HMS Mercury - Fregatte der Enterprize-Klasse, 1778; Shipyard-Modell, 1:72

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    • @PowerTom
      Ahoi Tom, nee, die haben zum einen unterschiedliche Größen und zum anderen auch unterschiedliche Formen. Ist halt echt blöd von Shipyard, dass die die Teile aber komplett vergessen haben. Ich wollte es erst gar nicht glauben, bin nochmal durch alle Bögen gestiegen, auch die, bei denen schon alle Teile entnommen wurden (hebe ich alle auf, bis das Schiff fertig ist, man weiß ja nie...), aber da ist nix und da war nix. Unglaublich, es handelt sich in Summe immerhin um Klampen für 11 Rahen, und jede benötigt 6 Stück. Und Shipyard spielt toter Mann. grr
      Hier mal die Blinden-Rah (das ist die, die unter dem Bugspriet angebracht wird), die habe ich mal so probehalber fertig gebaut. Da sieht man die unterschiedlichen Klampengrößen. Bei den größeren Rahen sind dann die Klampen in der Mitte noch anders geformt, die haben dann noch so eine Art zur Mitte zeigende Nase.



      @Claudia
      Ich werde über deinen Vorschlag mit dem Messing nachdenken. Zwar gibt es keine Rahklampen auf dafis Platinen, aber es gibt genug Messing, welches übrig ist. Mal schauen, wie ich mich so im Blechschneiden mache... Aber ich denke da noch eine Weile dran rum; hat ja auch noch Zeit, bis ich dazu komme, Rahen anbringen zu können. happy 2

      Jetzt kümmere ich mich erstmal um was anderes. Dazu später mehr. zwinker2


      Im Bau: HMS Mercury
      Für eure Schnippel- und Klebepausen: www.karton-im-wind.de welcome1 (Sommer 2017 ist Geschichte - der Baubericht geht weiter.)
    • Nochmal @Claudia Also um die Solidität von Kartonklampen würde ich mir da wenig Sorgen machen. Die, die du da an der Blindenrah siehst, sind ja auch aus Karton. Ich hab sie zum einen mit Sekundenleim getränkt und zum anderen auch damit am Holz befestigt - und erst danach alles gestrichen. Ich denke schon, dass das hält - tut es ja übrigens bei den Klampen am Bugspriet auch; da verrutschen weder die Zurring noch die verschiedenen Stagkragen. zwinker2


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    • Ach so, Du meinst DIE Klampen. Ok, da gebe ich Dir recht, das funktioniert mit gehärtetem Karton ganz bestimmt. Ich dachte an die Befestigungsklampen, Du weißt schon, die gespreizten Dinger, um die man das Tau in Form einer 8 schlingt und dann ggf. noch mit einem Kopfschlag sichert. Meine Skepsis bezog sich ausschließlich auf diesen Typ.

      Beste Grüße
      Claudia
    • Ich friemele in letzter Zeit ein wenig planlos rum auf meiner Werft. Hier ein bissel, da ein bissel, dann wieder Fragen, Bücher, noch mehr Fragen. Heute hab ich beschlossen, dass man es auch übertreiben kann damit - ich komme einfach nicht wirklich voran. Das soll nun anders werden!
      Es gibt da noch die eine oder andere Sache am Rumpf zu tun, aber das kommt später, zum Großteil aus Sorge, dass ich beim Auftakeln da aus Versehen was abreiße. Die Hecklaternen zum Beispiel, oder die Finkennetze - das kann alles gegen Ende erfolgen, ebenso das Anbringen der Anker - die würden nur stören, wenn ich die Fockwanten einbinden will.
      Somit laufen jetzt die Vorbereitungen für den Gang in die erste Etage. freu1
      Zuerst wird der Fockmast gesetzt. Das erste Element des stehenden Gutes, welches um den Masttop gelegt wird, sind immer die Hanger. Das sind vollgekleedete Taue, in der Stärke wie die Unterwanten, die an beiden Seiten vom Masttop hängen. In die an den Enden eingespleißten Kauschen werden die Seitentakel eingehängt. Seitentakel erfüllten viele Funktionen, so wurden z.b. zum genommen, um die Anker in die Rüsten zu geben, um schwere Lasten zu bewegen oder bei schlechtem Wetter zur zusätzlichen Stützung der Untermasten. Wie diese Seitentakel hergestellt und dann angebracht werden, zeige ich später.
      Heute war nun dieser Hanger für den Fockmast herzustellen. Mein neuer Freund Schrage schreibt in seinem Buch, dass Schiffe von der Größe meiner Mercury einarmige Hanger hatten. Diese wurden aus einem Ende hergestellt, und für das zum Masttop passende Auge in der Mitte der Hanger wurde ein kurzes, ebenfalls gekleedetes Taustück eingespleißt. Nun, zum spleißen im Maßstab 1:72 hatte ich keine Lust; aber wie nun so ein Teil herstellen, dass es möglichst so aussieht wie gefordert?
      Also, so soll es möglichst aussehen.

      Ok, das am Modell exakt so hinzubekommen erscheint unmöglich. Aber ich wollte eben nicht einfach nur ein Tau mit einem daran festgeknüpperten kurzen weiteren Tau haben. Also hab ich mir was überlegt:

      Mit meiner Kleedemaschine kleedete ich zwei kurze Stücke auf zwei längeren Tauen. Dann spannte ich die gemeinsam ein und kleedete sozusagen den Rest.


      Nun, kleine Knubbel an den beiden Augenwinkeln habe ich dennoch; ich glaube, das hätte ich auch einfacher haben können. Aber immerhin, mein erster Hanger ist fertig, und ich finde, er schaut nicht mal schlecht aus. Dann band ich an beiden Enden noch Kauschen ein - die hatte ich mir gefertigt, indem ich dünnes Messingrohr (Innendurchmesser 1,6 mm) in Scheiben schnitt und diese dann, aufgefädelt auf ein Stück Draht, ins Brünierbad hängte.

      Und hier ist der Hanger schon mal an seinem künftigen Platz:


      Was noch an der Saling fehlt, sind Kalben. Sowas sieht Shipyard ja leider nicht vor, aber die gehören einfach dazu: Kalben sind dünne Holzleisten mit einem Viertelkreis-Profil, die da hinkommen, wo jetzt der Hanger durch die Salingkante geknickt wird.

      Dann habe ich noch einen weiteren Stagkragen gebaut und ordnungsgemäß mit einer Rosenlaschung angebracht, und zwar den für das Großborgstag. Den kann man nicht einfach so an den Fockmast knüppern, sondern man muss schauen, dass der in einer ganz bestimmten Höhe seinen Platz bekommt. Warum das so ist, zeige ich (viel) später. happy 2

      So, das war's für heute. zwinker2


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    • Moin Bonden,

      auf solche Feinheiten ist Shipyard tatsächlich nicht eingegangen.
      Ist aber auch kein Wunder, denn der weitaus größte Anteil derjenigen, die ähnliche Bausätze erwerben und bauen, legen auf derartige historische Genauigkeiten keinen Wert und möchte nur ein schönes Modell haben.
      Weil eben dem weitaus allergrößten Teil der Modellbauer schlichtweg Zeit und Willen fehlen, solche Kinkerlitzchen nachzubilden.
      Ich hab ja auch schon an meinem Cutter mit erheblich einfacherer Takelung gemerkt, wie viel Zeit bei Recherche, Verständnis derselben und schließlich dem Bau draufgehen.
      Und dann, wenn alles fertig ist, werden diese Details allgemein einfach gar nicht wahrgenommen, weil halt keiner um die schwierigen Umstände weiß.....Isso! engel1

      lg.
      Tommi
      ....und ab dafür! rollen1
      Vergammelte Werke
    • Ahoi Bonden,

      was für ein Genuß für alle Freunde des Takels, Spleißens und Einbindens! Wegen der Verdickung brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen, denn ich bezweifle ein wenig, daß der Hanger so knubbellos war wie bei Schrage. Das erreicht man nur durch Ausdünnen des Arbeitsendes um ca. 50% vor dem Spleiß: eine extreme Schwächung des Taus! Bei Langspleißen dünnt man oft aus, aber bei Augspleißen nicht. Allenfalls könntest Du überlegen, ob Du das Ende, mit dem eigentlich gespleißt werden müsste, vor dem Zusammenbinden / Kleeden etwas ausdünnst, indem Du einzelne Fasern rausschneidest. Aber das wäre schon sehr extrem!

      Spleißen am Modell – das muß ich mal ausprobieren!! Meine Festmacher in 1:200 …

      Beste Grüße
      Claudia
    • @Klueni Ja, so ist das Los des Modellbauers - da müht man sich ab und dann bemerkt es kaum einer. grins 3 Aber wir, wir wissen es - und das reicht schon! zwinker2

      @Claudia Ja, ich hab mir auch schon überlegt, für die nächsten Hanger eine Hälfte des gekleedeten Auges nur ganz kurz anzustroppen und dann drüber zu kleeden. Müsste so gehen. Und:

      Claudia schrieb:

      Spleißen am Modell – das muß ich mal ausprobieren!! Meine Festmacher in 1:200 …
      Ja, ja, ja! Das will ich sehen, unbedingt!

      Dazu passt übrigens dieser hübsche Witz:
      Eine Schweizer Firma hat den dünnsten Draht der Welt entwickelt, kann ihn aber leider nicht vermessen.
      Deswegen geben sie ihn zu den Franzosen, aber die schicken ihn zurück, weil auch sie nicht so genau messen können. Danach versucht die Schweizer Firma ihr Glück bei den Engländern, den Schweden und in den USA, doch jedes Mal vergebens, mit der Antwort, dass auch sie nicht über so genaue Messmittel verfügen. Zu guter Letzt versuchen sie ihr Glück bei einer Firma in Sachsen wo ja Gerüchten nach viele gute Schlosser wohnen sollen. Als Antwort kommt ein Zettel, auf dem steht: "Dor Droht is 0,0000164 Mikromedor dick. Abor was sollmor damit mochn? Gewinde drof oder ä Loch durch bohrn?" grins 3


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    • @Claudia Nochmal zu den fehlenden Klampen. Ich hab mal ein wenig rumexperimentiert und habe eine, wie ich finde, passable und vor allem nicht allzu zeitaufwändige Methode gefunden: Ich nehme Balsaholz. Hab mir da im Baumarkt die dünnste Leiste, die es gab, gekauft (und beim Transport auch gleich mal zerbrochen - zweimal grins 3 ). Das ist ja recht schnell im Profil auf Klampenform geschliffen, dann mit Sekundenleim tränken, trocknen lassen und mit dem scharfen Skalpellmesser saubere Scheibchen abschneiden. Zumindest für die "norlame" Grundform also genau meine Methode. zwinker2
      Mit Balsa hab ich mir übrigens auch die Kalben hergestellt - zeige ich dann eventuell heute Abend noch, wenn es noch ein bissel mehr zu zeigen gibt. happy 2


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    • Hallo Bonden,

      das sieht echt ziemlich toll aus und freut den Segelschiffbauer. Du hast schon recht, dass 99% der halbwegs normalen Menschen das nicht auffallen wird, aber dem 1% von Kaputten macht es ungeheuer Freude! daumen1
      Übrigens geht Spleißen auch in kleineren Maßstäben...das Großstag meiner 7P (Kupferlitze) ist gespleißt. Leider schwarz und damit nochmal schlechter zu sehen (oder gar zu fotografieren). Du solltest es also ausprobieren Claudia!

      Grüße
      Ludwig
    • O weh, hier versammeln sich gerade die ganz "Kaputten"! Ein bisschen pervers sind wir schon, oder? Aber nur ein bisschen. Spleiß in schwarz, dazu noch in DEM Maßstab, Gottogott, ich fühle mich schon (oder: noch?) halb normal. Ende Monat nehme ich mir so einen Festmacher auf der "Uri" unter die Linse (und ans Messband), und dann …

      Bondens Sachsen könnten das locker schaffen, Takling am anderen Ende inklusive! Die Idee mit dem Balsaholz klingt sehr überzeugend und erinnert schon fast an erzgebirgische Schnitzer: die machen das doch auch so bei Serienproduktion.

      Beste Grüße
      CLaudia
    • Viel Neues kann ich heute gar nicht zeigen, obwohl ich einige Stunden in der Werft zugebracht habe. Zum einen habe ich das Auge des Hangers vekleinert, das war viel zu groß. Dann wurden die letzten Wanten kleedetechnisch behandelt. Insbesondere die beiden vorderen Wantenpaare bedurften der besonderen Zuwendung: Immer die ersten, also bugwärts gerichteten Wanten werden bis unten gekleedet; alle anderen nur im oberen Bereich, bis etwa zur Wurst (da ist das Querteil, an welchem die Püttingswanten angesetzt werden - kommt alles später...). Das Kleeden ist insofern eine Herausforderung, als die zu kleedende Strecke bedeutend länger ist als die Kleedemaschine. Diese lässt mit viel gutem Willen ein Stück von knapp 20 cm in einem Schwung kleeden. Will man mehr - und bei den Wanten sind es ca. 28 cm - muss man den Vorgang stoppen, das straff gespannte Tau lösen, versetzen, wieder festmachen und dabei aber möglichst die Spannung des Kleedegarns auf das Tau halten, um ein "Durchdrehen" zu verhindern. Nun, ich kann berichten, dass für den Fockmast alle Wanten soweit fertig sind.
      Aber dann geht es noch immer nicht los mit dem Auftakeln. Nun müssen erst die Wantenpaare eingebunden werden; d.h., dass da, wo man es um den Masttop legt, ein Auge sein muss, groß genug, um es über den Top und die dort schon angebrachten beiden Schweibgats zu stülpen, ohne diese abzureißen. Außerdem müssen die beiden Wanten auch nach dem Zusammenbinden noch brav nebeneinander und nicht irgendwie verdreht liegen. Wenn man es einigermaßen richtig macht, sieht das so aus:


      Am Mast macht sich das erste Wantenpaar schon mal gut. Man sieht auch die Kalben, die ich aus Balsaholz gefertigt, mit Sekundenleim ausgehärtet und dann schwarz gestrichen habe. Nun können die Wanten ohne Knick geführt werden - so soll es sein.
      Und im letzten Bild schon mal ein Blick in die Zukunft. Man erkennt, dass auch dann, wenn die Marsplattform angebracht ist, die vielen Taue, die da um den Masttop kommen, alle genügend Platz haben werden.


      Als nächstes werde ich die restlichen 7 Wantenpaare zusammenbindseln, und dann wollen wir mal sehen, wie gut es mir gelingt, die Wanten steif zu setzen...

      Ach ja, sicher fragt sich der eine oder die andere, warum die vorderen Wanten bis unten gekleedet werden. Dies dient als Schutz vor dem sog. Schamfielen, also dem ungewollten Reiben von Takelteilen aneinander. Speziell gegen die vorderen Wanten knallen öfters mal die Segel, wenn der Wind plötzlich dreht und das Tuch zu killen beginnt, auch einige Taue zur Bedienung der Segel scheuern da gern mal dran. Die Kleedung bietet einen gewissen Schutz und verhindert das vorschnelle Durchwetzen der Wanten.


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    • Mensch Bonden,

      mir fehlt manchmal regelrecht die Puste, wenn ich Deinen Abhandlungen zu folgen versuche.

      Hast Du eigentlich schon mal darüber nachgedacht, das ganze in ein ordentliches Buch zu packen und vielleicht auch zu verlegen? Gerade die modellbautechnische Umsetzung des "trockenen" Fachwissens aus den Büchern über die historische Seefahrt bringt doch eigentlich eine ganz andere Qualität mit sich.

      Ich kann es jedenfalls kaum erwarten, das es endlich an die Segel geht!!
      Beste Grüße

      von Andy

      Lasst uns (k)leben!
    • Railgoon schrieb:

      Hast Du eigentlich schon mal darüber nachgedacht, das ganze in ein ordentliches Buch zu packen und vielleicht auch zu verlegen?

      Ja, was denn noch? Vielleicht noch nebenbei ein Computerspiel dazu entwerfen? Einen Film drehen? Oder gleich eine Fortsetzungsserie? Mann, ich habe hier ein Schiff des Königs zu bauen; da kann ich doch nicht nebenher auch noch ein Buch schreiben!

      Tss,tss, tss - diese Landratten - machen sich keine Vorstellung, was es bedeutet, so eine Fregatte auf der Helling liegen zu haben...



      @Railgoon Hab dich auch lieb!


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    • Ich muss euch jetzt einfach mal was zeigen so zwischendurch. Also wenn es noch eines Argumentes bedurfte für die Anschaffung einer Kleedemaschine - hier ist es:

      Ich habe jetzt alle Wantenpaare für den Fockmast ordnungsgemäß eingebunden und dann immer abwechselnd, beginnend an Steuerbord, um den Masttop gelegt. Ich finde, das ist ein richtig schöner Anblick; bin wie'n bissel stolz darauf. happy 2

      Der Fockmast braucht noch zwei Kragen mit Leitblöcken, und dann geht's ans Wanten festmachen... denk1


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    • @PowerTom Vielen Dank, Tom!

      Alles wartet darauf, dass die erste Want steif gesetzt wird - ich am allermeisten. grins 3 Aber ganz so schnelle geht's nun doch nicht. Gründlichkeit vor Schnelligkeit ist mein Motto beim Modellbau. Also guckte ich mir die Arbeit von gestern nochmal genau an und fand, dass das erste Teil, welches über den Masttop gelegt wurde, auch das hässlichste ist. Auf den Bildern kommt das gar nicht so deutlich rüber, aber ich hatte ja berichtet, wie ich mich angestellt habe, den Hanger herzustellen. Als ich die beiden Enden jetzt so neben den stolzen Wanten sah, fand ich das recht erbärmlich und nicht gut gelungen. Also alles wieder runter, denn der Hangar war ja erster... Macht nix, war ja noch nichts festgemacht.

      Die beiden Hangar-Arme waren auch zu kurz, wie ich nach nochmaligem Schauen ins Buch und in andere Bauberichte von fregattenbauenden Holzwürmern feststellen musste. So, und damit ich, wenn ich dann irgendwann mal die Hanger für den Großmast und den Besanmast herstelle, noch weiß, wie ich das beim Fockmast getan habe, schreibe ich es hier auf. (Der Baubericht ist ja nicht nur für euch, sondern auch für mich. Man wird ja leicht vergesslich mit zunehmendem Alter, da hilft es ungemein, zu wissen, wo man nochmal nachschauen kann. happy 2 )
      Zuerst mal nahm ich ein geschlagenes Tau, welches ich bereits mittig gekleedet hatte, da ich es als Wantpaar nutzen wollte. Die Kleedung war mir da aber zu lang geraten - gut, das man so Fehlproduktionen nicht gleich wegschmeißt! Weil, das hatte genau die richtige Länge für meinen Hanger. Zuerst wurde da, wo die Kleedung aufhört, eine Kausche eingeklebt, und zwar so, dass noch knapp ein halber Zentimeter Platz bis zum Beginn der Kleedung ist.

      Dann habe ich mit dem Kleedegarn freihändig ganz eng von der Kausche ausgehend das Tau umwickelt; das lange Ende, welches nicht mehr gebraucht wurde, habe ich exakt in Höhe des Beginns der Kleedung gekappt. Dadurch ist die "Wickelbeule" wohltuend klein geblieben.


      Jetzt habe ich ein kurzes Stück gekleedetes Tau genommen, um das Auge zu formen, mit dem der Hanger über den Masttop gelegt wird. An den Stellen, an denen sozusagen die Augenwinkel sitzen, habe ich mit Sekundenleim getränkt. Nun wurde ein Stück neben diesen Klebestellen Schnipp-Schnapp gemacht. Es passierte das, was passieren sollte: Die alte Kleedung wickelte sich auf. Aber eben nur bis zur Leimstelle.

      Alte Kleedung runter, das darunter befindliche Tau aufdröseln und nur eine Ader stehen lassen, diese dann durch Umwickeln mit frischem Kleedegarn an den Hanger bindseln - fertig!


      Hier der alt-neu-Vergleich:


      Und da hängt er nun, der neue Hanger, und wartet auf seine beiden Seitentakel.


      Die beiden Leitkragen mit den Blöcken, von denen ich gestern schrieb, sind nun auch dran. Der Einfachblock oben ist für das Großstenge-Borgstag, der Doppelblock unten für die Groß-Bulien. Auch hier folgt die Erklärung später.


      Jetzt kann es aber wirklich bald losgehen - sobald die Seitentakel dran sind. grins 3


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    • @Hagen von Tronje Ich danke dir; eine Fregatte in 1:1 wäre reizvoll, allerdings würde ich hier an der Elbe nicht allzu weit kommen - es sei dann, ich dürfte ein paar Brücken abreißen. grins 3 (Zumindest um die hässliche Waldschlösschenbrücke wäre es nicht schade...)

      @Gunnar Dannehl Auch dir vielen Dank. Und du wirst lachen: Ich baue die Takelage schon so, dass immer dann, wenn man an einem Tau zieht, auch genau das passiert, was am Original passiert wäre. Gut, irgendwann werden die Enden dann mit Kleber fixiert, dann geht nix mehr... happy 2

      @petcarli Moin Fritz, hab ich also auch dich mit meiner Kleederei infiziert! So langsam muss ich wohl doch bei Chuck Tantiemen einfordern... happy1
      Zum Schrage: Auf der Rückseite des Schutzumschlages heißt es:

      Klaus Schrage schrieb:

      Dieses Buch beschreibt in sachlicher Reihenfolge und mit Maßangaben detailliert die Bemastung und Takelung britischer Kriegsschiffe gegen Ende des 18. Jahrhunderts.
      Also so direkt für dein derzeitiges Projekt ist das Buch eher nicht geeignet. Gut, sehr viele grundlegende Dinge bei der Takelung von Segelschiffen haben sich in mehreren hundert Jahren kaum verändert, aber es sind eben doch jede Menge Details, die im 17. Jahrhundert noch anderes aussahen als 100 Jahre später. Die Kunst besteht darin, genau diese Unterschiede zu kennen und dann eben an diesen Stellen nicht beim Schrage abzugucken.

      Als Hilfe bietet sich für dich dieses Buch an: "Rolf Hoeckel - Modellbau von Schiffen des 16. und 17. Jahrhunderts". Antiquarisch sicher noch irgendwo im Netz zu finden. Mein Exemplar ist vom Hinstorff Verlag Rostock; Delius hat/hatte die sog. "Blaue Reihe", in der jede Menge solcher Fachbücher über Segelschiffe der unterschiedlichsten Epochen herausgegeben wurden, ebenfalls im Programm.
      Ansonsten bei Unklarheiten einfach drauflos fragen; ich glaube, dass wir hier ein paar Leute mit recht gut ausgestatteten maritim-historischen Bücherregalen haben. zwinker2


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    • Ja, der Schrage... Das Wichtigste an diesem Buch ist, dass man es auch lesen kann. Sollte man auch tun! grins 3 Weil, wenn man das gründlich tut, findet man schnell heraus, wie lang so ein Hanger zu sein hat. Mein gestern so schön neu gebauter war jedenfalls zu lang...

      Also nochmal neu gemacht. Zum Glück brauchte ich nur die Kauschen ein Stück höher neu einbinden; der Trick mit dem Sekundenleim und dem Aufdröseln der Kleedung bis zum Leimpunkt hat auch hier funktioniert. Und jetzt nochmal der Vergleich alt - neu:

      Na so ein Zufall auch - sind sie beide gleich lang! happy1 Wer hat da eben was von "Chaot" genuschelt? Bootsmann, aufschreiben den Mann!
      Trotzdem: Der neue ist viel schöner, so! frech 1

      So, und was ist das? Sieht erstmal nach einem ziemlichen Kuddel-Muddel aus.

      Aber kaum hat man die nicht benötigten Fadenenden abgeschnitten, bekommt das Gebilde Struktur. Das nämlich, liebe Freunde und Freundinnen, ist mein erstes Seitentakel.


      Und so schaut es angebaut aus.


      Das für die Backbordseite ist in Arbeit; das wird aber bestimmt heute nicht mehr fertig, und ab morgen heißt's erst mal wieder: Abreise zur Stärkung des Bruttosozialproduktes - die Hauptstadt ruft!
      Mal sehen, was dann ab Donnerstag noch vor den Feiertagen geht. zwinker2


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    • Was so ein kleines Detail wie ein Seitentakel doch für ein ständiger Quell von Beschäftigung sein kann! Aber an sich nur der Aufhänger für generelle Entscheidungen, ausgehend von Hinweisen, die ich so bekommen habe.
      Zuerst einmal habe ich sämtliche Blöcke, die ich beim Chuck gekauft habe, dunkel gebeizt. Dann habe ich mich entschieden, auch das Garn, welches ich für das laufende Gut nehme, etwas nachzudunkeln; das entspricht wesentlich mehr den historischen Gegebenheiten.
      Und mit dem einen Stropp war ich auch nicht so richtig zufrieden, also wurde der nochmal gemacht.
      Jetzt aber stehen beide Seitentakel des Fockmastes, und da bleiben sie auch. Dachte ich so beim Betrachten dieser Version:


      Als ich das Bild aber dann hier in der Vorschau sah, dachte ich, da stimmt was nicht. Klar doch: Die beiden Doppelblöcke sind viel zu weit unten! Aber da ich ja die Arbeitstakel noch nicht endgültig befestigt, sondern lediglich um zwei Timberheads gewickelt hatte, konte ich hier problemlos korrigieren. Zwar musste ich dann bei dem Takel, welches direkt auf dem Rüsteisen in einen Augbolzen eingehakt wird, das Ende kürzen und den Haken neu einfassen, aber das war jetzt nicht so viel Arbeit.
      Und jetzt sieht's so aus, und da sind, denke ich, auch Schrage und Co. zufrieden:


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    • Ich möchte euch nicht vorenthalten, wie ich das hier realisiert habe:

      Bonden schrieb:

      Dann habe ich mich entschieden, auch das Garn, welches ich für das laufende Gut nehme, etwas nachzudunkeln;
      Da habe ich echt keinerlei Kosten und Mühen gescheut und mir schon vor einiger Zeit eine spezielle Maschine gekauft, die genau den richtigen Farbstoff dafür herstellt. Hier ein Blick ins Farbstoffbecken:

      Und so sieht die Maschine im Ganzen aus. Was ich neulich entdeckt habe, sozusagen als netten Nebeneffekt: Diese Maschine kann sogar die unterschiedlichsten Kaffeespezialitäten herstellen! Sensationell, nicht wahr? happy1

      Hier ein Blick auf das Ergebnis meiner Bemühungen - es handelt sich um Amati hell 0,25 mm; das gefärbte Ende ist aufgewickelt. Also für mich ist das jetzt der perfekte Farbton, wirkt wesentlich natürlicher als der Originalfarbton:




      So, und jetzt geht's wirklich ganz ernsthaft los mit dem Wanten setzen! happy 2


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    • @airgoon Ja, Norm, so ist das, da muss man immer drauf gucken.

      So wie beim Wanten setzen zum Beispiel. Bevor das alte Jahr geht, wollte ich auf jeden Fall damit begonnen haben. Und was soll ich sagen? Es hat geklappt! Die ersten beiden Wanten stehen! freu1

      Dem aufmerksamen Beobachter (den Beobachterinnen auch...) wird es auffallen, dass ich meine Rüstjungfern schwarz gefärbt habe. Auch das war wieder Ergebnis von Recherche und einer Diskussion mit Leuten, die gefühlt seit 1000 Jahren nichts anderes machen als ein historisches Segelschiff nach dem anderen zu bauen. frech 1 Und guckt man sich die Victory in Portsmouth an, sieht man, dass es dort genau auch so ist.

      Das Einbinden der Wantjungfern ist ein Geduldsspiel. Schließlich sollen ja diese Jungfern später alle den gleichen Abstand zu den Rüstjungfern haben, also heißt es immer wieder probieren, zusammenbinden, aber nicht zu fest, schauen, korrigieren... Ich brauchte einige Versuche, ehe ich wieder "drin" war. Das Taljereep, also das Tau, welches die Jungfern verbindet und mit dem man die Wanten schön straff setzt, habe ich aus drei 0,1mm starkem Amati-Garn geschlagen und dann noch etwas eingefärbt. Die Vorgabe lautet, dass das Taljereep in etwa halb so stark sein soll wie die Wanten. Das kommt bei mir rein optisch hin, real nicht ganz, da die Wanten aus 3x 0,5 mm geschlagen sind. Aber wenn ich das Taljereep noch dicker gemacht hätte, hätte ich Mühe gehabt, dies durch die Löcher in den Jungfern zu bekommen. Und ich finde, so sieht es richtig gut aus. Jetzt kann die Silvesterparty beginnen!



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    • So, man ist ja oft heute schlauer als gestern. Das jetzt besonders für @Klueni, der, wie ich weiß, auch beim Wantensetzen ist: Die Tauende der Wanten kreuzen die Wanten immer auf der Innenseite, nicht außen! Das hab ich also falsch gemacht. Nun ja, bei normalem Betrachtungsabstand erkennt man das nur mit superguten Augen und optimalen Lichtverhältnissen. Dennoch, bei den nächsten Wanten wird das selbstverständlich beachtet. Die beiden Wanten bleiben aber so, basta!

      Und dann noch ein bissel Erklärung: Man sieht, dass das vordere Wanttau bis runter gekleedet ist, während das zweite nur im oberen Bereich eine Kleedung hat. Das hat seinen Grund: Die vorderen Wanten waren besonders der Gefahr des sog. Schamfielens ausgesetzt; hier reiben sich oft Segel und Tauwerk, daher sorgte man bei diesen Wanten für einen besseren Schutz.
      Und während ich mir das jetzt in der Vorschau nochmal durchlese, sehe ich, dass ich die Sache mit dem Kleeden ja bereits in Posting 336 erklärt habe... Na, macht nix, doppelt hält besser. grins 3


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    • Moin Jungs,

      @Bonden:
      Die ersten Wanten sehen doch schon sehr professionell aus, Gekreuze hin oder her! cool1
      Zwar werde ich auch die erste vom Bug aus vollständig Kleeden, aber die anderen überhaupt nicht, auch nicht oben. Mag sein, daß dies nicht ganz richtig ist, aber ich denke da pragmatisch ans saubere Umlegen um Bereich der Saling. Dakommt es mir entgegen, wenn ich das reine Tau verarbeiten kann.
      Wirklich sehen wird man dies ausschließlich mit Lupe und entsprechendem Fachwissen....das nehm ich aber auf'n Dicken!

      lg.
      Tommi
      ....und ab dafür! rollen1
      Vergammelte Werke
    • @petcarli Ahoi Fritz, die Kleedung geht bis knapp unter die Wurst. (Für alle, die sich jetzt fragen, was das denn nun wieder ist: Die Wurst ist ein gekleideter Holzstab oder Tampen, der auf Höhe der Unterkanten der Mastbacken oder auch etwas tiefer waagerecht von außenbords an die Wanten festgezurrt wurde. Man benötigte sie hauptsächlich zum Befestigen der Püttingswanten. Das sind die Wanten, die an der Unterkante der Marsplattform in die Püttingseisen der Jungfern für die Marswanten eingehängt werden. Auch in diese werden später Webleinen eingeknüpft, um den Seeleuten so ein Aufentern zur Marsplattform und weiter nach oben zu ermöglichen.)


      @Klueni Ahoi Tommi, sauberes Umlegen an der Saling: Schau dir mal mein Foto in Posting 341 an. Also ich find das sehr sauber. zwinker2
      Aber ok, du hast eine gerade Anzahl an Wanten, da hast du also nicht das Problem, ein anderes Auge für das letzte Wantpaar fertigen zu müssen, da in dem Fall ja ein Want zur Backbordseite und eins zur Steuerbordseite gehen würde. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, wie deine Wanten aussehen werden! happy 2

      Beste Grüße,

      Bonden


      Im Bau: HMS Mercury
      Für eure Schnippel- und Klebepausen: www.karton-im-wind.de welcome1 (Sommer 2017 ist Geschichte - der Baubericht geht weiter.)