Dampfschiff MAGDEBURG / 1816 / 1:250 / Eigenbau nach Plan

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    • Dampfschiff MAGDEBURG / 1816 / 1:250 / Eigenbau nach Plan

      ... ich habe mal wieder Lust einen kleinen Baubericht zu schreiben...

      Es soll ein kleines, einfach zu machendes Modell werden: der frühe Seitenraddampfer MAGDEBURG. Das damals hochmoderne Schiff war im Jahre 1817 für kurze Zeit auf der Elbe zwischen Hamburg, Magdeburg und Berlin in Fahrt (nicht zu verwechseln mit dem Schiff STADT MAGDEBURG welches etwas später gebaut wurde). Es ist der Urahn der modernen Binnengüterschiffe auf der Elbe!

      Zur Einstimmung auf die Zeit in der ich mich bewege, kommt hier eine alte Ansicht der Stadt Magdeburg aus dem 19. Jahrhundert:



      Der englische Kaufmann John Barnett Humphreys gründete 1815 die erste Dampfschifffahrtsgesellschaft Preußens. In Pichelsdorf – damals noch bei Berlin, heute in Berlin in der Nähe des Olympiastadions – errichtete er eine erste Werft. Dort wurde 1816 das erste in Deutschland gebaute Dampfschiff, die PRINZESSIN CHARLOTTE VON PREUSSEN, gebaut und in Fahrt gebracht. Von diesem Passagierschiff mit Mittelradantrieb gibt es eine Farblithografie:



      Die MAGDEBURG war im Gegensatz dazu ein reines Frachtschiff welches mit einer 20 PS Dampfmaschine die Strecke zwischen Hamburg und Magdeburg in 72 Stunden fuhr (die bis dahin üblichen Segel- und Treidelkähne benötigten vermutlich mehr als eine Woche für diese Distanz!). Der Dampfer konnte dabei 7,5 Tonnen Ladung transportieren und einen- oder mehrere Kähne in Schlepp nehmen. Es war das erste Dampfschiff überhaupt welches Magdeburg erreichte. Eine Sensation! Auch die Ladekapazität übertraf deutlich die der bislang eingesetzten Schiffe. Klar dass diese technische Innovation am Flussufer nicht nur Freunde fand! haue 3

      Mehr zu der interessanten Person Humphreys gibt es hier zu lesen:

      de.wikipedia.org/wiki/John_Barnett_Humphreys

      Interessant ist die Tatsache, dass nur ein Drittel der Reisezeit damals mit Fahren verwandt wurde. Die restliche Zeit wurde mit dem Warten vor Schleusen und vor allen an den damals noch bestehenden Zollgrenzen vertrödelt. Die Maschine musste bei der manchmal stundenlangen Warterei unter Feuer gehalten werden und die damals teuren Fachkräfte zu deren Bedienung bekamen ebenfalls ihren Lohn fortgezahlt. Im unten genannten Buch wird berichtet, dass einmal sechs Stunden Wartezeit anfielen um 12 Groschen Zoll zu bezahlen. Der Verlust in dieser Zeit betrug jedoch 6 Gulden! Diese Warterei machte die ersten Dampfer sogar letzendlich unrentabel sodass die vielen Anteilseigner der Gesellschaft ungeduldig auf Gewinne warteten. Die MAGDEBURG wurde daher schon nach wenigen Fahrten von Gläubigern in Hamburg als Pfand festgehalten und bald schon dort abgebrochen.

      Bilder oder gar Pläne gibt es von dem Schiff nicht. Anhand erhaltener Inventar- und Frachtlisten konnten die technischen Eckdaten von Fachleuten aber halbwegs bestimmt werden. Die oben gezeigte zeitgenössische Abbildung der PRINZESSIN CHARLOTTE diente dabei zur Festlegung von Details und zur Farbgebung. Mein Plan kommt aus dem Buch von Reiner Wachs: Die Dampfer der ersten Dampfschiffahrtsgesellschaft auf Elbe und Havel. Näheres zu dem Band aus der »Blauen Reihe« gibt es hier:

      modellmarine.de/index.php?opti…ntent&view=article&id=928



      Das Schiff ist als Modell denkbar einfach gehalten. Da ein genau zu treffendes Vorbild mangels Abbildungen fehlt, gilt es eigene Gedanken einfließen zu lassen. Und da mir ein Kartonbogen zu dem Schiff unbekannt ist, baue nach Plan im Maßstab 1:250. Einzelne Bauteile habe ich mir vor Jahren schon am Rechner angelegt. Es wird nun Zeit das Ding endlich mal zu bauen... happy 2

      Der Dampfer soll als Wasserlinenmodell in einem kleinen Diorama daherkommen. Vielleicht mit einem Kaffenkahn im Schlepp? Oder ein Elbkahn wird am Ufer getreidelt während der Dampfer lässig vorbeizieht? Mal sehen... Vielleicht kommt während des Baus oder des Berichtes hier eine gute Idee?

      Hier entsteht nun also bald ein Dampfer aus der Biedermeierzeit unter preussischer Flagge mit Hilfssegel am Mast.

      Fortsetzung folgt: Klaus prost2
      »Das muss das Boot abkönnen!»




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • KlabauterKlaus schrieb:

      Vielleicht kommt während des Baus oder des Berichtes hier eine gute Idee?
      Hallo Klaus,

      nach den interessanten Hintergrundinformationen könnte ich mir gut ein Schleusen-Diorama vorstellen.
      Das Dampfschiff Magdeburg in der Schleuse, die gelangweilte Mannschaft aufgereiht an der Reling und der Kapitän bei der Übergabe der Gulden und Groschen an den Schleusenwärter...., so ungefähr.

      Viele Grüße
      Roland
    • PRT schrieb:

      KlabauterKlaus schrieb:

      Vielleicht kommt während des Baus oder des Berichtes hier eine gute Idee?
      Hallo Klaus,
      nach den interessanten Hintergrundinformationen könnte ich mir gut ein Schleusen-Diorama vorstellen.
      Das Dampfschiff Magdeburg in der Schleuse, die gelangweilte Mannschaft aufgereiht an der Reling und der Kapitän bei der Übergabe der Gulden und Groschen an den Schleusenwärter...., so ungefähr.

      Viele Grüße
      Roland
      moin1 Roland,
      schau, das habe ich noch gar nicht überlegt daumen1 . Ich müßte mal forschen wie so eine Schleuse oder Zollstation aussah um so eine Szenerie zu schaffen. Am Ufer sollte dann auch eine staunende Menschenmenge stehen und der Schiffer muß eine Zorneswolke ob des teuren Zeitverlustes über seinem Kopf haben... denk1

      Klaus
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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Und an der Dampfmaschine kannst Du Dich auch austoben! Müßte eigentlich ein englisches Urviech mit Balancier sein. Nur, hmm... das verschwindet dann wohl alles unter einer "Hütte" über und vor der Achse (s. Farbbild). Gibt es in Deinem Buch irgendwelche Hinweise?

      Ich bin auf jeden Fall dabei, und wenn die erste Reihe schon ausgebucht ist, verziehe ich mich halt in den Maschinenraum!

      Beste Grüße
      Claudia
    • Claudia schrieb:

      Und an der Dampfmaschine kannst Du Dich auch austoben! Müßte eigentlich ein englisches Urviech mit Balancier sein. Nur, hmm... das verschwindet dann wohl alles unter einer "Hütte" über und vor der Achse (s. Farbbild). Gibt es in Deinem Buch irgendwelche Hinweise?

      Ich bin auf jeden Fall dabei, und wenn die erste Reihe schon ausgebucht ist, verziehe ich mich halt in den Maschinenraum!

      Beste Grüße
      Claudia
      Die Dampfmaschine war auf der PRINZESSIN CHARLOTTE eine doppelarmige Seitenbalancier-Maschine um schön flach unters Deck zu kommen. Laut meinem Buch ist anzunehmen, dass die MAGDEBURG eine baugleiche, wennauch stärkere Maschine besaß (Mit satten 20 PS zur 14 PS Maschine der PRINZESSIN).

      Und klar: dieses damalige High-Tech Bauteil kam aus dem Land welches damals führend in der Herstellung neuer Maschinen war. Der Hersteller war wahrscheinlich die Firma Boulton, Watt & Co. in Soho bei Birmingham. Während die deutschen Landen unter der Kleinstaatlichkeit zu leiden hatten welche Fortschritt und Entwicklung behinderte oder gar verhinderte. Vom Antrieb wird bei der MAGDEBURG jedoch nichts zu sehen sein, es gibt noch nicht einmal eine Luke oder Pforte die offen stehen könnte um Einblick zu gewähren...
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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Ganz baugleich war die Maschine wohl nicht: der Fortschritt war so rasant, daß gerade bei Schiffsmaschinen stets irgendwas schon wieder ganz anders war. Du bezogst Dich aber wohl auf den Typ der Maschine (Seitenbalanciers), und da stimmt es: etwas Anderes, nämlich die platzsparende oszillierende Maschine, gab es damals noch nicht.

      Ich finde diese Pionierzeit unglaublich spannend, nicht nur vom technischen Standpunkt her. Bei den Raddampfern kann man zudem beobachten, daß die Initiative fast immer von Privaten kam, selten vom Staat, und manche brachten riesige finanzielle Opfer. Man muß sich die Entwicklung der Dampfmaschinentechnik im 19. Jhdt. etwa so vorstellen wie die der Computertechnik: rasend schnell, aufregend, mit enormen Fortschritten und Maschinen, die schnell veralteten.

      Das wird ein prima Baubericht, da bin ich mir sicher!

      Beste Grüße
      Claudia
    • Und los gehts:

      In klassischer Spantbauweise baute ich das Rumpfgerippe auf. Grundplatte, Mittelspant und Spanten schnitt ich aus den Planunterlagen heraus. Die Bauteile habe ich mir auf 140 g Karton gedruckt. Das Deck ist selbstgezeichnet. An Deck gibts lediglich acht Ladeluken, einen Niedergang, einen Ruderstand, ein Schornsteinfundament, Ankerspill und Knechte. Sehr übersichtlich halt...

      Den Niedergang habe ich aus dem Deck ausgeschnitten. Eine Ladeluke auch. beides soll später im geöffneten Zustand zu sehen sein. Den Ausschnitt für den Niedergang habe ich erst später mit der Bastelschere aus dem Mittelspant geschnitten. Vorher wäre sauberer gewesen... verlegen1

      Den Rumpf habe ich ein Stückchen höher als die KWL angelegt. So wirkt das Schiff eben ein wenig höher, nicht ganz vollgeladen.

      Da der Rumpf fast symetrisch ist, habe ich im ersten Anlauf auch gleich die Grundplatte falsch herum unter den Mittelspant geklebt... mahlzeit1 Also nochmal runter damit und eine neue Platte geschnitten. Die Bauteile mehrfach ausgedruckt zu haben lohnt sich!

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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Zu erkennen ist, dass mittschiffs das Deck eine Erhöhung bekommen wird. Diese war nötig, um den Freilauf der relativ großen Schaufelräder zu ermöglichen. In diesem Bereich ist der Rumpf nun also zunächst einmal offen.

      Das mit Kreide und Aquarellfarbe eingefärbte Deck kam nun auf das Spantgerippe.

      Um eine Bordwandabwicklung zu bekommen, habe ich mein Konstrukt über ein Stempelkissen laufen lassen und den Abdruck auf Karton übertragen. Die offenen Linien habe ich dann mit Bleistift und Lineal verbunden. Dummerweise lief die Stempelfarbe auf den Decksrand so dass ein neues Deck fällig war... mahlzeit1

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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Wie die Farbgebung beim Original war – und wie der Dampfer überhaupt aussah – weiß heute niemand mehr (siehe den ersten Beitrag hier im Bericht). Also habe ich mich, wie im Buch vorgeschlagen, an die Farbe Grün gehalten. Den unteren Teil des Rumpfes habe ich ockerfarben angemalt.

      Der Rumpf ist mittig nun auch mit der Deckserhöhung verschlossen. Hinten habe ich je zwei Sprossenfenster aufgeklebt. Sie brachten etwas Licht in den Maschinenraum und die Mannschaftsunterkünfte.

      Das Rümpfchen klebt nun mit Fixogum auf einer Glasplatte um beim Arbeiten nicht dauernd das Modell anfassen zu müssen.

      Soweit das....

      Fortsetzung folgt: Klaus

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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Servus Klaus,

      darf ich mich auch unter die Zuschauer mischen? hüpf1
      Der Rumpf ist zwar noch nicht fertig, aber das Projekt ist jetzt schon spannend! Ich freue mich immer, so gute historische Erklärungen zu lesen! klasse1
      Herzliche Grüße / Best regards,
      Andreas

      Optimismus ist die Kunst, mit dem Wind zu segeln, den andere machen.
      Alessandro Manzoni (1785 – 1873)

      Buddys Kartonuniversum
    • moin1 ,
      Der Rumpf ist fertig. Es kommt nun das wichtigste am Raddampfer: Die Schaufelräder mit ihren Radkästen.
      Das Original hatte laut einer erhaltenen Inventarliste "große eiserne abschraubbare Wasserräder". Meine Buchvorlage geht von einem Durchmesser von 4,88 Metern aus. Die Radschaufeln waren noch starr auf die Speichen gesetzt. Mit der 20 PS Maschine kam der Frachter vermutlich auf eine Geschwindigkeit von 15 km/h (nebenherlaufen konnte also durchaus anstrengend werden... schwitz1 ). Zum Schleppen von Kähnen reichte die Kraft aber wohl nicht wie ich erfahren konnte. So fällt ein Diorama mit Schleppverband aus....

      Die Räder habe ich nur im unteren, später sichtbaren Bereich ausgeschnitten. Vorderseite und Rückseite habe ich mit Abstandhalter aufeinandergeklebt. Hier ist die ganze Chose - Räderteile und Radkästen - unbemalt zu sehen.



      Darf ich Euch meinen Helfer vorstellen? Ich habe mir in einer Druckerei ein paar gebrachte Bleiletter besorgt. Die haben ein ideales Gewicht um kleine Bauteile zu fixieren und vor allem einen rechten Winkel um Bauteile beim Kleben passend zu halten.
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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Und so präsentieren sich die Antriebseinheiten am Modell. Die Radkästen habe ich nach eigenem Geschmack im oberen Bereich Weiß bemalt. Die Versuchung war groß dort den Schiffsnamen anzubringen. Bei späteren Raddampfer ist das oft zu sehen. Bei diesem frühen Urviech habe ich mich aber nach dem Sichten alter Abbildungen für eine Darstellung des Namens durch das Magdeburger Stadtwappen entschieden.

      Zwischen den Radkästen habe ich noch nach eigener Idee einen Lukendeckel aufs Deck geklebt. Vielleicht war das eine Bunkerluke für Kohle? Eine Lüftungsklappe für die Maschine oder einfach eine Montageluke falls an der Antriebsanlage etwas repariert werden muss? Eine Gangway liegt bereit und deckt dezent einen kleinen Macken im Deck ab... frech 1

      Ebenso habe ich auf den Radkästen kleine Klappen gezeigt mit denen Äste usw. aus den Radschaufeln geholt werden konnten.

      Wie geschrieben: Bilder oder gar Pläne der MAGDEBURG gibt es nicht.

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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • So sieht mein kleiner Dampfer nun aus: Ruder mit Steuerzügen und Ruderrad sind aufgebaut. Die eigentümliche Niedergangskappe ist geöffnet und gibt den Blick auf den Niedergang frei. Der Schornstein kann seinen Namen "Angströhre" mit Recht tragen und die Back ziert ein Gangspill. Neben Pollern und Klampen gibts sonst keine weitere Decksausrüstung. Noch nicht einmal eine Reling.

      Jetzt fehlt nur noch der Mast mit dem Rahsegel und der Flaggenstock mit der Flagge Preußens am Heck. Und weitere Zutaten für ein kleines Elbdiorama...

      Viele Grüße,
      Klaus

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    • Servus Klaus,

      der Dampfer schaut sehr gut aus! beifall 1
      Diese frühen Flußdampfer waren sehr speziell, man sieht richtig, daß man noch nicht so recht wusste wie man am Besten mit der neuen Technologie umgehen sollte.

      Auf der Donau gab es ja auch verschiedene Anläufe um den Dampfschiffbetrieb zu etablieren.

      Liebe Grüße

      Wiwo
      In Bau: K.u.k.Tegetthoffklasse, GPM, 1:200 1:250 und 1:400
      Und hier: Alle meine Modelle

      "Pfeif auf BIO! In meinem Alter nimmt Mann alle Konservierungsstoffe die Mann kriegen kann!"
    • moin1 Dampferfreunde.
      Der Ur-Flussfrachter wirkt sicherlich sehr ungewohnt und sehr inhomogen. Wenn ich vor dem Modell sitze, denke ich auch dass die Aufbauten so gar nicht zum Rumpf passen wollen. Mast und Segel stehen schon, bald gibts ein Update. Aber so wars im Anfang der Frachtschifffahrt auf der Elbe anscheinend

      Hartmut schrieb:

      Hallo Klaus , erst mal super Idee mit dem Stempelkissen, da muss man drauf kommen, richtig schön Handgemacht, geht anscheinend auch ohne PC, sind die übrigen Bauteile auch Handmade oder zeichnest du deine Teile per Programm?
      Gruß Hartmut
      Hallo Hartmut,

      ich habe mir die meisten Bauteile im Programm InDesign angelegt. Was ich gemacht habe, reicht aber bei weitem nicht aus um das Modell bspw. als Bogen herauszugeben. Mein Respekt vor den Leuten die das richtig können ist mal wieder enorm gewachsen. Viele Teile habe ich nach dem Ausschneiden noch angepasst oder verändert. Die Herstellung der Rumpfabwicklung hast Du ja oben schon gesehen. Es ist ein Vorgehen dass es mir möglich macht, aus einer Planvorlage mein Wunschsschiff zu bauen. Und das macht Spaß!

      Die Bauteile könnte man sicher auch mit der Hand zeichnen. Ich würde dann nach dem Originalmodellplan im Maßstab 1:100 arbeiten und die Zeichnungen dann auf 40% verkleinern (um auf den Maßatab 1:250 zu kommen)

      Hier meine Bauteile mit Bemerkungen für mich (unter der blauen Fläche liegen aus Gründen des Coyrights die importierten Rumpflinien aus dem Plan)

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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Hallo Klaus,

      sagenhaft, mit InDesign schaffst Du so was Tolles? Ich habe mich schon an meinen Dampferstühlchen fast aufgehängt. Ich weiß schon, das ist noch kein ganz "richtiges" Konstruieren, aber trotzdem: meine Hochachtung für das, was Du in so kurzer Zeit so schön gestaltet hast!

      Der dampfende Flußkahn ist ja wirklich urtümlich. Dein Modell regt dazu an, sich eingehender Gedanken darüber zu machen, wie das wohl so alles funktioniert hat (ein Modell ist nun mal lebendiger als eine Seitenansicht). Bei Plan frage ich mich ein wenig, ob die Position des Niedergangs stimmt: ich habe das Gefühl, daß man beim Herunterklettern direkt in die Rückwand des Dampfkessels gerät. Ob Du das weiße Gehäuse wohl noch verdrecken wirst? Der Schlot ist zwar hoch, aber heruntergesaut hat es mit Sicherheit trotzdem. Bei der Farbgebung liegst Du mit schwarz, dunkelgrün und holz sicher richtig; beim weiß bin ich, gerade in dieser Frühzeit, etwas skeptisch (kenne das bei den alten Schiffen fast nur von Batteriestreifen am Rumpf). Aber die weißen Radkästen sehen eindeutig schöner aus und verleihen dem Modell ein Stück Eleganz. Beim Weglassen des Namenszuges bin ich voll auf Deiner Seite.

      Wie sich das wohl anhöhrte (und wie es aussah), als dieses Schiff mit patschenden Schaufeln auf dem Fluß fuhr? Letzteres wirst Du uns ja bald zeigen, das wird interessant!

      Beste Grüße
      Claudia
    • moin1 @Claudia,
      ja, "urtümlich" ist das richtige Wort für dieses seltsame Schiff.
      Wie geschrieben habe ich noch nie ein Modell dieses Schiffes gesehen. Letzten Samstag war ich Elbschiffahrtsmuseum in Lauenburg. Dort gibt es ein Modell der PRINZESSIN CHARLOTTE welches ich schon kannte. Zu meiner Überraschung fand ich aber auch ein Modell vom Dampfschiff DER KURIER welches fast zeitgleich mit der MAGDEBURG gebaut wurde. Das Modell dort hat einen unten grünen- und oben schwarzen Rumpf. Die Radkästen sind dunkelgrau und die Aufbauten braun. Lediglich Reling und Fenderleisten um die Radkästen sind weiß. Auch diese Bamalung wird eine Spekulation des Modellbauers sein da von DER KURIER ebenfalls keine Abbildung erhalten ist.

      Ich habe mich mit dem Leiter des Elbschifffahrtsarchivs in Lauenburg unterhalten. Er bestätigte die dürftige Quellenlage zu diesen frühen Elbe- und Spreedampfern.

      Oh Mann, ich habe mich auch schon mit der SANTA MARIA beschäftigt... die Quellenlage zur MAGDEBURG ist ähnlich dünn...

      Verschmutzen möchte ich mein Schiff lieber nicht (obwohl es mich natürlich in den Fingern juckt...). Ich denke, so ein Flußschiff wird recht sauber dahergekommen sein. Streß mit salziger Seeluft gabs ja nicht. Zumal mein Frachter ja nur einige wenige Fahrten unternommen hat. Die Farbe Weiß war durchaus auf Schiffen im Gebrauch. Nicht nur die Pfortenbänder, auch die Bordwandinnenseiten und Untermasten sowie Deckshäuser waren 1816 bei großen Seeschiffen damit angemalt.

      Die Richtung des Niedergangs habe mir aus dem Plan zusammengereimt. An der Stirnseite ist eine Talje angeschlagen. Damit schließe ich das Vorhandensein einer Tür an dieser Stelle aus. Wo der Kessel lag und wie groß er war kann ich nicht sagen, da steckst Du sicher besser "im Saft". Der Bereich zwischen Niedergangshaus und Radkasten gilt jedenfalls mit den Fenstern in der Bordwand als Mannschaftsquartier.
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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Hier ist der Mast aufgebaut. Parallel zu den anderen Aufbauten habe ich ihn auch Weiß angemalt um zumindest in der Farbgebung eine optische Einheit zu bilden.

      Der Mast ist Federstahldraht, die Stenge ebenfalls. Die Saling kommt aus Karton daher. Am Fuß des Mastes steht eine kleine Beting.

      Am Vordersteven ist ein kurzer starker Bugspriet befestigt. Der dient dazu einen Draggen zu halten. Diesen Bugspriet mit Draggen findet man noch auch Flussdampfern bis in die 1950er Jahre!

      Den Flaggenstock am Heck habe ich ans Ruderblatt geklebt (damit dieses Spielraum hat).

      »Das muss das Boot abkönnen!»




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Das war nun das erste und wichtigste Bauteil meines kleinen, zukünftigen Dioramas. Als nächstes mache ich mich daran, einen kleinen Kaffenkahn zu bauen. Der soll dann an einem Flussufer getreidelt gezeigt werden. Die MAGDEBURG soll locker daran vorbeidampfen....

      Wie so ein Treidelgespann aussah muss ich noch herausfinden. Legte man die Pferdeleine dann einfach um einen Poller? Um den Mast? Oder sonstwohin? ... denk1 Weiß das jemand? Über Hilfe wäre ich dankbar!
      Viele Grüße,

      Klaus


      »Das muss das Boot abkönnen!»




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Hallo Klaus,

      die Magdeburg sieht prima aus. Die Größe oder besser Filigranität des Modells fasziniert mich dabei am meisten.
      Zum Treideln:
      Im Lotsenmuseum in Bingen und auch im Schiffahrtsmuseum in Duisburg gab es Fotos zum Thema. Meine Besuche in beiden liegen schon eine Weile zurück, so dass ich nicht nicht sagen kann, ob es noch Infos gibt.
      tschö1 Christian

      in der Werft: Papegojan Shipyard im Maßstab 1/72, Knarr nach Skuldelev I im Maßstab 1/72[

      "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."
    • Hallo Klaus,

      das sieht schon wieder hervorragend aus. Auf das Diorama bin ich sehr gespannt.

      Auf alten Kupferstichen oder zeitgenössischen Zeichnungen kann man sehen, dass die Leine um den Mast gelegt wurde. Das hatte sicher den Vorteil, dass durch den mit Wasser oder Ufer vermiedenen Kontakt des Seiles der Zug nicht unnötig erschwert wurde.

      LG
      Thomas


      "If you think you are too old to rock 'n roll, then you are!" (Lemmy)
    • Moin Klaus,

      Deine Fähigkeit, kleine, nur wenig bekannte und zunächst, auf den ersten Blick, auch nicht so interessante Schiffsmodelle vorzustellen, die historischen Hintergründe mit in den Baubericht einzubinden und dann auch noch in bemerkenswert guter Quailtät zu herzustellen finde ich bewundernswert!
      Und letztlich kommt denn ein allerliebstes Kleinmodell einher, welches denn doch hochinteressant ist! cool1
      lg.
      Tommi
      ....und ab dafür! rollen1
      Vergammelte Werke
    • Hallo Klaus,

      ich finde es echt bewundernswert, wie du detektivisch Einzelheiten zusammensuchst und ein für die meisten unter uns unbekanntes Schiff rekonstruierst. Und dann wird noch ein wirklich einzigartiges, toll meisterhaft gebautes Modell draus klasse1
      Es machst Spaß, deine Berichte zu lesen und deinen Weg zum Modell nachzuverfolgen, herzlichen Dank dafür.

      Viele Grüße
      Dieter