Dampfschiff MAGDEBURG / 1816 / 1:250 / Eigenbau nach Plan

    • Den Mast ja nicht legen! Die Treidelleine wurde am Mast (der etwa bei einem Drittel der Bootslänge, von vorn gesehen, stand) angeschlagen. So konnte sie sich am Ufer nicht verhaken. Ich schicke Dir dieser Tage Bilder, bin aber gerade in der Schweiz: Dampfschiff-Exkursion auf dem einzigen noch fahrenden Raddampfer auf dem Lago Maggiore, volle Länge (= über 60 km). Mit ausgiebigem Maschinenraumbesuch, für mich natürlich ein Paradies! Photobericht folgt...

      Ja, die Quellenlage zu diesen frühen Dampf-Unikaten ist spärlich, das stellt man auch in der Schweiz immer wieder fest. Das liegt aber auch daran, daß wie gesagt die meisten Initiativen von Privatleuten ausgingen. Da landete dann nichts in Archiven. Und manche Gemälde und Stiche sind nachweislich ungenau, aber diese Feststellung hilft auch nicht weiter. Und streiten kann man auch nicht; die Farben sind in etwa bekannt, aber welches Teil mit welcher Farbe bemalt war, das ist nahezu unmöglich zu sagen. Nur die Rümpfe waren in der Frühzeit stets dunkel (schwarz oder dunkelgrün).

      Mehr zum Treideln also demnächst!
      Beste Grüße
      Claudia
    • moin1 ,
      vielen Dank für den Zuspruch und die Hilfe zum Thema "Treideln". Das macht Spaß hier... knuddel1

      Damit es was zum treideln gibt, habe ich nun dem Bau eines kleinen Kaffenkahns begonnen. Der Kaffenkahn hat nichts mit einem Heißgetränk kaffee1 oder kleinen Ortschaften zu tun, sondern ist ein Oberbegriff für Wasserfahrzeuge mit flachem Boden (eben einem Kahn) und hochgezogenen vorderen und/oder hinteren Heckteil. Dieses Teil - meist dreieckförmig - lässt den flachen Boden zum spitzen Steven auslaufen. Den Kaffenkahn an sich gibt es nicht, hier gibt es zig regionale Ausformungen die dann Namen tragen wie Aake, Butzer, Zille, Plätte oder in der Schweiz Segner oder Lädine. Selbst bei den Elbkähnen gibt es einige Unterscheidungen wie Magdeburger Jacht, Oberländer, Spreekahn oder Saalekahn...

      Was ich da nun konkret baue? denk1 Ich weiß es nicht. Die Unterlage findet sich flugs im Internet unter dem Stichwort "Kaffenkahn" und zeigt ein Fahrzeug um 1800 welches den alten Abbildungen der Flußschifffahrt auf der Elbe nahe kommt.



      Aus dem Plan habe ich flachen Kahnboden, die beiden vorn und hinten nach oben geknickten Kaffen und die Seitenteile herausgeschnitten. Das ergibt dann ein denkbar einfaches Modellchen.
      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Die Spanten habe ich im Kahninneren mit Bleistiftlinen angedeutet. Später soll das Din gbeladen gezeigt werden so dass von der Pracht nichts mehr zu sehen sein wird.

      Auf das Setzbord kam noch eine weitere Dollbordplanke. Der Rumpf ist dunkelgrau gemalt um einen einfachen Teeranstrich zu zeigen

      (Achtern ist übrigens da, wo die Halbdecks Stufen haben. Hier also rechts im Bild. Zur eigenen Orientierung habe ich mir unter das Modell die Worte "Vorn" und "Heck" geschrieben...)

      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Hinten ist nun eine kleine Bude für den Schiffer hinzugekommen. Aufgrund der langen Reisen lebte der Schiffe - und sicher auch seine Familie - während der Fahrenszeiten auf dem Kahn (so wie es die Binnenschiffer heute noch tun). Der Mast wird ein Sprietsegel bekommen. Um den Mast zu halten, ist im Modell ein Mastlager zu sehen. Davor liegen beidseits Bänke. Ich weiß nicht ob das profane Sitzbänke für Passagiere waren?

      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Und so sehen aktuell meine beiden Komponenten für das kleine Diorama aus. Der Kaffenkahn soll am Ende mit gesetzten Sprietsegel mühsam per Pferd bergauf - also gegen die Strömung - getreidelt werden. Die moderne MAGDEBURG soll in der Flussmitte mühelos daran vorbeirauschen und so zwei historische Fortbegungsarten auf der Elbe zeigen.

      Der Kaffenkahn ist übrigens als Kartonkonstruktion wie dafür gemacht. Vielleicht ist dieser Typ mit all seinen Ausprägungen für professionelle Kartonbogenkonstrukteure interessant? Soweit ich weiß gibt es aus der Familie der Kaffenkähnen nur die "Ulmer Schachtel" - eine Zille - als Baubogen.

      Soweit das für heute. Ich wünsche allen einen schönen Abend und grüße vom Elbufer,

      Klaus

      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Servus Klaus,

      zum Thema treideln kann ich ein paar Bilder beitragen.
      Schaue dir auch meinen Fotobeitrag zum "Trauner Gegenzug" an: hier


      Hier die einige Detailbilder:



      Das Pferdegeschirr





      Das Zugseil wird im Bugbereich angebracht. MIt den Heckrudern wird das Schiff gerade gerichtet, sprich zur Flussmitte gesteuert.
      Am Zugseil werden die Pferde mittels kurzem Schleppseil eingehängt. Das geschiet mit Schlaufe und Holzknebel.



      Die folgenden Bilder sind von einem Videoabfotografiert und deshalb etwas unscharf.

      Herzliche Grüße / Best regards,
      Andreas

      Optimismus ist die Kunst, mit dem Wind zu segeln, den andere machen.
      Alessandro Manzoni (1785 – 1873)

      Buddys Kartonuniversum
    • moin1 Andreas,
      das ist ja ein toller Beitrag! daumen1 Besten Dank für den Hinweis. Die Fotos und Beschreibungen sind erstklassig. Man merkt dass Du Modellbauer bist denn Deine Kamera hat viele modellbaurelevante Details wie Mastbefestigung und Riemeneinhängung usw. eingefangen. Das ist klasse, auch wenn meine Modelle sehr klein sind kann ich mit den Informationen viel anfangen (auch ohne Modelle ists natürlich interessant verlegen2 ). Ich hätte nicht gedacht dass das Thema "Treideln" so umfangreich und interessant ist. Und wer mit seiner Arbeit unzufrieden ist, sollte zur Stimmungsaufhellung kurz an die alten Treidelknechte denken...

      In diesem Sinne: Zieh`Leine (das kommt tatsächlich von den alten Treidelknechten!)

      Klaus
      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Im Herbst habe ich das Elbschiffahrtsmuseum in Lauenburg besucht. Dort fand ich dieses Modell vom Passagierschiff DER KURIER. Es war nach der PRINZESSIN CHARLOTTE VON PREUSSEN das zweite der Humphreyschen Schiffe und kam vor der MAGDEBURG in Fahrt.



      DER KURIER - auch DER COURIER geschrieben - war 1816 übrigens das zweite Dampfschiff welches Hamburg erreichte (nach der englischen THE LADY OF THE LAKE). DER KURIER kam damals aus Berlin.
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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • ... hier war eine Weile Ruhe im Karton. Das hatte einen ganz simplen Grund: Ich habe auf das Modell keine rechte Lust mehr... schwitz1
      Der Dampfer ist zwar interessant, eine Schönheit ist er aber nicht (Okay: Das wusste ich auch vorher...).

      Da ich nichts unvollendet stehen lassen möchte und mir das Modell für den Müll dann doch zu schade war, habe ich mich in den letzten Tagen des alten Jahres aufgemacht um das Schiff möglichst einfach zu vollenden. Der Kaffenkahn kommt in den Fundus um später für irgendetwas anderes eingesetzt zu werden. Danke an alle die mir tolle Informationen zum Treideln gegeben haben. Ich hoffe, sie irgendwann anders einsetzten zu können.

      Also ran an den Entspurt: Erstmal brauchte ich eine Weile um wieder ins Thema zu kommen. Ich habe mich entschlossen, die MAGDEBURG auf ein kleines Display zu setzen und den Dampfer an einem angedeuteten Ufersaum entlangtuckern zu lassen. Das Display ist eine Graupappenkonstruktion, der Ufersaum eine aufgedoppelte Fläche mit unregelmäßiger Kante.

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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Bei einer Stellprobe stellte ich fest, dass das Display zu schmal wird. Ein wenig Raum sollte schon zwischen Schiff und Ufer liegen. Also habe ich noch einen Zentimeter angebaut.



      Die Wasserflächer hat seine Grundfarbe bekommen damit unter dem Modell keine farblosen Flecken zu sehen sein werden. Besonders im Bereich der Schaufelräder ist diese Maßnahme relevant. Der Ufersaum mit Weg hat ebenso seine Grundierung bekommen. Die Kante zwischen Land und Wasser habe ich mit Zeitungspapier überbaut. Die Kante im Wasser zum Anbau hin werde ich auch mit ausgerissenem Papier überdecken.
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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Jetzt gibt es einen kleinen Sprung im Ablauf: Das Schiff ist mit Sekundenkleber aufgeklebt und wieder gerade. Mit klarem Acrylgel habe ich das Wasser modelliert. Der Ufersaum hat eine Steinkante aus Spielplatzkieseln und eine Begrünung aus Modellbahnzeugs. Das Acrylgel ist noch nicht transparent ausgehärtet und wirkt auf dem Foto noch wie eine kochende See.

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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Die Maschine der MAGDEBURG leistete vermutlich 20 PS und brachte damit den Frachter wahrscheinlich auf eine Geschwindigkeit von 15 km/h (Bedenke: Wir sind im Jahre 1818, also nun alles 200 Jahre her). Entsprechend sollen die Bugwelle und das Keilwasser recht moderat dargestellt werden. Außerdem läuft das Schiff wegen einer Flussverengung dann doch recht nah am Ufer und hat nicht seine volle Fahrt erreicht.

      Am Steuer steht der Steuermann Piper, vorn arbeitet der Schifferknecht Michel Taube (Beide Namen habe ich aus dem eingangs erwähnten Buch). Die MAGDEBURG ist auf dem Weg von Pichelsdorf nach Hamburg. Die Tour fand Anfang April 1818 statt.

      Wie wird der Treidelknecht am Ufer gestaunt haben als dieses Unikum angeschnauft kam! Das Pferd scheut natürlich, sieht zu Recht seinen Arbeitsplatz gefährdet...

      Soweit sieht das kleine Diorama jetzt aus. Mal sehen was ich noch hinzufüge oder noch ändere. Der Schiffsname kommt noch auf das Display, das ist sicher. Ich will nun noch ein bisschen überlegen bevor ich mein ungeliebtes Kastenschiff vollende...

      Bis dahin viele Grüße: Klaus



      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Moin Klaus,

      was Du wieder hast.... Schade um den Kahn. Einerseits. Andererseits: die Darstellung, wie sie jetzt ist, ist einfach optimal. Nicht zu viel drumrum, gerade so, dass man das Schiff dem Typ und der Größe nach einordnen kann: die Uferböschung macht klar, dass es ein Kanal- oder Süßwasserschiff ist und mit der Person und dem Hottehüpferd sind die Größenverhältnisse klargestellt. Mir gefällt es sehr. Und soooo hässlich, wie Du behauptest, ist das Schiff nun auch nicht. Ein gelungenes Modell, gratuliere zur Fast-Fertigstellung.

      Mit besten Grüßen

      Mathias
    • Danke Mathias danke1 . Mitlerweile habe ich mich mit meinem Werk dann doch etwas angefreundet...
      Das Kind bekommt nach bewährter Methode seinen Namen: Im Computer habe ich mir den Schiffsnamen in 5mm hohen Großbuchstaben gesetzt und spiegelverkehrt ausgedruckt. Die Rückseite habe ich weiß angepinselt und dann ausgeschnitten. Die angepinselte Seite wird aufgeklebt dann zur seitenrichtigen Vorderseite. Das Papier mit den ausgelösten Buchstaben dient mir beim Aufkleben als Schablone um den Schriftzug mittig und mit gleichmäßigem Buchstabenabstand auf den Sockel zu bekommen.

      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Yo, und nun mache ich den Sack zu. Das Diorama hat noch einen kleinen Busch hinter dem Pferd bekommen. Die preussische Flagge und den Namenswimpel habe ich neu gemacht. Und damit ist mein kleines Diorama mit dem Modell des ersten maschinengetriebenen Frachtschiffs auf der Elbe fertig.







      Das kleine Projekt begann motiviert, am Ende habe ich mich dann etwas gequält (s. Bericht oben). Es fehlt nun noch ein kleiner schützender Glaskasten um das Modell für mich dann endgültig abzuschließen.

      Ich danke allen interessierten Lesern und Kommentatoren und vor allen den vielen ausführlichen Beitragschreibern zum Thema "Treideln". Das Thema "frühe Binnenschifffahrt" hat mir am Ende mal wieder viel Neues gebracht und - Dank Euch - Spaß gemacht!

      danke1

      Viele Grüße,

      Klaus
      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe: