Hampton Court Palace Micro Models 1:1.250

    • Hallo liebe Freunde,
      4 Wochen Sommerpause sind vorbei auf dieser Baustelle. Es wird Zeit, dass es weiter geht!

      In den letzten Tagen war nur ein Gewerk gefragt auf der Baustelle: die Schornsteinmaurer. Sie haben ganze Arbeit geleistet und ca. 60 Stück Schornsteine errichtet. Damit und mit ein paar Zäunen ist Set A des Micromodells abgeschlossen.





    • Hallo Gunnar, hallo Kurt,
      vielleicht auch ein ganz einträglicher. Bei über 200 Schornsteinen im Palast gab es richtig was zu tun. Gebäude aus der Tudor-Zeit haben oft diesen "Schornstein-Schmuck", auch anderswo in Old England. Leider kommt die Pracht bei diesem Maßstab nicht so recht zu Geltung.
      Jetzt geht es an den barocken Teil des Schlosses, da sind die Schornsteine einfacher gehalten, dafür kommt eine neue Herausforderung auf uns zu: Strebepfeiler. Es sind so 20 - 30 Stück, die uns an den größeren Gebäuden wie der "Großen Halle" erwarten.
      Der Konstrukteur meint, man könnte diese durch stumpfes Verkleben der sehr filigranen Kanten herstellen. Ich hab's probiert und fand das ziemlich grenzwertig. Darum habe ich den Strebepfeilern einen Kern aus Karton verpasst, dann kann man die Seitenteilen viel einfacher verkleben. Ich hoffe, das Bild erklärt, wie ich es gemacht habe.
    • Hallo liebe Freunde,
      langsam aber stetig schreitet der Bau voran. Da ich die einzelnen Gebäude nicht auf dem Original-Grundrißplan aufstelle, sondern auf meinem Schloßhof aus Sandpapier, muss ich immer schauen, dass auch alles passt. Deshalb fertige ich die einzelnen Baugruppen vor und montiere erst dann, wenn alle Gebäudeteile komplett sind. Hier sind die Gebäude der Baugruppe 10, die zusammen den "Uhrenhof" (clock court) bilden.
    • Hallo,
      auf dieser Baustelle war lange Zeit nichts los, das hatte aber seine Gründe. Bei der abschließenden Montage der vorgefertigten Gebäudesets vor ca. 4 Wochen hatte ich gemerkt, dass die Gefahr des "Nichtzusammenpassens" größer ist als erwartet. Deshalb hatte ich mich dazu durchgerungen, zunächst ALLE Gebäude vorzufertigen, bevor irgendetwas auf der Grundplatte befestigt wird. Heute nun habe ich das letzte Gebäude fertiggestellt, hier sind die Ergebnisse. Zunächst das Sammelsurium aller Gebäude:



      Es sind eine ganze Reihe kleinerer Gebäude, die zum Wirtschaftstrakt des Schlosses gehören:



      Dann sind es die "Große Halle" und die "Königliche Kapelle":

    • Im nordwestlichen Eck des Schlosses kommen einige größere Wirtschaftsgebäude wie das "Ammen- oder Kindergartenhaus" dazu. Ein besonderes Problem stellen die im Vergleich zu den anderen Teilen des Schlosses sehr großen Gebäude des barocken Teils des Schlosses dar. Auf ihre Funktion komme ich später noch zurück. Man kann sich leicht vorstellen, dass, wenn man ein derart großes Gebäude nur mit einer geringen Winkelabweichung auf der Grundplatte montiert, am Ende garnichts mehr passt. Jetzt sind alle Gebäude fertig und nun können wir in Ruhe montieren...



    • Hallo Hans-Jürgen,

      das ist ja nicht nur ein Schloss, sondern fast eine kleine Stadt, die du da baust.
      Schön, dass das Modell sich nicht nur auf den Hauptbau konzentriert, sondern die ganze umfangreichen Anlage darstellt.

      Deine Vorgehensweise ist bestimmt ratsam, so kannst du eine entspannte Stellprobe machen. Es gefällt mir sehr, was und wie du es baust.

      Viele Grüße
      Dieter
    • Hallo Hans-Jürgen,

      mir gefallen solche Gebäudensembles sehr gut und Deines wird besonders schön. daumen1

      Gerade hier kann man den kleinen Maßstab nutzen um viele Gebäude auf kleinem Platz darzustellen.

      Das mit der Stellprobe war eine gute Idee, das habe ich bei "meiner" Polizeistation auch so gemacht.

      Ich freue mich schon auf deine Bilder vom fertigen Modell.

      Viele Grüße
      Christoph
      "Time flies like an arrow. Fruit flies like a banana."

      Meine gebauten Kartonmodelle ausguck2
    • Da es zum Original und seiner Geschichte noch extrem viel zu erzählen gibt, muss ich mich jetzt kurz vor Abschluss der Arbeiten am Modell sputen, um wenigstens noch das eine oder andere loszuwerden. Fangen wir mal mit dem Essen und Trinken an.
      Heinrich VIII. ist wohl der berühmteste König Englands, und das wohl neben den durch ihn veranlassten religiösen und sozialen Veränderungen in England auch wegen seiner Unersättlichkeit. Neben seinen sechs Frauen hat er es in seiner Amtszeit (1509 -1547)
      vom schlanken Jüngling zum stattlichen Mann mit 160 kg Lebendgewicht gebracht. Wie man das schafft, kann man im Hampton Court Palace wunderbar nachvollziehen. Dieses Schloss hat einen riesigen Küchentrakt : mit 19 Abteilungen und 57 Räumen ist sie die größte erhaltene Küche aus der Tudorzeit. 250 Köche und Hilfskräfte bereiteten hier für den Hofstaat von ca. 600 Personen zwei Mahlzeiten am Tag zu. Es ist überliefert, dass innerhalb eines Jahres 1240 Ochsen, 8200 Schafe, 760 Kälber, 2330 Hirsche, 1870 Schweine und 53 Wildschweine "aufgefressen" wurden. Heinrich hatte 60 Schlösser, wenn in einem die Vorräte zur Neige gingen, zogen der Hofstaat und Gefolge zum nächsten...
      Die Küchen existieren noch und können besichtigt werden. Heute arbeiten dort "Speisearchäologen" und Hobbyköche und versuchen, die Rezepte der Tudorzeit nachzuempfinden. Einmal im Monat gibt es ein Tudoressen, im Restaurant werden einige der alten Gerichte angeboten. Nur mit dem Lieblingsgetränk Heinrichs kann sich niemand so recht anfreunden. Er liebte "gebuttertes Bier"....
    • Hallo Hans Jürgen,

      dein Schloss kann man ja eigentlich schon als Kleinstadt bezeichnen! Die Stellprobe sieht gut aus und da kann man nur hoffen und die Daumen drücken, dass es auf deiner Grundplatte auch klappt.
      Die Mengen an Futter, die damals verdrückt wurden sind schon enorm..im Stift St.Florian bei Linz gibt es ähnliche Statistiken für einen Papstbesuch..ein Besuch kommt einmal komplett abbrennen gleich^^

      Grüße!
      Ludwig
    • Hallo Fritz, hallo Kurt, hallo Ludwig,
      danke für's Vorbeischauen!
      Heute wieder einmal ein paar Bilder von der Baustelle.Der nächste Hof ist der Clock court, so genannt wegen der astronomischen Uhr am Eingangstor. Das große Gebäude auf der rechten Seite des Hofs ist die sogenannte Great Hall, ein Fest- und Bankettsaal.



      Daran schließen sich die Gebäude des barocken Teils an. Das sind richtig große Klötzer. Die Außenfassaden habe ich ein wenig dreidimensionalisiert, um das zu zeigen muss ich noch ein paar extra Fotos machen. Mitten im Hof befindet sich ein Wasserfontäne, weswegen dieser Hof auch Fontain court heißt. Das Wasserbecken habe ich gebaut, die Fontaine jedoch weggelassen. Auf einigen Originalfotos sieht es so aus, als wäre sie eh nicht sehr hoch gewesen...Und wie auch darstellen in diesem Maßstab denk1 kratz1

      Der Hof ist von allen vier Seiten von einem Wandelgang umgeben.





      Jetzt bleibt noch der letzte Teil der Wirtschaftsgebäude, da wird es noch einmal etwas filigran.
    • Hallo Wolfgang,

      das probier ich mal. Wenn es zu schwierig wird, dann gilt das Motto: "Weniger ist manchmal auch mehr".
      Zunächst aber noch eine Geschichte zum Original:
      Im Hampton Court Palace spukt es!!!! Dazu gibt es viele Geschichten im Internet, neuerdings werden sogar wissenschaftliche Untersuchungen angestellt. Catherine Howard, die 5. Frau von Heinrich, war ja wegen angeblichen Ehebruchs unter Hausarrest gestellt worden und lebte unter strenger Bewachung im Palast. Es ist überliefert, dass sie einmal ihre Bewacher überlistet hat und aus ihren Räumen weggelaufen war, um Heinrich VIII in seiner Privatkapelle aufzusuchen und um Gnade zu flehen. Sie wurde jedoch von den Wachen geschnappt und zurückgeschleppt. Auf dem Weg, den Catherine damals durchs Schloss nahm, ist es nun nicht mehr geheuer. 1999 fielen kurz nacheinander bei Schloßführungen an eben dieser Stelle zwei Damen in Ohnmacht, auch andere Schlossbesucher klagten über Unwohlsein. Catherine wurde später im Tower von London hingerichtet.
      Jane Seymour, Heinrichs dritte Frau, die 1537 an den Folgen der Geburt von Edward, dem einzigen Sohn Heinrichs starb, geistert ab und zu mal als weißgewandete Gestalt durch den Uhrenhof.
      Sibill Penn war die Amme von Prinz Edward. Sie starb 1562 und wurde zunächst in der nahen Hampton Church beigesetzt. Als die Kirche abgerissen wurde, verschwanden ihre Überreste. Man sagt, sie sei in den Palast in ihre alten Räume umgesiedelt. Dort hörte man in manchen Nächten die Geräusche eines Spinnrads. Bei Umbauarbeiten wurde hinter einer Mauer ein kleiner vergessener Raum entdeckt, in dem ein altes Spinnrad stand...
      Sibill Penn ist wohl der aktivste Geist im Hampton Court Palace. Sie wurde als "Lady in Grey" mehrfach gesichtet, u.a. 1986.
      Aus dem Jahr 2003 stammen Fotos von einem Geist, der sich an einer der Brandschutztüren zu schaffen macht...

      Und so weiter....
    • Obwohl ich euch wahrscheinlich mit meinen Geschichten inzwischen langweile, zwei Sachen muss ich noch loswerden bevor es wahrscheinlich morgen die finalen Bilder vom Bau gibt. Sehr interessant finde ich die Geschichte der von der Krone begünstigten Wohnungen im Schloss. Georg II. war der letzte König, der bis 1737 das Schloss zumindest zeitweise bewohnte. Bereits unter seiner Regentschaft zogen die ersten "Begünstigten" in den Palast ein. Als sein Nachfolger Georg III. ab 1760 das Schloss nicht mehr nutzte, wurden große Teile das Schlosses in Appartments aufgeteilt, die manchmal bis zu 15 Räumen umfassten. Dort wohnten die "Begünstigten" mietfrei und auch, zumindest bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, mit ihrer Dienerschaft. Es gibt ein Buch, das Titelblatt ist im ersten Bild dargestellt, in dem, so weit bekannt, alle Bewohner aufgelistet und beschrieben sind. Bild 2 zeigt einen Ausschnitt aus einem Gebäudeplan mit einigen Wohnungen.



      Es waren durchweg Personen, die sich um die Krone verdient gemacht hatten. 95 % der Bewohner waren Frauen, meist Witwen von höheren Offizieren, Ministern, Botschaftern etc. Die 170 Seiten des Buches, das ihr leicht im www als pdf zum downloaden findet, sind ziemlich amüsant, weil die Bewohner mit kurzen Biographien vorgestellt werden. Unter ihnen gab es neben den vielen Witwen auch einige originelle Persönlichkeiten.
      Zum Beispiel bewohnte der Prinz von Oranien, Statthalter der Vereinigten Provinzen, und verheiratet mit Wilhelmine von Preussen ab 1795 das Appartment 29 (und wahrscheinlich einige der benachbarten Appartments, da deren Bewohner ausziehen mussten). Er war vor den Folgen der französischen Revolution geflohen. Lord Holland schrieb dazu:"Als der Prinz von Oranien in Hampton Court Palace residierte, war die Anzahl seiner amourösen Abenteuer mit den Dienstmädchen sehr groß".
      Im Appartment 48 wohnte von 1937 - 1960 (also bis vor kurzem!) die russische Großfürstin Xenia Alexandra, die Tochter von Zar Alexander III und die Schwester des letzten russischen Zaren (Putin nicht mitgerechnet) Nikolaus II.
      Der berühmte Wissenschaftler Michael Faraday wohnte dort ab 1858, er starb auch dort. Er schrieb an einen Freund, dass die Königin ihm jetzt eine Wohnung in HCP zur Verfügung gestellt hätte, wo er wohl im Sommer wohnen werde. Er hoffe, "bald etwas besseres zu finden". Die Wohnungen waren wohl nicht sehr komfortabel und hatten, neben veralteten Heizungen, selten mal ein Bad.
      In Apartment 44 wohnte ab 1930 Lady Shakleton, die Witwe des Polarforschers Ernest Shakleton.
      Und in Appartment 48 wohnte 1764 Lancelot Brown, so etwas wie der Chef-Gärtner in Hampton Court seiner Zeit. Er legte den Grundstein für die vielen außergewöhnlichen Parks rund um HCP, über die ich in meiner letzten "Abschweifung" dann später noch etwas erzählen möchte und pflanzte 1769 den "Großen Weinstock", der heute als der älteste Weinstock der Welt gilt. Insgesamt waren es in den ca. 200 Jahren der Nutzung von HCP als Wohnimmobilie mehrere hundert Bewohner, die Bewerberliste und die Wartezeiten waren lang...

      Wer mehr wissen will, muss bitte selbst recherchieren, es lohnt sich!
      Bis dann!
    • Hallo liebe Freunde,
      die Gebäude sind fertiggestellt, damit ist das Modell soweit komplett. Hier die Bilder des gesamten Komplexes. Er ist riesig und bedeckt in Natura eine Fläche von mehr als 4 Fussballfeldern. Als Micromodell ist er nur 25 x 19 cm groß. Auf den ersten beiden Bildern kann man so ein bisschen erkennen, wie ich versucht habe, die Säulenportale etwas dreidimensionaler darzustellen.









      Auf dem letzten Bild sieht man in der Mitte die königliche Privatkapelle.
      Hampton Court ist wegen seiner Gärten und Parks berühmt. Da müssen wohl auch die Modellgärtner noch einmal ran und etwas Leben in die Grünflächen bringen...
    • Während die Gärtner arbeiten, kann ich ja kurz noch etwas erzählen. Hier ist ein Plan von der Webseite des Schlosses, der die verschiedenen Parkanlagen zeigt:

      Ein Teil ist noch so erhalten, wie im 17. Jahrhundert angelegt, z. B. der Irrgarten (Maze - oben im Bild), andere Teile wurden mehrfach umgestaltet. In der rechten oberen Ecke sieht man den Anfang des "Home Parks", der ist allein über 300 ha groß und von ca. 300 Stück Rotwild bevölkert. Die Royal Horticultural Society, die Königliche Gartenbaugesellschaft veranstaltet jährlich eine große Blumenschau, wohl die weltweit größte. In einigen Teilen des Parks darf gepicknickt werden, die Ausrüstungen dazu wie Partyzelte und ähnliches kann man im Schloß mieten, auch einen Butler dazu, der dann das ebenfalls im Schloß zu bestellende Essen serviert. Man kann sich natürlich auch selbst bedienen und seine Speisen und Getränke mitbringen.
      Es gäbe noch viel zu erzählen, z. B. vom ältesten Tennisclub der Welt, der seit 1530 besteht. Heinrich der VIII hat 1528 selbst Tennis gespielt, die Regeln haben sich seitdem nicht wesentlich geändert.
      Mir hat es jedenfalls viel Spaß gemacht, neben der Bastelei so viel Interessantes über den Palast, seine Geschichte und seine Bewohner zu erfahren.
      Nun muss ich aber mal schauen, wie weit die Gärtner sind...
    • Die Gärtner haben nach dem Motto: "Weniger ist mehr" gehandelt und sind damit auch schon fertig. Angepflanzt haben sie zwei Hecken und einige Sträucher. Die beiden Bäume, die es auch im Original gibt, sind wohl ohne ihr Zutun gewachsen.






      Wie man auf dem letzten Bild sieht, ist auch die Flagge inzwischen gehißt, der Bau ist somit abgeschlossen. Das war mein drittes und vorerst letztes Micro Model, der Bau hat, wie bei den beiden Vorgängern auch, riesigen Spaß gemacht. Man lernt sehr schnell mit den durch die Handzeichnung verursachten leichten Ungenauigkeiten umzugehen, es muss nicht immer ein am Computer perfekt designtes Modell sein!
      Vielen Dank allen, die zugeschaut haben!

      Hans-Jürgen
    • Hallo Hans-Jürgen,

      unter Deinen kundigen Händen ist ein weiteres faszinierendes Modell entstanden - Gratulation!
      Dem Auge des Betrachters bietet sich in diesem kleinen Maßstab eine beeindruckende Vielfalt an Formen, Farben und Konturen. In ihrer Gesamtheit stellen sie ein kleines Kunstwerk dar.
      Danke auch für die reichlichen und aufklärenden Hintergrundinformationen.

      Viele Grüße
      Roland
    • Hallo Roland, Wolfgang, Fritz und Gunnar,

      vielen Dank für eure anerkennenden Worte. Es war, wie gesagt, ein Modell mit hohem Spaßfaktor, sowohl beim Bauen als auch beim Lesen der Geschichten zum Original. Selbst der Bau der vielen Schornsteine war nicht langweilig, sie bringen das "gewisse Etwas" ins Modell.
      Gunnar, es gibt zwar noch ein paar Micro Models, die mich reizen könnten (Vatikan oder Parlament von London), aber mit Hampton Court habe ich den Höhepunkt wohl überschritten. Es wird Zeit, dass ich mich nach 5 Architekturmodellen mal wieder einem anderen Genre widme...
      Viele Grüße
      Hans-Jürgen