Renova CSS/H.L. Hunley

    • Renova CSS/H.L. Hunley

      Moin Kollegen/Innen,

      meine beiden Baustellen (Greif und Ju) sind zwar noch lange nicht geschlossen, doch ich wollte was Neues beginnen.
      Und so fange ich heute an, einen lange gehegten Wunsch wahr werden zu lassen. Ich werde die Hunley bauen.
      Das erste U-Boot, das in einem Kampfeinsatz ein gegnerisches Schiff versenkt hat. Erfolgreich kann man das leider nicht nennen,
      denn das Boot ging samt Besatzung bei dem Angriff auf die USS Housatonic im amerikanischen Bürgerkrieg am 17.2. 1864 verloren.
      Ihr Schicksal war lange Zeit Gegenstand von Spekulationen.
      Doch Ende der 90er wurde das 'Wrack' in der Bucht von Charleston geortet und 2000 schliesslich nach penibler Vorbereitung
      gehoben. Seitdem arbeiten Archäologen und Restauratoren an dem Objekt.
      Es sei der einschlägige Wikipedia-Artikel empfohlen, um Details zu erfahren.

      Im Rahmen eines USA-Aufenthalts zur Sonnenfinsternis letzten August hatte ich Gelegenheit, die Hunley in Charleston
      im eigens errichteten 'Conservation Center' zu besuchen.
      2 Dinge sind ewähnenswert:
      1. Das Boot war (und das fällt jedem Besucher sofort auf) an der handwerklichen Grenze der damaligen Zeit gebaut. Ein handwerkliches
      Juwel. Z.b. ware der Rumpf vernietet, aber ALLE NIeten mit dem Rumpf glatt verschliffen/gefeilt. Was'ne Arbeit!!! Und was für
      Kenntnisse bzgl. Strömungsmechanik.
      2. Ca. 2-3 Tage nach meiner Abreise konnten die Archäologen schliesslich auch den Grund für den Tod der Besatzung und den Untergang des
      Bootes herausbekommen. Man hatte bei der Bergung festgestellt, dass alle Besatzungsmitglieder, besser: deren Überreste, noch auf Ihren
      Kampfpositionen sassen und offensichtlich keinerlei Anstalten zum Verlassen des Bootes gemacht hatten. Der Tod muss sehr plötzlich eingetreten sein.
      Mittlerweile ist ziehmlich klar, dass die Sprengladung des Spierentorpedos bei der Detonation noch an der Spiere befestigt war und die
      enstehende Stosswelle die Besatzung wohl getötet hat. Daher weisen die Skelette auch keinerlei Verletzungen auf.

      Genug geschichtliches. Einige einstimmende Bilder des Originals:
      Hier ein Nachbau vor dem Charleston -Museum in der innenstadt


      Es fällt auf, dass hier die Nieten sehr grob dargestellt sind. Am Original, wie schon gesagt sehr gut verschliffen und
      daher weniger deutlich.
      In dieser Röhre (1,17m breit) kurbelten 7 Männer am Handantrieb um ihr Leben:

      Links an der Wand ist das Sitzbrett. Diese Mock-Up in der Ausstellung im Conservation CEnter kann man betreten und selbst mal
      kurbeln.

      Und hier schliesslich die Hunley in ihrem meist gefluteten Konservierungsbecken:

      Sie geht nicht ganz aufs Bild, da man nur einen begrenzten Bereich oberhalb des Tanks betreten kann.


      Nun zum Modell. ES ist der Bogen von Renova. Nicht allzu viele Teile. Das sollte selbst für mich in einigen Wochen machbar
      sein. Dazu ein Spantengerüst im Inneren, für das ich mir
      den Lasercut geleistet habe:


      Es beginnt mit dem Spantengerüst in den nächsten Tagen.
      Das solls für heute gewesen sein.

      Gruss, Holger
    • Moin U-Boot-Liebhaber,

      das Spantengerüst ist zusammengepuzzled und sieht nun so aus:



      Es fehlen noch die Endstücke der horizontalen Stringer. Diese folgen, wenn das Gerüst in einigen Tagen urchgehärtet ist.

      Schon jetzt zeigt sich eine kleine Herausforderung, die aber meines Erachtens meisterbar ist:
      die Beplankung wird auf Stoss angebracht. Es ist vorgesehen, diese jeweils in der Mitte (!!) der betreffenden
      (1 mm dicken) Querspanten anzukleben. Da werden Klebelaschen fällig werden. Das bedeutet einige Schleifarbeit.
      Nun gut, das kenne ich mittlerweile.

      Die Aussenhaut ist sehr schlicht, vorwiegend schwarz gehalten, ohne irgendwelche Alterungsspuren.
      Das Original ist vor der letzten Fahrt 2 mal mit Mann und Maus gesunken und wurde anschliessend jeweils
      aufwendig gehoben. Es hat also sicherlich einige 'Narben' davongetragen. Soll heissen, ich werde um eine Bemalung nicht
      umhinkommen ostern 1 , zumal die Nieten der Beplankung 'nur' aufgedruckt sind und der Vorschlag des Konstrukteurs,
      diese als Ausstechelemente aufzukleben aus meiner Sicht am Ende dem Original nicht nahe genug kommt.
      Nach einigen Vorversuchen werde ich die Nieten mittels Klebepunkten realisieren. Nach Bemalung wirkt das meines Erachtens
      noch am besten. Doch zu alledem mehr wenns soweit ist.
      Für heute solls das sein.

      Grüsse, Holger
    • Hallo Curmudgeon,

      meine Versuche habe ich mit Weissleim gemacht. Der schrumpft zwar etwas beim Trocknen, aber genau
      das beabsichtige ich. Sieht brauchbar aus. Nichtdestoweniger : es sind einige 100 Nieten, die getupft werden wollen. Das sind
      wohl einige Tage Arbeit. Und ich werde sie erst nach dem Beplanken anbringen, da ich erwarte, beim Beplanken
      heftig Hand anlegen zu müssen.
      Drück die Daumen....


      Gruss, Holger
    • Guten Abend,

      der heutige Baufortschritt muss ausnahmsweise mal verbal geschehen, da er
      1. nur halb beendet ist und 2. die heute angebrachten Teile zunächst mal trocknen müssen.
      Ich hatte beim Zusammenfügen der Spanten schon gemerkt, dass die Teile von einer ungemeinen,
      selbst für Lasercutteile ungewöhnlich hohen Passgenauigkeit sind. Eine trockene Anlage der
      mittleren Rumpfbeplankung ergab ebenfalls eine exzellente Passung. So habe ich mich entschlossen,
      die Beplankung, wie vorgesehen , auf die Aussenkanten der Querspanten zu fixieren.
      Unterstützend habe ich noch folgenden , einfachen Trick angewandt: ich habe die
      Querspanten der Stossstellen des Segmentes noch einmal gefertigt und diese in ihre 4 Quadranten zerschnitten.
      Diese Segmente habe ich dann auf die Endspanten dieses Teilstücks gedoppelt, so dass ich eine ca. 2 mm
      breite Auflagefläche bekomme. Das sollte reichen. Bislang siehts gut aus. Die Haut ist bislang
      zu etwa 1/4 angeheftet und natürlich vorher ausgerichtet. Geschlossen wird sie morgen.
      Und dann gibts hoffentlich Bilder davon.

      Schönes Wochenende noch,

      Holger
    • N'abend,

      leider noch keine Bilder, stattdessen Baustelle...
      Das Mittelteil ist drauf, die beiden konischen Bug- und Heckteile indes musste ich noch einmal
      vom Spantengerüst entfernen. Grund: es gab einen Verzug auf der Fläche ('Beulen'). brüll1
      Mag ich gar nicht,
      und das trotz Vorformens. Also die vorher gemachten Kopien nehmen und noch einmal von vorn.
      Ich habe die Elemente diesmal vor dem Anbringen zu Röhren geschlossen und dann
      von vorn, bzw hinten über das Skelett geschoben. Man lernt nie aus. Nu' passts.
      Nachteil: an den Fügestellen sind weisse Ränder/Lücken geblieben wg. der vorherigen Entfernung des
      ersten Versuchs. Das wird aber vor dem Bemalen noch egalisiert. Dann sollte es ok sein.
      Im Moment trocknet noch die Heckbeplankung. Daher gönne ich dem Ganzen noch 1 Tag Ruhe.
      Dann fehlen noch die kleinen Endstücke des Rumpfs, um die Röhre dicht zu bekommen.

      So, nun gibts zur Belohnung noch ein prost1

      Gruss, Holger
    • Hallo Christoph,

      nun ja, dann gibts halt noch einen Blick auf die Helling:



      Schwierig zu fotografieren mit offener Blende. Da fehlt ein wenig Tiefenschärfe.
      Und das Ding hat nun schon (fast) volle Länge, ca. 50cm

      Der Blick ist auf die Unterseite vom Bug zum Heck. An der rechten Seite sieht man noch nicht angeklebte
      Laschen des Bugs. Auf die grosse weisse Fläche kommt der Balastkiel, der beim Original vom Innenraum her
      losgeschraubt und abgeworfen werden konnte.

      Am Stoss zwischen Bug- und Mittelsegment muss ich auch noch arbeiten. Da ist ein winziger Absatz entstanden.
      Wird geschliffen und gefärbt. Aber das alles später.

      In der Reihenfolge Backbordseite, Unten, Oben:






      Das solls dann erstmal sein.


      Bis denne, Holger
    • Hallo Ralf,

      herzlichen Dank. Jedoch fiel mein Blick beim Ablichten gestern ständig auf die
      schier endlose Zahl von Nieten auf dem Rumpf. Da werde ich wohl noch zahlreiche Tage schwitzen....

      NUn wird's bald eh etwas feinteiliger. Allerdings sorgt die relativ geringe Zahl der Bauteile für
      eine gute Übersichtlichkeit auf dem Bogen. Da bin ich dann doch Schlimmeres gewohnt.

      Gruss, Holger
    • Moin,

      und frohe Ostern zunächst mal an alle hier... ostern 5

      Statt Ostereiern waren bei der Hunley nun Bug und Heck anzubringen.
      Dabei ist zu beachten, dass der Bogen beim Bug zwei Optionen bietet. Es gibt 2 Alternativbauteile,
      und zwar die Teile 9, bzw. 9'. Unterschied siehe hier:


      Nach Bemühung eines Übersetzungsprogramms gab die Bauanleitung dazu folgendes her:
      Offensichtlich wurde der Bogen vor der Bergung des Originals konstruiert und der Bug demzufolge
      gemäss zeitgenössischer Zeichnungen gestaltet, als gerade abfallend (Teil 1). Nach dem archäologischen
      Befund war der Bug aber geschwungen konstruiert (quasi etwas ähnlich dem Rammbug späterer Kreuzer).

      Ich habe mich natürlich für das reale Vorbild entschieden und so sieht das dann aus:

      Zunächst der Bug


      Auf ein Färben der Stösse habe ich verzichtet, da ja alles sowieso lackiert wird und ich eventuelle kleinere Spalte noch
      vorher verspachteln werde.
      Die weissen Markierungsflächen nehmen die Halterungen für den Torpedospier auf.
      Das Heck entsprechend, mit den Markierungen für die Seitenruderhalterungen:


      Was oben uf dem Rumpf noch weiss hervorlugt ist eine Markierung auf die noch ein langes Nietblech, genau
      wie auf allen Quadranten , angebracht wird. Eine erste Überschlagsrechnung ergibt ca. 1000 Nieten bislang.
      Da wartet Arbeit.

      Fröhliches Restwochenende und Gruss,

      Holger
    • Moin,

      heute war der hintere Turm dran.
      Dieser besteht aus dem Turm selbst, einem unteren Nietkragen, einem Kopfring und einer Luke.
      Der Lukendeckel ist gewölbt. Das erfordert Geschick.
      Der Deckel als Rohteil:



      Zum 'Hohlformen' habe ich einen Mokkalöffel zu Hilfe genommen und dann den Boden
      mit reichlich Weissleim hineingeformt:



      Das temporäre Sandwich trocknet dann ein paar Stunden in einer Zwinge (+Polster) aus:



      Ums anzubauen, muss der Turm erst stehen. Das sieht dann so aus:



      Die zwei Bullaugen des hinteren Turms sind lediglich ausgestanzt und mit den
      Einfassungen versehen. Verglast werden sie nach dem Bemalen.

      Die Luke mit Scharnieren folgt dann morgen (hoffentlich).

      Das wars mal wieder für heute.

      Gruss, Holger
    • Hallo,

      der hintere Turm steht (endlich !). Ich musste die Lukenscharniere noch einmal entfernen, da
      hier zu beachten ist, dass das achtere Turmluk vorn und das vordere hinten angeschlagen sind.
      Habe ich glatt falsch gemacht. Mit zunehmender Teilezahl steigt auch die Zahl der (weissen) Schnittkanten,
      die erst am Ende verschwunden sein werden. Ich habe für das Foto mit ganz wenig schwarzer Wasserfarbe
      nachgeholfen, damit man die Strukturen überhaupt erkennen kann:


      Vor den Türmen sind dreieckige Stehbleche (Abweiser ?) angebracht.
      Turm 2 wartet nun.
      Auf bald,

      Holger
    • Hallo allerseits,

      der vordere Turm ,einschl. Deckel, Scharnieren und Abweiser, ist angebracht.
      Ausserdem sind die seitlichen Nietbleche auf beiden Seiten dran:




      Wie gehabt sind jede Menge Schnittkanten sichtbar, zumal einige sehr kleine Teile, wie
      die Einfassungen der Bullaugen, filigran zu stanzen waren (aussen 4, innen 2 mm).

      Mal sehen, ob ich demnächst erst einmal mit dem Nieten beginne, da alle nun folgenden Anbauteile
      relativ empfindlich sein dürften.

      Gruss, Holger
    • Moin,


      ich habe heute mit der Benietung begonnen.
      Dies ist das Werkzeug dafür (Links im Originalzustand und rechts befüllt mit Weissleim):



      Diese Fläschchen nennen sich 'Nadelflaschen' und stammen ursprünglich aus dem
      Versorgerbereich für E-Zigaretten. Sie dienen zum Befüllen der E-Zigarette mit Aromaten.
      Daher musste ich bei der Entgegennahme der Bestellung auch beim Postboten den Ausweis vorlegen,
      obwohl ich bestimmt schon ganz knapp älter als 18 aussehe.
      Die Verschlussstücke sind aus Weichplastik, so dass die Nadeln sehr gut und luftdicht verschlossen
      werden. Ich schätze insgesamt einige Tage an Nietarbeit. Nebenbei läuft Kleinteilvorfertigung.
      Auf bald, Holger
    • Hallo Holger,

      diese Plastikflaschen mit Metallkanüle sind für mich unverzichtbar. Ich habe eine etwas größere Ausführung bei der als Spitze eine stumpfe Spritzenkanüle dient. Mit Weißleim gefüllt erledige ich damit fast alle meine Klebearbeiten.

      Ich danke mit Deiner Flasche sollten Dir die Nieten recht gut gelingen. Ich drücke deshalb statt der Klebeflasche für Dich heute beide Daumen.

      Viele Grüße
      Christoph
      "Time flies like an arrow. Fruit flies like a banana."

      Meine gebauten Kartonmodelle ausguck2
    • Hallo Holger,
      dann mal ran an die Nieten. Herzlichen Dank für den Hinweis auf die Nadelflaschen. Ich war schon in verschiedensten Geschäften für E-Zigaretten, doch wurde meine Nachfrage dort nur belächelt. An das Internet hatte ich nicht gedacht, zumal ich den Namen der Flaschen nicht kannte.
      LG
      Kurt

      Meine Untaten

      Wenn Regierungen versprechen, sich an die Regeln zu halten, und sie dann absichtlich verletzen, ist das kein Unvermögen. Das ist Betrug!
      (Hans-Werner Sinn)
    • Hi Mike,

      pleased to have you among the visitors to this project.
      Yes, the 'boat' (as we Germans call it) was discovered already in the 90s, but it took years to
      plan the salvage accordingly. And as far as I could see they did very good work on it.
      A technological marvel and concurrently a unique memorial to its brave crew.

      Regards and greetings to the great lakes,

      Holger
    • Hallo Kollegen,

      bin leider momentan mal wieder mit Dingen des täglichen Lebens beschäftigt.
      Und der bevorstehende Sommerurlaub wird sein Übriges dazu beitragen, dass hier die nächsten
      ca. 3 Wochen noch keine neuen Bilder kommen. ängstlich1 Aber keine Angst: es geht weiter.

      Ich melde mich dann mal für kurze Zeit ab.

      Auf bald, Holger