Römischer Belagerungsturm - Roman Siege Tower - Schreiber 1:87

    • Römischer Belagerungsturm - Roman Siege Tower - Schreiber 1:87

      Salvete cartonistae cartonistique,

      mein erster Baubericht (!) befasst sich mit einem Trum von einem Turm, bei dessen Anblick den Belagerten anno dunnemals nichts Gutes schwante. Die Höhe des Modells gibt der Bogen mit 19 cm an, was in Wirklichkeit 16,53 m entspricht. Mit vier Etagen dürfte der Turm eher Standardmaß vorweisen. Der einführende Text des Bogens berichtet von einem 22-Meter-Turm, der 70 n.Chr. bei der Eroberung Jerusalems zum Einsatz kam, und von einem Turm, der bei der Eroberung der Festung Masada mehr als 26 m aufwies.

      Zunächst werden die Gerüste der vier Seite erstellt. Dazu werden je zwei mit Karton verstärkte Teile ausgeschnitten und

      miteinander verklebt .

      Beim Schneiden sind die Kerben für die Verstrebungen zu beachten. Die braunen Seiten zeigen später nach innen.



      Miteinander verklebt ergibt das einen Turm! Man beachte, dass dies erst acht Bauteile sind!



      Es folgen die Verstrebungen, zwei für das 'Erdgeschoss' und eine für die 'erste Etage'. Letztere wird später den Rammbock tragen.



      Es folgen die Räder, die jeweils aus drei Lagen Karton gefertigt werden. Der Bogen schlägt dazu die Stichelmethode vor. Weil ich damit keine guten Erfahrungen gemacht habe, schneide ich die Einzelteile der Räder als Sechzehn-Ecke, verklebe sie dann und schleife sie zum Schluss, wobei kaum noch etwas zu tun ist. Zuletzt werden die Reifen darum herumgeklebt (siehe rechtes Bild von oben nach unten).



      Dann können die Räder eingeklebt werden. Der Bogen erwähnt auch die Möglichkeit, die Räder mit kleinen Nägeln drehbar einzubauen. Ich habe mich dagegen entschieden, da dies auf Dauer die Statik überfordern könnte.

      Bisher war der Turm eine bodenlose Sache. Das wird jetzt geändert.

    • Das Bauteil 9 (links) wird aus einem Teil geschnitten, gefaltet, gebogen und verklebt - fast, alles was der Kartonbau verlangt. Ach ja - Kantenfärben nicht vergessen! Der vierteilige Rammbock soll laut Baubeschreibung um einen Schaschlik-Spieß gewickelt werden.

      Eine halbe Stunde später - beim Versuch, das Teil an der oberen Querstrebe aufzuhängen - wünschte ich mir, ich hätte den Spieß oder noch etwas Schwereres (z.B. dünner Nagel) in dem 'Spieß' belassen, damit er etwas Gewicht bekommt und damit gefälliger in den Fäden hängt. Man könnte immer noch versuchen, die hintere Abschlussscheibe noch einmal abzulösen. Mal sehen!

      Ursprünglich dachte ich, dass der Rammbock liegend verbaut wird ...



      aber dann wurde mir klar, dass er mit zwei Fäden in die beiden Kerben des Querspants zu hängen ist.

      Wie sich erst später herausstellte, müssen die Fäden die maximale Länge erhalten, so dass der Rammbock fast auf Teil 9 aufliegt (Differenz: maximal 1 mm). Sonst bekommt man später Probleme mit der Öffnung in der Frontverkleidung.

      Von dieser Fummelei brüll1 völlig entkräftet, vergaß ich völlig ein Bild zu machen und baute auch gleich den Boden der nächsten Etage (Bauteil 11) falsch herum ein. (Merke: Wenn man Stress beim Bauen hat, sollte man es erst einmal gut sein lassen.)
      Glücklicherweise habe ich es gerade noch rechtzeitig bemerkt, bevor der Leim angezogen hat.

      An dieser Stelle verlässt die Baubeschreibung des Bogens die Nummerierung und zieht die Stiege (Teil 14) vor. Die Treppenstufen sind (ebenso wie bei den beiden anderen Stiegen) nur zweidimensional ausgeführt. Man könnte daran denken, die Stufen auszuschneiden und dreidimensional einzubauen oder aber wenigstens die Zwischenräume auszuschneiden. Da die Stiegen aber wohl größtenteils im Schatten liegen werden, baue ich sie, wie es der Bogen gebeut.



      Mehr demnächst in diesem Theater!
    • Hallo Hardy,

      da ist der Nibelung als Zuschauer dabei - schließllich gab's sowas ja auch noch später bei den eisentragenden Kriegern...

      Interessanter Bau bisher! daumen1

      Habe einen Belagerungsturm auch noch in der Schublade, ist aber nicht von Schreiber, soviel ich weiß - hoffe, dass ich irgendwann auch mal dazu komme, ihn zu dreidimensionalisieren....

      Servus
      hvt
    • Hallo Hardy

      Eine tolle Wahl, ein selten gesehenes Modell! Schön, dass Du uns amBau teilhaben lässt!
      Der Turm erinnert mich an Asterix und Obelix happy1

      Viel Spass weiterehin!

      Freundliche Grüsse
      Peter
      Wenn Schokolade die Antwort ist, dann ist die Frage unwichtig ostern 3

      Aus Leidenschaft: pierresuisse.ch
      Beruf und Hobby vereint: kamoga.ch
      Aus Freude: mein-modellbau.jimdo.com

      Meine versemmelten Werke
    • Didibuch schrieb:

      Hallo Hardy,

      eine interessante Konstruktion, da schaue ich dir gern beim Bau zu.
      Das Gerüst sieht schon sehr stabil aus.

      Viele Grüße
      Dieter
      Hallo Dieter,
      sei willkommen! Stabil ist es in der Tat. Der neuralgische Punkt sind die Räder, die schon nachkleben musste.


      petcarli schrieb:

      Hallo Hardy,

      sehr schöner Bau des Turmes! Aber ich glaube, dass ich die Stufen der Treppe doch dreidimensional gebaut hätte, auch wenn sie nachher nicht so ins Auge fällt. Doch da entscheidest Du, was Dir besser gefällt.

      Gruß
      Fritz
      Hallo Fritz,
      danke für die Anerkennung! Unter dem Eindruck der eingebauten Teile, muss ich sagen ...



      Du hast Recht.



      Es sieht jetzt weniger plump aus. Aber man sollte beim Einbau der Stufen noch exakter arbeiten.

      Hallo Gerhard, hallo Holger,
      vielen Dank für euer Interesse!


      Hagen von Tronje schrieb:

      Hallo Hardy,

      da ist der Nibelung als Zuschauer dabei - schließllich gab's sowas ja auch noch später bei den eisentragenden Kriegern...

      Interessanter Bau bisher! daumen1

      Habe einen Belagerungsturm auch noch in der Schublade, ist aber nicht von Schreiber, soviel ich weiß - hoffe, dass ich irgendwann auch mal dazu komme, ihn zu dreidimensionalisieren....

      Servus
      hvt
      Hallo Hagen,
      in meiner Schublade ist noch ein Belagerungsturm in 1:25 von Swiat z Kartonu. (Aber ich muss die richtige Schublade erst finden.)

      Hallo Peter,
      jaa, die Freunde aus dem gallischen Dorf - obwohl sie dem Imperium ja nicht so wohl gesonnen sind - haben die Antike und auch deren technischen Errungenschaften wieder in das Bewusstsein gebracht. Mir als "Berufslateiner" kann das Modell durchaus gute Dienste im Dienst leisten.

      Liebe Freunde,
      wenn ich als Forumsneuling mich so langsam in eure Bauberichte einlese und sehe, was für Könner ihr seid, dann fühle ich mich sehr durch eure Anerkennung geehrt.

      Herzliche Grüße
      Hardy
    • Trotz des schönen Wetters habe ich gestern noch ein wenig weiter gebastelt.

      Als nächstes folgt dieses dreifache Kreuz, das irgendwie an ein Rückgrat erinnert und das die einfache Mechanik zum Heben und Senken der Fallbrücken verkörpert.



      Die Frontseite besteht aus einem Teil, welches zusammengeklappt und damit verdoppelt werden soll. Ich habe mich gegen das Zusammenklappen entschieden, da mir die Gefahr, dass es dabei zu einem kleinen Versatz kommt, zu groß war. Also verklebte ich zuerst die Rückwand der Vorderwand. kratz1
      Dabei stellte sich leider heraus, dass ich die Aufhängung des Rammbocks ein wenig zu kurz bemessen hatte. Daher habe ich den Schaft etwas knicken müssen, damit die Spitze durch die Öffnung passte.




      An dieser Stelle sollte man aber spätestens die inneren Schnittkanten verkleiden, die später nicht mehr zugänglich sein werden,



      So lange mussten die Vorderseite der Vorderseite lala1 sowie die Auflagen für die Fallbrücken warten. Bei letzteren habe ich die dreieckige Innenfläche entfernt und die Innenseiten ebenfalls verkleidet. Die Bauanleitung sieht dies nicht vor. Beim auf dem Bogen abgebildeten Modell sind diese Innenflächen jedoch entfernt. Und es ist ja auch kein Hexenwerk.

      Bei den Außenflächen habe ich die Bretterfugen nachgezogen. Die Außenflächen wären sonst zu glatt.



      Die inneren Schnittkanten - soweit sie später nicht im toten Winkel liegen - sind verkleidet.



      Also kann die Vorderseite endlich komplettiert werden. Die Fallbrücken können in jeder Position dargestellt werden. Da sie aber in ganz oder halb hochgezogenem Zustand nur am Vorderteil (Reißgefahr!) hängen würden, bringe ich sie in Angriffsposition und kann sie so auf ihren Auflagen festkleben.




      Es folgt die 'Takelage', also die Zugseile. Da die Brücken unten sind, kann man auf fein säuberlich aufgeschosse Leinen verzichten. Dies wäre eher angebracht, wenn die Brücken hochgezogen wären.



      Ich muss zugeben, dass mich das Modell mit seiner doch nicht ganz so einfachen Bauweise etwas überrascht. Aber die heiklen Passagen scheinen nun überwunden zu sein.

      Denkt sich so euer Hardy.
    • Servus Hardy,

      der Turm schaut unverschämt gut aus! beifall 1
      Eine technische Frage:
      Auf der obersten Ebene, war das auch eine Fallbrücke?
      Ich frage deshalb, weil sie nicht so weit vorragt wie die beiden unteren Brücken.

      Gutes Gelingen weiterhin.

      Liebe Grüße

      Wiwo
      In Bau: K.u.k.Tegetthoffklasse, GPM, 1:200 1:250 und 1:400
      Und hier: Alle meine Modelle

      "Pfeif auf BIO! In meinem Alter nimmt Mann alle Konservierungsstoffe die Mann kriegen kann!"
    • Neu

      Liebe Freunde,
      vielen Dank für das Lob. rotwerd1


      wiwo1961 schrieb:

      Servus Hardy,

      der Turm schaut unverschämt gut aus! beifall 1
      Eine technische Frage:
      Auf der obersten Ebene, war das auch eine Fallbrücke?
      Ich frage deshalb, weil sie nicht so weit vorragt wie die beiden unteren Brücken.

      Gutes Gelingen weiterhin.

      Liebe Grüße

      Wiwo
      Servus Wiwo,

      wenn man von der Bauart und der Zugmechanik her schließt, dann war das auch eine Fallbrücke. Aber warum sie kürzer ist als die anderen, dazu kann ich nur mit Mutmaßungen dienen:
      - Der Turm steht/fährt ja auf Rädern. Also ist er nicht so standfest, wie es erscheinen mag. Wenn man so weit oben noch eine lange Fallbrücke installiert und wenn da dann noch mehrere Männer stehen, könnte das Wunderwerk ins Kippen kommen. Es gab damals ja auch kaum Straßen, wie wir sie kennen. Das bedeutet, dass 'die Anfahrt' schon ein ziemlich wackeliges Unterfangen gewesen sein muss. Ich würde es keinem raten, während der Fahrt oben auf dem Turm zu stehen.
      - Die unteren Fallbrücken konnten ja im Bedarfsfall hochgeklappt bleiben, so dass man - falls man wirklich über die '3. Etage' angreifen musste - nahe genug an die Mauer heranfahren konnte.
      - Vielleicht war das '3. Stockwerk' aber auch nur als Plattform gedacht, um von dort aus die Besatzungen der Stadtmauer mit Fernwaffen von oben in die Defensive zu drängen, während die 'Enterkommandos' über die 2. Etage angriffen. Bekannt ist, dass Stadtmauern auch 'auf die Schnelle' erhöht wurden, wenn man mit dem Einsatz solcher Türme rechnete. Ein Meter mehr - und das Türmchen war keinen Wurf mit dem Pilum mehr wert.

      Mutmaßungen, wie gesagt! Fest steht, dass Quellen fast völlig fehlen. Lediglich Caesar berichtet - glaube ich - recht lapidar vom Einsatz von Türmen. Ob es theoretische Abhandlungen aus der damaligen Zeit gibt, kann ich aus eigener Lektüre nicht sagen. Ich glaube aber, irgendwo gelesen zu haben, dass es dazu so gut wie nichts gibt.
    • Neu

      Kaum zu glauben: Es geht weiter. Der Garten forderte sein Recht und heute ist mir der Keller voll Wasser gelaufen. Die gute Nachricht: Die Kartonmodelle blieben verschont.

      Es bleibt ja auch nicht mehr sooo viel zu tun. Nach den Anleihen beim Fahrzeugbau (Räder, Brückenlegepanzer) und Schiffbau (Auf- und Niedergänge, ein bisschen laufendes Gut) landet man zum Schluss bei der Architektur und baut: Zinnen!



      Die beiden Seitenteile bestehen nur aus einem verdoppelten Bauteil. Kurz habe ich überlegt, eine Seite offen zu lassen, um so mehr Einblick zu ermöglichen. Aber man kann auch so genug sehen, wenn die Brücken unten sind und das Licht von zwei Seiten einfällt.

      Der Schlussakkord besteht aus der Verkleidung der Schnittstellen und (unbedingt) Schnittkantenfärbung.



      Voilà! Damit sind wir am Ende des Bauberichts angelangt. Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!



      P.S.: Ich hoffe, der praefectus fabrum nimmt den Bau auch ab.
    • Neu

      Moin Hardy,
      sehr schönes und interessantes Modell. In einem kleinen Dio wird seine Wirkung dann richtig entfalten. Hast Du die Seiten farblich nachbehandelt oder ist das die Originalfarbgebung des Bogens?
      Viele Grüße
      Christian

      in der Werft: Papegojan, Shipyard im Maßstab 1/72

      "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."