Projekt - Bayrische Dampflok

    • Projekt - Bayrische Dampflok

      Hallo Freunde des gepflegten Klebens,

      ich wollte euch hier mal an einem kleinen Zwischenstand von einem Langzeitprojekt zeigen.
      Nachdem ich mit der kleinen Schmalspur Dampflok angefangen hatte, dachte ich, es mal "etwas" Größer zu versuchen. Dazu habe ich mir eine bayrische Güterzug-Tenderlok ausgesucht, die die meisten Eisenbahner sicherlich kennen.

      Ich fange einfach mit ein paar Bildern an, gucken wir mal wer die Lok als erster erkennt. (OK, sie verrät sich ganz schnell...)

      Hier die ersten Ausdrucke, und das recht geräumige Führerhaus als Mock-Up.





      Auch der Kessel ist schon ein ganz schönes Kaliber;



      Und jede Menge Räder hat sie auch...





      Ich glaube die Dame hat sich schon verraten. Es kommen gleich noch ein paar Bilder.
      Viele Grüße,

      Gunnar
    • Eben habe ich einige bisher gebaute Teile zusammen gestellt. Der Eindruck der Lok kommt schon ganz gut denke ich...

      Zuerst die Fahrwerke...



      Und hier die ganze Lok.





      Es fehlen natürlich noch einige Teile (ok, noch ein paar hundert), die gezeichnet werden müssen, aber wie gesagt, es ist ein längerfristiges Projekt.
      Ich muss ja auch erstmal meine E 69 im Wettbewerb fertig machen, und dann hab ich auch noch etwas anderes offen.

      Vielleicht überzeugt ihr mich aber, es bald weiter zu entwerfen...
      Viele Grüße,

      Gunnar
    • Hallo Fritz,

      sooo groß wird sie nicht, ist ja "nur" eine Tenderlok. in 1:38 misst sie fertig 45 cm. So in 1:45 etwa 38 cm, damit Du es mit deiner S 3/6 vergleichen kannst.
      Damit ist sie aber immerhin länger als die kleinste Schlepptenderlok der DRG, der Baureihe 24.

      Die Leistung, besonders der 2. Baureihe und nach dem Umbau war durchaus beeindruckend. und mit später über 130 t Gewicht stand die Dame schon ganz gut auf den Schienen. Sie war immerhin zu ihrer Zeit die schwerste Mallet Lok in Europa.
      Viele Grüße,

      Gunnar
    • Auch auf dieser Baustelle geht es etwas weiter. Die Zylinder sind gezeichnet und hier der Probebau.



      Die Stirnflächen habe ich mit 0,5mm Pappe verstärkt und die Seiten stumpf aufgeklebt. Die Löcher für die Kolbenstangen und Schieberstangen sind schon gestanzt damit man eine Stange zum zentrieren stecken kann.



      Hier nun ein Bild von den fertigen 4 Zylinderblöcken, vorn die Hochdruckzylinder, hinten die Niederdruckzylinder.



      Noch ein Bild von den Niederdruckblöcken (vorn an der Lok) mit ihren deutlich längeren Schiebergehäusen (wegen des höheren Dampfvolumens).

      Viele Grüße,

      Gunnar
    • Und hier noch ein paar Bilder der Lok mit den Zylindern.





      Von Vorn sehen die Niederdruckzylinder beeindruckend aus. Bei der Original Lok waren sie im Innendurchmesser immerhin 800mm groß!



      Hier nochmal das hintere (feste) Gestell mit den Hochdruckzylindern (im Bild vorn) und das vordere, bewegliche Gestell mit den riesigen Niederdruckzylindern (dahinter)



      Und nochmal nebeneinander

      Viele Grüße,

      Gunnar
    • Auf der Großbaustelle wird wieder etwas gearbeitet!
      Parallel zur n95er von Albrecht mache ich mich mal wieder an die 96...
      Jetzt geht's an die Steuerung und weitere Komplettierung des Fahrwerks. Die Steuerungsteile sind auf 0,6mm Graupappe aufgezogen und werden nach und nach ausgestichelt. Erstmal mache ich mich an die Kuppelstange, Treibstange, Kreutkopf und Kolbenstange.
      Den Kreuzkopf habe ich als eine Art "Umschlag gezeichnet, in den dann eine Zwischenlage gelegt wird, dass er insgesamt ca. 2mm Mindeststärke bekommt. Dann kann man die Kolbenstange und Treibstange gut einfügen. Dafür gibt es extra Taschen.



      Angebaut sieht es beim vorderen Gestell wie unten aus. Fehlt noch die Kreuzkopf-Führung.





      Das wird nun eine längere Fummelei, denn die komplette Heusinger-Steuerung fehlt ja noch, und an der Lok gibt es schließlich 4 Triebwerke.

      Aber es geht in lockerer Folge weiter...
      Viele Grüße,

      Gunnar
    • Hallo Gunnar,

      das sieht jetzt schon wunderschön aus. klasse1
      Seit ich neulich das erste Mal im Leben eine Mallet-Lok live im Betrieb erleben konnte (Lok 11 der Brohltalbahn), finde ich diese Bauart besonders reizvoll.

      Schöne Grüße
      Andreas
      Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein.
      Goethe

      Es strebt der Mensch, so lang er klebt.
      Fast Goethe
    • Hallo Andreas,

      vielen Dank für die Blumen!

      Und Ja, so eine Mallet Lok hat wirklich was. Im Betrieb die beiden Fahrwerke zu sehen, ist schon eine Schau. Ich finde die technische Lösung dahinter einfach aus der Entwicklungsgeschichte der Dampflok sehr spannend. Teilung des Triebwerks, um noch die Kurvenläufigkeit zu gewährleisten und dann durch die Verbundwirkung den Dampf maximal auszunutzen.
      Detaillösungen bei der Mallet Konstruktion sind auch einfach toll durchdacht, wie das feste Laufwerk im Rahmen hinten, damit die Hochdruck Dampfleitung keine Gelenke braucht, und das Niederdruck Drehgestell vorne...

      Ich hatte das letzte Mal eine Mallet bei der Harzquerbahn gesehen, das war schön anzusehen. Offenbarte aber auch eines der Hauptprobleme, wenn die Achsen nicht gekuppelt sind. Beim Anfahren wird ja auch vorne mit Frischdampf gefahren, und da ging das vordere Gestell aber auch mal gut durch. Das kostet Anfahrzugkraft - sieht aber beeindruckend aus.

      Aber zurück zur Bayrischen GT 2x4/4 - wenn ich dran denke, Niederdruck-Zylinder von 80 cm Durchmesser, das ist schon eine Ansage! Die kräftige Baureihe 44 hatte auch nur 55 cm und die 95er "nur" 70cm. Das sind beeindruckende Dimensionen.
      Viele Grüße,

      Gunnar
    • Auf jeden Fall eine fastzinierende Maschine - damals gedacht als Schubmaschine für die Steilrampen als auch als Zugmaschine. Die Gt2x4/4" war eine Legende.. leider wurde keine erhalten, auch wenn es mal angedacht war. Die Maschine wurde sogar zu Reichsbahnzeiten im direkten Vergleich auch anderen Steilstrecken gefahren mit der BR 95 und der BR 85 - wobei sich die BR 85 dann letztendlich im Höllental und anderswo durchsetzte. Selbst für die Erkrather Steilstrecke (lange Zeit wurden hier die Züge noch mit KETTEN den Berg auchgezogen!) waren drei Maschine in Wuppertal stationiert..

      de.wikipedia.org/wiki/Bayerische_Gt_2%C3%974/4

      Im ehemaligen BW Brügge:




      bahnen-wuppertal.de/html/bw-bruegge.html
    • Die Situation zum Ende der Länderbahnzeit, also zwischen ca. 1910 und 1920 war zum Teil prekär und auch Auslöser für solche Konstruktionen. Die steigenden Zuggewichte erforderten Lokomotiven mit genügend Reibungsmasse und gleichzeitig leistungsfähigem Antrieb, sprich großem Dampferzeuger. Das Problem war dann der damals auch auf Hauptstrecken nur relativ niedrig zugelassene Achsdruck (16 bis 17 t) sowie die bei Gebirgsbahnen häufigen kleinen Radien der Kurven.

      Die Bayern lösten das mit einer nach oben skalierten Version von bekanntem Baumuster, der Mallet Lok. Auf Lokalbahnen mit engsten Kurven sehr bewährt, trotz erhöhtem Pflegeaufwand für 4 Triebwerke und bewegliche Dampfleitungen, baute man die Gt 2x4/4. So brachte man einen sehr großen Kessel unter, hatte 2 4-achsige Drehgestelle mit zufriedenstellendem Lauf und eben die volle Lokmasse als Reibungsmasse auf nur 16 t Achslast.
      Die Lok hatte aber auch ihre Schattenseiten. Die Dampfmaschine war bei weitem nicht so gut durchkonstruiert wie die der bay. S 3/6 oder besonders der bad. iV h, der große Kessel wurde nicht optimal ausgenutzt. Das wurde zu Reichsbahnzeiten durch einen Umbau, besonders der 2. Serie z.T. behoben, und die Maschinen leisteten dadurch deutlich mehr, um wieder einen Vorsprung auf die 95 zu haben. Im niedrigen Geschwindigkeitsbereich nahmen sie es damit bis zu ihrem Ende mit jeder anderen deutschen Dampflok auf.

      Im Norden ging man einen anderen Weg, der letzendlich erfolgreicher war. Den beginn machte die berühmte Tierklasse der HBE, hier bitte schauen:

      Tierklasse (Wikipedia)

      Hier hatte man auf den geteilten Rahmen verzichtet, für die geforderte Zugkraft reichten 5 gekuppelte Achsen mit 16 t. Achslast aus. Die Lok war extrem kompakt gebaut, und mit ihren kleinen Rädern und dem verhältnismäßig riesigen Kessel was sie ein beendruckender Anblick. Aber sie war immerhin fast 30 tonnen leichter als die Gt 2x4/4. Ein Exponat kann man noch in Dresden besichtigen.

      Daraus entwickelte die preuß. Stattsbahn dann die T20, quasi eine vergrößerte und verbesserte Tierklasse. Hier war man dann bei einem Gewicht von ebenfalls knapp 130 t, und einer Reibungsmasse von 95 t in neue Dimensionen vorgestoßen. Allerdings mit einer Achsmasse von 19 t, damit nur auf gut ausgebauten Hauptstrecken einsetzbar. Die meisten Rampen, auf denen diese Zugkraft benötigt wurde, sind zu dem Zeitpunkt bereits auf über 17 t Achslast zugelassen.
      Übrigens hat die T20 im Gegensatz zur Gt 2x4/4 keine Länderbahnbezeichnung mehr bekommen sondern direkt eine Reichsbahnnummer. Im ersten Umzeichnungsplan hatte die T20 noch die Baureihe 77 bekommen, danach die 95.

      Alle diese Riesen hatten im Grunde nur ein recht kurzes Leben, aber sehr produkltiv. Sobald die Steilstrecken elektrifiziert waren, waren sie den E 93 / 94 und auch einer E 44 unterlegen. Auch die Reichsbahn Baureihe 85 teilte dieses Schicksal.

      Aber es sind einfach tolle Stücke Ingenieurskunst, und ich würde mir wünschen noch so eine Maschine der Baureihe 96 sehen zu können.
      Viele Grüße,

      Gunnar
    • Neu

      Nun geht es auch beim zweiten dicken Brocken weiter. Zuerst habe ich die einfache Kesselstütze entfernt, den hinteren Rahmen noch neu gezeichnet und vorbildnahe Kesselstützen angebaut. Ob diese wirklich so aussahen kann ich leider nicht sagen, hier habe ich keine Bilder. Aber diese Pendelstützen sind sehr wahrscheinlich zwischen den Wasserkästen vorhanden gewesen.



      Darauf wird dann der Kessel montiert. Anschließend kommen die Wasserkästen auf den Rahmen.



      Dabei fällt euch vielleicht auf, daß ich die Deckel des Vorwärmers vor dem Schornstein geändert habe. die flache Ausführung hat mir nicht mehr gefallen, nun ist es etwas plastischer.



      Und zuletzt noch eine Stellprobe der Lok bisher. Mir gefällt sie immer besser.



      Als Nächstes geht es mit den Treibstangen und der Steuerung weiter.
      Viele Grüße,

      Gunnar