Polnische Pinke Zolty Lew frei nach Shipyard - 1/160 skaliert

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    • Polnische Pinke Zolty Lew frei nach Shipyard - 1/160 skaliert

      Hallo zusammen, dann will ich hier meinen ersten Baubericht beginnen.

      Ich baue meine Modelle im Maßstab 1/160 als Wasserlinienmodell für kleinere Dioramen.
      Gerade die kleineren Schiffe haben es mir dabei angetan, nun können diese in 1/160 aber schon recht klein werden.
      Der Kartonmodellbau könnte hier die Methode der Wahl sein, das möchte ich ausprobieren.

      Meine Wahl fiel auf die Pinke "Zolty Lew" von Shipyard. Das Schiff hat die passende Größe und die Takelage fand ich reizvoll. Außerdem mag ich Vorbilder aus dem 17. Jahrhundert besonders gern.
      Also die Bögen mit dem Kopierer auf die passende Größe gebracht und losgelegt. Aber zu Beginn noch ein wenig Hintergrund zum Objekt der Begierde.


      Ein klein wenig Hintergrund

      Wirklich viel bekannt ist eigentlich nicht. Das Schiff wurde wohl 1622 in Danzig gebaut und gilt als erstes Schiff der königlich polnischen Flotte des Hauses Vasa. Danzig scheint zu dieser Zeit eine deutschsprachige Enklave im Königreich Polen gewesen zu sein. Die Danziger Schiffe trugen wohl tatsächlich deutsche Namen, die ins Polnische übertragen wurden. Zolty Lew hieß daher wahrscheinlich Goldener Löwe oder auch Gelber Löwe.
      Das Schiff war, wie erwähnt, Teil der polnischen Flotte und wurde gegen Schweden eingesetzt. Sowohl Polen als auch Schweden wurden von der Vasa Dynastie regiert. Die polnische Linie hätte auch den schwedischen Thron inne, war allerdings katholisch. In Schweden konnte sich deshalb eine protestantische Seitenlinie durchsetzen und den Thron besteigen. An Gustav Adolfs Regalschiff Vasa kann man heute noch im Figurenprogramm die Legitimation dieses Thronanspruchs wiederfinden. Aus Sicht der polnischen Vasa war der Schwedenkönig schlicht ein Thronräuber.

      Der Goldene Löwe war 1627 an dem Seegefecht von Oliva beteiligt, bei dem es den polnischen Schiffen gelang eine schwedische Blockade von Danzig zu brechen. Im weiteren Verlauf des Jahres 1627 und 1628 war Zolty Lew an Geschwaderaktionen in der Ostsee beteiligt. Am 06. Juli 1628 ging das Schiff durch einen Treffer in die Pulverkammer verloren.
      In Polen scheint die erste polnische Flotte und das Gefecht bei Danzig heute einen ähnlichen Stellenwert zu haben wie die Brandenburgische Flotte bei uns. Schiffe wie Wodnik oder Zolty Lew werden gerne gebaut und es finden sich etliche Modelle im Netz. Shipyard hat mit Zolty Lew, Schwarzer Rabe und Papegojan einige Schiffe der Schalcht bei Oliva als Modell aufgelegt.
      Neben dem Bogen von Shipyard gibt es zur Zolty Lew auch noch andere Rekonstruktionen, wie zum Beispiel diese hier:
      Zolty Lew Variante

      Beide Rekonstruktionen unterscheiden sich schon deutlich voneinander. Das zeigt auch das Dilemma, es gibt wohl kaum gesicherte Informationen zum Schiff.
      Der Goldene Löwe wird als Pinke bezeichnet, diese haben eigentlich ein rundes Heck. Beide Rekonstruktionen zeigen aber einen flachen Heckspiegel.
      Die Mastpositionen beider Entwürfe erinnern auch eher an eine Brigg des 18. Jhd.
      Pinken kann man auf zeitgenössischen Gemälden finden, der Fockmast steht sehr weit vorn, der Großmast ziemlich mittig. Hier auf den Gemälden von Adam Willaerts gut zu sehen.

      Willaerts Einschiffung in Margate

      Willaerts Einschiffung Friedrich von der Pfalz


      Zolty Lew soll eine Rumpflänge über die Steven von rund 20 m gehabt haben, die größte Breite um 5,40 m. Die Tragfähigkeit des Rumpfes wird mit 60 Lasten angegeben. Die Suche im Netz ergeben aber durchaus unterschiedliche Angaben.
      Für eine Pinke war das Schiff mit 10 Geschützen ungewöhnlich stark bewaffnet, es werden leichtere Geschütze gewesen sein, auch Steinstücke (verschießen Steinkugeln) werden genannt. Die Besatzung soll aus 30 Seeleuten und bis zu 50 Soldaten bestanden haben. Für ein kleines Schiff eine ganze Menge, aber Kriegsschiffe waren zu der Zeit ziemlich vollgestopft.

      Der Konstrukteur von Shipyard scheint sich stark an den Orloogscarveelen orientiert zu haben, wie sie in den Niederlanden im Unabhängigkeitskampf gegen Spanien eingesetzt wurden. Diese Schiffe sind auf etlichen Gemälden von Vroom zu finden, es gibt aus den 1620er Jahren auch Baubeschreibungen, die bei einer Rekonstruktion sehr nützlich sind.
      Hier ein bekanntes Gemälde von Vroom zum Gefecht auf dem Haarlemmermeer, auf dem etliche dieser Kriegskarveele zu sehen sind. Die Ähnlichkeit mit dem Shipyard Rumpf ist auffällig. Im Grunde könnte man auch mit wenig Aufwand aus dem Shipyard Bogen der Zolty Lew solch ein Schiff als Modell bauen.

      Kriegskarveel




      Soweit die Vorrede, nun zum Modell

      happy 2
      Holger
      Viele Grüße
      Holger
    • Aus den verkleinerten Spanten konnte ich die Stärke der benötigten Pappe gut entnehmen. Für den Mittelsteg war stärkeres Material nötig, so etwas hatte ich nicht vorrätig. Daher kam hier dünnes Sperrholz zum Einsatz.

      Die einzelnen Teile leißen sich prima ausschneiden und waren auch gut ineinander zu stecken.
      Die Stellprobe gab schon mal einen guten Eindruck des Rumpfes. Ich muß mich aber daran gewöhnen darauf zu achten, die Teile bündig ineinander zu schieben.


      Beim Shipyard Bogen wird der Kopf des Ruders durch die Gillung nach Innen geführt. Dies finde ich für 1622 zu früh, auf die Idee das Ruder so zu führen kam man erst später. Füe den Goldenen Löwen sollte das Ruder komplett außen am Rumpf bleiben und lediglich die Pinne nach innen geführt werden. Ich habe die achteren Spanten deshalb etwas abgewnadelt. Das Deck liegt achtern etwas tiefer, die Kajüte davor ist etwas erhaben. Die Gillung muß ich später ebenfalls etwas abwandeln.

      Da ich das Modell später mit einzelnen Striefen aus Pappe beplanken werde, ist mir eine solide Grundlage wichtig. Sämtliche Öffnungen im Gerippe werden mit Balsastücken gestopft. Was hier noch nach Containerschiff ausschaut sind die Klötze vor dem zurechtschneiden.


      Zurechtgestutzt, mit Holzpaste verspachtelt und geschliffen schaut es dann so aus.
      Die Hörnchen hinten sind meinem Umbau geschuldet und knicken gerne weg.
      Wenn die Bordwand steht, schneide ich sie noch weg.


      Wie eingangs erwähnt, mag ich die Mastpositionen wie vorgesehen nicht recht leiden.
      Ich habe mich daher entschlossen diese zu versetzen und das Decklayout zu ändern.
      Die große Luke konnte bei Kriegsschiffen deutlich kleiner sein als bei einem Handelsschiff. Habe sie daher deutlich reduziert und auch die anderen Öffnungen neu verteilt. Das Bratspill habe ich von Bordwand zu Bordwand gehen lassen, ob es so bleibt oder es wie ursprünglich vorgesehen gelagert wird, muß ich mir noch überlegen.
      Der Entwurf wird als Schablone aufgeklebt, das eigentliche Deck wird später darauf aufgebaut. Die roten Linien zeigen die Spanten am Modell an.


      Wie erwähnt glaube ich, daß man sich bei Shipyard bei der Konzeption des Modells an einer Baubeschreibung "Besteck" um 1620 orientiert hat. Herr Werner Jäger geht darauf in seinem Buch "Die Niederländische Jacht im 17. Jahrhundert" und in einem Artikel im Logbuch 1/2003 des Arbeitskreises Historischer Schiffbau ein. An dieser Beschreibung orientiere ich mich ebenfalls, bei der Umsetzung des Modells.
      Kiel, Vor- und Achtersteven sind daher nicht vom Baubogen übernommen. Die drei Teile habe ich aus Holz aufgebaut.
      Hier ein Blick von unten auf den Schiffskörper.


      Richtig begeistert haben mich die Abwicklungen der Bordwand. Einfach super, einfacher lassen sich die Lage von Berghölzern etc. gar nicht am Rumpf abbilden. Daß die obere Längsverstärkung des Rumpfgerippes als Anschlag für die Seitenabwicklung dient ist pfiffig und ist gemerkt.
      Inzwischen entfernte ich mich aber immer mehr vom eigentlichen Baubogen. Daher fiel die Entscheidung mich komplett davon zu lösen und nur noch in Anlehnung "scratch" zu bauen.
      Das Seitenteil des Bogens diente als Vorlage zum Abzeichnen. Die Berghölzer zeichnete ich neu, die Gillung achtern wurde verändert, die vier Geschützpforten auf dem Deck blieben unverändert. Die fünfte Pforte auf dem Dach der Kajüte liegt höher und nicht in einer Flucht mit den anderen Pforten. Sie durchbricht das oberste Bergholz und ragt in den Bereich der Verzierung hinein.
      Anstelle einer eckigen Pforte habe ich mich hier für eine runde entschieden, die später mit einem Pfortenkranz versehen werden kann und sich in den Zierrat einfügt.


      Die Bordwand wird später von außen beplankt, von innen ist sie offen und die Spantköpfe sind sichtbar. Daher sollte die Schablone nicht so sehr auftragen. Ich habe also nur eine Lage stinknormales Kopierpapier verwendet.
      Dummerweise schlägt es Falten, auch wenn ich die Stückpforten noch nicht ausgeschnitten hatte, um Knicke an diesen Schwachstellen zu vermeiden.
      Vom Holzmodellbau kommend ist mir dieser Aufbau der Bordwand eh suspekt. Bei einem kleinen offenen Boot wie diesem mag das gerade noch so gehen, aber ohne Stützen komplexe Wölbungen in der Bordwand zu erzielen kann ich mir nicht vorstellen.

      Das Problem mit den Wellen bin ich so angegangen, daß ich das Papier mit Sekundenkleber tränkte und mit Hilfe von Balsaklötzchen auf Stecknadeln den Rumpf ausbeulte. Das klappte prima und nach dem Trocknen des Kleber hielt der Rumpf die Form.


      Die Löcher in der Deckschablone sind kein Problem, das wird später überplankt.
      Aber zuerst geht es an die Außenbeplankung des Rumpfes.

      happy 2
      Holger
      Viele Grüße
      Holger
    • Sehr, sehr schön, Holger! freu 2

      Die Geschichtlichen Ausführungen und das Herangehen an das Thema kenne ich von Deinen anderen Werken. Klasse dass Du den Werkstoff Karton und Papier für Dich entdeckt hast. Und klasse auch, dass Du die Shipyard-Vorlage inhaltlich überprüfst und eigene Rückschlüsse und Beobachtungen in Dein Modell einbaust. Arbeitskreis halt... daumen1

      Ich habe momentan eine Mittelmeer-Pinke in der Mache. Die Schiffe in der Ostsee mit selber Bezeichnung unterschieden sich sehr von denen des Mittelmeers. Soweit ich weiß, ist in den Niederlanden eine Pink(e) schon wieder etwas anderes als an Polens Küsten. Schön nun mal die Ostseevariante näher kennenzulernen.

      Wirst Du Dein Modell wieder in ein Diorama einfügen? Ich bin gespannt wie Du die Stückpforten nun ausschneiden wirst. Klar, der Karton wird instabil wenn die Öffnungen vorher herausgeschnitten werden. Aber nach der Montage stelle ich es mir schwierig vor die Rechtecke sauber herauszubekommen. Eine Idee wäre es, vor dem Montieren das Papier mit Sekundenkleber zu behandeln. Das Material ist damit immer noch formbar, hat aber seinen Halt. Und Öffnungen können auch noch herausgetrennt werden.

      Die Idee mit den Nadeln in Balsaklötzchen nehme ich gerne mit! klasse1

      Naja, Du wirst das Hinbekommen. Ich freue mich jedenfalls für den sehr gelungenen Start und weitere Folgen deines Berichtes!

      Viele Grüße,

      Klaus
      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Vielen Danke für Eure Rückmeldungen & Likes.


      KlabauterKlaus wrote:

      Ich habe momentan eine Mittelmeer-Pinke in der Mache. Die Schiffe in der Ostsee mit selber Bezeichnung unterschieden sich sehr von denen des Mittelmeers. Soweit ich weiß, ist in den Niederlanden eine Pink(e) schon wieder etwas anderes als an Polens Küsten. Schön nun mal die Ostseevariante näher kennenzulernen.
      Oh, diesen Anspruch kann ich nicht erfüllen. Englische und niederländische Pinken kenne ich von zeitgenössischen Darstellungen. Deren Takelung ähnelt sich und ich übernehme sie für Zolty Lew. Basis bleibt aber der Shipyard Bogen. Ob dieser wirklich einer Ostseepinke nahe kommt kann ich nicht beurteilen.
      Mir geht es eher darum Erfahrung mit Kartonmodellen im kleine Maßstab zu sammeln. Aber es juckt halt doch in den Fingern hier und da etwas zu ändern, da es nach meiner Ansicht besser in die Zeit paßt. Der Umkehrschluß, das das Modell so "richtiger" wird funktioniert aber nicht, die echte Pinke von 1622 mag völlig anders ausgeschaut haben.

      Ich bin schon etwas weiter als oben beschrieben. Das Öffnen der Pforten war kein Problem, ich hatte das Papier ja in Sekundenkleber getränkt.
      In ein kleines Dio soll das Modell eingebettet werden, ähnlich deiner Barents Jacht.



      Chapman wrote:

      Interessant auch das Du scheinbar die Quelle für diesen Shipyard Bogen gefunden hast
      Ich bilde mir jedenfalls ein, daß es da eine große Schnittmenge gibt. Ich stelle das später mal ein, dann mag sich jeder sein Bild davon machen.
      Viele Grüße
      Holger
    • Ein Einschub für alle, die es interessiert.
      Hier die Skizze von Werner Jäger des Kriegskarveels um 1620, veröffentlicht im Logbuch 1/2003 und in seinem Buch "Die Niederländische Jacht im 17. Jhd."


      Und hier noch eine Übersetzung der Bauspezifikation "Besteck" dieses Schiffes von Herrn Werner Ulrich, die ich von Werner bekommen habe. Das Original liegt in einem seeländischen Archiv.
      Besteck Kriegskarveel um 1620.txt
      Viele Grüße
      Holger
    • Beplankung der abgewickelten Bordwand


      Die nachgezeichnete Abwicklung der Bordwand habe ich genutzt, um Berghölzer und Planken anzulegen.
      Schwarz sind die Berghölzer, rot die Planken. Die schrägen Striche sind Hakenlaschen, man ließ die Enden einer Planke nicht stumpf aufeinander treffen sondern führte das schräge Ende über mehrere Innenhölzer.
      Die Schablone auf Pappe geklebt und entlang der Linien ausgeschnitten. Durch die Abwicklung passen die Streifen nun perfekt an den Rumpf.



      Für die Berghölzer habe ich zwei Streifen aufeiander geklebt. Die Planken sind einzeln. Mit der Schieblehre hatte ich mir die passende Stärke ausgesucht. Ich hatte mir eine Sammlung verschiedener Pappen angelegt. Die Berghölzer sind z.B. aus der Pappe, die man beim Kauf von Hemden zum Aussteifen darin findet.
      Die Stückpforten hatte ich nicht überplankt, sondern an den Markierungen anstoßen lassen. Mit einem Skalpell ließ sich die Pforte später gut ausschneiden.
      Die runde Pforte hatte ich vor dem Einkleben der Streifen mit einer Lochzange ausgestantzt.


      Die rote Pappe am Heck ist der breite Heckbalken, darunter der schräg beplankte Spiegel. Über dem Heckbalken die Stützen für die Gillung, ebenfalls aus roter Pappe.
      Den Spiegel ganz oben habe ich etwas schmaler gemacht als von Shipyard vorgesehen. Für die Breite oben habe ich die halbe Breite des Heckbalkens angenommen.
      Innen an der Bordwand sind Streifen aus der roten Pappe zu sehen, das sind die Spantauflanger. Die Bordwand bleibt offen, daher sind diese sichtbar. An den Pforten sind Trempel eingesetzt, die die Pforten nach oben und unten begrenzen. Bei den runden Pforten habe ich einen Pappklotz eingesetzt, da orientiere ich mich an der Vasa.
      Die Stärke der Bordwand wird im Wesentlichen durch die Außenplanken und die Spantauflanger bestimmt. Die Schablone in der Mitte fällt da kaum ins Gewicht.


      Hir dann ein Blick auf das fertig beplankte Heck
      Viele Grüße
      Holger
    • Wenn man bedenkt dass das Schiffchen kaum die Länge eines Kugelschreibers aufweist. dann wirkt das Modell auf mich sehr sauber gebaut. Mit Farbe wirds dann sicher noch besser ausschauen.


      Pollux wrote:

      Der Kartonmodellbau könnte hier die Methode der Wahl sein, das möchte ich ausprobieren.
      Aus meiner Sicht sehe ich die Probe - wenn die Farbgebung genauso überzeugt - als gelungen an. daumen1


      Ps: Danke für das Besteck!
    • Ahoi Holger,

      dann hole ich mir auch mal einen Stuhl und setz mich hier mit in die erste Reihe.

      Du lässt ja gleich am Anfang keine Zweifel aufkommen, auf welchem Niveau hier gearbeitet wird. grins 3 Da baut ein Routinier, der mal eben den Werkstoff Karton als interessante Variante entdeckt hat. Deine kritische Herangehensweise an die Vorgaben von Shipyard ist auch nach meiner wesentlich geringeren Erfahrung, als du sie hast, angebracht. Die Bausätze sind handwerklich klasse, hohe Passgenauigkeit und viele tolle Details - aber Abstriche in Bezug auf historische Genauigkeit sind ja vielleicht aus Sicht des Herstellers nötig, reizen aber eben dazu, manches anders zu bauen.

      Wenn wir (Anobium, Klabauterklaus, Du, ich...) mal unsere Maßstäbe angleichen könnten, bestünde ja vielleicht mal die Möglichkeit, die Seeschlacht von Oliva nachzuspielen. happy1

      Ich wünsche jedenfalls weiter viel Erfolg und bleibe hier gespannter Zuschauer! ja 2

      Im Bau: HMS Mercury
      Für eure Schnippel- und Klebepausen: www.karton-im-wind.de welcome1
    • moin1 Holger,
      ein sehr schöner Rumpf entsteht da, das steht ausser Frage. Und den Werkstoff Papier hast Du voll im Griff. Toll dass du auch die originale Verlaschung der Bergholzplanken zeigst. Ein kleines Lager an Kartons verschiedener Stärken hat von uns sicher schon jeder angelegt... Es macht Spaß im Alltag nach brauchbaren Dingen für den Modellbau zu gucken, die Altpapiertonne kann zum Fundus werden.

      Eine Sache fällt mir allerdings auf... die Beplankung des Unterspiegels. Die Planken scheinen mir recht breit und der Winkel recht steil. Die Darstellung weicht zumindest von der Bogenvorlage ab. Ist das Absicht und folgt historischen Vorbildern?
      Den Spiegel oben schmaler zu bauen ist eine gute Idee. So bekommt Dein Modell den Charakter der ganz oben gezeigten Gemäldedarstellungen mit den eher spitz am Ende zulaufenden Hecks.

      Ich bedanke mich auch für das Besteck danke1
      Viele Grüße,

      Klaus
      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Hallo Holger,

      na das ist mal ein Anfang! Sieht super aus, auch wenn du kartonal mit den Balsaholzfüllungen eigentlich mogelst happy1
      Die Abwicklung scheint ja bestens zu passen. Je nachdem, wie deine Bemaltechnik ist, würde ich die Laschungen der Planken noch anritzen, damit sie später auch wenigstens ein bisschen sichtbar bleiben. Bei der Heckplankung hätte ich die gleiche Frage gestellt, wie Klaus - ich kenn eher die ~45° Varianten?

      Viel Spaß weiterhin - uns und dir!
      Ludwig
    • Vielen Dank für Eure Kommentare und das rege Interesse.


      Bonden wrote:

      Wenn wir (Anobium, Klabauterklaus, Du, ich...) mal unsere Maßstäbe angleichen könnten, bestünde ja vielleicht mal die Möglichkeit, die Seeschlacht von Oliva nachzuspielen.
      Super Idee, du und Christian bauen größer, Klaus kleiner, treffen wir uns doch in der Mitte (also bei mir) freu 2

      Gnost wrote:

      Je nachdem, wie deine Bemaltechnik ist, würde ich die Laschungen der Planken noch anritzen, damit sie später auch wenigstens ein bisschen sichtbar bleiben.
      Du hast absolut recht. Wie oben erwähnt bin ich real etwas weiter als hier im Bericht. Die erste Bemalung ist drauf und die Stöße sind überdeckt, da muß ich jetzt nacharbeiten. Andersrum hätte ich mir Arbeit erspart.

      @Klaus & Ludwig
      Beim Winkel hatte ich mich an der Vasa orientiert. Das mit den 45° hat damals wohl niemand so richtig ernst genommen.
      Auch bei späteren van de Veldes sind die Winkel variabel. Siehe zweiten Link, bei Huis te Tijdverdrijf links und Witte Olifant rechts scheint es mir unterschiedlich zu sein.
      Vasa
      Van de Velde


      Keine Ursache für das Besteck. Ich meine in diesem wird erwähnt, daß die Planken nicht breiter als 12 Daumen (~31 cm) sein sollen, daran habe ich mich auch bei de Spiegelplanken orientiert.




      Chapman wrote:

      Aus meiner Sicht sehe ich die Probe - wenn die Farbgebung genauso überzeugt - als gelungen an
      Dann bin ich mal gespannt, wie das mit der Farbe ankommen wird. Aber vom Prinzip macht mir die Arbeit mit Karton Spaß und ich überlege schon, wie ich meine Planzeichnungen adaptiere muß. Insbesondere die Abwicklungen haben es mir angetan, sind aber rein zeichnerisch nicht ohne.
      Viele Grüße
      Holger
    • Schau, wieder was gelernt zur Beplankung der Heckspiegel! Dachte ich es mir schon fast dass da eine Beobachtung hinter steht...

      Ein gutes Beispiel für – wie ich finde – ein Element dass man eben »so macht« (im 45° Winkel) weil es von zig- Modellen und Bauplänen bekannt ist und nicht mehr weiter hinterfragt wird.

      Danke für diese kleine Lehrstunde im aufmerksamen Hinschauen bei scheinbar bekannten Bauweisen!

      Klaus
      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Pollux wrote:

      Super Idee, du und Christian bauen größer, Klaus kleiner, treffen wir uns doch in der Mitte (also bei mir)
      Noch kleiner oh1 1/72 ist doch schon winzig. Als ich die ersten Zeichnungen für die Knarr geplottet habe, habe ich ersthaft an meiner Maßstabswahl gezweifelt. Wie Du das in 1/160 bzw. Klaus in 1/250 schaffen, weiß ich nicht.
      Gibt nicht immer der Grobmotoriker den Maßstab, genau wie der langsamste das Tempo vor? grins 3

      Auch wenn ich zu der genannten Seeschlacht, außer den Angaben von Shipyard nicht viel gefunden habe, finde ich die Idee eines gemeinsamen Dioramas reizvoll. Vielleicht irgendetwas vom Ende des Jahhunderts und dann frühestens wenn ich meine beiden angefangenen Modell fertig habe.
      tschö1 Christian

      "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."
    • AnobiumPunctatum wrote:

      Pollux wrote:

      Super Idee, du und Christian bauen größer, Klaus kleiner, treffen wir uns doch in der Mitte (also bei mir)
      Noch kleiner oh1 1/72 ist doch schon winzig. Als ich die ersten Zeichnungen für die Knarr geplottet habe, habe ich ersthaft an meiner Maßstabswahl gezweifelt. Wie Du das in 1/160 bzw. Klaus in 1/250 schaffen, weiß ich nicht.Gibt nicht immer der Grobmotoriker den Maßstab, genau wie der langsamste das Tempo vor? grins 3

      Auch wenn ich zu der genannten Seeschlacht, außer den Angaben von Shipyard nicht viel gefunden habe, finde ich die Idee eines gemeinsamen Dioramas reizvoll. Vielleicht irgendetwas vom Ende des Jahhunderts und dann frühestens wenn ich meine beiden angefangenen Modell fertig habe.
      Och, so eine schöne Pinke wie Holger sie vorführt würde ich für ein Gemeinschaftsprojekt auch im Maßstab 1:160 bauen (auch wenn ich dafür dann mein Takelgarn selber schlagen müsste um annähernd auf Holgers Niveau zu kommen... schwitz1 )
      Ich finde ja sehr klasse dass wir momentan zwei völlig verschiedene Bauberichte zu ein und demselben Modell hier laufen haben. Ähnlich ists mit der Galeone SAN SALVADOR die es als Freedownload gibt. Sechs Bauberichte zu ein und demselben Schiff, jeder baut anders. Ein Modell ist bisher fertig geworden, am zweiten werden die Arbeiten gerade wieder aufgenommen... ich hoffe die anderen bauen irgendwann auch mal zu Ende.

      Aber jetzt wieder weiter mit der ZOLTY LEW daumen1
      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Ah, der Langsamste gibt das Tempo vor zunge 1 Aber 1/72 ist sooo groß, da erschrecke ich mich vor grins 3
      Aber ein Gemeinschaftsprojekt hätte schon was, vielleicht findet sich ein schönes Thema.
      Aber nun stapelt mal nicht so tief, eure Modelle sind/werden doch Hingucker.
      Wo gibt es denn den Download der San Salvador? kratz1
      Viele Grüße
      Holger
    • OK, weiter mit dem Löwen.

      Unterwasserschiff

      Für das Unterwasserschiff gab es keine Abwicklung, hier mußten Pappstreifen herhalten. Ich habe mal gelesen, daß in der Archäologie bei der Rekonstruktion von Rümpfen Pappe genommen wird. Diese verhielte sich maßstäblich eher wie Holz am Original, als wenn tatsächlich Holz verwendet würde. Ob das für solch relativ kleinen Maßstäbe noch gilt weiß ich nicht, neugierig war ich aber schon.

      Mit einem Bleistift hatte ich erst mal die Lage der Planken skizziert. Da gibt es wohl mehrere Möglichkeiten. Ich habe die Planken von unten nach oben gegen Vorsteven und dann in eine andere Planke laufen lassen.


      Da das Unterwasserschiff später im Dio nicht mehr zu sehen sein wird, habe ich die Pappstreifen schräg abgeschnitten und mich nicht mit einer Verzahnung aufgehalten. Das Beplanken selbst ging fast wie von selbst.




      Erste Farbe


      Habe zunächst mit Pastellkreide zum ersten Einfärben der Pappe experimentiert. Leider hatte ein Teil der Pappe eine recht glatte Oberfläche und die Kreise hielt nicht so gut.
      Also kam Acrylfarbe als Basis zum Einsatz. Wie oben schon erwähnt wurden die gezeichneten Laschungen überdeckt, auch am Spiegel sind ein paar Stöße überlagert. Das muß ich mit einer Scharfen Klinge nachritzen.
      Der Rumpf ist überwiegend in Ocker und Braun gehalten, innen ein dunkleres Braun. In die Grau-blaue Gillung soll ein goldener Löwe als Sinnbild für den Namen, oben im ocherfarbenen Feld kommt dann das Danziger Wappen.





      Das ist nun der Stand vom vergangene Wochenende.
      Als nächstes wird mit Ölfarbe übermalt. Dann folgenen erhabene Teile am Rumpf wie Speigaten, Bolzen, Leisten am Heck usw., die wären beim Wischen der Ölfarbe sonst im Weg.

      Baum 2

      Viele Grüße
      Holger
    • Hallo Holger,

      Dein Löwe sieht klasse aus. Bei der Bemalung mit Ölfarben musst Du vorsichtig sein. Die Verarbeitungszeit der Farbe ist sehr viel kürzer als bei Holz oder Polystyrol als Untergrund. Du kannst immer nur kleine Bereiche malen.
      tschö1 Christian

      "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."
    • Moin Holger

      Schon mit der ersten Farbe sieht der Rumpf prächtig aus, die Ölfarbe wird sicher mehr Tiefe bringen.

      Was ich mich frage, hast Du versucht vorsichtig eine Maserung einzuschleifen? Und hast Du den Rumpf überhaupt schleifend überarbeitet?

      Einem kleineren Gruppenprojekt wäre ich übrigens auch nicht abgeneigt. Lexington vs Alert oder 17. Jahrhundert?
    • @Der Holthausener, ja da sind wir schon zu zweit. Wäre super, wenn es bei dir auch weiterginge freu 2 Aber das mit den Baupausen kenne ich nur zu gut, bin selbst kein Schnellbauer.

      @Chapman, Danke, Danke, schleifen kann ich den Rumpf nicht, das würde ausfasern. Habe da nichts vorgesehen. Ich bin aber auch kein Freund von Maserung in diese Maßstab.

      @Chapman & AnobiumPunctatum, gute Ideen, Alert mit Coureur oder Lexington würden sich anbieten. Auf die Schnelle fällt mir auch kein anderes Beispiel ein bei dem kleinere und bekannte Schiffe beteiligt waren. Könnte aber auch ein friedliches Ereignis sein. Bei näherer Betrachtung stelle ich mir Alert mit der Klinkerbeplankung als eine ganz schöne Herausforderung vor. Dürfte nicht so einfach sein wie eine krawele Beplankung.
      Von den kleinen Schiffen weggehend, gibt es von Orel Bögen der Mordaunt oder Le Fleuron. Natürlich deutlich aufwendiger aber für mich auch sehr interessant.
      Viele Grüße
      Holger
    • Hi Christian,

      Alert & Coureur wäre insgesamt von der Takelage her einfacher. Die Lexington mit der Briggtakelage ist natürlich aufwändiger.
      Ich schwebt allerdings die "richtige" Lexington vor, deren Pläne ich glücklicherweise bereits habe. Die unterscheidet von der von Shipyard. Bei der Briggtakelage bleibts natürlich. Aber wenn Sie mit der Alert in einem Diorama zeigt könnte man den Großmast "gewaltsam" einkürzen und das laufende und stehende Gut erheblich reduzieren. happy1

      @ Holger
      Friedlich wäre auch OK, nur wie schauts mit "fertigen" Plänen aus?

      @all

      WAK hat die Große Yacht im Maßstab 1:100 herausgebracht. Im Internet gibt es schon ein tolles Modell davon zusehen.
      Die wäre auch ein prima Gruppenprojekt.
    • Chapman wrote:

      @all


      WAK hat die Große Yacht im Maßstab 1:100 herausgebracht. Im Internet gibt es schon ein tolles Modell davon zusehen.
      Die wäre auch ein prima Gruppenprojekt.
      Oh, eine Statenjacht will ich schon seit Jahren bauen... in einem kleinen Diorama mit einem Amsterdamer Kontorhaus am Kai.
      Das WAK-Angebot kannte ich noch nicht. Danke fürs Aufmerksammachen. Auch da – wo wir hier so schon beim fachsimpeln und fehlersuchen sind rotwerd1 – ist Obacht angesagt. Der Bogen zeigt die von Hoeckel falsch interpretierte Steuerung per Kolderstock. Auch hier hat in einer LOGBUCH-Ausgabe Herr Menzel einmal sehr plausibel dargelegt dass die Jacht mit der Pinne gesteuert wurde.

      Eine Statenjacht in 1:160... hmm, damit könnte ich warmwerden! love1

      Klaus
      »Das muss das Boot abkönnen!«




      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Hi Jörg,

      die Alert hat Shipyard, wenn ich sie mit den Originalplänen das Schwesterschiffs vergleiche, ziemlich gut getroffen. Der 1/96 Bausatz ist etwas zu breit geraten, aber das fällt bei einem Dio nicht. Bei der le Coureur ist etwas mehr Arbeit erforderlich. Die Unterlagen von Boudroit hierzu habe ich auch schon.

      Die beiden Shipyard Bausätze als Grundlage liegen schon in Holland. Mein einziges Problem sind zur Zeit passende Figuren in 1/72. Da werde ich noch etwas recherchieren müssen.
      tschö1 Christian

      "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."
    • KlabauterKlaus wrote:

      Eine Statenjacht in 1:160... hmm, damit könnte ich warmwerden!
      geht mir auch so.
      Christian scheint bereits bestens für Alert & Coureur präpariert. 1/72 Figuren gibt es doch in Massen, müßtest sie halt mit Magic Sculp oder ähnlichem etwas anpassen.


      Chapman wrote:

      Friedlich wäre auch OK, nur wie schauts mit "fertigen" Plänen aus?
      Schwierig, falls es um Kartonbausätze geht. Bei fertigen Bauplänen vielleicht etwas besser, denkt man an kleinere Küstenschiffe. Fischerei, Hafen, Jachtrennen, Schmuggel oder ähnliches.
      Viele Grüße
      Holger
    • Ab Hoving hat einige schöne holländische Schiffe gezeichnet. Ich habe von ihm einen Plan eines kleinen Küstenfahrzeugs gemailt bekommen. Dazu könnte man die Fleute von Shipyard oder den Plan aus "Die Schiffe des Abel Tasman" verwenden. Von Was gibt es eine Staatenyacht, die auch gut zum Thema passen würde.

      EDIT: Die Autokorrektur meines MacBooks ist bei Fachbegriffen regelmäßig überfordert happy1
      tschö1 Christian

      "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."
    • Moin!


      Eine Statenjacht in 1:160... hmm, damit könnte ich warmwerden!

      pollux wrote:

      geht mir auch so.Christian scheint bereits bestens für Alert & Coureur präpariert. 1/72 Figuren gibt es doch in Massen, müßtest sie halt mit Magic Sculp oder ähnlichem etwas anpassen.


      Chapman wrote:

      Friedlich wäre auch OK, nur wie schauts mit "fertigen" Plänen aus?
      Schwierig, falls es um Kartonbausätze geht. Bei fertigen Bauplänen vielleicht etwas besser, denkt man an kleinere Küstenschiffe. Fischerei, Hafen, Jachtrennen, Schmuggel oder ähnliches.

      AnobiumPunctatum wrote:

      Ab Hoving hat einige schöne holländische Schiffe gezeichnet. Ich habe von ihm einen Plan eines kleinen Küstenfahrzeugs gemailt bekommen. Dazu könnte man die Fleute von Shipyard oder den Plan aus "Die Schiffe des Abel Tasman" verwenden. Von Was gibt es eine Staatenyacht, die auch gut zum Thema passen würde.EDIT: Die Autokorrektur meines MacBooks ist bei Fachbegriffen regelmäßig überfordert happy1
      Eine Staatenjacht, sicher, warum nicht! Aber ein stinknormales Küstenschiff aus der Zeit täte es für mich auch.
      Nur dreimastige Schiffe mit Quertakelage sollten es nicht gerade sein.

      Der Pappvorrat wird bereits aufgestockt!