Eine portugisische Karavelle / um 1450 / 1:250 / Eigenbau

    • Eine portugisische Karavelle / um 1450 / 1:250 / Eigenbau

      moin1 ins Forum,

      Nach dem mein Modell der SANTA MARIA auf so viel Interesse stieß, möchte ich gerne meine zuvor entstandene portugisische Karavelle vorstellen. Die beiden Begleitschiffe der SANTA MARIA waren ebenfalls Karavellen so dass die Themen gut zusammenpassen.

      Die Karavelle entwickelte sich wahrscheinlich aus den Segelschiffen der Araber heraus. Das dreieckige Lateinersegel wird im ganzen Mittelmeerraum bis heute noch beim Segeln verwendet. Prinz Heinrich der Seefahrer (1394 – 1460) suchte mit staatlicher Unterstützung intensiv den Seeweg nach Indien. Er benötigte dazu ein Fahrzeug welches hoch an den Wind gehen konnte und somit in der Lage war, gegen den Wind zu kreuzen. Ihm wird die Entwicklung der Karavelle maßgeblich zugeschrieben. Man könnte dieses Schiffe quasi als »Mittelalterliche Space-Shuttle« bezeichnen da sie Seefahrern ermöglichten, in für Europäer bisher unentdeckte Gebiete der afrikanischen Westküste vorzustossen.

      Das Modell ist im Maßstab 1:250 gebaut, die Rumpflänge beträgt 8,7 cm. Ich habe nach Unterlagen aus einer alten LOGBUCH-Ausgabe – der Vereinszeitschrift des AK-hist. Schiffbau – gearbeitet. Planautor ist Heinz Gronen. Parallel dazu habe ich das Buch »Die Schiffe des Christoforo Colombo« zu Rate gezogen und einen 1:1 Nachbau in Lagos /Portugal besucht.

      Das Modell besteht aus Karton und Papier und Serafilgarn. Die Masten sind aus gezogenem Bambus herstellt. Bevölkert wird das Schiff von 1:220-Preiser-Figuren (erst auf den Makros sieht man Brusttaschen und andere anachronistische Kleidungsdetails die dem bloßem Auge verborgen bleiben...). Die Wasserdarstellung ist wie bei meinen anderen Wasserlinienmodellen auch aus Papier, Acrylgel und Acrylfarbe entstanden.

      Die Karavelle nähert sich in langer Dünung einer fremden Küste, das Boot ist ausgesetzt und wird geschleppt, die Geschütze werden klar gemacht, der Mann im Ausguck ist besonders aufmerksam...



      »Das muss das Boot abkönnen!»




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Ein paar Worte zum Modellbau:

      Zum Rumpf habe ich mir zunächst ein halbes Spantenmodell gebaut um eine Rumpfabwicklung aus Papier abnehmen zu können (manche machen das in einem 3D-Programm. Da ich eh schon den ganzen Tag am Rechner sitze will ich wenigstens in meiner Freizeit etwas haptisches erleben...). Die Abwicklung habe ich gespiegelt (dann doch mit dem Rechner) und gedoppelt. Der Rumpf hat eine Grundplatte die etwas tiefer als die Wasserlinie ansetzt (um noch ein wenig UWS bei Lage zeigen zu können), einen Kiel und darauf die Decksfläche. Das ganze ist dann mit meinen Abwicklungen umklebt. Das hört sich einfach an, ist es eigentlich auch, war aber dennoch ein ziemliches Gebastelt...

      Das Modell war 2011 eines der ersten die ich in dieser Form gebaut habe. heute mache ich vieles mit mehr Übung arbeit2

      »Das muss das Boot abkönnen!»




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Das Display ist im Grunde eine Kartonschachtelkonstruktion. Darauf habe ich mein Modell gesetzt um eine Position im Gesamtbild zu ermitteln. Wichtig ist, dass rundherum nicht zu wenig Wasserfläche zu sehen ist, aber auch nicht soviel als das sich das Modell darin verliert. Das Beiboot soll im Schlepp gezeigt werden so dass der Platz auch noch eingeplant werden musste.

      Die Form der Dünung ist aus Papier geklebt (kommt auf den Fotos nicht ganz so gut heraus) und mit weißem Acrylgel modelliert. Nach dem Trocknen wurde die Fläche mit Blau- und Grüntönen bemalt, die Modelle eingesetzt und abschließend alles mit klarem Acrylgel überzogen. Auf die Wind- und Wellenrichtung ist dabei zu denken (das betrifft natürlich auch die Stellung der Segel und der Flaggen). Um eine bessere Vorstellung zu haben, habe ich die damals noch nicht fertigen Segel und Masten mit Papierdreiecken und Zahnstochern simuliert.





      Auch hierin bin ich heute geübter und klebe das Modell meist sofort in das Display ein. So habe ich auch gleich eine prima Arbeitsfläche um das Modell beim Arbeiten nicht ständig anfassen zu müssen

      »Das muss das Boot abkönnen!»




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Moin Klaus,

      bei Deinem obigen Galeriebericht sieht man mal wieder, das der Kartonmodellbau auch sehr lehrreich sein kann. Ich habe wieder etwas über die Geschichte der Segelschiffe dazugelernt. Dein Modell ist sehr schön gebaut und klasse in Szene gesetzt. Vor allem die Wasserdarstellung finde ich beachtenswert.

      Grüße
      Jürgen
      Lächeln ist die eleganteste Art, seinen Gegnern die Zähne zu zeigen - Werner Finck -


    • Servus Klaus.... wie immer: 1 plus!!!
      Klasse umgesetzt und auch die richtigen Kreuze auf den Segeln!

      Wie ist es bei portugiesischen Karavellen? War es auch hier üblich auf
      der Fahrt umzutakeln? Von Carabela latina zu Carabela Redonda?

      Deine Wasseroberflächen haben was.
      Bin letzte Woche mal im 1 Euro Markt gewesen und habe mir einen Topf dieser "Pampe" gekauft.
      Mal sehen was ich zustande bringe.
      Gruß Albrecht
    • Servus Klaus,

      deine Ausführungen, wie immer hochinteressant!
      Dein Modell sowieso!

      Wenn ich denke wie klein die Nußschale war.
      Und mit so einem Zwerg schipperten die Jungs ins Ungewisse, die hatten wirklich Mut!

      Liebe Grüße

      Wiwo
      In Bau: K.u.k.Tegetthoffklasse, GPM, 1:200 1:250 und 1:400
      Und hier: Alle meine Modelle

      "Pfeif auf BIO! In meinem Alter nimmt Mann alle Konservierungsstoffe die Mann kriegen kann!"
    • Hallo Joachim, Hans-Jürgen, Jürgen, Ingo, Peter und Wiwo,

      Willkommene auf der kleinen Karavelle. Freut mich dass Euch das Modell und die kurzen Ausführungen dazu gefallen freu1

      Albrecht schrieb:

      (...)
      Wie ist es bei portugiesischen Karavellen? War es auch hier üblich auf
      der Fahrt umzutakeln? Von Carabela latina zu Carabela Redonda?

      (...)
      Hallo Albrecht,

      Danke auch Dir. Kolumbus ließ umtakeln weil ein er für die langen Schläge über den Atlantik einen besseren Vormwindsegler benötigte. Das wird nach Bedarf immer mal wieder gemacht worden sein. Es gab später ja auch die großen Karavellen mit rahgetakleten Fockmast. Die kenne ich als auch unter der Bezeichnung »Caravela Armada«. Wobei ich auch gelesen habe, dass Fachleute diesen Begriff in Zweifel ziehen und generell von der »Carvela Redonda« sprechen:



      »Meine« Karavelle konnte für Vorwindkurse ihre Segel derart drehen, dass die Ruten waagerecht in ihren Racks lagen. Das sah dann ungefähr so aus:



      Mit dieser Segelstellung konnte auch Vormwindkurse gefahren werden. Das war zwar nicht so ideal wie ein Rahsegel, bedurfte aber kein Umtakeln

      Klaus
      »Das muss das Boot abkönnen!»




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Neu

      Ahoi Klaus,

      auch dieses Modell ist wieder ein typisches Klabauterklausschiffchen - sensationell gebaut, wunderschön anzusehen und nebenbei auch noch sehr lehrreich vorgestellt. klasse1

      KlabauterKlaus schrieb:

      Mit dieser Segelstellung konnte auch Vormwindkurse gefahren werden. Das war zwar nicht so ideal wie ein Rahsegel, bedurfte aber kein Umtakeln
      Hast du da Details, wie z.B. die Schotführung in dem Fall war?


      KlabauterKlaus schrieb:

      mit der Karavelle, der Kogge, der kommenden Galeone, dem Kolumbus- und dem Barentsschiff zeichnet sich ein gewisser Themenschwerpunkt ab...
      Um mal mit Loriot zu antworten: Ach was. grins 3


      Im Bau: HMS Mercury
      Für eure Schnippel- und Klebepausen: www.karton-im-wind.de welcome1 (10.04.17: Neuigkeiten!)
    • Neu

      Hallo Bonden,

      zur Schotführung kann ich nur spekulieren... Die Halstaljen und Halsbrassen fieren bis zum gehtnichtmehr, eine Geere – oder irgendein Hilfstau – takeln mit dem die gewaltige Rute kontrolliert Richtung Deck geholt werden kann und die Schot zum Vordersteven ziehen? Oder die Rute mit Segel an Deck fieren und Topnanten setzten? Irgendwie musste das Gewicht des Segels mit Rute ja gehalten werden...? denk1

      Die dreieckigen Segel der Karavelle waren gewaltige Flächen die sicher nur schwer in kräftigen Winden kontrollierbar waren und mit viel Muskelkraft zu beherrschen waren. Ich bin leider kein Segler – nur im Geiste... – und kann nichts aus der Praxis berichten. Da müßte mal ein gestandener Seemann sagen wie so ein Segel gedreht wird...

      Um einen Eindruck zu haben – der mir selber oft fehlt – wieviel Zug und Kraft auf solchen Segeln liegen kann empfehle ich diesen Film übers Dhausegeln:



      Bei 1:47 wird das Segel zu Halse »geschiftet«, d.h. das Segel mit Rute wird um den Mast gezogen. Selbst bei einem relativ kleinen Segel wie dem der gezeigten Dhau sieht man wie hart die Jungs anpacken müssen. Wie wird das nur auf den alten Karavellen gewesen sein?

      Klaus
      »Das muss das Boot abkönnen!»




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Neu

      Nun, Halsen oder Wenden bedeutet ja immer eine gute Abstimmung zwischen Ruder legen und im richtigen Moment an der Schot ziehen. Ansonsten läuft man Gefahr, sich festzufahren oder im schlimmsten Fall querzuschlagen. Das ist auf jeden Fall ein tolles Video, danke fürs Zeigen!

      Und in der nachgefragten Situation: Also einfach mal die Rute in die Waagerechte bringen dürfte nicht gehen. Ich teile deine Ansicht, dass man hier erstmal den Baum abfieren muss, um entsprechende Taue anzubringen. Und selbst dann wird's schwierig, das Segel in Position zu halten, kann ich mir vorstellen. Vielleicht kann man das mal an einem einfachen Modell simulieren?


      Im Bau: HMS Mercury
      Für eure Schnippel- und Klebepausen: www.karton-im-wind.de welcome1 (10.04.17: Neuigkeiten!)