Klaus‘ SANTA MARIA / um 1480 / 1:250

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    • Klaus‘ SANTA MARIA / um 1480 / 1:250

      Die SANTA MARIA...

      Was muss man zu dem Schiff noch sagen? Neben der Arche Noah und der TITANIC ist das Flaggschiff des Christoph Kolumbus sicher das berühmteste Schiff der Welt. Obwohl ich eigentlich nicht zu den „berühmte-Schiffe-Modellbauern“ gehöre, möchte ich aber nun doch mein Modell im Maßsstab 1:250 zeigen. Und das ist „scratch“ gabaut, aus Papier und Karton nach Bauplan ohne Baubogen oder Fertigteilen. Weil hier viele eigene Überlegungen und Beobachtungen in das Modell eingeflossen sind, heißt der Beitrag eben auch »Klaus‘ SANTA MARIA«

      Bevor es mit den Modellvorstellung losgeht, muss ich Euch mit einem kurzen Theorieteil nerven. Ohne den geht es leider nicht...

      Zur Einstimmung ein Holzmodell das ich einmal auf einer Ausstellung gesehen habe. Eine der vielen Darstellungen der „Heiligen Maria“ (Dieses Modell ist NICHT von mir!)

      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Was muss man zur SANTA MARIA sagen? Eine ganze Menge! Ich will mich aber kurz fassen und versuchen, einen kleinen Einblick in die komplexe Welt der Rekonstruktionsversuche - soweit ich Einblick darin habe - geben. Denn so berühmt das Schiff ist, wir wissen davon kaum etwas. Authentische Bilder oder gar Pläne gibt es nicht. Den Zeitgenossen war das Ergebnis der Fahrt des Kolumbus wichtig und wert dokumentiert zu werden, die beteiligten drei Schiffe waren bloß Mittel zum Zweck.

      Wir wissen aus dem Bordbuch des Kolumbus (das lediglich in einer veränderten Abschrift populär gemacht wurde) dass der große Entdecker mit seinem Flaggschiff sehr unzufrieden war. Er klagt über die Schwerfälligkeit des Schiffes und die schlechten Segeleigenschaften. Die begleitenden PINTA und NINA waren weitaus schneller. Die SANTA MARIA war ca. 100 Tonnen groß (berichtet posthum Kolumbus Sohn). Welche Tonnen gemeint sind (die Sevillaner-, Katalanischen- oder Genuesichen Tonnen ist offen). Das Schiff hatte ein Poopdeck über der Kabine des Kolumbus, ein Blindesegel, ein Focksegel, ein Großsegel mit zwei Bonnets (Segelerweiterungsflächen), ein Toppsegel und einen Besan. Zusätzlich wurde bei gutem Wind ein Segel des Beibootes (das war demnach auch an Bord oder wurde mitgeschleppt) gesetzt.

      Kolumbus startete in der Hafenstadt Palos de la Fronterra. Die Stadt hatte Königin Isabella eine Schuld zu begleichen. Die Königin wandelte die Schuld in die Beschaffung eines Schiffes für Kolumbus. So wird die Motivation der Stadtväter etwas besonders gutes und passendes zu suchen sehr gering zu bewerten sein. Entsprechend wird die SANTA MARIA - die vorher vielleicht andere Namen trug - ein älteres Schiff mit großen Laderäumen gewesen sein. Jedenfalls war sie sicher nichts prächtiges oder hochmodernes.

      Das wars!

      Dennoch gibt es Tausende von Modellen die alle mehr oder weniger das Flaggschiff von 1492 darstellen.

      Es gibt zahlreiche Darstellungen von Schiffen um 1500 herum. Auf Altarbildern gemalt, auf Reisebeschreibungen mit Holzschnitten illustriert oder in allgeminen Schiffbauanweisungen.

      Als Beispiel eines der bekanntesten und - wie ich finde: schönsten - Rekonstruktionsversuche möchte ich den 1:1 Nachbau von 1892 nennen. Die Bilder zeigen ein Modell davon im Danziger Schifffahrtsmuseum.

      Leider ist diese Darstellung längst nicht mehr historisch haltbar. Die oben erwähnten Abbildungen zeigen allesamt z.B. kein Spiegelheck bei den großen, seegehenden Schiffen (bei Karavellen wohl schon!), ein aufgesetztes Bugkastell (kein in den Rumpf integriertes Backdeck wie im Modell), das Toppsegel war mit Sicherheit quadratisch, die Schoten liefen im Mastkorb zusammen (nicht auf den Großrahnocken). Die Rüsten, die Jungfern und die Webleinen werden ebenfalls angezweifelt bzw. bestätigt dass sie spätere zutaten sind. Ferner ist man heute vorsichtiger was die Üppigkeit von Farben, Wappenschilden und Dekorationen angehen.

      (Das Modell auf den Fotos ist ebenfalls nicht von mir. Ich habe es 2013 im Danziger Schifffahrtsmuseum fotografiert)

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      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Woher ich das alles weiß?
      Ich habe vier Bücher die ich als Informationsquelle gerne nutze und den Interessierten unter Euch empfehlen möchte:

      Zum ersten „Die Schiffe des Christoforo Colombo“ von zu Mondfeld, Holz und Soyener (Koehler). Dieses meinungsstarke Buch führt die wichtigsten Rekonstruktionsversuche auf und erklärt, was daran historisch richtig oder nicht richtig sein kann. Die drei Autoren stellen ihre eigene Rekonstruktion vor, die losgelöst von den vorhandenen Entwürfe die vorliegenden bildlichen- und textlichen Quellen zum Schiffbau zwischen 1450 und 1500 auswerten. Im Detail werden alle Konstruktionspunkte durchgegengen und deren Lösung und Darstellung präzise begründet. Leider liegen dem Buch keine Pläne bei. Die Planmappe muss extra gekauft werden.

      Mir gefällt dieses Buch sehr gut. Es lehrte mich, historische Abbildungen zu hinterfragen und Dinge nach ihrer Möglichkeit und Funktionalität zu bewerten.


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      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • „Die Kolumbus-Schiffe“, Pastor (Delius-Klasing).

      Fast zeitgleich zum erstgenannten Buch erschien 1992 dieser schwache Band aus der Reihe „Anatomy of ships“. Hier werden ähnlich wie im „Mondfeld-Buch“, jedoch bedeutend dünner, ältere Rekonstruktionen analysiert und die damalige spanische Rekonstruktion zur 500-Jahr Feier der Entdeckung Amerikas vorgestellt. Das Buch besitzt viele Zeichnungen nach denen sich ein schönes Modell bauen lässt. Leider eiert in vielen Bereichen die deutsche Übersetzung, bei den Zeichnungen wird der Großmast fast überall als „Kreuzmast“ bezeichnet, das Focksegel heißt oft „Blinde“. Manchmal tauchen in den Plänen Details auf die auf weiteren Ansichten dann fehlen oder gar doppelt sind (Niedergänge und Kanonenpforten z.B.). Die Darstellung der Führung des Bugsprietes in der Draufsicht fehlt ganz... Wenn Ihr Euch auf dem Umschlagbild die Führung der Fockbrassen durch das Großsegel hindurch anseht kann das auch nicht so ganz stimmen...

      Trotz allem lohnt die Anschaffung da wieder andere Kriterien und Ergebnisse als im anderen Buch genannt werden. Und mit dem im anderen Buch vermittelten kritischen Blick erkennt man die Stolperfallen ganz gut.



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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • „Die katalanischen Não“, Winter (Loef, antiquarisch zu bekommen, zwischen 22 und 77Euro).

      Dieses extrem interessante Büchlein beschreibt das „Mataro-Schiff“. Es geht um ein ca. 1450 gebautes Schiffsmodell aus einer Kirche im Ort Mataro bei Barcelona. Ein Modell aus Kolumbus-Zeiten das den Schiffstyp der „Não“ (von lateinisch „navis“ = Schiff) darstellt. Es handelt sich vermutlich um eine Seemannsarbeit die in den Proportionen falsch, in den Details aber als richtig bewertet wird.

      Ein hochinterssantes Thema!

      Schaut mal bei Wikipedia unter dem Suchbegriff „Mataro-Modell“ nach. Dort führt ein Link zum Prins Hendrik Museum in Rotterdem in dem das Modell ausgestellt ist. Es gibt dort Zeichnungen des Modells das u.a. die besondere Lage der Decksplanken zeigt.

      de.wikipedia.org/wiki/Matar%C3%B3-Modell

      Die wichtigste Erkenntnis ist aber, dass Schiffe in der Zeit durchaus mit einem v-förmigen Spantenschnitt gebaut wurden. Bis dahin ging man eher vom u-förmigen Querschnitt aus (der Fund der Bremer Kogge 1962 bestätigte die V-Form in der Praxis). Dem folgend hat das Team um zu Mondfeld ihre Rekonstruktion der SANTA MARIA mit einem v-förmigen Rumpfquerschnitt angelegt.

      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Der Vollständigkeit halber habe ich mir in der noch antiquarisch das vierte, zum Thema allgemein hin relevante Buch gekauft. Es ist ein Band aus der Modellbaureihe von Delius-Klasing, ursprünglich in der ehemaligen DDR erschienen, und heißt Die Kolumbusschiffe von 1492. Autor ist wie beim dritten Buchtipp Heinrich Winter.

      Da der Band sehr alt ist - mein Exemplar ist in dritter Auflage 1980 im Westen erschienen - weiß ich nicht wie alt das Original ist. Der Text entspricht daher nicht mehr den neusten Forschungsständen. Dennoch ist das Buch interessant und behandelt in der Hauptsache die verschiedenen Rekonstruktionsversuche die vor 1992 gemacht wurden.

      Seltsam ist dass dem Buch Modellbau-Pläne einer Rekonstruktion beiliegen die im Buch als nicht zutreffend beschrieben ist. Es geht um die - zugegebenermaßen sehr schöne - Darstellung von Adametz die ich hier eingangs mit einem Modellbild aus Danzig vorgestellt habe (es geht um die Modellfotos im zweiten Beitrag).

      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Mein kleines Modell ist hauptsächlich nach den Plänen aus dem Buch von Xavier Pastor gebaut.

      Warum?

      Weil ich schlicht die Mondfeld-Pläne nicht habe und mir die Linien des anderen Entwurfes - mit u-förmigen Spanten - besser gefallen.
      Inkonsequent? Naja, alle Konstrukteure haben ihre Gründe für ihre Ergebnisse.
      So gibt es auch eine Reihe Gründe für die etwas fülligere, runde Form die mir so gut behagt...

      Mein Modell ist aber durchsetzt mit den Gedanken und Erkenntnissen aus allen genannten Büchern.
      Gebaut habe ich nach dem Motto »The best of both worlds«
      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Weiter geht‘s. Aus dem »Weißmodell« wird nach und nach ein kleines Segelschiff.
      Bemalt ist das Modell mit Aquarell- und Acrylfarben (Schmincke bzw. Revell). Die Segel sind aus zusammengeklebten Papier mit innen liegenden Drahtstücken.

      In den Modellbau floss der oben geschilderte Rechercheaufwand in vielen Details ein.







      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Der oben zu sehende, provisorische Ständer wurde am Ende durch eine Kartonplinte abgelöst. Der Unterbau aus Graupappe ist mit braunem Tonpapier überzogen. Durch Beize und Aquarellfarbe entstand die Holzoptik. Die Beschriftung setzte ich mir im Rechner, druckte sie spiegelverkehrt aus und bemalte das Blatt von hinten ockergelb. Durch das Ausschneiden kamen dann die Buchstaben bemalt in der richtigen Richtung ohne Outline heraus.

      Das Modell ruht auf zwei Zahnstochersockeln welche mit Papier umklebt sind



      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Servus Klaus.
      ich falle vom Glauben ab...
      Was für ein Modell!!
      Hammer!
      Da kann man nur Beifall klatschen.
      Baust du "die Kleine" und "die Bunte" (Nina und Pinta) auch noch?
      Wäre schön wenn die Flotte komplett ist.
      Schön das du die beiden Bonnets, das quadratische/dreieckige Topsegel und den vierten Behelfsmast berücksichtigt hast.
      Die werden nämlich in der Regel gerne unterschlagen.

      Das Mondfeld Buch zu den Kolumbusschiffen finde ich ausgesprochen gut, weil
      dort auch Denkanstöße gemacht werden, wie die drei Schiffe beschaffen bzw ausgesehen haben könnten und man im Ausschluss verfahren zu einer möglichen Lösung kommt
      Ideen die man in anderen Büchern sehr vermisst.

      Zur katalanischen Nao in Rotterdam gibt es Hinweise, das das Modell mindestens noch einen zweiten Mast bzw einen dritten gehabt haben könnte.

      Gruß Albrecht (wartend auf Nina und Pinta)
    • moin1 Albrecht,
      Ha! DU hast bemerkt das meine SANTA MARIA ein Viermaster ist! Sehr gut! streichel1 Darauf hat mich bisher noch nie jemand angesprochen. Ob das Flaggschiff noch seine beiden Begleiter bekommen wird ist offen. Ich kann mir jedoch vorstellen, wennschon dann die ganze Flotte als Wasserlinenmodelle in ein kleines Diorama zu setzten. Dazu würde ich die SANTA MARIA dann nochmal basteln müssen... Da ich schon ein Modell einer portugisischen Karavelle habe, war damals der Drang die NIÑA und die PINTA noch hinzu zu bauen eher klein... Die PINTA würde mich schon reizen... Warten wir es ab. Vorher soll jedenfalls noch meine kleine spanische Galoene fertig werden und noch eine andere Sache...

      Die katalanische Nåo birgt viele Rätsel. Das Modell ist im laufe seines langen Lebens schon durch so viele Hände gegangen dass viele Dinge daran fragwürdig sind. Die Frage nach der ursprünglichen Anzahl der Masten ist eines der Rätsel.

      Viele Grüße,

      Klaus
      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Hallo Holger,
      Bei deiner Santa Maria gibts noch mehr hervor zu heben als nur den 4 Mast.

      z.B. keine Wanten im herkömmlichen Sinn.
      Zum einen kamen die damals erst in Mode, zum anderen wurden die Segel zum niederholen an Deck abgefiert.
      Wanten waren also nicht zwingend nötig.
      Korrekt die Steigleiter zum Mastkorb.
      Auch richtig sind die Kreuze auf den Segeln (Kleeblattkreuze) und keine Malterserkreuze oder sonst welche Kreuze, wie so oft benutzt. Ebenso ist das Toppsegel korrekt getakelt.
      Nämlich zum Mastkorb hin und nicht über Blöcke zur Großrah und an Deck.
      Was ich vermisse ist Kolumbus Admiralsstandarte.
      Die große Königsflagge mit Madonna im Strahlenmandorla kann ich sehen.
      Habe mir die Flaggensätze vor ein paar Jahren im Corel Draw selbst mal gesetzt. Die Mandorla war eine ganz schöne Fummelarbeit.
      Gruß Albrecht
    • Hallo Klaus,
      sehr spannend was Du da schreibst.
      Die Umsetzung,das auch noch in 1/250, ist Dir ist dir ansprechend gelungen.
      Was nimmst du für ein Garn zum takeln und wie lange dauert bei Dir so ein Projekt?
      Hanseatische Grüsse
      Thomas
      Einen Gruß von der Waterkant ,aus dem schönen Schleswig Holstein,
      Thomas
    • Hallo Klaus,

      jetzt habe ich erst einmal - 5-Cent-Stück ! - gesehen, wie "klein" Deine Schiffe WIRKLICH sind - oh1
      Die Details in dem Maßstab lediglich aus Büchern herauszuziehen und freihand zu so einem stimmigen Modell umzusetzen geht für mich eher in Richtung künstlerische Begabung.

      Beeindruckte Grüße,

      Robert
    • Ach wie schön dass meine SANTA MARIA so gut ankommt... das freut mich! freu 2
      Ich danke Euch für Eure freundlichen Kommentare: Kurt, Klueni, Robert und Wiwo

      Thomas: Der Baubericht begann im alten Forum am 15.09.2014 und endete am 07.03.2015. Sechs Monate... da muss ich selber staunen. Ziehe lieber mal mindestens einen Monat ab durch verzögerte Berichterstattung und andere Tätigkeiten (Die Weihnachtszeit fiel in den Bastelzeitraum sowie Geburtstag in der Familie). Getakelt habe ich mit Serafilgarn. Das ist ganz feines Garn welches Du im Schneiderzubehör bekommst. Ich habe mir 2007 zwei Spulen (schwarz und hellbraun) in einem Geschäft beim Altonaer Bahnhof in Hamburg gekauft und komme mit den Dinger wahrscheinlich für den Rest meines Lebens aus. Feinere Leinen lege ich mit Fligenbindengarn aus dem Angelgeschäft an.

      Hallo Albrecht. Please call me "Klaus"... prost2 Du hast Dich mit den Thema aber schon ganz schön gut auseinandergesetzt. Hast Du auch schon mal ein Modell der SANTA MARIA gebaut oder ist das reines Interesse? Wenn Du Dir schon Flaggen gezeichnet hast wird Deine Intention doch eher in Richtung Modell gehen?

      Zu den durchgewobenen Wanten: Wie Du sagst war eine Strickleiter üblich da der Mastkorb nur als Ausguck oder zur Bedienung des taschentuchgroßen Toppsegels gebraucht wurde. Es reichte wenn nur ein Mann aufenterte und dafür reichte die Strickleiter "dicke" (wie man in Westfalen sagt). Durchgewobene Wanten gab es aber laut einem zeitgenössischen Relief in Burgos, Holzschnitten und Zeichnungen auch schon. Ein Freund von mir ist Seemann. Er erklärte mir, dass man heute noch Leine spart und überlegt welche Wanten durchgewoben werden müssen. Neben dem "verschwendeten" Material kommt auch noch der Punkt der Pflege dessen hinzu. Mein Bild von Kolumbus Flaggschiff ist dass es so einfach und sparsam wie möglich ausgestattet war. Die sponsorenden Hoheiten zögert ja bekanntlich lange die Reise zu finanzieren. Als es dann soweit war bekam der dahergelaufene Fantast aus Genua eben einen ollen Segler der in Palos herumlag. Da die Stadt Palos Schulden am Königshof hatte, wurde jenes Schiff zur Begleichung derer eingerechnet.

      Mit der Flagge hast Du ebenfalls wieder kundig ein Detail entdeckt. Mein Modell zeigt die SANTA MARIA vor Erreichen der Bahamas. Zu diesem Zeitpunkt schreibt Kolumbus in sein Logbuch die berühmte Stelle vom Setzten aller Segel (inklusive dem kleinen Bootssegel). Erst nach der Landung durfte er seine Admiralsflagge setzten.

      Die Wappen und Kreuze auf den Segeln habe ich aus dem "Mondfeld" genommen. Die Ringkreuze sind auch oft zu sehen und laut "Mondfeld" ebenfalls möglich. Welche- und ob überhaupt Abzeichen auf die Segel gemalt waren ist nicht belegbar, aber stark möglich. So eine Expedition musste auf Entfernung schon zeigen können woher sie kamen.

      Die SANTA MARIA im historischen Kontext ist jedenfalls ein seeehr spannendes Thema welches mir sehr viel Spaß gemacht hat und immer noch macht.

      Hier noch ein Link zu einem sehr schönen Modell. Gezeigt wird im Modell ausdrücklich die erste segelfähige Replik von 1892. Der "Spanische Regierungsentwurf" war der erste Versuch das berühmte Schiff 1:1 nachzubilden. Bis dahin war die Frage wie das Schiff eigentlich aussah offiziell m.W. nie groß ein Thema...

      arbeitskreis-historischer-schi…eder/modelle/santa-maria/

      Viele Grüße,

      Klaus
      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • hallo Klaus

      wunderschön, deine kleine Sata Maria. Sie erinnert mich gerade sehr an die Zeit vor 52 Jahren, als ich mein allererstes Holzschiff gebaut habe......die Santa Maria von Graupner. Nur wenn ich hier diese ganzen Infos über das Flagschiff von Kolumbus lese, bin ich mir nicht mehr sicher was ich damals da gebaut habe.....mit der echten Santa Maria scheint es jedoch nicht viel Ähnlichkeit gehabt zu haben.... wunder1
      Es grüßt der
      Helmut
      aus dem Bergischen
    • Hallo Helmut,

      Du hast die Graupner SANTA MARIA gebaut... ich konnte nur davon träumen... prost2
      Soweit ich weiß beruhte der Graupner Baukasten auf dem spanischen Regierungsentwurf von 1892. Wie das Schiff letztendlich im Detail aussah werden wir nie erfahren. Lediglich der Schiffstyp, eine Nao, die Anzahl der Segel und die Schiffsgröße ist überliefert. Damit ist nur eine Annäherung an ein zeitgenösssisches, mittelgroßes Seeschiff möglich.

      Klaus
      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Helmut_Z schrieb:

      KlabauterKlaus schrieb:

      ich konnte nur davon träumen..
      ja, für mich war das damals mit 11-12 Jahren auch ein Traum auf den ich lange gespart hatte. Sehe mich noch heute vor Mutters Wasserkessel stehen und im Dampf die Barkhölzer biegen lach 2
      Im Alter von 8- oder 9 Jahren wünschte ich mir ganz dringend die HALF MOON von Hegi. Ich ging irrtümlich davon aus einen Plastikbausatz zu bekommen da die Firma Hegi ihre Produkte im Revel-Katalog vorstellte... Zum Geburtstag machte ich ein sehr langes Gesicht als ich einen Holzbaukasten vorfand. Da sich in meiner Familie niemand mit sowas auskannte, baute dann mein Schwager freundlicherweise Ende der Siebziger Jahre das Schiff während seiner Bundeswehrzeit (18 Monate) abends. Naja, am Ende brachte er mit etwas ähnliches wie ein Schiffsmodell mit... Da ich es nicht selber konnte habe ich mich trotzdem über das Modell mit Segel gefreut. Es durfte dann im Esszimmer stehen...
      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Servus Klaus (und nicht Holger verlegen2 )
      Irgendwie mal wieder die Namen verwechselt.

      KlabauterKlaus schrieb:

      Hallo Albrecht. Please call me "Klaus"... Du hast Dich mit den Thema aber schon ganz schön gut auseinandergesetzt. Hast Du auch schon mal ein Modell der SANTA MARIA gebaut oder ist das reines Interesse? Wenn Du Dir schon Flaggen gezeichnet hast wird Deine Intention doch eher in Richtung Modell gehen?
      Mit der Kolumbusflotte habe ich mich vor einigen Jahren intensiv beschäftigt als ich die drei Schiffe in Plastik von Revell gebaut habe.
      Daher ist noch einiges an Wissen zu den drei schiffen hängen geblieben.
      Beim Modellbau ist mir immer sehr wichtig möglichst viel zum Original, seiner Geschichte und der Historie außen rum zu erfahren.
      In einem anderen Forum habe ich meine drei Modelle damals vorgestellt und habe oft gemerkt wie wenig Interesse an den Hintergründen zu den Originalen und den geschichtlichen Eckdaten besteht. Egal um welches Modell es sich handelte. Hier im Forum ist das aber anders!
      Hier mal ein link zu meiner leider nur in Plastik Santa Maria. Im Bericht sind noch zwei links zu Nina und Pinta.

      Revells Santa Maria 1/90

      Für meine Modelle, auch in Karton, verändere ich gern Teile am PC. Gerade Wappen, Fahnen und alles andere aus Karton/Papier können hier prima erstellt werden.

      Weiß jemand was aus dem Santa Maria Nachbau von 1929 geworden ist. Das Schiff lag ewig lang in Barcelona bei der alten Admiraliät.
      In Google Earth kann ich sie aber nirgends wo mehr finden.
      Gruß Albrecht
    • Hallo Albrecht,

      den Link über Deine SANTA MARIA habe ich gerne gelesen daumen1 Du hast Dir mit dem Modell, der Fotografie und der schriftlichen Präsentation viel Mühe gegeben. Den Text kann man gut lesen, Du solltest in Modellbau-Zeitschriften veröffentlichen! Warum schreibst Du "leider nur aus Plastik"? Damit kann man doch auch viel machen. Wenn die groben Formen stimmen lässt sich mit viel Hintergrundwissen daraus was Feines machen. Womit wir wieder beim Hintergrundwissen sind... grins 3

      Deine Flaggen sind klasse geworden, die Stoffsegel tun ihr übriges. Die Taljen der Großwanten würde ich nochmal überdenken. Du hast nun über die Plastiktaljen eigene Taljen gesetzt und es "Doppeltgemoppelt". Das Modell von Revell ist eben ein Modell der Barcelona-Replik und hat damit sein Vorbild. Die Replik war früher recht populär. Ich erinnere mich z.B. an ein Foto von dem Schiff in meinem Geschichtsbuch damals. Das wird für Revell der Grund gewesen sein seinen Baukasten an dem Original auszurichten. So ein Modell wie ich es gebaut habe wird sich als Baukasten sicher nicht gut verkaufen lassen da es für die meisten eben nicht "DIE" SANTA MARIA ist wie sie sie kennen.

      Was aus dem Original geworden ist weiß ich nicht genau. Ich hörte auf Nachfrage das Schiff sei in den 1990ern verbrannt. Ich war 2000 in Barcelona und konnte es jedenfalls nicht mehr finden.

      Ich interessiere mich sehr für die Hintergründe zu meinen Modellbauobjekten. Ich kann aber auch verstehen dass jemand einfach nur bauen möchte weils Spaß macht. Dazu greift man dann auf die vorhandenen Angebote der Baukästen (ob Holz, Plastik oder auch Karton) zurück. Was man daraus macht bleibt dann dem Modellbauer/Bastler überlassen.

      In dem Verein in dem ich tätig bin (siehe Banner in der Signatur) hatte ich mal Gespräch mit einem sehr beschlagenen Theoretiker. Er lehnt es rundheraus ab Schiffe zu bauen die nicht belegbar sind. Das betrifft u.v.a. die GOLDEN HIND, die MAYFLOWER und eben unsere SANTA MARIA. So ist eine Rekonstruktion eben immer nur ein Versuch der Wahrheit nahe zu kommen.

      Übrigens tun sich in Details selbst bei aktuellen und scheinbar ach so bekannten Schiffen wie dem Schlachtschiff BISMARCK viele offene Fragen auf. Obwohl es zig Fotos und die original Baupläne gibt...

      Viele Grüße und Danke für die guten Inputs,

      Klaus
      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Servus Klaus,

      du machst selbst aus einem Galeriebeitrag einen wissenschaftlichen Vortrag! hurra1

      Den Bau deiner Santa Maria habe ich im alten Forum mit großem Interesse und noch größerer Begeisterung verfolgt!
      Sie ist ein wunderschönes Modell!

      beifall 1 ja 2 cool1
      Herzliche Grüße / Best regards,
      Andreas

      Optimismus ist die Kunst, mit dem Wind zu segeln, den andere machen.
      Alessandro Manzoni (1785 – 1873)

      Buddys Kartonuniversum
    • Hallo Andreas,

      ja, der Baubericht im alten Forum... traurig1
      Hier haben wir die komprimierte Form mit neuer Diskussion. Ich finde Galeriebeiträge mit ein wenig Hintergrundinformation ganz gut. Klar: meist gibts zu den Bildern noch einen Baubericht auf den verwiesen werden kann. Wenn der fehlt sind "erweiterte Galerie-Beiträge" eien gute Lösung.

      les 3 Klaus
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    • Hallo Klaus,

      au ja, an DEN Baubericht kann ich mich auch lebhaft erinnern! Du hast es aber ganz prima geschafft, alles Wichtige und Interessante in neuer Form zu präsentieren, so daß man ganz sicher von einem absolut vollwertigen Ersatz sprechen darf. Ich freue mich sehr, daß auch dieses wunderschöne Modell wieder zu sehen ist (über kurz oder lang wollte ich Dich deswegen eh anstupsen). Daß mir auch die ganzen Zugaben prima gefallen, brauche ich Dir bestimmt nicht extra zu sagen: ich halte es ja genauso und sehe in jedem Modell auch ein Forschungsobjekt. Bei einem Schiff wie der "Santa Maria" ist das natürlich eine ganz andere Leistung als bei einem noch existierenden Schiff, wobei auch ein solches erstaunlich viele Rätsel, Überraschungen und Eigenheiten aufweisen kann.

      Extraklasse im Mini-Maßstab: typisch Klaus halt!
      Beste Grüße
      Claudia
    • Albrecht schrieb:

      Hans-Jürgen F. schrieb:

      Hallo Albrecht,
      vielen Dank für den Link. Jetzt bin ich mir endlich sicher das Albrecht = Albrecht ist, was anhand der Avatare nicht leicht zu entscheiden war.
      Viele Grüße
      Hans-Jürgen
      Hallo Hans Jürgen, nur wo Albrecht draufsteht ist Albrecht drin happy 2 Nur der Bart ist ab.
      Gruß Albrecht
      Jo, dasselbe habe ich auch gedacht.. klasse1
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    • Ahoi Klaus, nun habe ich ja vor wenigen Minuten in Helmuts Cleo-BB von "meiner Lieblingszeit" und "meiner Lieblings-Navy" gesprochen und laufe Gefahr, mich jetzt mit dem, was ich hier gleich zum Besten gebe, selbst Lügen zu strafen. Aber mitnichten... Auch wenn die Santa Maria weder aus der Zeit des Age of Sail noch aus England stammt, ist sie eines der Schiffe das mich schon viele Jahre sehr intensiv beschäftigt und begeistert. Mein allerster Schiffsmodellbaukasten war übrigens die Santa Maria. Oder besser gesagt ist noch immer - ich habe diesen Bausatz nie begonnen. Er ist aus Holz, aus alter DDR-Zeit, nach den von dir schon erwähnten höchst umstrittenen Plänen von Herrn Adametz. Meine erste SM war die frühere Schreiber-Version, noch sehr einfach und für mich als Anfänger ideal. Später war dann genau das Buch, nach dem du hauptsächlich auch dein Modell gebaut hast, daran schuld, dass ich meine zweite Schreiber-Santa-Maria nie fertigbaute. Ich ergatterte das Buch, nachdem ich mit dem Rumpf fast fertig war und begann dann, mein Modell zu "supern". Da das dann aber irgendwie nicht nach ihm und nicht nach ihr aussah, brach ich den Bau ab und wagte mich an die Papegojan...

      Aber das gehört nicht hierher - jetzt reden wir über dein Schiffchen! happy 2 Als großer Fan deiner kleinen Kunstwerke bin ich natürlich auch über die SM total begeistert; und dann noch deine Recherche dazu im Vorfeld und deren Umsetzung - wieder einmal ziehe ich alle Hüte vor deiner Leistung. daumen1
      Ich hoffe, dass es mir irgendwann vergönnt ist, deine gesamte Flotte live und in Farbe bewundern zu können...

      Viele begeisterte Grüße,

      Bonden

      Im Bau: HMS Mercury
      Für eure Schnippel- und Klebepausen: www.karton-im-wind.de welcome1
    • Hier mal Fotos der spanischen Nachbauten von 1892. Zum 400. Jahrestag der Entdeckung Amerikas wurden erstmals die Kolumbus-Schiffe als segelfähige Repliken nachgebaut und zur Weltausstellung nach Chicago geschickt. Die SANTA MARIA (II) ist gesegelt, die anderen beiden wurden auf einem Frachtschiff transportiert. Der Nachbau erfolgte natürlich nach den Kenntnissen der damaligen Zeit.





      »Das muss das Boot abkönnen!«




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