HMS Mercury - Fregatte der Enterprize-Klasse, 1778; Shipyard-Modell, 1:72

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    • So, liebe Leute, heute ging es dann an die Fockrüsten. Die sind insofern etwas anders als die Großmastrüsten, als dass die drei vorderen Rüsten nicht mit dem Rundumsorglos-Komplettpaket an Rüsteisenteilen bestückt werden, sondern bei ihnen das gekröpfte Glied fehlt; statt dessen wird das Mittelteil am Ende etwas gebogen und dann direkt an der Bordwand mit 'nem dicken Nagel festgekloppt. Also bei mir mit einem kleinen dünnen Nagel...

      Ah, da hat sich doch glatt einer dieser Nägel hinterlistigerweise versteckt, als ich mit dem Farbtöpfchen vorbeischaute... Na warte! box 1
      Das mit den verkürzten Rüsteisen hat seinen Grund - allerdings hab ich da jetzt auch eine Frage:
      Die Bauanleitung sieht so eine Verkleidung für die Fockrüsten vor, vermutlich als Schutz vor Beschädigungen durch die Anker. Hier ein Bild von der Shipyard-Seite:
      http://model-shipyard.com/207-thickbox_d...rcury-nr-35.jpg
      Da das Teil im Bausatz zu kurz war, muss ich es neu machen, was ja kein Problem ist. Ich stelle mir jetzt nur die Frage, ob das überhaupt richtig ist - in meinen zugegebenermaßen nicht allzu guten Fotos aus dem NMM (National Maritim Museum, Greenwich), die ich vor einigen Jahren mit einer kleinen Kompaktkamera schoss, habe ich ein solches Teil auf keinem der dort ausgestellten Modelle gesehen. Weiß da jemand mehr darüber?

      Im Bau: HMS Mercury
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    • Ich habe inzwischen Bilder aus dem Buch "Anatomy of the Ship " The 24-Gun-Frigate Pandora " gesehen; dort sieht man diese ...Schürze(?) sehr gut. Also geht es (fast) nach Plan weiter - das Teil muss ich auf jeden Fall nachbauen, weil hier eindeutig zu kurz. Es scheint tatsächlich als Schutz der Rüsteisen vor den Ankerfluken da zu sein.

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    • Hallo Bonden,
      so einen goldenen "Freddy" hätte ich auch gerne. Wie kann ich da drankommen? Ich kann nur ein "Bildchen" von "Freddy" aufkleben. Also kein Relief. Von vorne ein schwarzer Strich. Das wird leider ein ausserordentlich abgespecktes Modell. Kupferfolie von Amazon: Eine kleine Katastrophe. Das Zeug ist zwar billig und kommt dafür aber aus China. Obwohl eine Lieferzeit zwischen 12.3.und 5.4. agegeben wird, wird das Bankkonto mit dem Rechnungsbetrag sofort belastet. Bestelle es jetzt in einem Tiffany Bastlerladen "Glasladen24.de". Die nehmen es zum Einfassen der einzelnen Glasteile, die dann verlötet werden. Gewissensfrage; Soll ich 5,4 mm oder 6,4mm Breite nehmen?
      Also nochmals: Leinen los
      Erwin B.
    • @petcarli Nun ja, ich schaue mittlerweile viel genauer hin und merke, wie ich meine eigenen Ansprüche immer noch ein Stück höher schraube, was historische Genauigkeit angeht. Aber keine Bange, ich übertreibe es dabei nicht. So wird es mir zum Beispiel nach wie vor völlig egal sein, ob sich mein Takelgarn links rum oder rechts rum dreht. grins 3

      @Klueni Das Teil wird bei vielen Modellen einfach nicht gezeigt, war aber offenbar doch häufig in Gebrauch. Und ich vermute, man hat es auch oftmals bisher einfach nicht wahrgenommen, obwohl es dran war an dem einen oder anderen Modell. happy 2

      @Claudia Die Frage, die ich mir da stelle, ist, ob dieser Standard für alle Schiffsklassen galt. Die Vic zum Beispiel hat ja auch keine Billboards. Aber schaut man sich nur mal die Titelbilder der Anatomy-of-the-Ships-Reihe an, erkennt man das Teil an der Caroline (Royal Yacht), der Pandora (Fregatte), der Diana (Fregatte) und der Essex (Fregatte), nicht aber an der Bellona (74er) oder der Victory (100er). Offenbar also nur was für die kleineren... Und danke für deine lobenden Worte! zwinker2

      @Erwin: Tja, den güldenen Freddy gibt's leider nur bei der 1:72er Variante und auch nicht einzeln zu kaufen.

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    • Moin Bonden,

      großes Kino Alter. Das wird mir bei meinem Bau helfen. Der Bericht zur Cleopatra wird demnächst eingestellt. Die habe ich übrigens nur begonnen, um etwas zu üben. Denn ich hatte mir die Mercury besorgt und dann einen Heidenrespekt bekommen. Nach dem Motto, lieber den einfachen Bogen versemmelt, als den teuren Lasercut.
      Ein schönen Gruß aus Schläfrig-Holstein.

      Bernd

      "Wenn das Ihre Lösung ist, dann hätte ich gern mein Problem zurück."
    • Ahoi liebe Pappkameraden!

      @Lemmi: Ich bin schon gespannt auf deinen Cleo-Bericht. Und ich lese das richtig, du hast auch genau diese Mercury hier und wirst sie dann auch bauen? Das wäre ja sowas von super - ich leide ja schon an einem Einsamkeitssysndrom, da ich bisher in den unendlichen Weiten des WWW niemanden gefunden habe, der auch die 1:72-Mercury baut. Also mach flott mit der Cleopatra! grins 2

      @Michael Mash: Thanks for your kind words! I will do my very best. zwinker2

      Heute gibt's mal wieder Neues zu berichten. Ich habe Post bekommen, und zwar von sehr weit weg, aus der USA. Und das hier war drin:


      Was das wohl sein soll, wenn es fertig ist? Nun, ich baue es mal zusammen:


      Und dann steht das Maschinchen da:


      Der Kenner und die Fachfrau wissen natürlich längst Bescheid: Es ist ein Gerät zum Kleeden von Tauwerk.
      Warum macht man das, was bedeutet das? Das Kleeden, oder auch Kleiden, diente dazu, Taue, die besonderen Beanspruchungen durch Reibung ausgesetzt waren, zu schützen. Dazu wurde das Tauwerk mit sog. Schiemannsgarn dicht umwickelt. Vorher wurde es noch getrenst, d.h., die Keepen des geschlagenen Taus, also die Rillen zwischen den Kardeelen, wurden ausgefüllt (mit dünnem Garn zum Beispiel), dann wurde das Tau geschmartet, um Feuchtigkeit abzuhalten; dazu wurden lange dünne Streifen geteerten Segeltuches spiralförmig fest um das Tau gewickelt, und dann kam das Schiemannsgarn drum. Das wurde dann hinterher nochmal geteert.
      Soviel Aufwand betreibt der Modellbauer gemeinhin nicht, er beschränkt sich auf das Kleeden. zwinker2
      Die Maschine arbeitet absolut umweltfreundlich, der Antrieb ist ein 1BF-Motor (BF: Bonden-Finger). Das Prinzip ist einfach, durch die Öffnungen in den Wellen für die unteren Zahnräder wird das zu kleedende Tau gesteckt und mittels den Klemmen links und rechts außen fest arretiert. Dreht man an der Kurbel, wird mittels der oberen Welle und der Zahnräder das Drehmoment gleichmäßig auf das festgespannte Tau übertragen. Auf der unteren Welle steckt eine Spule mit dem Kleedegarn - ich habe hier dünnes Polyestergarn aus dem Kurzwarenladen verwendet. Man muss die Garnrolle stets etwas führen, den Faden immer straff halten und die Rolle sanft weiterschieben, während man kurbelt. Schon meinem zweiten Tau gab ich das Prädikat "gelungen", und nach dem vierten Tau tauschte ich mal das dünne Nähgarn gegen 0,25-mm-Amati-Takelgarn. Boh, wie geil war das denn! Also für extrem dicke Taue ist das ja wohl ideal - das untere isses:


      Wäre zum Beispiel was für das Großstag.

      Ok, ich hatte nach einiger Zeit etliche Stücke gekleedetes Tauwerk und machte mich nun daran, daraus mal etwas erstes Konkretes zu fertigen. Da wären zum Beispiel die Wasserstage. Beginnt man mit dem Takeln, sind diese in aller Regel mit das Erste, was man anbringt. Wasserstage dienten dazu, die Zugkräfte, die das Fockstag und das Großstengestag auf den Bugspriet ausüben, aufzunehmen.
      Die Mercury hat zwei Wasserstage; größere Schiffe fuhren drei. Wie jedes Stag besteht auch das Wasserstag aus dem eigentlichen Stagtau und einem Stagkragen. An jeweils einem Ende ist eine Jungfer oder eine Herzkausche eingebunden, die dann mit Taljereeps verbunden werden. Klingt jetzt für den unbedarften Laien wahrscheinlich reichlich verwirrend, ist aber gar nicht schlimm.
      Heute habe ich die beiden Stagkragen gefertigt. Dazu lege ich ein Stück gekleedetes Tau um eine Herzkausche, fixiere das alles mit Ponal Turbo und binde an beiden Enden ein möglichst kleines Auge. Das sieht dann so aus:


      Jetzt wird eine Kreuzlaschung gemacht; dafür nehme ich mein dünnes Nähgarn, wickele das straff in mehreren nebeneinanderliegenden Lagen um beide Enden, dicht an der Herzkausche, dann führe ich den Faden in die Mitte und mache drei Querschläge, um anschließend den Faden an einer möglichst nicht sichtbaren Stelle mit Ponal Turbo festzuleimen und das überstehende Ende abzuschneiden.


      Am Ende sieht das so aus:


      Diese zwei Stagkragen kommen jetzt an Ort und Stelle:


      Wie geht es hier weiter? Unterhalb von unserem Freund Freddy befinden sich zwei Löcher im Scheg. Durch diese werden dann die beiden Wasserstage geführt; am anderen Ende binde ich die dann in genau solche Herzkauschen ein wie bei den Stagkragen. Und dann werden die jeweils zueinander gehörenden Herzkauschen nur noch mit dünnem Takelgarn, welches in diesem Fall Taljereep heißt, straff verbunden, und schon sind die Wasserstage fertig.
      Im Moment bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich auch die Wasserstage in voller Länge kleeden muss - das eine Fachbuch sagt dies, das andere das. Aber ich werde eine Variante auswählen und dann auch dazu stehen - egal was dann später andere Experten sagen. Das ist eben das Problem, wenn man historische Segelschiffe baut. Die Zahl der noch lebenden Menschen, die im 18. Jahrhundert am Bau dieser schönen Fahrzeuge beteiligt waren, liegt irgendwo zwischen Null und Null; insofern muss man den Mangel an lebenden Primärquellen irgendwie ausgleichen. grins 2

      Ach ja, das noch: Ein wenig Kartonbau war auch beteiligt. grins 3 Für die Stagkragen habe ich extra Stopperklampen aus zuvor mit Sekundenleim getränkter Finnpappe geschnitzt - das sieht der Bausatz nämlich nicht vor. happy 2
      Und da wir grad beim Bausatz sind: Shipyard meint, die Wasserstags mit normalen Jungfern zu takeln; meine Recherchen sagen nahezu übereinstimmend, dass es Herzblöcke (-kauschen) waren. Und da ja dem Baukasten die verschiedensten selbst zu bauenden Blöcke beiliegen, konnte ich hier gut die 4mm-Herzblöcke verwenden, denn lt. Bauanleitung benötige ich davon nur zwei - und es gibt die Teile immer nur im Zehnerpack. happy 2

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    • Hallo Bonden


      Bonden wrote:

      Zumindest ausgehend von meiner Recherche im Netz scheine ich derzeit der Einzige zu sein, der dieses Modell in 1:72 baut und darüber auch im www berichtet. (1:96-Mercurys gibt es ein paar...) Das finde ich schade, gern würde ich mich mit anderen Mercuristen austauschen. Aber auf jeden Fall hoffe ich, dass ich anderen, die sich auch an das Prachtstück wagen, ein paar Tipps und Anregungen geben kann und sie davor bewahre, meine Fehler zu wiederholen.
      Bei der Suche nach verlorengeganger Links bin ich über folgende Seite gestolpert.

      papermodelers.sk/viewtopic.php?f=55&t=7106


      Tschüss Simmi
      Wer nicht will, findet Gründe. Wer will, findet Wege.


      Simmi´s Sammelsurium
    • Hallo Berrett,

      Du wirst mir immer unheimlicher!

      Abgesehen davon, das man hier ständig Neues lernen kann über die Technik einer längst vergangenen Zeit, machst Du jetzt noch mit Strippen rum, die auch noch mit Strippen umwickelt werden! My lovely mister singing club! (Mein lieber Herr Gesangsverein!).

      Nachdem ich nun schon Deine getakelte Kanone sehen durfte (Ein arger Schelm, wer dabei denkt!!), bin ich wirklich gespannt, was das wird, wenn Du die Segel und Masten verstrippen wirst!!
      Beste Grüße

      von Andy

      What else?
    • Ahoi allerseits,

      das trübgraue Wetter an diesem Wochenende hat einen ja förmlich gezwungen, weiter am Schiffchen zu bauen. Da musste man mich auch gar nicht lange betteln. frech 1

      Zum einen war ja da noch der Besanmast zu bauen. Auch hier habe ich mir einen Rundstab aus dem Baumarkt geholt, da der, der dem Baukasten beilag, leider viel zu krumm war. Und auch hier habe ich selbstverständlich den Masttopp aus dem Holz herausgearbeitet, also nach dem alten Motto "das Runde muss eckig werden". grins 3 Dann wieder die Wuhlinge legen, also die Umwickelungen des Mastes mit Tau und das jeweils eingefasst in Holzreifen - hier natürlich aus Karton. Diese Streifchen habe ich übrigens neu machen müssen, da die im Bausatz einfach zu kurz waren, obwohl der Mast genau den vorgeschriebenen Umfang hat - sonst würde er ja auch nicht in die entsprechende Öffnung im Deck passen. Aber wenn man es nicht hinbekommt, schmale Papierstreifchen zu schneiden, sollte man die Finger vom Kartonmodellbau lassen. grins 2
      Dann habe ich die restlichen Rüstbretter für die Masten bestückt; jetzt könnte es dann also so langsam losgehen mit dem Auftakeln. Probehalber wurden mal alle drei Untermasten eingesteckt und die Salinge draufgesetzt. Es sieht immer mehr nach einem Segelschiff aus! Und Käptn Jack Aubrey schaut interessiert zu, welch stolze Fregatte demnächst seine Surprise auf der Jagd nach Englands Feinden unterstützen wird. happy 2





      Und damit hat die Werft wieder Ruhe bis zum nächsten Wochenende.

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    • Moin Barret,

      ich habe mir Deinen Baubericht grad mal mit Genuss zu Gemüte geführt.
      Bin ja sonst eher in der Grauschiff-ecke zu finden... grins 2

      Wie ich schonmal eingangs geschrieben hatte, ist das hier ganz großes Kino, was Du uns präsentierst!!! beifall 1
      Hier kann man eine ganze Kiste voll mit guten Tipps und Tricks abgreifen!! ja 2

      Viele Grüße
      Peter
    • Ahoi allerseits, wie immer vielen Dank für euer nettes Feedback. daumen1 danke1

      @Kurt Ich hoffe, ich kann die Qualität halten; wenn ich mir so den Takelplan ansehe, wird es mir schon etwas kribbelig... kratz1

      @petcarli Weißt du, Fritz, ich würde mich gar nicht wundern, wenn du auch bald so ein Teil hast. Man will sich ja weiterentwickeln, und glaub mir: Gekleedete Taue sehen einfach nur super aus! cool2

      @Peter Freut mich, dass dir mein Baubericht so gut gefällt, und wenn andere von meinen Irrtümern und sonstigen kleinen Katastrophen profitieren können - denn oft steckt ja genau sowas hinter irgendeiner guten Idee - dann ist das natürlich klasse!

      @Michael Mash Meiner Mercury bleibt hoffentlich jede Form von Beschädigung oder Zerstörung erspart. zwinker2

      @Janmaat Das Schreiben meiner regelmäßigen Baureporte macht mir ehrlich gesagt genauso viel Spaß wie das Bauen selbst. Ich weiß ja, dass das Abfassen von Prosa nicht jedermanns Sache ist, was bei so manchem Modell, dessen Entstehung hier gezeigt wird, echt schade ist. Nicht immer sprechen die Bilder für sich. Für mich ist das Schreiben ebenso entspannend wie das Friemeln an meiner Fregatte, und wenn andere daran auch ihre Freude haben, um so besser. ja 1

      @Erwin Burgesmeir Ich habe mal nachgemessen: Der Fockmast hat 8 mm, der Großmast 9 mm und der Besan 5,5 mm.

      So, an diesem Wochenende hatte meine Werft nur heute mal kurz geöffnet. Morgen ist meine Familiengeburtstagsfeier, und am Sonntag darf ich nach dem Mittagessen schon wieder auf Dienstreise gehen.
      Das klitzekleine wenige Etwas, was ich heute geschafft habe, führt wahrscheinlich dazu, dass einige meinen, jetzt dreht der Bonden völlig durch. frech 1 Und zwar geht es um die Esse der Kombüse.
      Bekanntlich steht ja der Ofen unter dem Vordeck - hier sieht man ihn auf einem alten Bild nochmal in all seiner Schönheit, bevor er für immer unter der Back verschwand.


      Das hier ist die Esse, kurz nachdem sie vorschriftsmäßig nach Bauanleitung angebracht wurde, mit Rauchklappe, damit außerhalb der Nutzungszeit kein Wasser eindringen kann:


      Und nun folgende Überlegung: Schaut man sich Modelle von Schiffen der damaligen Zeit an, sieht man die Öffnung der Esse auf dem einen Schiff zum Bug, auf dem nächsten zum Heck zeigend. Da wurde ich stutzig. Was ist denn nun richtig? Heckwärts erschien mir unsinnig, denn im Gegensatz zu einem Motorschiff ist beim Segelschiff kein Fahrtwind entgegen der Fahrtrichtung vorhanden. Also würde der Wind den Rauch zurück in die Esse drücken, auch bei raumem, also seitlichem Wind. Andererseits wurde ja auch oft in der Kombüse gearbeitet, wenn das Schiff vor Anker lag, also konnte es da durchaus auch sein, dass der Wind aus einer vorderen Richtung kam und so also auch den Rauch wieder zurück in die Esse drückte.
      Ich machte mich anderswo schlau und bekam interessante Antworten. Die wichtigste Botschaft war die: In etwa in der Zeit, in der meine Mercury im Einsatz war, baute man die Rauchabzüge drehbar. So konnte man je nach Windrichtung immer dafür sorgen, dass der Ofen ordentlich arbeiten konnte. Um die Esse zu drehen, waren an beiden Seiten starke Griffe angebracht. Und solche Griffe hat die Esse meiner Fregatte jetzt auch, so! hüpf1
      Ich musste dafür nur jeweils ein knapp 3mm langes, dünnes Stück Draht an beiden Enden um 90° abknicken und festkleben... lala1 Wenn ich morgen hier meinen Teppich absauge, wird es wieder dieses interessante Geräusch geben, was immer dann entsteht, wenn kleine Metallteile - viele kleine Metallteile! - wild wirbelnd gegen die Innenwand des Staubsaugerrohres klappern. grins 3

      Und so schaut es jetzt aus:


      So, und schon ruht der Werftbetrieb wieder für eine Woche. tschö1

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    • Ahoi Bonden!

      Klasse, sogar die Beschläge hast Du nachgebildet! Manometer, da muß ich ja bei meinem Dampfer Servietten falten, um hier mitzuhalten.

      Nochmals zum Schlot: ich habe hier gerade keine Literatur zur Hand, aber m.W. weist der Abzug stets nach Lee. Der Wind (auch: Fahrtwind) erzeugt beim Herumstreichen um den Abzug einen Sog, je nach Größe sogar einen leichten Unterdruck, was den Qualm schön raus- und mitzieht. Ist eigentlich dasselbe Prinzip wie bei drehbaren Kaminspitzen heute. Für das Feuer dagegen braucht es allenfalls einen kleinen Zug (ist ja kein Schmiedeofen oder Rauchrohr eines Dampfkessels) – dafür ist der Abzug aber definitiv zu groß.

      Deine Mercury fährt also platt vor dem Wind.
      Guten Appetit an Bord und beste Grüße
      Claudia
    • Hallo Bonden,

      da hast Du Dir ja wieder ein wenig im großen Segleralltag zusammengesucht und Dein Schiff wieder einmal audf den neusten Stand gebracht. Ich Sehe Dich richtig vor mir, welch einen Spass Du daran hattest! happy1 Und geworden iste es auch mal wieder klasse1 !

      Da ich seit gestern wieder zu Hause bin und außer kleinen Blessuren nichts sensationellel außer viel Spass bein Skifahren hatte, komme ich erst Heite Dir zu Deinem Geburtstag zu gratulieren. happy birthday1 prost1

      Was hast Du Dir denn außer der Kleed-Maschine denn noch fürs Hobby zugelegt?

      Gruß
      Fritz
    • @Buddy Der Smutje ist ja gleichzeitig auch der Kanonier - und entweder er befeuert seinen Ofen oder die Franzosen - beides gleichzeitig geht gar nicht. grins 3

      @Railgoon Hmm, jetzt forderst du mich aber heraus! grins 2 Mal schauen, was noch so geht. Vielleicht die Espressotasse in der Hand des Admirals? Mal sehen... cool2

      @Claudia Die Essen der späteren Jahre hatten einen Windfang ähnlich einer Wetterfahne, die dafür sorgte, dass sie sich immer in die richtige Richtung drehte. Was es auch gab, war eine abnehmbare Esse, die Öffnung wurde dann verschlossen, wenn sie nicht gebraucht wurde. Da gab es vielfältige Varianten; ich hab mich jedenfalls jetzt mal für die drehbare Esse entschieden. zwinker2

      @petcarli Nun, mehr Geschenke für's Hobby gab es nicht, aber da kann durchaus noch was dazu kommen, da meine Mutter mir immer so hübsche bunte Zettel in die Glückwunschkarte packt, die man in einschlägigen Gebäuden gegen Waren eintauschen kann. grins 2

      Im Bau: HMS Mercury
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    • @Klueni Ich sag ja immer, bei mir ist mehr als ein Drittel der Zeit, die ich mit der Mercury verbringe, Recherche. Und das macht mir genau so viel Spaß; da beschäftige ich mich nun schon seit Jahrzehnten mit alten Segelschiffen und merke ständig, was ich alles noch nicht weiß.

      Heute ging es in der Werft weiter. Nachdem ich nun auf der Backbordseite alle Rüsten fertig hatte - also nicht nur die drei großen, sondern auch noch drei weitere, kleine mit nur zwei bzw. am Besan nur einer Rüstjungfer (da werden später Pardunen befestigt), dachte ich mir, dass es ja an der Zeit ist, auch die Stückpfortendeckel anzubringen. Bei der Mercury sind das nur 5 Stück auf jeder Seite. Nun mag man sich fragen, wieso das denn - immerhin hat die Fregatte 12 Stückpforten. Die Frage beantwortet man sich am besten, indem man über den Zweck der Stückpfortendeckel nachdenkt: Außerhalb von Zeiten von Auseinandersetzungen mit feindlichen Kräften oder erhöhter Alarmbereitschaft waren die Kanonen innenbord fest verzurrt, gewissermaßen im Reisemodus. Damit kein Wasser, egal ob durch hohe Wellen oder durch Regen, ins Schiff eindringt, wurden die Geschützpforten verschlossen. Bei einem Schiff mit offener Kuhl wie der Mercury wäre es allerdings albern, die Pforten zu verschließen, wenn das Wasser bei Brechern und Regen ansonsten von allen Seiten kommt. Lediglich die hinterste Geschützpforte des vom Achterdeck überdachten, aber ansonsten offenen Hauptdecks bekam noch einen Deckel spendiert, warum auch immer.
      Das Herstellen der Pfortendeckel habe ich völlig vergessen zu dokumentieren, aber das ist nun auch nicht irgendwie dramatisch, drei Kartonvierecke müssen in der richtigen Reihenfolge übereinandergeklebt werden, dann kommen noch die Scharnierstreifen drauf. Was ich dann aber noch gemacht habe, war das Anbringen von vier kleinen Augbolzen, jeweils zwei auf der Vorder- und Rückseite. Mein Ziel ist, auf jeden Fall sowohl die Pfortenreeps, also die Taue, mit denen der Deckel geöffnet wurde, als auch die Verschlussreeps, also die zum Zumachen, anzubringen. Dabei muss man beachten, dass bei geöffneten Stückpforten die Pfortenreeps straff waren - klar, sie hielten den Deckel, damit er nicht unkontrolliert runterplumpst. Das Verschlussreep hängt hingegen leicht durch, da es ja in diesem Zustand keinen aktiven Zugkräften ausgesetzt ist. Im richtigen Leben ist der Geschützpfortendeckel mit einem Scharnier an der Bordwand befestigt. Bei meinem Modell sind die Scharniere ja nur angedeutet, der Deckel wird einfach an der oberen Kante mit Ponal Turbo eingeleimt und dann schnell, sauber und gründlich exakt an die Kante oberhalb der Geschützpforte geklebt.
      Meine Überlegung dabei war diese: Deckel ankleben, dann irgendwie zwei Taue oberhalb straff von den Augbolzen zur Bordwand bringen? Äußerst schwierig! Und zwei Taue mit leichtem Durchhang an die inneren Augbolzen anbringen und dann irgendwie durch die Stückpforten, aus denen ja blöderweise auch so komische Rohre ragen, im Schiffsinneren befestigen? Sehr äußerst schwierig!
      Also mal kurz nachgedacht und dann wie folgt verfahren:
      Zuerst einmal über jeder der in Frage kommenden Stückpforte zwei Löcher gebohrt, zur Aufnahme des Pfortenreeps. Dann wurde Amati-Takelgarn hell, 0,1 mm, an einem Ende mit Weißleim eingerieben und getrocknet, um es schön hart zu bekommen. Dieses Ende wurde dann durch das gebohrte Loch gefädelt. Nun kam ein Gedulds- und Geschicklichkeitsspiel: Nimm eine Pinzette und versuche, am Geschütz vorbei, im Inneren des Schiffes deinen Faden zu greifen. Hast du diesen dann nach gefühlten 37 Versuchen endlich erwischt, ziehe ihn durch die Stückpforte nach draußen, halte aber dabei unbedingt das andere Ende des Fadens fest! grins 3
      Ist dies gelungen, sieht das so aus:

      Ich habe hier nicht mit Faden gegeizt, was sich als richtig herausgestellt hat.

      Jetzt wird der Stückpfortendeckel mit den beiden oberhalb der Stückpforte herausschauenden Fäden verbunden. Einmal durch den Augbolzen, einfacher Knoten, Ponal Turbo und das Ende kappen. Erst jetzt wird der Deckel an seinem Bestimmungsort angebracht; die aus der Stückpforte ragenden anderen Enden der Fäden helfen dabei gut - man drückt mit zwei Fingern der einen Hand den Deckel fest auf seine Klebekante und zieht mit der anderen Hand sanft an den beiden Fäden, wodurch das ganze Klebemanöver viel mehr Stabilität bekommt.
      So, und jetzt kommt der entscheidene Trick: Um das obere Reep straff zu halten, obwohl das untere, das ja hier trickymäßig ein und der selbe Faden ist, durchhängen soll, schmiert man vorsichtig mit einem mit Ponal Turbo versehenen Zahnstocher die innere obere Kante der Stückpforte ein und zieht dann den Faden straff dagegen. Ergebnis ist klar: Oben straff, unten kannste mit dem Tau machen was immer du willst.
      Nun noch vorsichtig die beiden Enden in die Augbolzen auf der inneren Seite des Deckels einbinden, Enden kappen, und fertig isses.


      Das liest sich alles schrecklich kompliziert - isses auch! happy1 Nee, Quatsch, es ist halt nur eine ziemliche Friemelei, die Fäden da durchzustochern und vor allem wieder ans Tageslicht zu befördern, aber das Ergebnis freut einen dann. Klar, man kann sich das auch leichter machen, indem man bereits frühzeitig daran denkt, dass man a) Öffnungen für die Pfortenreeps braucht und b) diese schon mal innen an der Bordwand, zu einem Zeitpunkt, zu dem dies noch geht, befestigt - aber mal ehrlich: Wer macht denn sowas? lala1

      Auf jeden Fall werden die jetzt noch fehlenden vier Deckel an dieser Seite schneller dran sein, und dann kommt noch die Steuerbordseite. Ist also jetzt mal wieder viel Fleißarbeit - aber nun habe ich ja einen Plan, wie es geht. happy 2

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    • Hallo Bonden,
      ach wie schön das der Frühling tobt das ermöglicht dir wieder uns so tolle Bilder zu zeigen. Wenn die Aufnahmen auf dem man den Tisch sieht nicht wären könnte man meinen du warst in einem Schiffsmuseum und hast da Bilder geschossen.
      Wirklich ganz großes Kino. daumen1 klasse1
      MfG. Reinhold
      Du sollst den Karton und die Kartonmodellbauer ehren.
    • @Reinhold Danke, und das Schöne an diesem Kino ist, dass der Eintritt frei ist! tanz 2

      Was mir noch nicht gefallen hat, war die untere Linie der gekröpften Glieder an den Großmastrüsten. Die hatte ich zuerst gebaut, und da ist mir noch nicht so richtig bewusst gewesen, dass dafis Ätzteile dadurch, dass die mittleren Rüsteisen alle unterschiedliche Maße haben, viel mehr Möglichkeiten bieten. Nun, das ließ sich jetzt nicht mehr neu bauen, aber ich habe dennoch eine Lösung gefunden, dort optisch nachzubessern. So sah es vorher aus:


      Ich habe einfach die untere Öse aufgeschnitten,


      die Enden zurechtgebogen, dann den Befestigungsstift eingesetzt, nachkorrigiert und festgeleimt. So schaut's allemal besser aus:


      Die Stückpfortendeckel sind jetzt alle dran - somit habe ich die Backbordseite rumpftechnisch soweit fertig, dass es bald ans Auftakeln gehen kann, und für die Steuerbordseite habe ich jetzt ausreichend Übung, so dass es nicht mehr lange dauert, bis die ersten Wanten stehen. Hoffe ich mal... kratz1

      Das Schiff auf meinem Desktop zeigt übrigens die Hendrika Bartelds, auf der ich in 4 Wochen für 8 Tage auf der Ostsee umhersegeln werde. segeln1 hüpf1 tanz 1

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    • Ahoi Bonden,

      DAS ist doch mal ein Ostereier-Ersatz, dieser prächtige Bilderbogen! Auch wenn ich mich wiederhole: diese Fregatte ist einfach Klasse, eine Augenweide. Und Deine Erklärungen lese ich auch immer mit Vergnügen!

      Was Du zum Recherchieren und dem damit verbundenen Zeitaufwand sagst, unterschreibe ich: mir geht es genau so! Also munter weiter wie bisher, ich gehe hier nicht weg.

      Beste Grüße
      Claudia