HMS Mercury - Fregatte der Enterprize-Klasse, 1778; Shipyard-Modell, 1:72

    • Buddy schrieb:

      du hast ja noch zwei Etagen
      Nee nee, da irrst du dich. Nur die Marswanten bekommen noch Webleinen, die Bramwanten nicht. Alles in allem warten da nochmal bummelig 450 Knoten auf mich. Also ein Kinderspiel. grins 2

      @petcarli Genau, Fritz, der Anblick am Ende macht einen einfach nur zufrieden.

      @Gnost Och, Ludwig, wenn es um das Thema "ein bissel gaga sein beim Modellbau" geht, würde ich mal mit einem Ausspruch meiner Mutter kontern: Da wundert sich der Topf über'n Tiegel. happy1

      Euch jedenfalls vielen Dank für die netten Kommentare, und danke auch an die Däumchenheber! happy 2

      Im Bau: HMS Mercury
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    • Ja, nach dem so ein Abschnitt beendet ist, fragt man sich, was jetzt als nächstes folgt. Möglichkeiten gibt es da viele. Auf jeden Fall muss es ja irgendwie weiter in die Höhe gehen, aber auch nach vorn ist noch Luft, der Klüverbaum mit all dem noch fehlenden Kladderadatsch wäre auch eine Option. Schließlich habe ich mich doch für den Weg nach oben entschieden. Und da stelle ich als Erstes fest: Holla, gar keine passenden Taue da! Da muss jetzt also erst einmal die Reeperbahn aktiviert werden. Und dann fängt man mit den Tauen und stellt auf einmal fest: Nun ist aber das Garn gleich alle. Oh... Wie gut, dass ich derzeit Taue benötige, bei denen ich als Ausgangsmaterial das sehr gute Nähgarn von Gütermann nehme; im Ergebnis sind die daraus geschlagenen Taue genauso gut wie die aus Amati Takelgarn, allerdings so wesentlich preiswerter. Also trabe ich mal kurz in ein kleines, ganz in der Nähe befindliches Fachgeschäft. Ja, Gütermann haben sie, allerdings nur ein dünneres Garn als das, welches ich brauche. Hmm. Und dann macht es Klick im Kopf: Die Stengewanten des Kreuzmastes sind auf jeden Fall dünner als die von Fock und Groß, war ja in der ersten Etage auch schon so. Und dafür könnte dieses Garn ja durchaus gehen - also wird das gekauft. Zu Hause ein Tau probehalber geschlagen: Wunderherrlich, würde der Herr dafi sagen. Passt! Und selbst dieses recht dünne Tau lässt sich dann auch gut kleeden, denn auch bei den Stengewanten sind die vordersten immer bis zur Wantjungfer durchgekleedet, und die Augen ja sowieso.
      Dann nehme ich mal wieder den Schrage zur Hand. Ach ja, wenn man da eine Weile nicht mehr reingeschaut hat, und dann noch wissen will, was denn alles beim Setzen der Marsstengen zu beachten ist, wird einem erst einmal schwindlig. Da fehlen da noch Augbolzen und dort noch Stropps und hier müssen noch Löcher gebohrt werden. Also bekam die Kreuzmarsstenge ein Scheibgatt gebohrt, um da später das Drehreep der Kreuzmarsrah durchzuscheren. Und wenigstens davon hab ich Fotos gemacht. Zwei Löcher gebohrt, den Bereich zwischen diesen beiden etwas ausgespart, die Tauprobe gemacht, und inzwischen ist das alles auch fein schwarz gepönt.

      Also keinesfalls Stillstand auf meiner Werft, wie ihr seht. happy 2

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    • Da mit dem Abschluss der Wantenknüpferei für die Unterwanten schon eine große Etappe geschafft ist, habe ich mir gedacht, ich mache mal ein kleines Fotoshooting mit meiner Hübschen. Ihr seid herzlich eingeladen, euch das Ergebnis auf meiner KiW-Seite anzuschauen. zwinker2

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    • Ein kollektives, erleichtertes Aufatmen, verbunden mit leisem Jubel, weht durch das Forum.

      Endlich, endlich - das Warten hat ein Ende! Da ist sie endlich, die erste Abrissaktion 2019 auf Bondens Werft! freu1

      Das war mir doch schon längere Zeit ein Dorn im Auge. Schaut euch nur diese Butluvspieren an! Das geht so nicht!

      Da ist zum einen die unterschiedliche Höhe der beiden Spieren. Und dann war ich beimWantenknüpfen irgendwann mal etwas unaufmerksam und habe aus der Versehen an der steuerbordseitigen Butluvspiere gezerrt. Man erkennt gut, dass dadurch die eingebundene Kausche nicht mehr optimal eingebunden ist und beim nächsten kleinen Ruck ab ist.

      Also, runter mit dem ganzen Krams!




      Kausche neu eingebunden und neu am Spierenende befestigt, Butluvspiere neu angebracht, Stage mit der Zurring wieder steifgesetzt, mit Farbe kleinere Schäden zugepönt, fertig. Und nun kann man der Mercury auch wieder mit Freude direkt von vorn ins Antlitz schauen.


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    • So, die Herren @AnobiumPunctatum und @petcarli - schaut mal hier, ein ebenso hübscher wie prominenter Beleg dafür, dass es in der Praxis zwar wesentlich näher an meiner neuen als an der vorherigen Variante war, aber eben auch nicht auf den letzten Millimeter genau:

      Klick mich!

      freu1 zwinker2

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    • Oooukeyyy...
      Ick hab' ja nun echt nix von der seemännischen Expertendiktion verstanden, aber ich bilde mir ein, den Unterschied bildhaft erkennen zu können.
      Schön, wie Du dich in die Details eingibst; das liegt ganz auf meiner Linie. Mein erstauntes Auge wird weiterhin auf diesem exzeptionellen Bau ruhen...

      Griass Di!
    • Ahoi @Thom , willkommen auf meiner Werft. Und du hast ja Recht - wir werfen hier mit Fachwörtern um uns, und der Landlubber wundert sich. frech 1

      An anderer Stelle im Netz habe ich, nachdem ich das obige Posting hier abgesetzt habe, mein erstes Bild dazu noch etwas mit Paint aufgepeppt; gern zeige ich das auch hier:


      Und um zu erklären, wozu diese vorstehenden Rundhölzer, genannt Butluvspieren, da sind, zitiere ich mich mal selbst:

      Bonden schrieb:

      Butluvs sind wichtig zur Bedienung des Focksegels, und zwar speziell um die dem Wind zugewandte untere Ecke dieses Segels, Luv-Schothorn genannt, möglichst weit in den Wind zu stellen, um ein Killen des Segels zu verhindern. Da das Schiff nun mal da vorn irgendwann zu Ende ist, zumindest die normal begehbare Fläche, sprich das Vordeck, so dass da keiner mehr mit einer Leine weiterlaufen und daran ziehen kann, bedient man sich eben dieser Butluvs. Später, wenn es so richtig losgeht mit dem Auftakeln, zeige ich das mal ganz praktisch.
      Also der Knubbel ganz vorn an der Spiere ist die Umlenkrolle - der Seemann nennt das Teil Schulterblock.
      Um die teilweise doch enormen Zugkräfte, die da bei heftigem Wind an diesem Rundholz zerren, zu kompensieren, sind die beiden nach unten führenden Taue angebracht. Eins geht nach vorn, zum sog. Scheg, also der bugseitigen Verlängerung des Kiels, das zweite geht seitlich an den Rumpf. Straff gezogen werden diese Taue mit einer Zurring. Dazu ist am Ende der Butluvspiere eine Kausche, eng von einem Tau umfasst, angebracht. Eine zweite Kausche ist an der Verbindung der beiden Taue befestigt. Nun wird ein dünnes Tau, das in dem Fall Taljereep heißt, an einer der Kauschen festgemacht, und dann wird es mehrmals durch beide Kauschen geführt und dann schön straff gezogen. Abschließend wird das lose Ende mehrfach um diese Zurring geführt und festgebunden.

      Durch mein tolpatschiges Zerren an der Butluvspiere beim Wantenknüpfen hat sich das Tau, mit dem die Kausche am Ende der Spiere eingebunden war, halb gelöst; es war zum einen zu befürchten, dass das bald reißt, zum anderen waren dadurch die beiden Taue nicht mehr straff gespannt. Und das war dann für mich der ausschlaggebende Moment, jetzt endlich an dieser Stelle für Ordnung zu sorgen. grins 2

      So, dann hoffe ich mal, dass damit alle Klarheiten beseitigt sind. zwinker2 Aber ansonsten: Fragen, fragen, fragen - kostet nicht, und mir macht das Antworten sogar Spaß. verlegen2

      Gruß,

      Bonden

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    • Servus Bonden,

      deine Fotostrecke ist ein echter Genuss! freu 2 danke1

      Nicht nur, weil die "Mercury" so schön und vor allem spitzenmäßig gebaut ist, sonder auch, weil sie professionell fotografiert ist. Ganz großes Kino!
      Herzliche Grüße / Best regards,
      Andreas

      Optimismus ist die Kunst, mit dem Wind zu segeln, den andere machen.
      Alessandro Manzoni (1785 – 1873)

      Buddys Kartonuniversum
    • Wow, ich bin entzückt!
      Vielen herzlichen Dank für Deine Ausführungen; oft sieht man sich so ein Schiff an und wundert sich nur über die spinnwebartig anmutende Fülle an Tauen und Seilen, wohl wissend, dass jedes seinen Zweck erfüllt. Darüber etwas in Erfahrung zu bringen, ist eine grosse Freude. Soeben habe ich zudem "Kausche" nachgeschlagen und bin völlig baff, dass ich eine solche schon selber gezimmert habe, jedoch aus 0,1 mm Draht, haha!



      Weiterhin staunend und lernend,

      Thom
    • Zum Thema Kauschenherstellung möchte ich euch heute einen tollen Herstellungstrick weitergeben. In diesem Posting hier hatte ich beschrieben, wie ich mir meine Kauschen herstelle. Das Absägen der einzelnen Messingrohr"scheiben" hat den Nachteil, dass oftmals ein hässlicher Grat oder eine kleine "Nase" an der Kausche bleibt. Nun erinnerte mich an eine Empfehlung, die mir ein Modellbauer an anderer Stelle dazu gegeben hat und probierte diese aus, Und siehe da, es funktioniert prima! Es ist an sich sehr simpel:
      Man sollte sich, wenn man das Messingrohr kauft ("Rohr" klingt so unheimlich dick - wir reden hier von einem Außendurchmesser von knapp 2 mm) auch ein dem Innendurchmesser entsprechendes Stück Federstahl kaufen. Also gewissermaßen das Spaghetti-Stück, welches man in die Maccharoni steckt. grins 2 Nun mit einem scharfen Cuttermesser einfach auf der Schneidematte Kausche für Kausche durch druckvolles Schneiden bei gleichzeitigem Hin- und Herrollen des Messingrohrs abtrennen. Geht überraschend leicht und schnell, und man bekommt gleichmäßige und nahezu gratfreie Kauschen. Diese dann auf ein dünnes Stück Draht fädeln, ins Brünierbad hängen und nach erfolgter Schwärzung dann damit arbeiten.

      @Thom Respekt, das sind zwei ebenso sehr schöne wie sehr kleine Kauschen! daumen1

      @petcarli Aus meinem Munde? Ich hab doch gar nichts gesagt! frech 1

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    • Ahoi Heinrich,

      kein Grund, sich zu entschuldigen - ich hatte ja geradezu um Fragen gebettelt. grins 2 Du hast völlig richtig vermutet, diese gelben Spieren sind die Butluvspieren. Sie sind leicht gebogen; das ist nicht verkehrt, im Gegenteil, sehr oft hat man diese Hölzer etwas gebogen, da sie so noch besser die Zugkräfte kompensieren. Den Verwendungszweck habe ich ja in Posting 658 erläutert, das ist bei den französischen Schiffen nicht anders als bei denen von der Insel. happy 2

      Gruß,

      Bonden

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    • Ahoi Bonden, dann wage ich es, hier gleich noch eine schwere Frage nachzuschieben: Ich bin gerade dabei, das Heck der genuesischen SAETTIA zu fertigen, finde aber keine Vorrichtung zur Befestigung von Sorgleinen, auch nicht am Ruder. In der Bauanleitung ist nichts zu finden. Ist es vorstellbar, dass ÜBERHAUPT ein Schiff jener Zeit (18. JH) OHNE Sorgleinen gefahren ist? Und, Folgefrage: würdest Du - ohne Kenntnis, wo genau die Sorgleinen anzubringen sind - diese an einem Modell vorsehen? Oder alternativ: sie lieber weglassen? VG Heinrich
    • Ahoi Heinrich, das ist nun eine Frage, die ich nicht zweifelsfrei beantworten kann. Ich habe ein tolles italienisches Buch über Schiffe des Mittelmeerraumes, da ist auch eine Saettia drin. Aber zur Sorgleine gibt es keine Aussage. Ich habe mir daher erlaubt, deine Frage an einen Modellbaukollegen im "Götterforum" weiterzugeben, der genau dieses Schiff gebaut und im Vorfeld dazu sehr viel recherchiert hat.

      Ich kann aber schon mal meine unmaßgebliche Meinung hierlassen: Heckruder sind über Fingerlinge mit dem Achtersteven verbunden. Bei schwerem Seegang oder dem kurzzeitigem Aufsetzen auf einer Sandbank oder einem Riff bestand daher die Gefahr, dass das Ruder aus diesen Scharnieren gehoben wird, die Ruderpinne aus dem Gat rutscht und das Ruder somit weg ist. Um sicherzustellen, dass genau das nicht passiert, waren die Sorgleinen da. Insofern erscheint es mir logisch, auch deiner Saettia eine Sorgleine zu verpassen.
      Aber warten wir mal die Antwort des Experten von nebenan ab.

      Gruß,

      Bonden

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    • Neu

      Und schon ist die Antwort da, die ich hier auszugsweise wiedergebe:
      Dein Kollege sollte so verfahren. Er sollte nachforschen, ob zeitgleiche Fleuten, Fregatten u.ä. damit ausgestattet waren und wie. Diese Bellabarba Saettia war ja ein ursprünglicher Spitzgatter, dem man einen nordeuropäischen Look verpasst hat mit diesem Heckabschluss. Wenn er Beispiele findet, soll er es bei der Saettia auch so machen.

      Würde mich über ein Foto von seinem Modell freuen. Es ist ja immer interessant, wie es umgesetzt wird.
      Du schreibst ja, dass deine Saettia aus dem 18. Jahrhundert ist - nun, zu der Zeit hatten wohl alle Schiffe mit Heckruder Sorgleinen. Insofern machst du bestimmt nichts verkehrt, wenn du deinem Schiff auch eine verpasst.
      Und wo anbringen? Nun, am Ruder ein Stück über der KWL - wir wollen ja nicht, dass die Kette verrostet bzw. das Tau verrottet. Dann zwei Augbolzen dicht unter dem Heckspiegel und ziemlich weit außen. Und wenn du ganz korrekt arbeiten willst, führst du noch Taue, die ebenfalls an diesen Augbolzen befestigt sind, locker hängend an die Reling des Achterdecks, wo du sie an einem Nagel oder am Geländer gut vertäust. Diese Taue sollten auch nicht zu dünn sein. Weil, was passiert, wenn das Ruder aus den Fingerlingen springt? Die beiden Augbolzen sind allein nicht in der Lage, das schwere Gewicht des Ruders halten. Und selbst wenn - was sollte denn dann geschehen? Dann müssten Männer kompliziert am Heck herabgelassen werden, um dann das Ruder irgendwie wieder klar zu kriegen - eine Wahnsinnsarbeit! Daher waren diese Augbolzen gewissermaßen eine Sollbruchstelle. Die eigentliche Sorgleine ist das Tau von den Augbolzen an Deck. Denn nun kann man wesentlich leichter vom Deck aus das Ruder zuerst einmal in eine Position bringen, dass es nicht noch den Rumpf leck schlägt und dann von dort die Reparaturarbeiten durchführen.

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    • Neu

      Ahoi Bonden, alles klar, sehr logisch, danke. Mache ich so. Die Frage nach der fehlenden Sorgleine hat sich mir nach Lektüre im Mondfeld gestellt. Meine Überlegung: ein Schiff ohne Ruder war doch zur damaligen Zeit "verloren", folglich hatte die Sorgleine ein elementare Bedeutung (??). Es ging mir darum, wie man mit (vermeintlichen oder echten) Konstruktionsfehlern an Modellen umgeht, womit ich nicht Farbfehler oder falsche Nummerierungen meine. Kurz zur Saettia: Mein Schiffchen ist mit Deinem fantastischen Projekt natürlich nicht vergleichbar, außer dass es auch 3 Masten hat und viel Arbeit macht. Die echten "Sorgenleinen" beginnen für mich eh, wenn die Masten stehen... VG Heinrich
    • Neu

      Irgendwann fackelt uns die ganze Bude hier ab, weil alle immer ihr Licht unter den (Karton-)Scheffel stellen. grins 2 @Heros Heinrich, du baust ein wirklich tolles Modell, da brauchst du dich nicht zu verstecken. daumen1

      Und du wirst sehen, dass die "Sorgleinen", wenn man erst einmal Tritt gefasst im Auftakeln, auch richtig Spaß machen können. zwinker2

      Ich habe selbigen derzeit an meiner Mercury. Mein Tutorial zum Einbinden von Kauschen ist ja gut und schön - aber es gibt Situationen, da nutzt dir das gar nichts, da muss man freihändig direkt am Schiff Kauschen einbinden, weil es nicht anders geht. denk1 Zeige ich dann später... grins 3

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      Es ist viel passiert in meiner Werft an diesem Wochenende. Und bevor es diesbezügliche Fragen gibt: Ja, es hat auch wieder Abrissaktionen gegeben. Die eine war geplant, die andere hat mir diesmal Shipyard beschert. Aber der Reihe nach:

      Nach den Webleinen hab ich erstmal ein wenig hin und her überlegt, wie ich jetzt weitermache. Marsstengen? Oder doch erstmal das Vorgeschirr fertigbauen? Dann war die Entscheidung gefallen: Nach oben, und ich beginne am Besanmast.
      Da gab es vorher noch einiges zu tun, Kleinkram alles, aber eben auch zeitaufwändig. Strops bzw. Augbolzen in die Marsplattform, Augbolzen am Eselshaupt, Strops mit Kauschen an den Marsjungfern, um dort später die Bramwanten festzuzurren, Schlagen der erforderlichen Taue für die Wanten.

      Nachdem die oben genannten Vorarbeiten erledigt waren, ging es ans Wantensetzen am Besan. Für den Einstieg in die Mars-Ebene ein lohnendes Vorhaben, sind doch hier nur an jeder Seite drei Wanten anzubringen. Wie auch bei den Untermasten werden die Wanten paarweise aufgelegt, das vordere Want ist durchgekleedet, ansonsten geht die Kleedung bis 0,25 der Wantenlänge; die Augen werden wieder mit einer schönen Plattbindselung gefertigt. Und da wir eine ungerade Zahl an Wanten haben, werden die beiden hinteren Wanten aus einem Tau gefertigt; für das Auge wird ein gekleedetes Stück Tau eingebunden. Also alles bekannte Arbeiten, aber da es schon eine Weile her ist, dass ich dasselbe bei den Untermasten gearbeitet habe, muss ich mich erst mal wieder reinfinden. Aber alles unspektakulär, und am Ende des Tages standen dann auch die Stengewanten am Besan:


      Der aufmerksame Betrachter und auch die aufmerksame Betrachterin entdecken hier sofort die erste Abrissaktion. Nun, das war eine angekündigte: Ich war ja selbst nicht zufrieden mit dem Geländer auf der Marsplattform, und für das Auftakeln des Besan war das eh im Weg, also weg damit. Das wird dann bald neu gemacht und wieder angebaut, wenn auch die Bramstenge angebracht ist.

      Dann habe ich das Kreuzstengestag vorbereitet. Zuerst einmal gedanklich. Führung und Befestigung ist klar: Wie die bisherigen Stage auch wird es mit einem gekleedeten Auge inklusive Stagmaus um den Stengetop gelegt. Dann geht das Stag durch einen Leitkragen, der direkt unter dem Masthummer des Großmastes befestigt ist. Am Ende des Stages wird eine Kausche eingebunden. Diese wird dann mittels Taljereep mit dem Stagkragen, in dessen Bucht ebenfalls eine Kausche eingebunden ist, verbunden und somit das Stag steif gesetzt. Der Stagkragen ist ebenfalls am Großmast befestigt.
      Zum Einbinden von Kauschen habe ich ja hier im Forum kürzlich erst ein tolles Tutorial eingestellt. So, jetzt durchdenken wir das Thema Kreuzstengestag nochmal, und relativ schnell merkt man: Holla, das ist ja jetzt blöd. Das "störende Element" ist der Leitkragen, durch dessen Kausche das Stag läuft. Stagauge mit Maus am einen Ende und eingebundene Kausche am anderen Ende kann man also nicht beides an Land fertigen. Also habe ich mich dafür entschieden, die Kausche am unteren Ende freihändig an Bord einzubinden. Ging ganz gut.
      Ich hoffe, die Bilder machen das deutlich, was ich eben beschrieben habe.


      Also die Kausche für das Stagende erstmal vorsichtig mit Ponal Turbo fixiert und dann hübsch eingebunden. auf dem zweiten Bild baumelt sie da irgendwo rum, ist etwas schlecht zu sehen, sorry.


      Aber bevor das Stag nun seinen endgültigen Platz findet, braucht der Besan noch Pardunen. Und jetzt geht der Spaß los.

      Pardunen dienen generell der seitlichen Abstützung der Masten. Zuerst kommt die stehende Pardune dran, auf jeder Seite eine. Diese müssen erst einmal bis unter die Kante der Marsplattform gekleedet werden. Jede Pardune wird einzeln aufgelegt. Nun, und da sind sie schon, die stehenden Pardunen:


      Sieht doch toll aus, oder? Aaaaber...

      Weiter geht's im nächsten Posting.

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      Pardunen also. Es gibt die stehenden Pardunen, das erwähnte ich schon, und die baute ich schon. Dann gibt es auch noch die fliegenden Pardunen, auch Schlingerpardunen genannt. Die heißen so, weil bei starkem Schlingern des Schiffes, zum Beispiel beim Segeln mit starkem Seitenwind, insbesondere die der Luvseite angeholt wurden, aber auch, um sie bei einem Wendemanöver und ungünstigen Winden einfach mal auf die andere Seite hinüber zu nehmen als zusätzliche Abstützung. Also mussten diese Schlingerpardunen anders befestigt werden. Das geschah folgendermaßen: Am unteren Ende der Pardune war eine Kausche eingebunden. In diese wurde eine Talje, welche aus zweischeibigen Blöcken gebildet wurde, eingehakt; das andere Ende dieser Talje wurde in einen Augbolzen auf dem Rüstbrett, hinter der letzten Want, eingehakt.
      Nun, diesen Augbolzen hatte ich angebracht. Dann aber stutzte ich und blätterte mal in der Bauanleitung von Shipyard. Warum? Es folgt ja noch, wie bereits angekündigt, eine weitere Etage, die Bramstenge. Und auch von der geht eine Pardune... ähm, ja, Moment, wo geht die hin? Die müsste ja auf diese kleine Hilfsrüste, aber da ist ja bereits die stehende Pardune der Kreuzstenge befestigt. Jetzt wird es kompliziert. Die Bauanleitung macht es dann deutlich: Shipyard verzichtet komplett auf die stehende Pardune der Kreuzstenge, sieht lediglich die fliegende Pardune mit der Talje auf dem Rüstbrett vor und lässt die einzige Jungfer auf der kleinen Hilfsrüste für die Pardune der Bramstenge frei.


      Och nö! Und damit war meine heimliche Hoffnung, zum Nachmittagskaffee mit dem Thema Besanstenge durch zu sein, erledigt. Was sich Shipyard dabei gedacht hat, weiß ich nicht. Der Fockmast und der Großmast haben auf ihren Hilfsrüsten jeweils zwei Jungfern, eben für die stehenden Pardunen von Mars- und Bramstenge. Der Besan braucht das aber auch! Und so kam es dann zur zweiten Abrissaktion.


      Die Aufgabe war klar definiert: An einem Ort, an dem wenig Platz ist, muss ein Rüstbrett hin, welches zwei Jungfern aufnehmen kann. Gut, dass ich alle alten Lasercutbögen aufhebe, bis das Modell fertig ist. So nahm ich als Referenz die Hilfsrüsten des Fockmastes, malte die Umrisse auf ein Blatt Papier, klebte das auf den entsprechend dicken Karton und hatte so eine Vorlage, die ich mir dann zurechtsäbelte.


      Ich war dann derartig im Bau-Wahn, dass ich keine weiteren Zwischendurch-Bilder anbieten kann. Ich durfte auf keinen Fall eine Pardune in den Schwenkbereich der Karronade bringen, und die Stütze für die Drehbasse konnte auch nicht versetzt werden. Also wurde diese Stütze dezent mit eingearbeitet. Dann die Fummelei, die Rüstjungfern samt Rüsteisen anzubringen... Die Aufregung, als ich die beiden stehenden Pardunen anbrachte und steif holte - würde das neue Rüstbrett halten? Jetzt die fliegenden Pardunen - dafür hatte ich vier Doppelblöcke jeweils mit einem Haken eingebunden und dann immer zwei mit einem Taljereep verbunden; und das Einbinden der Kauschen am Ende dieser Pardunen konnte ich dann wieder mit meiner Tutorialmethode realisieren. Zum Schluss dann endlich das Kreuzstengestag festmachen - war auch nochmal eine nette Fummelei mit dem Taljereep da eng am Großmast.

      Aber irgendwann war ich dann am Ziel! Und hier das Ergebnis:




      Nun schauen wir mal, was der nächste Werfttag so für Überraschungen bringt... verlegen2

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      @Klueni Danke, Tommi, und auch danke an dich, @petcarli Fritz. Und um deine Frage zu beantworten: Jede Seite hat eine fliegende Pardune, die jeweils am Ende des "großen" Rüstbrettes mittels Talje in einen dort befestigten Augbolzen eingehakt ist. Die stehende Pardune der Kreuzstenge ist an der vorderen Jungfer des kleinen Rüstbrettes befestigt. Die dort noch freie zweite Rüstjungfer ist für die später dazukommende Pardune der Bramstenge reserviert.

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      Hallo Bonden,
      so jetzt hast du alter Seebär es geschafft das ich ein wichtiges Buch neben dem PC liegen habe um nachzuschlagen was du da so schreibst.




      So jetzt kann ich sagen dein Baubericht ist super. daumen1 klasse1
      Deine Bauweise ist perfekt alle Achtung vvor allem was die Strippenzieherei angeht mit kleinteilen. daumen1 klasse1

      freu 2 prost2 freu 2 prost2 freu 2

      Grüßle,
      Reinhold
      Du sollst den Karton und die Kartonmodellbauer ehren.
    • Neu

      @Reinhold Was ich immer sage: Wir kriegen euch alle!

      @Peter_H Danke!

      Und generell: Nochmals danke für lobende Kommentare und erhobene Daumen in meinem Baubericht. daumen1 Es klingt vielleicht abgedroschen, aber es ist wirklich so, dass mich so etwas immer noch ein Stück mehr motiviert. verlegen2


      Und so habe ich heute beim Tageslicht (kurzzeitig hatten wir mal sowas wie Sonnenschein - sensationell!) entschieden, ein paar kleine Korrekturen vorzunehmen. Ich würde jetzt nicht soweit gehen, das gleich als Abriss zu bezeichnen. Aber schaut euch die Kauschen am Ende der Schlingerpardunen an: Die habe ich wohl etwas zu groß ausgewählt. Und das Stagende habe ich auch erneuert, hier wurde die Kausche vorsichtig herausgelöst und ein paar Zentimeter höher gesetzt. Der Grund ist ganz einfach: Ich musste dieses Stag doch mehr anziehen als gedacht, damit die Pardunen die Marstenge nicht so weit nach hinten ziehen. Dadurch haben sich dann die Kausche am Ende des Stages und die im Stagkragen am Großmast fast berührt, so dass ich mit dem Taljereep nichts mehr ausrichten konnte.
      Aber jetzt haben die Schlingerpardunen kleinere Kauschen, die Taljen sind wieder eingehängt und nur leicht straff geholt, das Kreuzstengestag ist schön steifgesetzt, und die Stenge sitzt jetzt so, wie sie soll.

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