HMS Mercury - Fregatte der Enterprize-Klasse, 1778; Shipyard-Modell, 1:72

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    • Gnost wrote:

      Und mir kannst du mit deinen Fachausdrücken nicht imprägnieren! Hab schließlich 11 Sesterzen an der Uni stufiziert!
      Der ist ja sowas von gut happy1 die Fachausdrücke verstehe ich sogar.....oder denk1
      Die Texte zu den Bildern lese ich schon lange nicht mehr, Mich regt das fürchterlich auf, dass ich nicht verstehe was da steht. Also schaue ich lieber die Bilder an und genieße, denn die sind echt der Hammer...............
      Helmut
      aus dem Bergischen
    • Ahoi allerseits,

      es hat sich einiges getan in meiner Werft, und um es gleich voran zu schicken: Ich bin wieder ganz der Alte, sprich, es wurde mal wieder was abgerissen. grins 2 Aber dazu später.

      Ich will heute mal versuchen, etwas mehr die Fachausdrücke zu erklären, da ich gern möchte, dass möglichst alle wissen, wovon ich hier schreibe. Ich gebe zu, es ist ja manchmal echt verwirrend mit den unterschiedlichen Bezeichnungen für scheinbar die gleichen Dinge.

      Das fängt ja bereits beim Mast an. Für einen unbedarften Schiffsgucker ist der Mast das lange Ding, welches aus dem Deck kommt und irgendwo da oben kurz vor den Wolken aufhört. An sich erst einmal nicht verkehrt, aber geht man ins Detail, wird es kompliziert. Bei meinem Schiff bestehen die Masten aus drei Teilen. Da haben wir den Untermast, der jedesmal anders heißt: Vorn ist es der Fockmast, in der Mitte der Großmast und hinten der Besanmast oder auch Kreuzmast. Dann kommt die Marsstenge, die auch wieder ganz unterschiedlich bezeichnet wird. Auf dem Fockmast sitzt nämlich nicht etwa die Fockmarsstenge, sondern die Vormarsstenge. Großmarsstenge und Kreuzmarsstenge folgen dann auf dem Weg zum Heck des Schiffes. Das selbe Prinzip gilt dann für die Vorbramstenge, Großbramstenge und Kreuzbramstenge.

      Was bei mir also aktuell noch fehlte, war die Vorbramstenge. Das Rundholz dafür habe ich vorher noch etwas nachbearbeitet, den Stengehummer (also den Absatz, auf dem später die Wanten liegen) etwas herausgearbeitet und zwei Scheibgats eingesetzt. Also nicht wirklich, aber es sieht so aus, als ob da Scheibgats drin wären, und die Funktion der beiden Öffnungen ist die selbe wie in echt. In dem Fall also für Tauwerk des Außenklüvers und für das Drehreep der Bramrah.
      Ach ja, Scheibgats: Das sind in ein Rundholz oder auch in die Bordwand eingearbeitete Laufrollen, über die Taue geführt werden.
      Drehreep: Eine Befestigungsart für die Rahen, also die Querhölzer am Mast - bis dahin haben wir aber hier in diesem Baubericht noch etwas Zeit... happy 2


      Nun wurden die Wanten vorbereitet, also die Taue, die die Stenge seitlich abstützen. Auch diese Taue habe ich natürlich wieder selbst geschlagen und auch gekleedet.
      Die beiden vorderen Bramwanten wurden wieder jeweils paarweise aufgelegt, das heißt, es gab auf jeder Seite ein Auge mit Plattbindselung, und auch hier kam zwischen die beiden Wanten eine Kausche zur Führung der Bramtopnanten. Für diese Arbeiten bewährt sich meine tolle Lupenlampe immer wieder aufs Neue. Kein Augenverbiegen mehr, und dank der dritten Hand ist es ein feines Arbeiten mit dem fizzligen Kram. Auf den Fotos sieht man die Kausche sehr gut, durch die später ein Tau laufen wird, und auch das "Auge", also die obere Schlaufe, die dann über die Stenge geschoben wird, mit der Plattbindselung, ist gut zu erkennen.




      Auch hier ist der spannendste Part das Durchfädeln der Wanten durch die Öffnungen in den Quersalingen, also den dünnen Streben, die am ende der Marsstenge zu sehen sind. Nun, die ersten beiden sind durch, also 1/3 geschafft.


      Für Want Nummer 3 wird wieder ein durchgehendes Tau für beide Seiten geschlagen und in der Mitte gekleedet. Mit einem gekleedeten Stück Tau wird ein Auge angesetzt, so dass auch dieses Want Halt auf der Stenge findet.


      Dann wieder das spannende Durchfädeln, was doch dann auch tatsächlich ohne Schäden klappt.


      Da macht sich dann doch Erleichterung breit: Keine einzige Beschädigung an allen drei Salingen! Nun werden die Wanttaue hinter der Püttingswurst der Marswanten zur Marsplattform geführt. (Püttingswurst: Ein gekleedetes Stück Tau oder auch Rundholz, welches von hinten an den Marswanten befestigt wird und genau diese Aufgabe hat, nämlich die Bramwanten zur Marsplattform zu leiten)


      Hier hatte ich auch schon kleine Stropps mit eingebundener Kausche hinter drei der vier Marsjungfern angebracht. Man sieht sie nicht immer gleich, daher mal die Pfeile.


      Gleich geht's weiter...

      Im Bau: HMS Mercury
      Für eure Schnippel- und Klebepausen: www.karton-im-wind.de welcome1
    • An die Enden der Wanttaue kommen nun wieder Kauschen. Vorher muss ich mir die aber noch anfertigen. Will ich auch nochmal zeigen: Für die Kauschen habe ich Messingrohre mit verschiedenen Durchmessern, und zu jedem Messingrohr habe ich ein passendes Stück Federstahl. So lassen sich dann mit dem Kuttermesser wunderbar dünne Scheiben abschneiden. Anschließend werden diese auf einen dünnen Draht gefädelt und dürfen eine Weile im Brüniermittel baden. Abspülen, trocken tupfen und schon kann es weitergehen.





      Wie ich die direkt am Mast in das Tauende einbinde, habe ich ja bereits an der Großbramstenge gezeigt.

      Dann werden die Bramwanten mittels Taljereep zwischen den beiden Kauschen festgezogen. auch hier ist wieder eine gehörige Portion Vorsicht geboten, um die dünne Stenge nicht zu knicken. Aber auch das ging gut. Ich hoffe, man kann die festgezurrten Bramwanten gut sehen.


      Und da es so gut läuft, werden gleich die Taue für die Pardunen geschlagen und gekleedet. Auch hier wieder zwei an jeder Seite, also paarweise, Auge, Plattbindselung - ihr kennt das jetzt.

      Die Pardunen dienen als zusätzliche seitliche Abstützung; sie sichern im Gegensatz zu den Wanten jeweils das gesamte Stück Mast, also die Marspardunen die Marsstenge und den Untermast und die Brampardunen dann logischerweise Bramstenge, Marsstenge und Untermast. Die Pardunen werden auf die selbe Art wie die Wanten steifgesetzt, also gestrafft: Man verbindet eine am Rumpf auf einem Rüstbrett angebrachte Jungfer (Rüstjungfer) mittels einen Taljereeps (also eines Taus, mit dem man etwas straff setzt) mit der am Ende der Pardune angebrachten Pardunenjungfer.

      Tja, und dann sind wir auch schon beim aktuellen Abriss. So ziemlich die ersten Takelarbeiten, die ich vor vielen Monden tätigte, war jede Menge Tauwerk am Klüverbaum. Und das war noch in einer Zeit, in der ich noch nicht die entscheidenden Hinweise hatte, die dann mein Taueschlagen erheblich verbessert hatten. Je öfter ich mir die Stricke an der Spitze des Klüverbaums anschaute, desto unzufriedener wurde ich. Also runter den ganzen Kram und neu gemacht.


      Was man auf dem Bild auch sieht, wenn man weiß, dass es das ist: Rechts neben dem Kragen des Fockborgstags habe ich dem Klüverbaum eine ordentliche Zurring spendiert, damit er auch schön fest sitzt. Sieht die Bauanleitung zwar nicht vor, aber die Praxis schon. Das heißt, ich habe mit einem Tau, welches ich achtförmig immer wieder um den Bugspriet und den Klüverbaum geführt habe und am Ende zwischen Bugspriet und Baum um sich selbst mit ein paar Rundschlägen befestigt habe, den Klüverbaum fest mit dem Bugspriet verbunden.

      Das erste, was dann an den Baum kommt, sind die Fußpferde, also Taue, auf denen die Seeleute stehen konnten, wenn sie da vorn zu arbeiten hatten. Damit die Matrosen einen besseren Halt darauf fanden, wurden spezielle Knoten, sog. Türkenköpfe, in die Fußpferde eingeflochten. Bei mir tun es ein paar aus dünnem Garn gesetzte Knoten; um mir diese Arbeit zu erleichtern, habe ich das Tau in meine Kleedemaschine gespannt.


      Und schon sind sie da, wo sie hingehören. Doch damit nicht genug in Sachen Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Seeleute.


      Gleich geht's weiter.

      Im Bau: HMS Mercury
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    • Hier mal so zwischendurch der Arbeitsstand bis jetzt.


      Was das hier wohl wird? Ein Tau, an beiden Enden Kauschen eingebunden, hmm.


      Und da sehen wir das Gebilde schon in Aktion. Diese beiden Leitkauschen dienen der Führung der Laufstage. Diese gaben den Seeleuten beim Begehen des Bugspriets Halt. Ein Ende wird am Eselshaupt des Bugspriets an einem Augbolzen festgemacht, das andere durch die Leitkausche zum Bug geführt, wo mittels eingebundener Kausche am anderen Ende sowie einem Taljereep und einem Augbolzen im Bug unterhalb der vorderen Timberheads (die schwarzen Knubbel auf der Reling) das Laufstag steifgesetzt wurde.


      So schaut die Mercury aktuell aus.


      Die nächsten Schritte werden das Setzen des Vorbramstags sowie die vorbereitenden Arbeiten für die Backstage sein. Das heißt, dass ich dann auch die erste Rah anbringen werde, denn die Backstage laufen durch Leitkauschen, die auf der Blindenrah befestigt werden. Das erläutere ich dann genauer, wenn ich es auch hier zeigen kann. zwinker2

      Und so nähern wir uns langsam, aber unweigerlich dem laufenden Gut...

      Ich hoffe, meine Erklärungen waren ein wenig hilfreich. Ansonsten immer munter drauflos fragen! happy 2

      Es grüßt

      Bonden

      Im Bau: HMS Mercury
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    • Ahoi Bonden

      Eins muss mal gesagt sein:
      ich finde nicht nur Dein Modell absolut aussergewöhnlich, ich staune auch immer wieder, wie viel Zeit Du in die Dokumentation des Modelles steckst. Das macht meiner Meinung nach das ganze zu einem "Gesamt-Kunstwerk allererster Güte"!
      Für mich als Fast-Laie arbeitest Du auf einem Niveau, das zwar Vorbild-Charakter hat, ich mir aber bewusst bin, dass ich da niemals hin komme. Das beruhigt mich, denn ansonsten würde ich vermutlich mein Modell längst in die Tonne treten! Aber mit diesem Bewusstsein motivierst Du mich immer wieder aufs Neue, MEIN bestes zu geben und sogar ab und zu auch mal einer Unzufriedenheit nach zu geben und etwas neu zu machen. So, dass ICH danach zufrieden bin.
      Danke für die Zeit, die Du investierst!!

      Beste Grüsse vom Süsswassermatrosen
      Peter
      Meine grösste Angst: Dass ich irgendwann erwachsen werde... happy 2

      Aus Leidenschaft: pierresuisse.ch
      Beruf und Hobby vereint: kamoga.ch
      Aus Freude: mein-modellbau.jimdo.com

      Meine versemmelten Werke
    • Ahoi Mr. Bonden,
      ich bin ja seit längerer Zeit schon Beobachter im Hintergrund... und jetzt ist endlich mal die Zeit, aktiv reinzuschauen. Verzeih die Sprachlosigkeit, meine Dockyard hands haben sich gerade leise weinend in die nächste Ecke verzogen ("...da kommen wir nie dran oh1 ..."). Was du hier präsentierst, ist wirklich Papiermodellbau vom Feinsten. Ich ziehe meinen Hut, nehme den angebotenen Rum gerne an kaffee1 happy 2 ...und komme immer wieder gern vorbei, versprochen. Mach weiter so, du bist, glaube ich, mit deinem Modell Inspiration und Ansporn für viele von uns daumen1 !
      Bis dahin und viele Grüße
      Nat
    • Nach so viel Lob und Däumchen hoch - danke euch allen! - muss ich ja endlich mal wieder weiterbauen.

      Wie ich weiter oben ja bereits berichtete, habe ich den ganzen Rödel am Klüverbaum wieder runtergerissen und neu gebaut. Ich habe euch auch meine schicken Fußpferde gezeigt, ebenso meine Zurring für den Klüverbaum. Tja, und schon wurde wieder ein Abriss nötig. oh1

      Zum Glück ging das sehr einfach und war nicht wirklich ein Abriss. Was dem Klüverbaum noch fehlte, war der Ausholring. Witzigerweise hatte ich den schon vor sehr langer Zeit gebaut, und dann lag er in einer meiner Kleinteileboxen. Und der muss nun mal über den Klüverbaum geschoben werden, bevor irgend etwas anderes an der Nock (also der Spitze) des Baums befestigt wird.
      Nun, gut, dass ich mich auf die Festigkeit meiner Zurring sowie die stabilisierenden Kräfte diverser Stage verlassen habe und deshalb den Klüverbaum nicht noch zusätzlich verleimt hatte. So konnte ich ihn vorsichtig so weit zurückschieben, dass ich das Tauauge der Fußpferde über die Nock schieben konnte und so den Weg frei machen für den Ausholring.
      Vorher laschte ich noch den Ausholer an den Ring und fädelte das lose Ende dann durch das am vorderen Ende des Klüverbaums vorgebohrte Scheibgat. An das andere Ende dieses Taus kam ein einscheibiger Block, der dann mittels Taljereep mit dem an der Vorderseite des Bugsprit-Eselshauptes angebrachten Block verbunden wurde. Die holende Part habe ich anschließend an einem der vorderen Timberheads belegt.




      Nun kamen die vorbereiteten Backstage dran; sie werden dann später steifgesetzt, wenn die Blindenrah angebracht ist.
      Anschließend fertigte den Zweierstropp neu. Zwei Kauschen in ein gekleedetes Tau eingebunden, dazwischen einen einscheibigen Block angelascht und dann das Gebilde als letztes an der Spitze des Klüverbaums befestigt. Sieht dann so aus:


      Das letzte Werk des heutigen Werfttages war dann das Setzen des Vorbramstags. Das war relativ einfach. An einem Ende eines Taues wurde eine Kausche angebracht, das andere Ende wurde durch den Leitblock am eben befestigten Doppelstropp an der Klüverbaumspitze geführt und schließlich an der Vorbramstenge befestigt. Mittels eines Augbolzens im Bug und eines Taljereeps wurde auch dieses Stag steifgesetzt.


      Und so schaut es jetzt aus:


      Morgen werde ich dann noch das eben geschriebene Kauderwelsch erläutern, keine Bange. zwinker2

      Im Bau: HMS Mercury
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    • Langsam wird es mir ja peinlich, aber es gab schon wieder einen Abriss. Ursache dafür ist selektive Realitätsverweigerung. Wer weiß jetzt nicht auf Anhieb, was das ist? Nicht schlimm, ich erzähl es euch:
      Vor einiger Zeit hörte ich beim Hantieren mit meinem Schiffchen so ein komisches Geräusch. Es klang so, als ob irgendwie Holz bricht. Und mein Bewegungsablauf wurde in dem Moment auch leicht gehemmt.
      Ich habe es gehört, ich habe es gespürt - aber da ich nicht sofort sah, was passiert war, weigerte sich mein Gehirn, darauf in angemessener Form zu reagieren und sendete folglich keine weiteren Signale, an die Augen zum Beispiel, oder auch die Finger, zum Überprüfen, ob alles noch intakt ist.

      Im Wissen um dieses Geschehnis schauen wir uns nochmal dieses Bild aus dem vorigen Posting an und konzentrieren unseren Blick auf den Klüverbaum und seine geometrische Lage in Bezug auf den Bugspriet.


      Ja, genau. Mir ist es gestern Abend nach dem Absenden des Beitrages aufgefallen. Der Klüverbaum steht schon reichlich weit nach oben, man könnte fast meinen, er sei angeknackst. Was dann ja auch stimmte. Das Steifsetzen des Vorbramstags brachte es zum Vorschein. Nach kurzem Nachdenken erinnerte ich mich wieder an die eben beschriebene Situation und wusste sofort, dass er angeknackst war. Kein Witz: Ich schlief unruhig und träumte von diesem Klüverbaum. Und beim heutigen Aufwachen stand für mich fest: Keine weitere unruhige Nacht - runter mit dem Holz und neu gemacht!
      Wie gut, dass ich an den wirklichen wichtigen Punkten auf den Einsatz von Leim verzichtet hatte. So konnte ich den Zweifachstropp, die Backstage und die Fußpferde relativ problemlos lösen, ohne sie zu zerstören. Ok, den Ausholer, also das Tau am Ausholerring, musste ich abschneiden, was aber nicht schlimm war. Mir wurde nämlich klar, dass der Ausholer ja zum laufenden Gut gehört und insofern kein schwarzgeteertes Tau ist; außerdem war mir bei nochmaligem Nachdenken das Taljereep ein wenig zu dünn, da musste ein dickeres ran.
      Ein Rundholz wurde dann mittels Feile und Sandpapier relativ schnell zu einem neuen Klüverbaum, die Bohrungen für das Scheibgat stellten auch kein Problem dar, und bereits der Nachmittagskaffee wurde in dem Wissen eingenommen, dass nun alles wieder so ist, wie es sein soll.
      Dennoch, ärgerlich war das schon. Denn: Entgegen einiger hier und da verbreiteten Auffassungen haben ich nicht wirklich Spaß am Abriss. rotwerd1 Wenn nötig, scheue ich ihn nicht und freue mich, wenn hinterher alles schick ist, aber grad dieser wäre zwar nicht wirklich vermeidbar gewesen, hätte aber, wäre er zu einem früheren Zeitpunkt erfolgt, weniger Arbeit verursacht.

      Im zweiten Bild sieht man den alten Klüverbaum; ich habe die angeknickte Stelle dann mit nur ganz wenig Gewalt deutlich hervorgehoben.


      So ist es viel besser:


      Aber jetzt geht es zügig weiter; derzeit bestücke ich die Blindenrah mit allem notwendigen Krams, um dann endlich auch die Backstage steif setzen zu können (also die zwei Taue, die da am Klüverbaum so lose runterhängen).

      So, dann wollte ich ja noch die Fachbegriffe erläutern. Der Ausholring dient zum Bedienen des vorderen Stagsegels, des Klüvers. Der bereits angebrachte Ausholer dient dazu, das Klüversegel auf dem Baum nach vorn zu ziehen, damit es schön steif im Wind steht. Die beiden an ihm befestigten Einfachblöcke werden später zwei Taue führen, die zum Niederholen und Einholen des Klüvers dienen.
      Holende Part nennt man immer das Ende eines Taus, welches nicht festgemacht ist, sondern zum dran ziehen, also zum "Holen", dient. Dieses Ende wird immer nur so befestigt, dass man es jederzeit schnell lösen kann, um entweder an dem entsprechenden Tau zu ziehen oder es nachzulassen.
      Timberheads sind die kleinen Gnubbel auf der Bordwand am Bug; sie dienen zum Befestigen von holenden Parten.

      Ich denke, der eine oder andere Begriff wird deutlicher erklärt, wenn ich mit dem Bau an die Stelle komme, an der das jeweilige Teil direkt zum Einsatz kommt. Ich merke grad selber, wie schwierig es ist, bestimmte Begriffe so zu erklären, dass sie auch ein interessierter Laie versteht, sorry. Nach wie vor gilt. Wenn Fragen, dann fragen. zwinker2

      Ach ja: Danke für die Likes! daumen1

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    • Hallo Bonden,
      da hast du aber eine feine Operation durchgeführt und sie ist dir auch hervorragend gelungen. klasse1
      Das du da eine unruhige Nacht hattest kann ich mir sehr gut vorstellen. grr
      Wahrscheinlich wirst du auch noch des öfteren aufspringen und nach deinem Modell schaust wenn es nochmal ähnliche Geräusche gibt in der Wohnung. flüstern1 prost2

      Grüßle,
      Reinhold
      Du sollst den Karton und die Kartonmodellbauer ehren.
    • Ahoi allerseits,

      heute endlich mal wieder was Vorzeigbares aus meiner Werft. Diesmal habe ich leider keine Bilder vom Zwischendurch. Das hat den Vorteil, dass ich keinen weiteren Abriss schildern braucht. Weil, ein Abriss ist es erst dann, wenn etwas dokumentiert und gepostet wurde und danach wieder aus Gründen runter muss. frech 1

      Weiter oben hatte ich ja bereits mitgeteilt, dass ich derzeit an der Blindenrah arbeite. Das Rundholz selbst war schon einige Zeit fertig, also an den Enden konisch geschliffen, mit den Rahschalungen und Rahklampen versehen und natürlich schwarz gepönt. Die Blindenrah ist eine Rah, die unter dem Bugspriet gefahren wurde; unter dem Klüverbaum, also der "Verlängerung" des Bugspriets, fuhr man noch die Oberblinde, auch Bovenblinde genannt.
      Ein paar Vorbemerkungen zur Blindenrah und zur Oberblindenrah, die der Bauplan für die Mercury ebenfalls vorsieht: Die Zeit, in der meine Mercury auf den Meeren unterwegs war, markierte einige Änderungen im Schiffbau, wenn auch nicht gravierende. Aber eine davon betraf die beiden genannten Rahen. Die Oberblinde verschwand zu dieser Zeit; historische Abbildungen von baugleichen Schiffen zeigen, dass sie in der Enterprize-Klasse wohl nicht mehr gefahren wurde. So entschied ich mich, diese Rah auch bei meiner Mercury wegzulassen. Die Blindenrah wurde zwar noch gefahren, aber in den meisten Fällen ohne Segel. Sie diente im Prinzip nur noch der Spreizung der Backstage. Daher habe ich beschlossen, an dieser Rah kein Segel anzuschlagen. Gleichwohl braucht diese Rah dennoch Zutakelungen.

      Recherche in Literatur und dem "Götterforum" gaben mir dann die entsprechende Orientierung, und somit konnte ich beginnen, diese erste Rah entsprechend vorzubereiten, um sie schließlich anzubringen.

      Da wären zum einen die Taue, auf denen die Seeleute bis zur Rahnock kommen, denn auch ohne dass da ein Segel zu setzen oder zu bergen ist, kann es notwendig sein, dass man auf der Rah etwas zu arbeiten hat. Diese Taue nennt man Fußpferde, und sie werden an Springpferden befestigt. Diese Taue waren kurze Leinen, die in kurzen Abständen von der Rah herunterhingen. An das Ende eines jeden Springpferdes wurde eine Kausche eingebunden, durch die dann das Fußpferd geführt wurde. Also galt es wieder einmal, Kauschen zu schneiden - wie ich das mache, habe ich ja bereits beschrieben. Ich staune immer wieder, wie schnell sich die Dinger verbrauchen...
      Da die Rah, wie beschrieben, in einer festen Position gehalten werden musste, um die Backstage gleichmäßig zu spreizen, wird sie beidseitig mit stehenden Topnanten versehen. Diese kurzen, gekleideten Taue wurden mittels Kauschen und Taljereeps dicht hinter der Bugsprietvioline befestigt.
      Das Rack, also das Tau, welches die Rah unter dem Bugspriet hält, wurde durch ein paar Trockenübungen genau ausgemessen, an beiden Seiten mit Kauschen versehen und dann so um die Rah und den Bugspriet gelegt, dass es mittels Taljereep zwischen den beiden Kauschen festgezurrt werden konnte. Das war, nebenbei bemerkt, der komplizierteste Teil der ganzen Arbeit an der Blindenrah.
      Die laufenden Topnanten einschließlich der Blöcke mussten ebenso angebracht werden wie die Trissen (heißen an den anderen Rahen Brassen), da es auch ohne Segel nötig werden kann, die Rah in die eine oder andere Richtung zu brassen. Einzig auf die Geitaublöcke konnte ich verzichten, da es ohne Segel auch nichts aufzugeien gibt.
      Ganz wichtig waren dann noch zwei Kauschen, die auf der Oberkante der Rah festgelascht wurden, um die Backstage zu führen, die dann schließlich mit einer Taljereeplaschung am Bug in der Nähe der Kranbalken befestigt und steifgesetzt wurden.

      Nun, das Ergebnis seht ihr auf den folgenden Bildern. Und zu den erwähnten "Nicht-Abrissen" nur soviel: Es ging nicht immer gleich alles gut und musste daher mehrfach gebaut werden - aber wer kennt das nicht. Das waren aber jetzt keine klassischen Baufehler, sondern einfach nur Dinge, die nicht so wollten wie sie sollten. Aber nicht mit mir! grins 2 happy 2






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    • Hallo Bonden,

      sehr schöne Arbeiten mit guter Erklärung. Zwar nich so stark, wie die Bauanleitung, die jeder verstehen kann, doch für mich eigentlich recht plausibel. Die Bilder, die Du uns zeigst sin auch technisch hervorragend und Klasse geschossen! Weiter so!

      Viele Grüße
      Fritz

      PS. Sende Dir morgen oder übermorgen eine PN, da ich mal wieder Deinen Rat brauche. Muß allerdings morgen noch ein paar Bilder machen, damit Du feststellen kannst, um was es geht.
    • Hallo Bonden

      Oh yeah, es geht Holztechnisch in die dritte Dimension, sprich eben die Rahen!
      Sieht wieder hervorragend aus. Aber ich bin schon etwas beunruhigt, weil nichts gebondet wurde...

      Beste Grüsse
      Peter
      Meine grösste Angst: Dass ich irgendwann erwachsen werde... happy 2

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