stück Tau oder auch Rundholz, welches von hinten an den Marswanten befestigt wird und genau diese Aufgabe hat, nämlich die Bramwanten zur Marsplattform zu leiten)


      Hier hatte ich auch schon kleine Stropps mit eingebundener Kausche hinter drei der vier Marsjungfern angebracht. Man sieht sie nicht immer gleich, daher mal die Pfeile.


      Gleich geht's weiter...

      Im Bau: HMS Mercury
      Für eure Schnippel- und Klebepausen: www.karton-im-wind.de welcome1
    • An die Enden der Wanttaue kommen nun wieder Kauschen. Vorher muss ich mir die aber noch anfertigen. Will ich auch nochmal zeigen: Für die Kauschen habe ich Messingrohre mit verschiedenen Durchmessern, und zu jedem Messingrohr habe ich ein passendes Stück Federstahl. So lassen sich dann mit dem Kuttermesser wunderbar dünne Scheiben abschneiden. Anschließend werden diese auf einen dünnen Draht gefädelt und dürfen eine Weile im Brüniermittel baden. Abspülen, trocken tupfen und schon kann es weitergehen.





      Wie ich die direkt am Mast in das Tauende einbinde, habe ich ja bereits an der Großbramstenge gezeigt.

      Dann werden die Bramwanten mittels Taljereep zwischen den beiden Kauschen festgezogen. auch hier ist wieder eine gehörige Portion Vorsicht geboten, um die dünne Stenge nicht zu knicken. Aber auch das ging gut. Ich hoffe, man kann die festgezurrten Bramwanten gut sehen.


      Und da es so gut läuft, werden gleich die Taue für die Pardunen geschlagen und gekleedet. Auch hier wieder zwei an jeder Seite, also paarweise, Auge, Plattbindselung - ihr kennt das jetzt.

      Die Pardunen dienen als zusätzliche seitliche Abstützung; sie sichern im Gegensatz zu den Wanten jeweils das gesamte Stück Mast, also die Marspardunen die Marsstenge und den Untermast und die Brampardunen dann logischerweise Bramstenge, Marsstenge und Untermast. Die Pardunen werden auf die selbe Art wie die Wanten steifgesetzt, also gestrafft: Man verbindet eine am Rumpf auf einem Rüstbrett angebrachte Jungfer (Rüstjungfer) mittels einen Taljereeps (also eines Taus, mit dem man etwas straff setzt) mit der am Ende der Pardune angebrachten Pardunenjungfer.

      Tja, und dann sind wir auch schon beim aktuellen Abriss. So ziemlich die ersten Takelarbeiten, die ich vor vielen Monden tätigte, war jede Menge Tauwerk am Klüverbaum. Und das war noch in einer Zeit, in der ich noch nicht die entscheidenden Hinweise hatte, die dann mein Taueschlagen erheblich verbessert hatten. Je öfter ich mir die Stricke an der Spitze des Klüverbaums anschaute, desto unzufriedener wurde ich. Also runter den ganzen Kram und neu gemacht.


      Was man auf dem Bild auch sieht, wenn man weiß, dass es das ist: Rechts neben dem Kragen des Fockborgstags habe ich dem Klüverbaum eine ordentliche Zurring spendiert, damit er auch schön fest sitzt. Sieht die Bauanleitung zwar nicht vor, aber die Praxis schon. Das heißt, ich habe mit einem Tau, welches ich achtförmig immer wieder um den Bugspriet und den Klüverbaum geführt habe und am Ende zwischen Bugspriet und Baum um sich selbst mit ein paar Rundschlägen befestigt habe, den Klüverbaum fest mit dem Bugspriet verbunden.

      Das erste, was dann an den Baum kommt, sind die Fußpferde, also Taue, auf denen die Seeleute stehen konnten, wenn sie da vorn zu arbeiten hatten. Damit die Matrosen einen besseren Halt darauf fanden, wurden spezielle Knoten, sog. Türkenköpfe, in die Fußpferde eingeflochten. Bei mir tun es ein paar aus dünnem Garn gesetzte Knoten; um mir diese Arbeit zu erleichtern, habe ich das Tau in meine Kleedemaschine gespannt.


      Und schon sind sie da, wo sie hingehören. Doch damit nicht genug in Sachen Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Seeleute.


      Gleich geht's weiter.

      Im Bau: HMS Mercury
      Für eure Schnippel- und Klebepausen: www.karton-im-wind.de welcome1
    • Hier mal so zwischendurch der Arbeitsstand bis jetzt.


      Was das hier wohl wird? Ein Tau, an beiden Enden Kauschen eingebunden, hmm.


      Und da sehen wir das Gebilde schon in Aktion. Diese beiden Leitkauschen dienen der Führung der Laufstage. Diese gaben den Seeleuten beim Begehen des Bugspriets Halt. Ein Ende wird am Eselshaupt des Bugspriets an einem Augbolzen festgemacht, das andere durch die Leitkausche zum Bug geführt, wo mittels eingebundener Kausche am anderen Ende sowie einem Taljereep und einem Augbolzen im Bug unterhalb der vorderen Timberheads (die schwarzen Knubbel auf der Reling) das Laufstag steifgesetzt wurde.


      So schaut die Mercury aktuell aus.


      Die nächsten Schritte werden das Setzen des Vorbramstags sowie die vorbereitenden Arbeiten für die Backstage sein. Das heißt, dass ich dann auch die erste Rah anbringen werde, denn die Backstage laufen durch Leitkauschen, die auf der Blindenrah befestigt werden. Das erläutere ich dann genauer, wenn ich es auch hier zeigen kann. zwinker2

      Und so nähern wir uns langsam, aber unweigerlich dem laufenden Gut...

      Ich hoffe, meine Erklärungen waren ein wenig hilfreich. Ansonsten immer munter drauflos fragen! happy 2

      Es grüßt

      Bonden

      Im Bau: HMS Mercury
      Für eure Schnippel- und Klebepausen: www.karton-im-wind.de welcome1
    • Ahoi Bonden

      Eins muss mal gesagt sein:
      ich finde nicht nur Dein Modell absolut aussergewöhnlich, ich staune auch immer wieder, wie viel Zeit Du in die Dokumentation des Modelles steckst. Das macht meiner Meinung nach das ganze zu einem "Gesamt-Kunstwerk allererster Güte"!
      Für mich als Fast-Laie arbeitest Du auf einem Niveau, das zwar Vorbild-Charakter hat, ich mir aber bewusst bin, dass ich da niemals hin komme. Das beruhigt mich, denn ansonsten würde ich vermutlich mein Modell längst in die Tonne treten! Aber mit diesem Bewusstsein motivierst Du mich immer wieder aufs Neue, MEIN bestes zu geben und sogar ab und zu auch mal einer Unzufriedenheit nach zu geben und etwas neu zu machen. So, dass ICH danach zufrieden bin.
      Danke für die Zeit, die Du investierst!!

      Beste Grüsse vom Süsswassermatrosen
      Peter
      Meine grösste Angst: Dass ich irgendwann erwachsen werde... happy 2

      Aus Leidenschaft: pierresuisse.ch
      Beruf und Hobby vereint: kamoga.ch
      Aus Freude: mein-modellbau.jimdo.com

      Meine versemmelten Werke