HMS Mercury - Fregatte der Enterprize-Klasse, 1778; Shipyard-Modell, 1:72

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    • Basteln am Trafalgar-Day

      Eine Seite vorher habe ich ja in Wort und Bild berichtet, wie ich meine Mercury transportsicher für die Reise nach Mespelbrunn gemacht habe. Tja, und jetzt hab ich da ein kleines Problem: Da ich den Ständer mit Ponal Express auf der Holzplatte verleimt habe, ist er da jetzt ziemlich fest verwachsen. Fester als ich dachte... verlegen1
      Sanfte Versuche mit einer scharfen Klinge habe ich schnell verworfen, weil mir ein viel besserer Gedanke gekommen ist:
      Fest steht für mich ja schon sehr lange, dass das Modell später zentraler Bestandteil in einem Diorama sein wird, und zwar dergestalt, dass es irgendwo auf dem Ozean irgendwas erlebt. Ergo hängt die Mercury ähnlich wie Kluenis Alert in einer künstlichen Wasseroberfläche, und es wird kein Ständer gebraucht. Und deshalb.... baue ich einen zweiten Ständer. grins 3

      Hä? fragen sich jetzt vielleicht einige von euch. Also:
      Auf dem derzeitigen Ständer ist das Schiff mit zwei Stahlstiften, die im Kiel stecken, mit dem Ständer verbunden. Ein wenig Ponal Turbo sorgt für einigermaßen Festigkeit, aber nicht so, dass sich da nichts mehr lösen lässt. (Hab ich probiert, das Schiff ist frei!)
      Und so hab ich mir gedacht, bevor ich den Ständer da jetzt mit Gewalt und nicht ohne erhebliche Beschädigungen von dem Brett fetze, baue ich lieber einen zweiten Ständer, den ich nutze, wenn ich wieder am Schiffchen weiterbaue. Und der Originalständer verbleibt auf dem Brett, und wenn ich mal wieder mit der Mercury auf Reisen gehe, bevor alle Stengen fest an Bord sind (weil dann isses zu hoch für meinen Golf) weiß ich, wie ich wieder sicher mein Modell von A nach B und zurück transportiere.

      Glücklicherweise habe ich noch alle Teilebögen aufgehoben, auch die (mittlerweile zahlenmäßig überwiegenden), bei denen alle Teile bereits entnommen sind. Stichwort Lasercut. zwinker2 Und so hab ich mir dann einfach auf ein dickes großes Stück Karton die Teile des Ständers übertragen, ausgeschnitten und zusammengebaut. Da ja, wie gesagt, auch dieser Ständer später nicht mehr benötigt wird, habe ich mir zugegebenermaßen auch nicht so ganz viel Mühe gegeben. verlegen1 Aber am Ende wird er trotzdem gut aussehen. happy 2

      So, das hier war die Ausgangslage:


      Und jetzt kommen wir zum Trafalgar-Day. Für die wenigen Menschen hier, die mit dem Begriff nichts anfangen können, will ich es gern erläutern:
      Zu Zeiten der Herrschaft Napoleons waren England und Frankreich Erzfeinde. Bonaparte gierte darauf, die Insel zu überrennen, um in seinem Größenwahn auch die Nation zu besiegen, die ihm auf den Weltmeeren immer wieder und sehr eindrucksvoll Paroli bot - etwas, was er an Land mit seiner Grand Armee nicht kannte. Also zumindest nicht bis zu seinem zweiten, seinen Untergang einläutenden Russland-Feldzug... Um sein Ziel einer Invasion Englands zu erreichen, brauchte er aber einen Ärmelkanal, der mindestens 12 Stunden frei von englischen Kriegsschiffen war. Und genau deshalb blockierten die englischen Flotten konsequent und erfolgreich die französischen Häfen. Klar, immer wieder gelang es einzelnen Schiffen oder auch mal einer ganzen Flotte, auszubrechen, aber dann war es eben an der Royal Navy, da wieder für Ordnung zu sorgen.

      Ich will jetzt hier nicht die ganze Geschichte dieser über Jahre gehenden Auseinandersetzungen referieren (obwohl ich es könnte frech 1 ), wer sich da intensiver informieren will, findet im Netz und in den guten alten Bibliotheken jede Menge Material. Daher nur kurz zum heutigen Tag:

      Am 21. Oktober 1805 hat eine englische Flotte unter dem Kommando von Vizeadmiral Lord Horatio Nelson eine vereinigte französisch-spanische Flotte unter dem Oberbefehl von Vizeadmiral Pierre de Villeneuve vor Kap Trafalgar vernichtend geschlagen und damit endgültig die Invasionspläne Napoleons gegen England zerstört. Vor Beginn der Schlacht ließ Nelson an Bord seines Flaggschiffes HMS Victory das legendäre Flaggensignal setzen: England expects that every man will do his duty.

      (England erwartet, dass jederman seine Pflicht tut.) Getrübt wurde dieser großartige Sieg durch den Tod von Nelson.
      England ehrte seinen größten Seehelden u.a. mit dem Trafalgar-Square und der darauf stehenden Nelsonsäule in London. Sein Sarkophag ruht genau im Zentrum der Krypta von St. Paul's Cathedral; seine Uniform, die er in der Schlacht trug, kann man original im NMM (National Maritim Museum) in Greenwich, London besichtigen, incl. des Einschussloches der Kugel des französischen Scharfschützen aus dem Besanmast der Redoutable, die zu Nelsons Tod geführt hat.
      Das Flaggschiff Nelsons kann noch heute im Trockendock von Portsmouth besichtigt werden (Wahnsinn ist das! Fahrt da hin! hüpf1 ) und ist im Bereich historischer Segelschiffe mit Sicherheit das am meisten begonnene Modell. Es ist wohl ebenso auch das am häufigsten nicht zu Ende gebaute Modell... grins 3

      So, und was macht so ein postpubertärer Bootsfetischist wie ich am Trafalgar-Day? Na klar, er guckt DEN Film! freu1
      Dass ich dabei auch noch einen neuen Ständer für meine Mercury gebaut habe, ist bemerkenswert. grins 3 Aber das hat total Spaß gemacht, und bei den spannenden Szenen - also fast immer - hab ich dann auch Schere und Messer und Karton links liegen lassen. Und Insider wissen genau, bei welcher Szene ich aufgestanden bin. happy1 Das mache ich IMMER bei dieser Szene! grins 3
      Aber immerhin, bei der entscheidenden Seeschlacht der Surprise mit der französischen Acheron waren die meisten Teile schon soweit fertiggestellt, dass sie nur noch auf den Zusammenbau warteten. Aber zuerst einmal musste Käptn. Aubrey das feindliche Schiff entern:

      Aber als dann die traumhaft schöne Schlussszene zu sehen war, war auch der Modellständer 2.0 in Rohform fertig. ja 1


      Ach ja, es kann ja durchaus sein, dass es noch tatsächlich Menschen gibt, die nicht wissen, was DER Film ist. (Wie kann sowas nur passieren? kratz1 )

      Der hier ist DER Film: Klick mich! daumen1


      Im Bau: HMS Mercury
      Für eure Schnippel- und Klebepausen: www.karton-im-wind.de welcome1 (Sommer 2017 ist Geschichte - der Baubericht geht weiter.)
    • Moin Bonden,
      hab mir mal wieder Deinen BB und Dein Statement zum Trafalgar Day durchgelesen. So langsam bekomme ich Lust mich wieder an die Cleopatra zu machen. Was Deine Empfehlung zur Victory angeht - ja, unbedingt ansehen. Auch in dem "kastrierten" Zustand ist das Schiff eindrucksvoll.

      Ach ja, wie kann man DEN Film nicht kennen? happy1
      Ein schönen Gruß aus Schläfrig-Holstein.

      Bernd

      "Wenn das Ihre Lösung ist, dann hätte ich gern mein Problem zurück."
    • Ahoi Bonden,

      dann hoffe ich, dass es nach dem feierlichen Einläuten der neuen Bastelsaison dann auch bald neuer Bilder von Deiner Grazie geben wird. Ich freue mich jedenfalls drauf.
      tschö1 Christian

      in der Werft: Papegojan Shipyard im Maßstab 1/72, Knarr nach Skuldelev I im Maßstab 1/72

      "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."
    • So, Freunde, in meinem Marinezimmer wurde nun endlich offiziell wieder der Betrieb aufgenommen. Der gestrige Tag war neben dem gezeigten Bau eines Behelfsständers einer gründlichen Werftinspektion und Aufräumaktion vorbehalten; mit einer blitzblanken und gut sortierten Werft geht es also los. (Mal schauen, wie lange das so bleibt... grins 1 )
      Zwar ist die heutige Ausbeute nicht allzu üppig, aber immerhin... happy 2
      Ich habe gemerkt, dass ich erst einmal wieder in Tritt kommen muss: Für das Anbringen eines einzigen Wantenpaares habe ich heute glatte drei Stunden gebraucht. rotwerd1 Die Wantjungfern wollten einfach nicht so wie ich wollte. motz1 Aber es wird! Das nächste Wantenpaar ist bereits vorbereitet, also im oberen Bereich gekleedet und eingebunden.
      Wenn ich mit den Großmastwanten fertig bin, gibt's auch wieder was zum Zeigen. zwinker2


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    • Hi Bonden,

      ein Standardsatz meiner Mutter war: "Wer keine Arbeit hat, macht sich welche!"

      Aber ich vermute mal, Deine neue Bauhelling macht sich schnell "bezahlt". Wenn das Modell ohne selbst angefasst zu werden zu händeln ist, das ist schon wichtig.

      Dann werde ich jetzt also wieder öfters in Dresden vorbeischauen...
      Beste Grüße

      von Andy

      Lasst uns (k)leben!
    • @Railgoon Aye, Andy, wenn du mal nach Dresden kommst, bist du immer herzlich willkommen! daumen1


      Bonden schrieb:

      Wenn ich mit den Großmastwanten fertig bin, gibt's auch wieder was zum Zeigen.
      Nun bin ich zwar noch nicht fertig, aber ich zeig dennoch was. Weil mal wieder was nicht so lief wie es sollte. Gleich zweimal hat es mich heute beim Wanten setzen überrascht: Vorsichtig, aber offenbar nicht vorsichtig genug zog ich das jeweilige Taljereep straff, und Bumms - war der Ärger da. Die Rüstjungfer kam plötzlich aus dem Rüstbrett, da sich das oberste Teil des Rüsteisens durch zuviel Zug aufgebogen hat und so die Rüstjungfer freigegeben hat. Also das Taljereep (den Faden zwischen der Rüstjungfer und der Wantjungfer) wieder ausgefädelt, die Rüstjungfer diesmal mit reichlich Sekundenkleber im Rüstbrett verankert, zusätzlich die unten herausschauende Öse der Einfassung noch etwas aufgebogen, das oberste Teil des Rüsteisens zurechtgebogen und alles wieder angebracht. Kurz durchtrocknen lassen, erneut das Taljereep rein, spannen - hält!
      Und wie ich so ein paar Fotos schieße und sie mir dann am PC anschaue sehe ich das hier:

      Seht ihr's auch? Die im Bild hinterste Rüstjungfer ist viel zu weit oben; der Zug hat dafür gesorgt, dass ihre Einfassung ein Stück aus dem Rüstbrett herausragt. Also auch hier alles loswerfen, Rüsteisen zurecht biegen, Rüstjungfer bombenfest einfügen, Taljereep wieder rein, spannen - hält! Und sieht jetzt so aus:


      Das letzte Wantpaar an Backbord folgt wahrscheinlich morgen, und dann kommt die Besonderheit am Großmast: Er hat auf jeder Seite 9 Wanten. In einem solchen Fall, also bei ungerader Zahl der Wanten, werden die hintersten Wanten aus einem Ende hergestellt, das man im Masttop auflegt und dazu ein Auge durch einen Hufeisenspleiß bildet. Nun, spleißen werde ich nicht, aber es wird am Ende ungefähr so aussehen, als ob. Lasst euch überraschen! zwinker2


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    • Die Klippen hast Du prima umschifft.

      Danke auch für das Zeigen der Stellen. Deine Erfahrungen bestärken mich nach dem Rumpf der Papegojan erst ein kleineres Modell zu bauen, um Erfahrungen beim Takeln und mit dem Material zu sammeln.
      tschö1 Christian

      in der Werft: Papegojan Shipyard im Maßstab 1/72, Knarr nach Skuldelev I im Maßstab 1/72

      "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."
    • So, alle Wanten am Großmast sind gesetzt. Ich finde nach wie vor, dass es sich auf jeden Fall lohnt, die Jungfern vorher ordentlich auszukeepen; die Taljereeps liegen dadurch einfach besser.




      Und im Masttop sieht es auch hübsch aufgeräumt aus. Gekleedete Taue - was gibt es schöneres?



      Als nächstes kommen jetzt Großstag und Großborgstag.


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    • Ahoi @Didibuch , danke, Dieter, und glaub mir, ich denke beim Bauen auch oft an das Original. zwinker2

      Bevor die Stage an den Großmast kommen, müssen erst noch die Rahtakel hergestellt und angebracht werden. Dazu brauche ich:
      - ein gekleedetes Stück Tau
      - dünnen Faden
      - zwei einscheibige Blöcke 6mm
      - Leim
      - Skalpell
      - Zahnstocher


      Nach konzentrierter Arbeit liegt dann das auf der Schneidematte:



      Und flugs sind sie angebracht; das geschieht mit einer Laschung, die jeweils auf der entgegengesetzten Seite des Masttops durch eine
      Stopperklampe geführt wird. Sieht dann im Detail so aus:


      Und dann noch ein Bild in der Übersicht:


      Noch zur Erklärung: An diesen Takeln wird dann die Großrah mittels eines sog. Drehreeps befestigt (zeige ich, wenn es soweit ist). Damit kann man dann die Rah abfieren, d.h., herunterlassen.

      Nun, ich muss sagen, ich bin mit den Ergebnissen dieses Werftwochenendes recht zufrieden. happy 2


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    • Hallo Bonden,

      ich kann Deine Bilder leider nicht so gut sehen, weil ich mir immer die Augen reiben muss, wenn ich hier reinschaue ...

      Dein Problem mit der etwas zu hohen Rüstjungfer hab ich erst nach langem "such den Fehler im Bild" dank Vergleichsfoto finden können. Sowas kann nur einer ad hoc erkennen, der auch echt Ahnung von den ganzen Teilen hat.

      Gruß,
      Stephan
    • Ahoi Bonden,

      aaahh, "MERCURY – Third season" startet! Da beziehe ich natürlich sofort wieder meinen Platz! Nachdem ich Deine Prachtsfregatte in Mespelbrunn gesehen habe, kann ich mir das Gepfriemel hier nun noch besser vorstellen. Wie immer: perfekte Arbeit von Dir! Und tröste Dich: nach der Sommerpause bin ich auch etwas aus der Übung. Aber das kommt alles wieder! Auf eine erfolgreiche Bastelsaison!

      Beste Grüße
      Claudia
    • Ahoi @Stephan , schone deine Augen, du brauchst sie doch ganz dringend in höchster Form für dein Wettbewerbsmodell! Und glaub mir - diese zu hohe Rüstjungfer sehe nicht nur ich auf Anhieb. Genauso, wie wahrscheinlich die absoluten Kenner aller Baureihen von Straßenbahnen bei deinem Modell auch gleich die minimalste Abweichung erkennen würden... zwinker2

      Ahoi @Claudia , das freut mich, dass du hier wieder in der ersten Reihe Platz genommen hast - aber ich habe auch nichts anderes erwartet. grins 3 Die Übung ist schon wieder da, die weiteren Wanten gingen dann recht flott von der Hand.

      Übrigens habe ich heute nochmal an den Wanten gearbeitet. Aber nun nicht in dem mir ja durchaus nicht wesensfremden "Abriss-Modus", keine Bange. Doch mit einem einäugigen Blick in Längsrichtung sah ich, dass der Großmast einen leichten Drang nach Steuerbord zeigte. Also an Steuerbord alle Taljereeps gelockert, wodurch natürlich auch die an Backbord an Spannung verloren. Dann dort alle, beginnend bei dem bugwärts befindlichen Taljereep, nachgespannt, dann auf Steuerbord auch wieder ein wenig angezogen, und schon stand der Großmast exakt senkrecht, wie sich das gehört. Genauso haben die das früher auch am Original gemacht.
      An sich ist der "Schiefstand" logisch: Das erste Wantpaar, welches ich aufgelegt hatte, war Steuerbord. Beim Straffen entsteht natürlich ein einseitiger Zug auf den Mast, und wenn dann das erste Wantpaar auf der Backbordseite gesetzt wird, gibt es hier beim Spannen ja den Widerstand der anderen Seite, so dass der Mast zwar ein wenig, aber eben nicht vollständig wieder in die exakte senkrechte Position zurückgeholt wird. Man nimmt dann diesen Fehler quasi bis zum letzten Want mit. verlegen2


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    • Hallo Bonden,

      schaut genial aus deine Mercury. Den Schreck mit der Jungfer kann ich gut nachfühlen. Ich habe auch immer Bammel, ob alles dem Zug standhält. Beim letzten Modell habe ich die Beschläge mit kurzen Drahtstücken in die Rüste hinein gestiftet, das klappte gut. Sobald die Abschlußleiste vorgesetzt ist, sieht man davon nichts mehr.

      Grüße
      Holger
      Viele Grüße
      Holger
    • Boxer schrieb:

      Bonden schrieb:

      An diesen Takeln wird dann die Großrah mittels eines sog. Drehreeps befestigt (zeige ich, wenn es soweit ist). Damit kann man dann die Rah abfieren, d.h., herunterlassen.
      Hallo Bonden,
      nach dem was ich in Mespelbrunn gesehen habe, frage ich mich nun tatsächlich, ob Du das ernst, also umsetzbar, meinst?? denk1

      Grübelnde Grüße,

      Robert
      Ahoi Robert,

      erstmal danke für dein Interesse an meinem Modell. Und um auf deine Frage zu antworten: Doch doch, das meine ich ernst. verlegen2 Klar, ich werde viele Taue des laufenden Gutes dann irgendwann so fixieren, dass sie nicht mehr beweglich sind, da ansonsten die Gefahr besteht, dass ich nie damit fertig werde, ein "Endbild" hinzubekommen, also einen Zustand, den ich dann am fertigen Modell darstellen möchte. Aber zuerst einmal brauche ich unbedingt diese Beweglichkeit, eben um alle beweglichen Teile, also Rahen, Fallen, Halsen, Schoten, Bulinge, Refftakel und und und ... dahin zu bringen, wo ich sie haben will. Ich hoffe mal, ich kann das hier mit Bildern deutlich machen, wenn es soweit ist. Wird noch etwas dauern, denn zuvor muss das stehende Gut...ähm... ja, eben stehen. happy 2

      Und das noch: Da du in Mespelbrunn warst, hast du ja sicher auch mein Papegojan-Diorama gesehen. Auch dort habe ich so gebaut - wenn ich da die entsprechenden Taue des laufenden Gutes von ihren Klebepunkten lösen würde, könnte ich dir zeigen, was passiert, wenn man hier oder da zieht - du würdest z. B. sehen, dass sich eine Rah brassen lässt. zwinker2

      Gruß,

      Bonden


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    • Da ich noch immer auf eine Lieferung Takelgarn warte und mir deshalb noch nicht mein Großstag schlagen kann, habe ich schon mal angefangen, das Auftakeln des Untermastes vom Besan vorzubereiten. Dazu dieses "Symbolbild":


      Ihr seht da ein Tau liegen - das wird das erste Wantpaar, ist bereits gekleedet. Und jetzt kommen die Fragen, stimmt's? grins 3 Schraubstock und Proxxon? Und was ist das da auf der Scheibe? denk1
      Ich habe heute nicht nur die Wantjungfern für den Besan, sondern auch noch alle für die Pardunen ausgekeept, d.h., jede Öffnung mit einer Führungsnut für das Taljereep versehen, wozu ich die 4mm-Jungfern eine nach der anderen in einer Drahtöse vorsichtig in den Schraubstock gespannt und dann mit einem 0,5mm-Bohrer die Keepen gefräst habe. Und da die Jungfern bei mir alle schwarz gepönt werden, habe ich mir diese Methode mit den Nadeln und einem alten Korkuntersetzer einfallen lassen. Durch das schräge Durchstecken zweier Nadeln halte ich die Teile auf einer Höhe, in der ich sie gut von allen Seiten streichen kann.


      Das wollte ich einfach mal zeigen. zwinker2


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    • Bonden schrieb:

      Da ich noch immer auf eine Lieferung Takelgarn warte...
      Nun ist das Tau endlich da, und ich konnte mir mein Großstag schlagen. Nach dem Ankertau ist das das dickste Stück Faden, was so ein Schiff damals an Bord hatte. Also nahm ich 3x 1mm Amati schwarz und reepte mir damit ein feines Großstag. Hier mal im Vergleich mit einem Wanttau für den Großmast, da waren es 3x 0,5 mm.


      Dann wurde es im Bereich des zu fertigenden Auges gekleedet und dabei auch gleich in der Kleedemaschine die Stagmaus gefertigt, die ein Zuziehen des Auges am Masttop verhindern soll. Dann muss der Abstand gemessen werden, um die Herzkausche für das Straffen des Stages einzubinden.


      So vorbereitet kann es dann schon an den Mast. Mit einem kräftigen Taljereep werden nun die beiden Herzkauschen des Stags und des Stagkragens straff miteinander verbunden, anschließend wird die Talje provisorisch gesichert, um später, wenn das stehende Gut komplett dran ist, alles nochmal nacheinander nachzustraffen, ehe dann alle Taue endgültig fixiert werden.


      Nach dem selben Prinzip wird dann das Großborgstag gefertigt und angebracht. Hier mal ein Blick zum Masttop; das Großstag liegt vorschriftsmäßig unter dem Großborgstag (Shipyard meint in der Bauanleitung übrigens, es genau anders herum zu bauen...).


      So, dann gab es noch ein paar Restarbeiten am Fockmast. Mein Ausguck hat sich ganz schön gewundert, als hinter ihm plötzlich rege Betriebsamkeit herrschte.
      Ihr seht da zum einen dicken Block, der am Masttop befestigt wurde, und dann noch eine eingebundene Kausche eines zweischenkligen Stropps, deren beide Enden jeweils über eine Längssaling und der darauf sitzenden Kalbe befestigt ist. Die Taue, mit denen der Block bzw. die Kausche eingebunden wurden, wurden vorher vorschriftsmäßig gekleedet. Das Anbringen selbst war dann eine ganz schöne Fummelei - tja, selber schuld, da hätte ich auch eher dran denken können, als z.B. die Marsplattfom noch nicht angebracht war.


      Nun fragt sich der eine oder die andere sicher, wozu diese Teile da sind? Ich will das gern erklären (auch wenn vielleicht niemand fragt grins 3 ).
      Hier mal eine Zeichnung mit allen Stagen, die an so einem Schiff sind:

      Stage dienten der Stabilisierung der Masten in Längsrichtung. Genau wie die Wanten, die die Querrichtung sichern, muss es ständig möglich sein, sie nachzuspannen. Deshalb ist es zwar eine Vereinfachung, sie am Modell einfach an den nächsten Mast zu binden, aber richtig ist es keinesfalls. Bei meiner Mercury jedenfalls werden sie so gebaut, wie es der Praxis entspricht. Das zur Einleitung.
      Also, der Stropp mit der Kausche ist für das Großbramstag da, hier die Nummer 52. Dieses Stag, von der Bramstenge des Großmastes kommend, hat an seinem Ende auch eine Kausche eingebunden. Diese beiden werden dann mittels eines Taljereeps straff verbunden.
      Der dicke Block dient der Weiterführung des Großstengestags (Nr. 40). Es kommt aus dem Top der Marsstenge des Großmastes, wird durch diesen Block nach unten geführt. An Deck ist neben dem Fockmast dafür als Gegenstück ein Augbolzen eingelassen, an dem ein Stropp mit einer Kausche befestigt ist. Auch das Ende des Stags hat eine eingebundene Kausche, und so werden diese auch hier wieder mittels Taljereep verbunden und das Stag so straff gesetzt.

      Und wie ich das so schreibe, sehe ich, dass ich da am Top des Fockmastes noch eine Kausche anbringen muss: Auch das Groß-Oberbramstag, Nr. 55, wird dort befestigt... Ok, das dann morgen. verlegen2

      Aber das war noch nicht alles an Werftneuigkeiten...


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    • Jetzt geht es dann auch an den Besanmast. Auch hier wird zuerst das Ladetakel angebracht; im Gegensatz zu Fock und Groß ist das dort nur ein einfaches Takel, also oben ein Doppelblock, unten ein einfacher Block, der an einem durchweg gekleedeten langen Stropp befestigt ist, an dessen Ende ein Haken eingebunden ist. Dieser wird in einen Augbolzen im Rüsteisen eingehakt; die holende Part der Talje habe ich jetzt erstmal auf einen Belegnagel innenbords gelegt.


      Und dem aufmerksamen Auge ist es natürlich nicht entgangen: Auch das erste Wantpaar ist da, und zumindest ein Tau ist auch schon fertig:


      So, nochmal geschaut, ob alles so ist wie es sein soll:


      Jo, passt - und so sieht meine Mercury heute bei Werftschluss aus:


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    • Hallo Bonden,

      das sind wieder Klasse Erklärungen und ich habe mal wieder etwas dazu gelernt. Ich hatte bisher nicht gewusst, das die Stage der oberen Regionen auch über Blöcke nach unten zum Deck geführt wurden und dort mit einem Augbolzen straff gesetzt wurden. Es ist schon interessant das Ganze hier zu verfolgen.
      Eine Frage zum Schluss. Welche Stärke hat denn nun Dein Großstag , nachdem es geschlagen wurde?

      Gruß
      Fritz
    • Ahoi @Buddy danke für Dein Lob - auch wenn ich ja derzeit eher weniger Kartonmodellbau zeige. grins 3 Aber das bleibt bei einem historischen Segelschiff nunmal nicht aus - ich kenne bisher kein Modell in diesem Maßstab, bei dem auch die gesamte Takelage aus Papier ist. frech 1

      Ahoi @AnobiumPunctatum Danke, dir als Experten konnte ich sicher nichts Neues mehr vermitteln. zwinker2 Ich taste mich an manche Sachen ja auch erstmal Schritt für Schritt ran; die theoretischen Kenntnisse sind das Eine, sie dann in Praxis am Modell umzusetzen ist bei diesem Schiff auch für mich teilweise bis überwiegend Neuland. Aber es macht ungebrochen weiter riesigen Spaß.

      Ahoi @PRT lieber Roland, vielen Dank für deine netten Worte! Und ja, ich habe da schon eine gewisse Leidenschaft entwickelt.

      @petcarli Ahoi Fritz, ich habe zwar kein Präzisionsmessgerät, aber ich würde mal sagen, wenn ich das Tau so auf's Lineal lege, sind das reichlich 1,5 mm im Durchmesser. Nehme ich die Tabelle im Blauen Marquardt zur Hand, wird dort das Großstag einer 28-Kanonen-Fregatte mit einem Umfang von 12,5 Zoll angegeben. Das ergibt in der Umrechnung 1,4 mm - ich würde sagen, das passt dann so. Letztendlich ist auch der optische Eindruck entscheidend, und da habe ich nicht das Gefühl, dass das Stag überproportioniert ist. Als ich probeweise ein Tau angehalten hatte, welches ich aus 3x 0,75mm geschlagen habe, kam mir das zu "spillrig" vor. Wäre dann die selbe Stärke wie das Fockstag gewesen, was keinesfalls richtig wäre. Das hat bei mir einen Durchmesser von ca. 1,2 mm, was auch der Marquardt-Tabelle entspricht: Der daraus berechnete Wert lautet 1,25 mm. happy 2

      Und weil ich grad den "Blauen Marquardt" erwähne: Karl-Heinz Marquardt, der auf der anderen Seite der Welt, in "Down Under" lebt, feiert heute seinen 90. Geburtstag! happy birthday 3


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    • Bonden schrieb:

      ... Aber das bleibt bei einem historischen Segelschiff nunmal nicht aus - ich kenne bisher kein Modell in diesem Maßstab, bei dem auch die gesamte Takelage aus Papier ist.
      DASS wär einmal sehenswert! laola1
      Herzliche Grüße / Best regards,
      Andreas

      Optimismus ist die Kunst, mit dem Wind zu segeln, den andere machen.
      Alessandro Manzoni (1785 – 1873)

      Buddys Kartonuniversum
    • Ahoi Fritz,

      ich weiß jetzt nicht, ob du den Marquardt hast; falls ja, wäre der zumindest auch eine Orientierung für dich. Dein Schiff ist ja bautechnisch im Jahr 1690 angesiedelt, im Blauen Marquardt geht es um Schiffe des 18. Jahrhunderts - da liegen also mal grad schlappe 10 Jahre dazwischen. grins 3 Und auch wenn sich das Buch schwerpunktmäßig auf englische Schiffe und teilweise noch auf französische Schiffe bezieht, bietet es auf jeden Fall eine Orientierung hinsichtlich der Verhältnisse der Taustärken untereinander.

      Ahoi @Buddy , tja, Andreas, ich kenne nur ein einziges ernstzunehmendes Schiffsmodell, bei dem die Takelage aus dem selben Material ist wie Rumpf, Aufbauten, Masten, Spieren und Rahen, und das steht im Internationalen Maritimmuseum zu Hamburg. Es ist eine 1:100-Version der Santa Maria - aus purem Gold. staun1 Als ich die zum ersten Mal gesehen habe, wollte ich nur noch nach Hause und ein brennendes Streichholz an meine Schreiber-Santa-Maria halten. lach 2


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    • Hallo Bonden,

      Du hast Dich evtl. schon gefragt ob ich hier schon mal reingeschaut habe. Hab ich, aber ich hier immer sehr vorsichtig sein.

      Du wirfst so herrlich mit all den Fachausdrücken um Dich, das es eine helle Freude zu sehen ist, wie Du in dem Thema richtig aufgehst. Manche dieser Fachbegriffe deuten sich im Text an und da kann ich mich dann vorsichtig rantasten.

      Manche tauchen dann aber einfach so, völlig unvorbereitet in der nächsten Textzeile auf, und da Du die mit so viel Hingabe raushaust, trifft mich dann schon mal eines und haut mich vom Hocker. Eigentlich kann ich hier nur mit Helm reinschauen. Gibt´s hier eigentlich einen Sicherheitsbeauftragten ?

      So, genug geulkt.

      Ich in einfach nur fasziniert was Du hier zeigst, am genialsten finde ich aber das 3te Bild in Deinem letzten Post. Da sieht man noch ganz genau das Kind im Manne, mit ungebremsten Spaß bei der Sache.

      klasse1

      Gruß,
      Stephan
    • Ahoi @Stephan , vielen Dank für deine nette Nachricht! Du bist jederzeit herzlich willkommen in meiner Werft. Und extra für dich habe ich bei der Stadtverwaltung durchgesetzt, dass es jetzt auch eine Straßenbahnhaltestelle "Bondens Werft" gibt; kannst also direkt mit deiner eigenen Tram hierher fahren. grins 2

      Tja, und zu den Fachausdrücken: Ich versuche ja schon, das eine oder andere zu erklären, aber nicht immer denke ich daran. Also lass dich von denen nicht umhauen! Einfach fragen ist eine gute Alternative. zwinker2

      In diesem Sinne, weiterhin frohes Schaffen in deiner und gute Unterhaltung in meiner Wekstatt! happy 2

      Gruß,
      Bonden


      Im Bau: HMS Mercury
      Für eure Schnippel- und Klebepausen: www.karton-im-wind.de welcome1 (Sommer 2017 ist Geschichte - der Baubericht geht weiter.)
    • @Gerhard Ja, unsereins ist nicht mal beleidigt, wenn jemand "Zieh Leine!" ruft - wir berichtigen dann nur: "Das heißt Tau!" happy1
      Ich freue mich immer, wenn ich alles so schreibe, dass es auch für Nicht-Segelschiffbauer halbwegs verständlich ist. Und so ein Dampfschiff ist ja auch was schönes - klar, mit Masten und Segeln wäre es gleich noch mal so schön. grins 3 frech 1 Nee, war Spaß, ich bewundere immer wieder, wie ihr Dampfschiffkapitäne mit viel Akribie und Wissen eure Kunstwerke hinzaubert. daumen1

      Moin @Klueni, und, juckt es dich nicht doch, ein weiteres Segelschiff anzufangen? grins 2 Das hat schon was, gelle? zwinker2

      So, und im nächsten Posting plaudert der Bonden mal aus dem Nähkästchen... verlegen2


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