HMS Mercury - Fregatte der Enterprize-Klasse, 1778; Shipyard-Modell, 1:72

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    • Ahoi @Heros

      der Bausatz hat Licht- und Schattenseiten. Es ist ja jetzt bereits ein paar Jahre her, dass er auf den Markt geworfen wurde. Das Konzept ist durchaus interessant: Man erhält Monat für Monat ein Heft mit diversen Teilen und kann direkt anfangen zu bauen; die Bauanleitung ist so abgefasst, dass auch jemand, der noch nicht über viel Erfahrung beim Bau eines historischen Segelschiffmodells verfügt, drauflos bauen kann.
      Die Qualität der Holzteile ist zumeist sehr gut, man muss nur wenig nachhübschen, um ein wirklich schmuckes Modell zu bekommen. Und da sich die Kosten über die Monate hin verteilt haben, muss man nicht auf einen Schwung einen großen Brocken Geld hinblättern.

      Das Takelgarn hingegen ist m.E. gruselig-schlecht, ist extrem fusseig und unregelmäßig dick. Die hier gezeigte Vic hat ordentlich geschlagene Taue von meiner Reeperbahn spendiert bekommen. zwinker2

      Auch die Reihenfolge des Zusammenbaus ist nicht immer vernünftig. So sieht die Bauanleitung zum Beispiel vor, erst alle Masten und Stengen einschließlich Marsen und Salinge anzubringen und fest miteinander zu verbinden, ehe die ersten Wanten gesetzt werden. Vernünftige Augen bei den Wantpaaren lassen sich so natürlich nahezu unmöglich anfertigen; hier rät jeder halbwegs erfahrene Modellbauer, sich Etage für Etage hochzuarbeiten und erst mal alle Wantpaare über den Top zu legen, ehe die Marsplattform und die nächste Stenge drangepappt werden.
      Insgesamt macht es aber Spaß, dieses Modell zu bauen. Wir werden mal schauen, wer von uns beiden eher fertig ist - wobei wir keinesfalls einen Wettbewerb daraus veranstalten... happy 2

      Viele Grüße

      Bonden

      Im Bau: HMS Mercury
      Für eure Schnippel- und Klebepausen: www.karton-im-wind.de welcome1
    • Servus Bonden,

      wenn die Mercury fertig ist, verschieben wir den Baubericht in eine neue Kategorie: "Enzyklopädie historischen Segelschiffbaus!"
      Noch detaillierter geht es nicht mehr!

      Ich folge hier nur noch mit offenem Mund! oh1

      beifall 1 beifall 1 beifall 1
      Herzliche Grüße / Best regards,
      Andreas

      Optimismus ist die Kunst, mit dem Wind zu segeln, den andere machen.
      Alessandro Manzoni (1785 – 1873)

      Buddys Kartonuniversum
    • Ahoi allerseits,

      wie immer danke für die netten Kommentare und Däumchen - schön zu wissen, dass es euch gefällt. Und so wollen wir dann ein weiteres Kapitel für die Enzyklopädie schreiben, gelle, @Buddy ? grins 2

      Heute berichte ich über das Mittelstagsegel; darüber hinaus gibt es noch ein bissel Fachchinesisch und ein paar Worte zu den Schoten.

      Auf geht's:
      Nun also das Mittelstagsegel. Dass es an einem eigenen, noch nicht angebrachten Stag gefahren wird, bringt euch um eine weitere Abrissaktion, macht es mir aber ein kleines wenig leichter.
      Das Stag wird an einem losen Stagkragen befestigt. Lose heißt, dass er sich an der Fockmarsstenge auf und ab bewegen lässt - was er auch tut, wie man den beiden Bildern im direkten Vergleich entnehmen kann.


      Das bedeutet aber auch, dass zusätzlich zu den Tauen, die an das Segel müssen, noch ein weiteres Tau, der Aufholer, an diesem Stagkragen angebracht werden muss. Das lose Ende läuft erst zu einem Block, der an der Bramsaling befestigt wird, und wird dann durch das Soldatenloch hinunter zum Deck geführt, wo es an der vorderen Nagelbank des Fockmastes belegt wird.
      Das Segel habe ich wieder etwas verkleinert, bevor ich es mit Liektau, Hörnern und Stagreitern versehen habe.


      Die Vorgehensweise beim Anbringen war dann wie folgt: Das Segel habe ich zuerst wieder in meiner Hilfskonstruktion vorschriftsmäßig mit dem Niederholer eingebunden. Nun wurde das eine Ende des Stages an der Kausche des bereits gezeigten Stagkragens befestigt. Das andere Ende fädele ich durch die Stagreiter des vorbereiteten Segels und führe es anschließend durch eine Öffnung der backbordseitigen Scheibenklampe am Top der Großmarsstenge. Jetzt kann ich an der richtigen Stelle einen Doppelblock an das Ende setzen und mit einem auf der Großmars in einen Augbolzen eingehängten Einfachblock und einem Taljereep eine Anholtalje bauen. Das lose Ende der Talje läuft durch das Soldatenloch und wird dann an der Beting des Großmastes belegt.
      Nun noch die Taue am Segel:
      Das Fall läuft durch eine Öffnung der steuerbordseitigen Scheibenklampe und wird dann an einer Wantklampe am hinteren Want des Großmastes belegt.
      Der Niederholer läuft durch das Soldatenloch und findet seinen Festmachpunkt ebenfalls an der vorderen Fockbeting.
      Die beiden Hälse werden beidseitig durch binnenbords angebrachte Leitkauschen geführt und dann an den Marswantjungfern belegt.
      Mit den Schoten sichere ich das eingepackte Segel zusätzlich und binde diese am Stagkragen des Großmarsstags fest.
      Und so schaut es dann am Ende aus:


      Die Entscheidung, die Schoten so und nicht anders zu behandeln, habe ich mal nicht aus einem der vielen Bücher - da habe ich nirgends was gefunden, was speziell mit diesen Tauen im geborgenen Zustand geschieht. Ich habe mich in die Situation des Segelmeisters der Mercury versetzt und mir folgendes überlegt - und das gilt für alle Schoten der bisher angebrachten und samt und sämtlich geborgenen Segel:
      Sind die Stagsegel gesetzt, ist die Führung der Schoten klar definiert. Sie ist von Segel zu Segel unterschiedlich, aber eins eint sie alle: Würde man sie im geborgenen Zustand da lassen, wo sie im gesetzten Zustand sind, baumelten sie sinnlos umher, bildeten zusätzliche Stolperfallen und würden speziell im Gefechtsfall, wo man einfach nur Platz und bestmögliche Sicht braucht, nur im Weg. Um das am Beispiel des eben angebrachten Mittelstagsegels zu erläutern: Die Schoten gehen hier beiderseitig der Stage an Deck, wo man sie an beiden Seiten querab vom Großmast durch Fußblöcke am Setzweger scherte. Die holenden Enden wurden dann an Belegnägeln im hinteren Bootsbalken oder wo sonst Platz war belegt. So, und so ähnlich werden auch die Schoten der anderen Stagsegel geführt, was bedeutet, dass da auf dem Achterdeck ganz schön viel Blöcke und Taljen und so zusätzlich wäre. Dazu kommt, dass die Stagsegel (von den Vorsegeln ausdrücklich abgesehen) während eines Gefechtes wohl so gut wie nie gesetzt wurden - da hatte man ganz andere Probleme.
      Da ich bekanntermaßen meine Mercury in einem Diorama zeigen werde, in einer Szene kurz vor einem Gefecht, habe ich als Segelmeister also so entschieden, wie ich entschieden habe. Wenn sich dann doch die Situation ergibt, dass die Stagsegel schnell gesetzt werden müssen (fliehenden Feind verfolgen; vorm verfolgenden Feind fliehen...), stehen sofort ausreichend Männer zur Verfügung, um die Schoten loszuwerfen, durch die Leitblöcke zu führen und diese an den richtigen Stellen an Deck einzuhaken.

      Und weil ihr jetzt so geduldig meinem Seemansgarn gelauscht habt, gibt es noch ein paar schöne Bilder für euch. happy 2






      Und jetzt wird es interessant: Als nächstes habe ich vor, den Klüver und Vorstenge-Stagsegel anzubringen - und beide im gesetzten Zustand. Also eine weitere Premiere für mich. Es bleibt spannend... verlegen2

      Im Bau: HMS Mercury
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    • Wie immer vielen Dank für die netten Kommentare und die Däumchen.

      Vor längerer Zeit habe ich hier u.a. über Scheibenklampen berichtet. Zum Nachlesen: Klick hier.

      Nun, diese Teile sind wohl die, die ich am häufigsten abgerissen rückgebaut habe. Zuletzt aus rein praktischen Erwägungen: Es war nicht genügend Platz im Top der Stengen für diverse Wanten, Pardunden und Strops etc. Da ich die Teile zum damaligen Zeitpunkt nicht brauchte, legte ich das Problem erst einmal zur Seite. Aber jetzt wurde es akut - für die Stagsegel braucht man die eben.
      Und nun endlich ist mir was eingefallen, schon bei den ersten Stagsegeln, die ich angebracht habe. Heute nun der Bericht darüber.
      Diese Scheibenklampen werden vor allem für die Führung diverser Taue der Stagsegel benötigt. An vielen Modellen sieht man anstelle dieser Klampen kurz eingebundene Blöcke, die dann da an den jeweiligen Stengen festgemacht sind. Kann man machen, ist aber m.E. nicht korrekt.
      Also, was wird gebraucht? Ein Teil links und rechts des Stengetops an Fock und Groß, durch das jeweils zwei Taue geführt werden können.
      Tja, manchmal liegt das Gute so nah: Ein einscheibiger Block erfüllt hier am Modell genau diese Funktion. Also habe ich zwei 5mm-Blöcke flach und etwas eckiger geschliffen, am Stengetop mit Ponal Turbo befestigt und anschließend schwarz gepönt. Das Bild vom Großmast zeigt, dass die Teile sich schon bewähren. Und im letzten Bild seht ihr das Vorstenge-Stagsegel. Das Segelstag und das Fall sind da zwar noch nicht befestigt, aber bereits durch die neuen Scheibenklampen geführt.




      Man denkt immer, wenn so ein Segel erstmal auf dem Stag sitzt, ist der Rest schnell erledigt. Tja, nicht ganz. Aber, und damit nehme ich gleich mal allen Hoffnungen den Wind aus den Segeln, es wurde nichts abgerissen. frech 1

      Das Segel habe ich, nachdem ich es mit Liektauen und Stagreitern versehen hatte, noch vor dem Anbringen mit verdünntem Weißleim (Ponal Express) getränkt und dann in Form gepustet. Wie genau, zeige ich gleich beim Klüver. Nach dem Pönen der Stagreiter wurde es dann auf das Stag gefädelt und das Stag danach festgesetzt: Wie schon berichtet, wird es durch die obere Öffnung der backbordseitigen Scheibenklampe hinunter in den Mars des Fockmastes geführt. Dort erhält es den Doppelblock einer Arbeitstalje; der Einfachblock dieser Talje wird in einen Stropp (bei mir ein Augbolzen) auf der Marsplattform eingehakt. Das holende Ende der Talje wird dann durch das Soldatenloch nach unten geführt und dort an der Beting am Fockmast verzurrt.

      Drei Ecken hat das Tuch, und an jeder muss mindestens ein Tau befestigt werden. Am Fallhorn gleich zwei, zum einen das namensgebende Fall, zum anderen der Niederholer. Das Fall geht eine Öffnung tiefer ebenfalls durch die Scheibenklampe und wird dann direkt hinunter zur Back geführt, wo es durch einen Fußblock geführt und einem Timberhead befestigt wird. Der Niederholer wird durch einige der Stagreiter geführt, läuft dann durch einen kleinen Leitblock am Halshorn und findet seinen Fixpunkt ebenfalls an einem Timberhead an der Backreling.
      Die untere vordere Ecke, das Halshorn, bekommt auch ein Tau befestigt, welches dann mit mehreren Schlägen um den Klüverbaum und durch das Halshorn und anschließend um diese Wicklungen herum befestigt wird.
      Bleiben noch die Schoten. Diese sind bei der Schiffsgröße einfache Taue, die jeweils in der Back mittels Fußblöcken und Timberheads belegt werden, wobei immer die leeseitige Schot fest und die luvseitige locker ist. Logisch. Wichtig ist, dass man darauf achtet, dass die lose Schot immer über dem Fockstag geführt werden muss, da ansonsten eine Wende... nun, recht schwierig wird. grins 2
      Tja, so schaut es jetzt aus:




      Und hier wird ein Problem deutlich: Das Segel hat zwar eine schöne, nicht übertriebene Wölbung, aber aufgrund der Tatsache, dass es eben so angebracht ist, wie es richtig ist, sieht es eben nicht so aus wie auf dem letzten Bild. Weil: Auf dem Bild ist Wind! Ich puste kräftig von Backbord, so dass sich das Segel schön ausstellt. Ohne Wind wirkt einfach nur die Schwerkraft, und es behält zwar seine Weißleimwölbung, vermittelt aber nicht den Eindruck, den ich mir wünschen würde.
      Aber ich denke schon über eine Lösung nach. Ich werde mir sehr dünnen Federstahl bestellen, vielleicht lässt sich damit das Schottau imitieren, ohne dass es auffällt - das sollte dann reichen, das Segel ein Stück nach außen zu drücken. Mal schauen - ich werde berichten...

      Da ich ja ein unbelehrbarer Optimist bin, gehe ich heute schon davon aus, dass das alles so klappt wie ich es gern hätte und habe daher den Klüver entsprechend vorbereitet. Gern zeige ich euch deshalb die Methode, wie ich das Segel in eine windige Form bringe.
      Tja, mit Wind eben! Liektaue, Hörner und Stagreiter angebracht, dann auf meine Hilfskonstruktion gespannt und ab damit ins Bad, wo man hemmungslos Wind machen kann, ohne dass irgendwelche Kleinteile von der Schneidematte gepustet werden. Ich habe das Tuch wieder mit verdünntem Weißleim getränkt, dann die Schoten fest- und den Fön mit voller Puste draufgehalten. Realistischer geht es wegen der derzeitigen Reisebeschränkungen wirklich nicht. grins 3

      Das Ergebnis sieht gut aus.


      Und ein kleiner Kameraschwenk zeigt, dass es auch in diesem Raum maritim-historische Atmosphäre gibt.


      Anbringen kommt vermutlich morgen. Das ist noch ein Stück spannender als das Segel davor - hier kommt endlich der Ausholring ins Spiel. verlegen2

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      Hallo Bonden

      Das sieht wiederum fantastisch aus.

      Bonden wrote:

      Ohne Wind wirkt einfach nur die Schwerkraft, und es behält zwar seine Weißleimwölbung, vermittelt aber nicht den Eindruck, den ich mir wünschen würde.
      Mit diesem Problem setzte ich mich momentan auch mal wieder auseinander. Bei meinen winzigen Seidenpapier-Segel mag das bei einem sehr kurzen Schot noch mit versteifen des Schotes mittels Sekundnekleber funktionieren und auch nicht so augenfällig sein. Aber bei grösseren Segeln wird das wirklich eine Knacknuss. ich bin gespannt und überzeugt, dass Du auch hier eine sehr gute Lösung finden wirst und ich werde sie gnadenlos abkupfern.

      Beste Grüsse
      Peter
      Meine grösste Angst: Dass ich irgendwann erwachsen werde... happy 2

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      Hey Bonden,

      Peter_H wrote:

      Das sieht wiederum fantastisch aus.

      Mit diesem Problem setzte ich mich momentan auch mal wieder auseinander. Bei meinen winzigen Seidenpapier-Segel mag das bei einem sehr kurzen Schot noch mit versteifen des Schotes mittels Sekundnekleber funktionieren und auch nicht so augenfällig sein. Aber bei grösseren Segeln wird das wirklich eine Knacknuss. ich bin gespannt und überzeugt, dass Du auch hier eine sehr gute Lösung finden wirst und ich werde sie gnadenlos abkupfern.
      Ich habe gedacht, dass ich diese alles nicht noch einmal schreiben muss, ich schließe mich aber Peter an!

      Viele Grüße
      Fritz
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      Auch heute wieder zuerst Dank für die freundlichen Beiträge und Likes.

      Nun also der Ausholring. Das Anbringen hatte ich in diesem Posting gezeigt. Der Ausholring wird benötigt, um das Klüverstag beweglich zu halten. Wie das genau funktioniert und warum ich bei dem, was in dem verlinkten Posting gezeigt wird, zum Teil etwas voreilig war, will ich versuchen jetzt zu erläutern.

      Gestern habe ich den Klüver, das vorderste Stagsegel, angebracht. Die Vorbereitung habe ich ja bereits gezeigt. Das Klüverstag wird am Ausholring befestigt, dann durch die steuerbordseitige Scheibenklampe am Stengetop des Fockmastes geführt und läuft dann runter zur Marsplattform, wo es ebenso wie das Stag für das Vorstenge-Stagsegel mittels Arbeitstalje steifgesetzt wird. Natürlich muss vorher noch das Segel aufgefädelt werden.
      Die drei Segelecken kennt ihr schon. Das Fall wird ebenfalls durch die Scheibenklampe gefädelt und mittels Fußblock und Timberhead auf der Back belegt. Der Hals wird befestigt, indem ein Tau mehrmals durch das Halshorn und den am Ausholring befestigten Haken geschlagen und dann mit ein paar Rundtörns um sich selbst belegt wird. Die Schoten führen direkt zur Back, wie beim vorigen Stagsegel auch. Der Niederholer hat hier seinen Leitblock nicht am Halshorn; er findet seinen Leitblock an der Backbordseite des Ausholrings und läuft von dort zur Backreling, wo er an einem Timberhead lose belegt wird.
      So weit, so gut - wie wird jetzt das Stag selber bewegt? Dazu dienen zwei Taue - der Ausholer und der Einholer. Langweilige, aber eben auch sehr logische Bezeichnungen.
      Der Ausholer wird mit einem Ende am Ausholring befestigt. Dann läuft das Tau durch ein Scheibgatt in der Spitze des Klüverbaums unter den Baum. An sein Ende wird der Block einer einfachen Talje angebracht, an dessen Ende auch das Taljereep befestigt wird. Am Eselshaupt des Bugspriets ist der Gegenblock befestigt; das holende Ende des Taljereeps läuft nun zur Back und wird dort an einem Timberhead befestigt. Wenn also jetzt an diesem Tau gezogen wird, gleitet der Ring zur Spitze des Klüverbaums.
      Will man ihn wieder zurückhaben, bedarf es des Einholers. Dieses Tau wird an einem Augbolzen am Eselshaupt des Bugspriets befestigt, läuft dann durch den steuerbordseitigen Leitblock am Ausholring zur Backreling, wo er ebenfalls an einem Timberhead belegt wird. Zieht man nun an diesem Tau, wird der Ring wieder in Richtung Bug geholt.
      Ich habe in diesen zwei Bildern die einzelnen Elemente benannt, damit es leichter wird, zu verstehen, wovon ich hier schreibe:


      Und warum macht man das, warum muss der Ring beweglich sein? Nun, da musste ich mich selbst auch erst mal schlau machen und bekam im "Götterforum" folgende Antwort:

      ...diente der Ausholerring dazu, den Segelschwerpunkt zu verlagern, ohne aber Vortrieb erzeugende Fläche zu reduzieren. Somit diente der Ring auch als Steuerhilfe, um mit seiner Hilfe die Eigenschaften des Schiffes zu verändern. Wurde der Ring bugwärts geholt, vergrößerte sich dadurch die Leegierigkeit, wurde er nach achtern gefiert, kam das der Luvgierigkeit zugute.
      In Verbindung mit dem Besan konnte man schon fast ohne Ruder auskommen.
      Wenn man drüber nachdenkt, wird es auch logisch.

      Und damit sind wir dann bei meinem voreiligen Tun im Oktober vorigen Jahres. Da hatte ich nämlich den Ausholer schon mal angebracht und festgesetzt. Der Ring saß da etwa in der Mitte des Klüverbaums; ich wollte aber das Segel so gesetzt haben, dass das Stag weit vorn sitzt. Tja, da saß dann der Block für die Talje zu weit vorn, wie man an diesem Bild gut erkennen kann:


      Also vorsichtig lösen das alles, den Block ein Stück zurück setzen, ein neues Taljereep anbringen - und schon sieht es wieder ordentlich aus.






      Wie das alles in der Gesamtansicht aussieht, zeige ich euch im nächsten Posting.

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      Im Vergleich zum Vorstenge-Stagsegel ist der Klüver schon ein ordentlich großer Lappen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, was so ein großes Stagsegel wegziehen kann.
      Im ersten Bild sieht man gut die Belegung der Timberheads - also dieser kleinen Knubbel auf der Backreling - mit Auf-, Ein- und Niederholer des Klüvers sowie dem Niederholer des Vorstenge-Stagsegels.


      Dann einige Gesamtansichten:




      Tja, und nun nochmal zu dem Thema fehlender Wind. Links der Ruhezustand, rechts das Sturmtief "Bonden". grins 2


      Ich bin aber guter Dinge: Zwei Varianten werde ich probieren, um die Schoten so steif zu bekommen, dass sie das Schothorn etwas nach außen drücken. Zum einen ist der bereits erwähnte dünne Federstahldraht unterwegs, zum anderen hat mir @AnobiumPunctatum den tollen Trick aus einem englischsprachigen Modellbaufachbuch (Reed) genannt, es mit aus dünner Kupferlitze selbstgeschlagenem "Tau" zu versuchen. Ich werde berichten.

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      Heureka! freu1

      Da der Federstahldraht noch unterwegs ist, sich auf der Werft meiner ebenfalls schiffsmodellbauenden Lebensgefährtin aber eine Rolle sehr dünner Kupferdraht fand, wurde dann gleich mal diese Variante ausprobiert. Und was soll ich sagen? Ich bin zufrieden. Nach dem Schlagen des Drahttaus habe ich es mit feinem Sandpapier abgeschliffen und mir dann die passende Farbe zusammengemischt. Dann habe ich durch kurze Halteproben schnell erkannt, dass ich die jeweils lose Schot durch den Draht ersetzen muss, dann klappt es auch. Die lose Schot liegt ja über dem nächst höheren Stag, damit man das Segel bei einer Wende auf die andere Seite ziehen kann. Also gibt es in echt dort einen Punkt, an dem das Tau von unten hoch kommt und dann gleich wieder auf der anderen Seite nach unten fällt, und zwar ganz locker. Das hat mir den gewünschten Effekt gebracht. Die Drahtschot wurde mit Ponal Turbo auf dem jeweiligen Stag fixiert und auf der Back locker belegt. Das kurze ende zum Schothorn hängt durch, hat aber so viel Spannung, dass es das Segel soweit nach außen drückt, dass es, wie ich finde, ziemlich echt aussieht. Es soll ja in meiner angedachten Szene auch nicht allzu viel Wind wehen.

      So, ich hoffe, die Bilder zeigen das einigermaßen.




      An der Stelle nochmals Danke an @AnobiumPunctatum für den richtigen Tipp zur rechten Zeit. daumen1

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      Servus Bonden,

      das ist ganz feine Takelarbeit! Wunderbar! klasse1

      Die Schoten der Klüver sind ziemlich lang, aber könntest du nicht mit deiner Reepmaschine ein oder zwei Kupferlitzen in die Schot einspleißen. Das müsste sie eigentlich steif genug machen? denk1
      Herzliche Grüße / Best regards,
      Andreas

      Optimismus ist die Kunst, mit dem Wind zu segeln, den andere machen.
      Alessandro Manzoni (1785 – 1873)

      Buddys Kartonuniversum
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      Mit dem Anbringen der beiden Vorsegel ist dann auch das Thema Stagsegel abgeschlossen. Das waren immerhin 7 Segel, die ich teilweise geborgen, teilweise gesetzt, angebaut habe. happy 2

      Bevor es jetzt zum nächsten Bauabschnitt geht, gibt es für alle, die auf meiner Werft tätig sind, eine Portion Weiterbildung. Und wenn ich "alle" sage, meine ich auch ALLE. grins 2


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      Servus Bonden,

      Bonden wrote:

      Ahoi @Buddy öhm, ich hab ja im Prinzip nichts anderes gemacht. Ich habe allerdings nicht nur eine Kupferlitze eingereept, sondern gleich aus drei Kupferlitzen ein neues Schot gereept.
      Oder habe ich jetzt deine Frage falsch verstanden?
      nö,nö, alles richtig verstanden! zwinker2
      Ich habe nur deinen Beitrag 822 nicht mehr zu lesen bekommen und bin beim Federstahlraht in Beitrag 821 hängen geblieben. les 3
      Die Drahtschoten sehen sehr gut aus und die geblähten Segel ebenso! beifall 1
      Herzliche Grüße / Best regards,
      Andreas

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      Alessandro Manzoni (1785 – 1873)

      Buddys Kartonuniversum
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      Ahoi @Buddy , das hatte ich mir schon fast gedacht, mit Blick auf unser beider Postingzeiten. Danke für Lob und Däumchen! daumen1

      Nach der Weiterbildung geht die Arbeit flott weiter. Da es aber dennoch noch eine Weile dauern wird, bis die Fockrah, an der ich derzeit arbeite, angebracht ist, will ich kurz zeigen, was da so an Vorbereitungsarbeiten läuft. Diese Rah habe ich schon vor sehr langer Zeit in Form geschliffen, mit den Schalungen versehen und gestrichen. Jetzt wurden die Klampen angefertigt (fehlen im Bausatz...) - an den Enden einfache Klampen, in der Mitte Schulterklampen. Der Block für das Drehreep wurde mit gekleedetem Garn und einer vorschriftsmäßigen Laschung (siehe die ersten beiden Bilder) befestigt, ebenso die beiden Quarterblöcke - oder, wie sie bei Marquardt heißen, Marsschotblöcke (was auch m.E. der bessere Name ist). Links im dritten Bild seht ihr bereits einen Brassenschenkel. Unten auf meinem Hilfsgestell liegen die Springpferde, jedes am Ende mit einer eingebundenen Kausche versehen, durch die dann später die Fußpferde gezogen werden, ebenso die beiden Blockpaare der Marsschotblöcke (das sind hier Schulterblöcke) und Topnantenblöcke und schließlich die mit Kauschen versehenen beiden Taue für das Rack.




      Das ist alles viel Kleinkram, sieht auf den ersten Blick nach nicht viel aus, macht aber jede Menge Arbeit. Alles in allem sind am Ende 25 Blöcke an der Rah befestigt und diverse Taue - und da ist noch kein Stück Faden vom laufenden Gut des Segels dabei.

      Und das mal so am Rande: Wie schon mehrfach erwähnt, ist die Mercury mein erstes Schiffsmodell, bei dem ich versuche, die Takelage nahezu vollständig und historisch korrekt darzustellen. Und weil ich nicht stumpf einfach nur nach Schrage und Co. baue, sondern immer auch wissen will, welchen Zweck jedes einzelne Teil hat und wie es im Zusammenspiel mit anderen Elementen der Takelage agiert, staune ich immer wieder aufs Neue, was ich alles lerne über dieses hoch komplexe und faszinierende Gesamtsystem einer Segelschiffstakelage. Genau das macht für mich einen wesentlichen Reiz des Modellbaus aus - neben der Freude über jedes gelungene Teil und die Aussicht, irgendwann auch mal fertig zu werden mit diesem tollen Modell. happy 2

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