Zweideck-Salondampfschiff "Uri" vom Vierwaldstättersee (1:200, Eigenbau)

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    • Hallo allerseits!

      Eueren Kommentaren entnehme ich, daß ihr die Stühle bereits probegesessen und als brauchbar beurteilt habt (obwohl die Sitzpolster noch fehlen, die, weil es nicht wie geschrieben Sitzkissen sind, auch keinen Reißverschluss brauchen – wenigstens das!).

      Ludwig: an unserem Wettbewerb kann meine "Uri" nicht teilnehmen, da der Bericht eigentlich schon seit sehr langer Zeit läuft. Allenfalls könnten wir die Spaßkategorie "wer verbaut die meisten Teile auf einem Quadratzentimeter?" eröffnen: da hätte ich heute gute Chancen, s. nächster Beitrag.

      Es freut mich, daß der eine oder andere Tip vielleicht auch sonst jemandem nützlich sein kann. Ich sollte noch hinzufügen, warum ich mehr auf Bürstenborsten als auf Draht setze: sie lassen sich besser bemalen und kleben, vor allem aber sind sie flexibel: ein dünner Draht ist ruckzuck verbogen und dann kaum mehr zu richten, wogegen eine Plastikborste ihre Form behält.

      Und nun wenden wir uns Klaus-Gerhards Frage zu: was kommt denn da noch alles?
    • Baubericht: Innenausbau Salon II. Klasse (3)

      Fangen wir ausnahmsweise beim Endresultat an: voilà, das Vorbild und der Nachbau! (Die zwei bzw. drei Mobelstücke sind für das Bild lediglich aufeinandergestapelt).



      Die Konstruktion der Theke (Vorstellbüffet) ist einfacher als jene des Nischenbüffets mit seinen beiden verglasten Seitenschränken. Der weiße Rohbau aus Papier und Seidenpapier, ergänzt mit Deko-Elementen aus Haar und Weißleimtupfen, wurde bemalt, und die Plastikfolien erhielten mit einer Nadelspitze das Muster eingraviert, welches im Original als Glasschliff ausgeführt ist.



      Nun müssen beide Möbel bestückt werden: jede Menge Gläser, außerdem Tassen, Flaschen, Servietten, Chipstüten, Servierplatten, usw.

      Zuerst baute ich die große graue Kaffeemaschine. Auf dieser stehen weiße Tassen, deren Nachbildung mir leider nicht gut gelang: die weißen Plastikborsten ließen sich einfach nicht kleben, und als ich sie mit Sekundenkleber regelrecht verschweißt hatte, wirkten sie halb transparent. Deutlich zufriedener war ich mit den kleinen Gittern und den darin sich befindlichen Chips- und Schokotüten.



      Dann waren die Gläser und Flaschen an der Reihe.



      Es hat unerwartet viel Spaß gemacht, obwohl ich am Limit des für mich Machbaren (und Photographierbaren…) werkelte: ich klebte ca. 0,5 cm lange Abschnitte von grau-weißen Haaren mit Klebstreifen an ein Trägerpapier und tauchte die Spitzen in ein Döschen Revell-Klarlack. Nach dem zweiten Mal bilden sich Lackkügelchen, die bei jedem neuen Eintauchen wachsen (und sehr schnell zu groß werden, s. Photo unten!). Mit dem Pinsel kann man die Kügelchen zu Würstchen auseinanderziehen und Flaschen oder Saftgläser modellieren. Den Lack läßt man über Nacht aushärten.

      Nun kann man die Flaschen bemalen: das transparente Flaschengrün bewirkt ein Folienschreiber, der Rest ist Acrylfarbe. Am unteren Ende wird der runde Tropfen mit dem Skalpell zu einem flachen Boden getrimmt (auf dem Bild sieht man eine missratene Flasche, bei der ich das nicht getan habe). Die Flasche muß man nun noch ablängen und einbauen (hält mit verdünntem Weißleim bestens – das nächste Mal mache ich auch die Tassen so).

      Die etwas über hundert Gläser entstehen auf dieselbe Art, nur sind sie kleiner (ca. 0,6 bis 0,8 mm): die Lackkugel etwa in der Mitte durchschneiden, ablängen, mit einer präzisen Pinzette am Stiel fassen und einbauen.



      Ich habe sie mit dem Kelch nach unten verklebt, aber die umgekehrte Position ist nicht unmöglich. Wenn es stimmt, daß ein Haar ca. 0,06 mm dick ist, haben meine Glasstiele einen Durchmesser von 1,2 cm. Das kommt hin.

      Die Makros sind wie immer brutal, aber in natura sieht das Ganze recht erfreulich aus.



      Ausnahmsweise habe ich beim Nischenbüffet die Teile gezählt: 51 für das Möbel, ca. 140 für die Ausstattung (beim Gläserzählen habe ich nicht genug aufgepasst), total ca. 190 auf etwas mehr als einem Quadratzentimeter. Weitere Gläser und Flaschen wird es auf dem verglasten Oberdeck geben.

      Das nächste Mal wird die ganze vorbereitete Einrichtung plus weiterer Kleinkram eingebaut, und ich liefere nebst Vergleichsbildern vom Original eine weitere „Uri“-Notiz.

      Beste Grüße
      Claudia
    • Servus Cla-Cla-Clau-dia!

      was1

      Da, da, da, da kommt man ja ins stottern, wenn man nach Worten sucht, um das irre Möbel zu kommentieren, das du da gebaut hast!
      Flaschen, Gläser, Kaffeetassen, Registrierkasse, ...

      Was jetzt noch fehlt sind Zuckerwürfel, die aus feinstgemahlenem Zucker zusammengeklebt werden, so 200 Partikel pro Würfel...

      Gelle? rollen1

      Du hast es drauf, uns immer wieder zu überraschen. Klasse beifall 1

      Liebe Grüße

      Wiwo
      In Bau: K.u.k.Tegetthoffklasse, GPM, 1:200 1:250 und 1:400
      Und hier: Alle meine Modelle


      "Es gibt viel zu viele Lautsprecher und viel zuwenig Kopfhörer!"
      Fritz Grünbaum, 1934
    • Ahoi Claudia,

      jetzt wird es aber Zeit, dass ich mich hier auch mal äußere. Hat etwas gedauert, da ich erst die Einzelteile meiner zersplitterten Kinnlade zusammensammeln und wieder anbringen musste - von der verbeulten Tischplatte ganz zu schweigen. Ich komme mir auf einmal wie der gröbste Grobmotoriker vor... Unglaublich, was du hier zeigst. Die Stühle! Allein die Stühle sind der pure Wahnsinn! beifall 1
      Ich stelle wieder mal fest: Wir sind hier schon ein ziemlich kranker Haufen. happy1

      Ich bleibe jetzt hier sitzen auf meinem Stuhl in Reihe 1 - mach weiter, gib's uns! hüpf1

      Im Bau: HMS Mercury
      Für eure Schnippel- und Klebepausen: www.karton-im-wind.de welcome1 (Jetzt neu: Reisebericht vom Frühjahrssegeln 2018.)
    • Hallo liebe Modellbaukollegen!

      Mit der winterlich-festtäglich geschmückten „Uri“ möchte ich das neue Berichtsjahr beginnen,
      für das ich bereits einiges in petto habe.




      Ich hätte wirklich nicht gedacht, daß ich euch mit einem Möbelnachbau so zahlreich hinter dem Ofen, äh: Büffet hervorlocken könnte. Euere anerkennenden Reaktionen haben mich umso mehr überrascht und gefreut, vielen Dank euch allen!

      Wolfgang: Offenen Würfelzucker gibt es doch in keinem Restaurant mehr! Wenn schon, dann müsste ich Papierröhrchen herstellen. Per Zufall stieß ich am Neujahrsmorgen aber auf einen Würfelzucker-Bausatz (in 1:1) mit einer durchaus imposanten Teilezahl. Leider fehlen die Bauanleitung und der passende Kleber, so daß der Inhalt der Packung wohl demnächst im Rundordner mit Henkel enden wird. kaffee1



      Klaus: Damit die Innenausstattung nicht weitgehend unsichtbar wird, habe ich einen Schacht für eine Leuchtdiode im Niedergang eingebaut. Und ich gebe mir beim Photographieren Mühe, so daß gute Bilder für ein Photobuch vorhanden sind.

      Michi: Ich kann Dir versichern, daß für die Herstellung der Gläser kein Tier mit weißem Fell gequält wurde. Wenn es einem auf dem Kopf schon zweifarbig wächst, muß man das nutzen!

      Tom: Deinem Adlerauge entgeht nichts! Das Handtuch liegt bei mir bereits neben dem Spühltrog (Du wirst es auf den Bildern noch sehen), daher habe ich auf jenes am Büffet verzichtet. Die Schlüsselanhänger … hmm, im Makro gleichen sie eher Kugeln (Schwimmkorken?).

      Passend zur Jahreszeit: Winterstimmung im Urnersee, jenem Arm des Vierwaldstättersees, auf dem die „Uri“ inoffizielles Flaggschiff ist.

    • Baubericht: Innenausbau Salon II. Klasse (4)

      Diesmal ist der Zusammenbau der zuvor gebauten Teile an der Reihe, wobei zum Beispiel das Geländer und der Kajütenniedergang erst jetzt fertiggebaut werden konnten. Außerdem verfeinern etliche Kleinteile (Abfalleimer, Wandhaken, Speisekarten, Tischedekorationen, Fensterheber usw.) den nunmehr fertigen Ausbau der Rotonde. Hier ein Vergleich „vorher - nachher“ und zwei Zwischenstufen:





      Es herrscht ganz schön Betrieb, zumal bereits einige Gäste das Restaurant entdeckt und es sich dort gemütlich gemacht haben: die einen studieren noch die Getränkekarte, andere sind mit Kaffee oder Cola (plus Lektüre) versorgt, wieder andere haben bereits ausgetrunken, und die Dreiergruppe wird der Service-Angestellte wohl auch bald versorgt haben.
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      Der Eindruck, es herrsche eine gewisse Enge, täuscht nicht: vor allem der Platz zwischen den Tischen und dem Geländer ist tatsächlich etwas knapp, wie die Vergleichsbilder zeigen. Allerdings würde der Raum auf dem Modell weniger „vollgestopft“ wirken, wenn die leeren Stühle an die Tische geschoben wären. Und damit wären wir bei der Baukritik.

      Ich habe extra noch einmal an Bord nachgemessen (Zollstock und Kamera sind auf der „Uri“ immer mit dabei): meine Höhen der Tischplatten, der Sitzbretter und die Länge der Tischtücher stimmen, aber diese letzteren lassen sich durch ihre Bauweise bedingt nicht mehr nach innen schürzen, damit die Stühle unter die Tischplatte geschoben werden können. Es war ein Fehler, vier der Tische frühzeitig einzubauen. Sie waren leider so gut verklebt, daß sie sich nicht mehr herausschneiden und ändern ließen.

      Das Problem sieht man auf dem dritten der oben gezeigten Bilder: überall versperren Stühle den ohnehin knappen Raum. Ich war überhaupt nicht zufrieden mit diesem Anblick: da baut man so exakt, und dann klemmt ein steifes Tischtuch alles ab! Ich war frustriert.
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      Dann erkannte ich aber, daß sich das Ärgernis zumindest abmildern ließe: drei Figürchen hatte ich von Anfang an vorgesehen, aber normalerweise herrscht ohnehin mehr Betrieb da vorne. Also flugs ein halbes Dutzend zusätzlicher Gäste herstellen und sie möglichst geschickt verteilen, damit das Auge des Betrachters abgelenkt wird. Dieses Vorgehen hatte den positiven Nebeneffekt, daß auch manche Stuhllehnen hernach nicht mehr sichtbar waren: ich habe nämlich vorwiegend jene Stühle verbaut, deren kleine Mängel auf dem gut einsehbaren Oberdeck auffallen könnten.

      Die Inneneinrichtung ist nun bis auf die beiden Holzsäulen am Niedergang fertig (diese habe ich wegen Abreißgefahr noch nicht montiert). Ich bin sehr erleichtert, daß der Raum nun doch recht nett aussieht: das Ambiente wirkt mit den zusätzlichen Figürchen sogar echter als vorher, ja ich kann mir durchaus vorstellen, noch eines auf die Wandbank an der Bugseite zu setzen: diese Plätze mit dem urigen Tischbrettchen am Geländer sind nämlich beliebt.

      Vom Figurenbau mit Kupferdraht, Weißleim, Wasser und Maismehl berichte ich ein anderes Mal (ich übe nämlich noch!): ich hoffe, ihr habt nun Spaß beim Betrachten der Bilder und beim Vergleichen mit dem Original! Und nicht vergessen: es gibt auch vom Restaurant II. Klasse ein Panoramabild auf der virtuellen „Uri“.





    • „Uri“-Notizen (3): Das Restaurant II. Klasse

      Im Beitrag Nr. 5 habe ich erwähnt, daß eine Rotonde auf dem Vorschiff bei Salondampfern von Anfang an üblich war und auf etlichen zu Salonschiffen umgebauten Flachdeckern nachträglich hinzugefügt wurde. Allerdings war der dadurch entstandene Raum meist sehr spartanisch eingerichtet: eine umlaufende Wandbank, der mit einem Geländer umgebene Niedergang in die Kajüte und je nachdem weitere Holzbänke oder ganz wenige kleine Tische und Stühle. Zum Hauptdeck hin war der Raum meist offen und wies keinerlei Verzierungen auf. Diese Art von Vorschiffsrotonde kann man auf dem Thunersee („Blümlisalp“, 1906) und Brienzersee („Lötschberg“, 1914 [Bild unten]) noch heute sehen; ähnlich sah es z.B. auf dem „Pilatus“ (1894–1966) aus, der sieben Jahre vor der „Uri“ von Sulzer auf den Vierwaldstättersee geliefert wurde.



      Eine zum Restaurant ausgebaute Vorschiffsrotonde wie auf der „Uri“ war 1901 also keineswegs Standard. Umso bemerkenswerter ist die dezente Ausschmückung der Wandtäfer und des Nischenbüffets mit Elementen des Jugendstils, d.h. geschwungenen Ornamenten und floralen Motiven. Der Schmuck ist original erhalten und wurde 1991/4 fachmännisch renoviert.

      Laut „Bordbuch URI“ (S. 8) besteht die Vertäfelung aus Hartholz, das Mobiliar und die Treppe zur Kajüte inkl. Geländer aus Eichenholz. Hersteller war die Möbelfabrik Robert Zemp aus Emmenbrücke (Nachbargemeinde von Luzern).




      Links: Oberer Abschluß des Nischenbüffets. Rechts: Übergang Nischenbüffet – Seitenwand. Man erkennt den Übergang vom orignal erhaltenen Material zur neu gestalteten Türpartie. Eine Trennwand zum Hauptdeck gab es schon 1901, desgleichen eine Theke. Beides wurde anläßlich der Generalrevision von 1991-1994 neu gestaltet, aber behutsam an den Stil des Raumes angeglichen.


      Ornamente an der Tischplatte des Nischenbüffets.

      Das Stichwort „Umbau“ verlangt nach weiteren Bemerkungen. Wie der Vergleich zwischen dem Generalplan von 1901 und dem heutigen Plan zeigt, wurde auch die Wandbank um zwei Drittel verkürzt, und der erhaltene Teil scheint – im Gegensatz zum Tischbrett – auch nicht original zu sein: ursprünglich wies die Bank wohl Lederpolsterung auf. Man erkennt auch, daß der Raum heute deutlich dichter bestuhlt ist.



      Auch in neuster Zeit gab es Veränderungen, wie der Vergleich mit dem nachstehenden Bildausschnitt zeigt: 1994 existierten die alten, ebenfalls mit Ornamenten verzierten Stühle noch (die neuen stammen m.W. aus dem Jahre 2006), und die Tische mit den gedrechselten Beinen wurden im Winter 2015/16 durch solche mit metallenen T-Profilen ersetzt. Mein Modell beginnt bereits zu veralten …



      Beste Grüße
      Claudia
    • Ahoi Claudia,

      ich komme mir grad wie der letzte Grobmotoriker vor - unglaublich, was du hier in 1:200 zauberst! daumen1 klasse1
      Es ist natürlich von Vorteil, wenn man das Original immer greifbar hat und daran jede Schraube und jeden Mokkalöffel nochmal nachmessen kann.
      Auf deinen Figurenbau bin ich ja schon sehr gespannt. Die Leutchen sehen jedenfalls klasse aus; vermutlich wird man, wenn man genau hinschaut, auch noch einen offenen Schnürsenkel oder einen Fleck im Hemd entdecken. grins 3

      Im Bau: HMS Mercury
      Für eure Schnippel- und Klebepausen: www.karton-im-wind.de welcome1 (Jetzt neu: Reisebericht vom Frühjahrssegeln 2018.)
    • Holy mother of.... oh1

      Das sieht umwerfend aus! Ich nehme mal an, das verschwindet später alles unter dem nächsten Deck und wird nurnoch durch die Fenster zu sehen sein? Aber das ken ich ja auch. Hauptsache ist, dass es da ist. Und wenn du mal geschrumpft wrst, kannst du auf deinem Schiff tatsächlich herumgehen!

      Grüße
      Ludwig
    • Servus Claudia,

      nach wie vor bin ich kaum in der Lage, deine Fähigkeiten in gebührendem Maß zu würdigen!
      Da kann ich nur Blumen streuen! blume 1

      Der Vergleich mit dem Bild des "Buffets mit der 1-Cent-Münze" und des fertigen Restaurants macht erst die winzigen Dimensionen greifbar, in denen du dich hier bewegst. Hier passt ja nur eine kleine Münze hinein. das ist unglaublich! oh1

      Ich freue mich, wie Bonden, auf die Bauweise der kleinen Frauchen und Männchen. Die sehen umwerfend aus! ja 2
      Herzliche Grüße / Best regards,
      Andreas

      Optimismus ist die Kunst, mit dem Wind zu segeln, den andere machen.
      Alessandro Manzoni (1785 – 1873)

      Buddys Kartonuniversum