HMS Mercury - Fregatte der Enterprize-Klasse, 1778; Shipyard-Modell, 1:72

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    • Hallo Bonden,

      ich halte mich in der Regel nicht unbedingt für begriffstutzig, doch ich merke in meinem Alter schon, dass man nicht alles mehr so leicht nehmen kann, wie es mal war. So habe ich schon, auch wenn ich jetzt schon einige Jahre Segelschiffe baue, so manches mal, wenn ich mich durch die Materie arbeite, die nur so von Fachbegriffen gespickt ist, schon einige Probleme. Dennoch war mein posting oben mal wieder ein kleines "Zwinkern mit den Augen mit einem kleinen Schmunzeln"! Also nimm das Ganze nicht zu ernst, ich tue es auch nicht!

      So, natürlich wünsche ich Dir aber auch noch ein frohes Neues Jahr!

      Viele Grüße
      Fritz
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      Ahoi allerseits, die letzten Tage war ganz schön was los auf meiner Werft. Sehr gern lasse ich euch nachträglich teilhaben:

      Den vier bereits gezeigten Anschlagsbändseln folgten dann etliche weitere (je Segelbahn zwei), und schließlich war das Segel ordnungsgemäß an der Rah befestigt. Und hier gab es schon das erste Ausrufezeichen: Erstmalig ist es bei dieser Arbeit gelungen, kein einziges Mal das Fußpferd mit einzubinden! freu1 Sensationell! Das klappt sonst immer mindestens einmal. frech 1

      Hier die segelbestückte Großrah, davor liegen zwei Taugebilde für die Bauchgordinge - wie die eingesetzt werden, zeige ich gleich - sowie zwei Taue, aus denen ich später die Halsen und Schoten fertige.


      Die selbe Szene aus einer anderen Perspektive - darf ich vorstellen? Meine neue kleine Arbeitslampe. 60 LED, 1200 Lumen, mit integrierter Lupe, Linsengröße 125mm, 5 Dioptren Vergrößerung. Ein echter Gewinn für mich, und für 37 Tacken alles andere als teuer. Zwar hab ich im "Marinezimmer" eine fest am Schreibtisch installierte supergute Lupenlampe, aber da meine Liebste das Zimmer tagsüber auch als Homeoffice-Büro nutzt und ich festgestellt habe, dass es gar nicht nötig ist, wenn ich an jedem Online-Meeting beratend-unterstützend teilnehme grins 3 , verlagere ich dann die Werft gern mal an den großen Esstisch im Wohnzimmer.


      Und so ganz nebenbei: Grad in solchen Bauphasen wie bei dieser, wenn man ständig wechselnd an beiden Schiffsseiten arbeitet, ist der große, frei stehende Tisch ideal, um wunderbar von allen Seiten an das Modell zu kommen.

      So, jetzt aber mal ran ans Schiff mit der Großrah! Und so beginnt es:


      Die Rah wird mittels Drehreep gesetzt. Die Bilder erklären das:




      Und da hängt sie schon! Aber was ist das?

      Verflixt, die Fockmarsbrasse der Backbordseite eingeklemmt! Nee, so geht das nicht, also neu einfädeln.

      Ja, so schaut es schon besser aus. Das Drehreep bekommt dann an den beiden losen Tauenden je eine fünfscheibige Arbeitstalje spendiert, d.h., unten sitzt ein dreischeibiger Block, der mit Haken versehen ist und in einen Augbolzen neben dem Großmast eingehakt wird, oben am Drehreep sitzt ein Zweierblock. Das mache ich aber jetzt noch nicht - beim weiteren Takeln ist es wichtig, dass ich die Rah immer mal wieder abfieren kann. Und ihr seht im Hintergrund, dass ich nicht allein arbeiten muss. happy 2


      Und es ging dann auch flott weiter...

      Im Bau: HMS Mercury
      Für eure Schnippel- und Klebepausen: www.karton-im-wind.de welcome1
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      Ich wollte ja das Taugebilde für die Bauchgordinge erklären. Man hat Spaß damit, auf jeden Fall. Das Großsegel hat je Schiffsseite zwei Bauchgordingtaue - könnte man meinen, wenn man sich das Segel von vorn anschaut. Es ist aber nur ein Tau je Seite. Das wird an einem der beiden Legel am Fußliek befestigt, läuft dann zur Rah, wo auf selbigem ein einscheibiger Leitblock das Tau weiter zu einem Zweierblock führt, der unter der Marsplattform hängt und von diesem Tau gern von hinten durchlaufen wird. Dann wandert das Tau weiter durch einen Einfachblock, der mit einem weiteren Einfachblock verbunden ist, geht dann wieder durch den Doppelblock unter der Mars - von vorn nach hinten diesmal, sucht sich dann den zweiten Führungsblock auf der Rah und wird dann vorn am Segel hinunter zum Fußliek geführt, wo er dann am zweiten Legel befestigt wird. Und das alles auf der anderen Schiffsseite noch mal.
      So, das hat jetzt vermutlich niemand verstanden - daher hier die (leider nicht ganz optimalen) Bilder. Auf dem ersten sieht man den Doppelblock unter der Mars; im zweiten Block erkennt man diese beiden zusammengebundenen Blöcke. Da wird dann durch den zweiten Block ein Taue gefädelt, dessen Enden dann später an einer Beting auf der Back befestigt werden.


      Ok, danach wurden dann nach und nach alle sonstigen Taue angebracht - und das waren nicht wenige. Toppnanten, Brassen, Schoten, Halsen, die Schoten des Marssegels und die Arbeitstaljen für Drehreep und Rack.
      Man darf auch nicht vergessen, dass noch die losen Tauenden vom Marssegel und Bramsegel herumbaumelten. Irgendwann sah es dann nur noch chaotisch aus.




      Stunden später kehrte dann aber allmählich wieder Ordnung ein. Man muss ja immer gründlich überlegen, welche Taue man zu welchem Zeitpunkt endgültig befestigt. Schließlich galt es ja noch, die Segel "in Form" zu bringen, also mit verdünntem Weißleim gründlich zu befeuchten und ihnen dann mit dem Fön eine wohlgefällige Figur zu verleiben.
      Dann endlich kam Wind auf! Hier sieht man den Unterschied: Bram und Mars sind schon gefönt worden, das Großsegel wartet noch.


      Dann kam aber auch dieses Tuch an die Reihe, und am Ende sah es so aus:


      Man sieht aber, es hängen noch jede Menge freie Enden umher. Das ordentliche Festmachen hat dann nochmal ein paar Stunden gedauert. Man muss ständig darauf achten, was es für Auswirkungen hat, wenn man an den verschiedenen Tauen zieht - schließlich soll ja zum Schluss alles möglichst realistisch aussehen.

      Als die Werft dann für heute einen langen Arbeitstag beendete, waren sämtliche losen Taue fest belegt.


      Was nun noch fehlt, sind an allen drei Segeln die Buline, also die Taugebilde, die die Segel an den Seitenlieks in Form halten. Das wird noch mal ein netter Zeitvertreib, und es ist Improvisationstalent gefragt, denn es gibt Anforderungen lt. Schrage, die mein Schiff nicht erfüllen kann. Aber es gibt Ideen...
      Ich werde berichten!

      Für heute gehabt euch wohl, vielen Dank für euer Interesse!

      Gruß

      Bonden

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      Hallo Bonden

      Das sieht einmal mehr fantastisch aus! Es ist spannend, den Werdegang so detailliert mitverfolgen zu können!
      Das eine oder andere wird einem dabei klar und die Funktion der einzelnen Taue sind sogar für mich ab und zu nachvollziehbar!

      Beste Grüsse
      Peter
      Meine grösste Angst: Dass ich irgendwann erwachsen werde... happy 2

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      Meine versemmelten Werke
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      Ahoi Fritz,

      die beiden Enden des Drehreeps laufen hinter der Rah in Richtung Deck. Ca. 2 bis 1,5 m über dem Deck bekommen sie dann je einen Block verpasst, der mit einem Gegenblock an Deck mit einem Taljereep verbunden wird. Die beiden unteren Blöcke haben einen Haken eingebunden bekommen, der in Augbolzen an Deck eingehängt wird.
      Genau so wird auch mit den beiden Enden des Racks verfahren.
      Das war übrigens ein sehr spannender Bauabschnitt: Da ich zu einer Zeit, zu der das noch viel, viel einfacher gewesen wäre, nicht daran gedacht habe, musste ich jetzt dicht neben dem Mast die Löcher für diese Augbolzen bohren. Speziell am Großmast ist das da teuflisch eng, speziell durch die umlaufende Mastbeting. Ich halte da nachher mal die Kamera rein... zwinker2

      Also, Tipp an alle, die dieses oder ein ähnliches Schiff bauen: Schaut rechtzeitig nach, was ihr für die Takelage alles an Augbolzen im Deck braucht. Die lassen sich auf einem total leeren Deck viel leichter anbringen, glaubt mir! grins 2

      Danke für deine netten Zeilen und das Däumchen!

      Gruß

      Bonden

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      Ahoi allerseits, und danke an @petcarli und @Peter_H für die netten Kommentare und an @italia58 für den Daumen.

      Heute nun kann ich die Fertigstellung der Takelage des Großmastes melden. Was noch fehlt, ist das, was noch überall fehlt: Sog. "Puppen", also kleine Fadengebilde, die aufgeschossene Taue an den Nagelbänken, Betings und sonstigen Belegpunkten darstellen.

      Wie gestern erwähnt, waren heute noch die Buline zu fertigen. Da nicht alles, was Schrage in seinem Buch dazu schreibt, für mich an diesem Modell realisierbar erschien, habe ich mir andere (aber eben keine "alternativen" grins 2 ) Fakten gesucht und bin im Marquardt auch fündig geworden. Am leichtesten waren die Buline des Großsegels. Gerade als ich beginnen wollte, einen Zweierblock einzubinden und mit einem Augstropp zu versehen, um diesen dann dicht über dem Deck an den Fockmast zu friemeln, sehe ich, dass am Fockmast schon genau so ein Gebilde dran ist. grins 3 Das hatte ich völlig verpeilt, dass ich den schon vor dem Setzen des Mastes drangebaut hatte. Irgendwann hatte ich mich mal gewundert, was denn noch mit diesem Block passiert, mir aber zu dem Zeitpunkt darüber nicht den Kopf zerbrochen; beim Anbauen wusste ich es noch, da ja im Schrage immer gesagt wird, wozu jedes Teil da ist.
      Für die Buline des Marssegels habe ich zwei Leitblöcke an die Achterkante der Fockmarsplattform gedengelt, das ging auch gut. Lediglich bei den Brambulinen musste ich improvisieren. Hier wäre die Schrage-Variante gewesen, die Taue durch Scheibgatte in den Längssaligen der Bramsaling des Fockmastes zu führen. Aber diese sehr dünnen, aus Finnpappe bestehenden Gebilde haben keinerlei vorgearbeiteten Öffnungen, und ich befürchte, dass die Dinger schon abbrechen, wenn man nur allzu heftig daran denkt, da Löcher reinzubohren. Ich war schon froh, dass ich an diese Teile einige Blöcke anbinden konnte, ohne das was kaputt geht. Also habe ich mich für eine andere Variante entschieden - eine von denen, die im Marquardt steht (und auch die hab ich etwas "abgewandelt").

      Durch das Straffen der Buline haben sich dann nochmal ein paar Kräfte verschoben, so dass ich hier und dort noch das eine und das andere Tau nachspannen musste. Aber dann war es endlich geschafft!

      Im ersten Bild der versprochene Blick auf die Region rund um den Großmast. Ihr seht, warum es viel, viel besser gewesen wäre, die Augbolzen für die verschiedenen Taljen beizeiten dort anzubringen. Aber immerhin - es gab keinerlei Kollateralschäden, ich hab die Beting nicht abgerupft und auch die Pumpen nicht beschädigt.


      Hier nochmal die spezielle Takelung der Bauchgordinge:


      Und auf diesem Bild kann man erahnen, was für ein, für den Laien nur als Wirrwarr zu bezeichnendes, Taugewusel (ok, auch kein besseres Wort...) mittlerweile an Bord herrscht.


      So, und jetzt nur noch Bilder:








      Dann kann ich mich ja nunmehr dem Besan widmen, gelle? happy 2

      Gruß

      Bonden

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      Ciao Marco,

      mille grazie, aber bis zum nächsten Modell dauert es noch etwas. zwinker2

      Danke für die Däumchen an @petcarli @AnobiumPunctatum @Hardy und @italia58

      Eines hätte ich fast vergessen, sozusagen ein kleines Fazit zum Abschluss des Segelsetzens am Großmast: Zu Beginn hatte ich folgende Überlegung: Alle Taue, die vom Vormarssegel nach unten laufen, müssen dabei auch am Focksegel vorbei, alle Taue vom Vorbramsegel an den beiden Segeln darunter. Daher dachte ich mir, dass es daher besser ist, von oben nach unten die Segel anzubringen, da dann der Weg nach unten relativ frei ist.
      Jetzt bin ich schlauer und sage daher: Ich würde nicht noch einmal beim Segelsetzen von oben nach unten arbeiten. Ich finde, die Nachteile überwiegen. Das Platzproblem bekommt man so oder so irgendwann - so ist eben die Takelage auf einem solchen Segelschiff. Baut man von unten nach oben, hat man den Vorteil, dass man bei jedem Segel nahezu alle Taue sofort ordentlich belegen kann; es hängen dann später keine losen Enden umher und im Weg.
      Aber letztendlich ist alles gut gegangen, es gab keine unfreiwilligen Abrisse oder sonstigen Schäden, und allein das zählt.

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