Schlachtschiff Gneisenau / Basis WHV / 1:250

    • Schlachtschiff Gneisenau / Basis WHV / 1:250

      Hallo Kartonverbieger,

      nachdem ich den Baubericht zur "Gneisenau" wieder hergestellt habe, soll nun auch der damalige Galeriebeitrag nicht länger fehlen.

      Modell Nr. 45 der Nibelungenwerft war das Schlachtschiff "Gneisenau" von WHV, das ich in der Konfiguration von 1939 mit dem zweiten Katapult auf Turm Cäsar gebaut hatte. Daran gewerkelt hatte ich von 06.07.2008 bis 06.12.2008 und dabei 2.634 Teile verbaut, davon 618 vom Bogen. Man sieht an den Bauteilen, dass da schon ein gerüttelt Maß an „Kreativität“ vonnöten war, um ein einigermaßen ansehnliches Modell zu erstellen, das auch noch heutigen Ansprüchen halbwegs genügt.

      Der brüllende Mensch möchte gefährkich wirken, der schweigende Mensch kann gefährlich sein - also Vorsicht, wenn ich mal gar nichts mehr sage..... grins 3
    • Seinerzeit beim ersten Einstellen von Bau- und Galerieberichten in einem anderen Forum hatte ich mir jeweils immer die Mühe gemacht, Fakten zur Geschichte aus meinen verschiedenen Büchern zu dem gebauten Schiff zusammen zu tragen – eine Mühe, die ich mir heute spare. Aber da der Text nun schon mal geschrieben wurde, füge ich ihn hier nochmals ein.

      Also zur Geschichte:

      Die Schiffe selbst waren die ersten wirklich großen Einheiten, die nach der durch das Versailler Diktat erzwungenen Baupause auf Kiel gelegt wurden und schon ihre Vorgeschichte war etwas eigenartig: Als Panzerschiffe D und E nach dem Vorbild der „Deutschland“1934 begonnen, wurde der Bau schon nach einem halben Jahr gestoppt und nach diversen Diskussionen und Einmischungen auch von Seiten der Politik wurde der Bau im Sommer 1935 neu gestartet – jetzt als Schlachtschiffe.

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    • Wie Koop/Schmolke in ihrem Buch über Scharnhorst und Gneisenau berichten, wurden ihnen aber einige erhebliche Handicaps mit auf den Weg gegeben: Statt des bei den Panzerschiffen eingeführten Dieselantriebs wählte man bei den Schwestern (und auch bei allen noch folgenden großen Einheiten) Heißdampf-Hochdruckturbinenantrieb – und verkürzte damit die Reichweite von ca. 20.000 sm bei der Deutschland-Klasse auf weniger als die Hälfte. So waren die Schiffe für weit reichende atlantische Operationen nicht geeignet und konnten nur noch bis zum Mittelatlantik vorstoßen.

      Zu schwach war bei der Panzerung der Horizontalschutz ausgeprägt, und zu schwach – für die Größe der Schiffe – war auch die Hauptartillerie, bei der man die 28er der Panzerschiffe wählte, die gerade verfügbar waren und nur die Rohrzahl um 3 erhöhte (wohl nicht zuletzt auch durch die Einmischung von Hitler, der zu dieser Zeit gerade mit den Engländern den Flottenvertrag abschließen wollte und bei einem schwereren Kaliber eine Verärgerung auf der anderen Seite des Kanals befürchtete).

      Und als schweres Handicap erwies sich auch die Formgebung des Schiffsrumpfes: Der Freibord war zu niedrig (da durch immer neue Forderungen beim Bau auch das Gewicht zunahm); die Back nahm bei stärkerem Seegang immer soviel Wasser über, dass gelegentlich beide vorderen Türme und auch einige Geschütze der Mittelartillerie ausfielen (auch ein Umbau konnte daran nicht viel ändern) und das Heck neigte bei höheren Fahrtstufen dazu, sich einzusaugen und überspült zu werden.

      Außerdem hatte die Feuerleitanlage erhebliche Mängel (unnötig kompliziert und fehleranfällig) und führte immer wieder zu Ausfällen – ein untragbarer Zustand für Kriegsschiffe im Gefecht! Beispielsweise wurden laut Koop/Schmolke, "Die Schlachtschiffe der Scharnhorst-Klasse" S. 167, durch einen Ingenieur des OKM zusammen mit den verantwortlichen Technikern der beiden Schiffe mehr als 20 km Leitungen (!!!) der Fla-Feuerleitanlage stillgelegt - und hinterher funktionierte das Ding tatsächlich besser!

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    • Technische Daten

      Abmessungen: L 229,80 m / B 30,00 m / Einsatztiefgang 9,91
      Verdrängung: offiziell 26.000 ts / tatsächlich Einsatz 37.902 ts / tatsächlich leer 30.676 ts
      Antrieb: max. 154.000 WPS / 30,7 kn (konstruktiv waren 31,0 kn Höchstgeschwindigkeit erwartet worden)
      Fahrbereich: 6.200 sm bei 19 kn

      Bewaffnung: 9 x 28 cm / 12 x 15 cm / 14 x 10,5 cm Flak / 16 x 3,7 cm Flak / 10 x 2 cm Flak (vor Kriegsbeginn nur 8 montiert)

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    • Lebensgeschichte

      Die Gneisenau lief zwar 2 Monate später vom Stapel als die Scharnhorst, nämlich am 08.12.1936, wurde aber am 21.05.1938 um ca. ein halbes Jahr früher in Dienst gestellt und übernahm die Rolle des Flottenflaggschiffs, die sie bis zur Indienststellung der Bismarck innehatte. Bis Kriegsbeginn folgten diverse Umbauarbeiten und Ausbildungsfahrten.
      Kriegseinsätze:
      - Oktober 1939: Vorstoß bis Südnorwegen mit Köln und 9 Zerstörern, keine Feindberührung
      - November 1939: Vorstoß mit Scharnhorst in Atlantik südlich Island, dabei Versenkung des britischen Hilfskreuzers Rawalpindi
      - Unternehmen „Nordmark“ im Februar 1940: Vorstoß mit Scharnhorst und Hipper bis Höhe Shetland-Inseln; keine Feindberührung
      - Unternehmen „Weserübung“ im April 1940: Zusammen mit Scharnhorst Sicherung der Besetzung Norwegens, dabei zusammen mit Gefechtsberührung mit Renown
      - Unternehmen „Juno“ im Juni/Juli 1940: Zusammen mit Scharnhorst, Hipper und 4 Zerstörern Vorstoß in Nordatlantik, dabei u.a. Versenkung des britischen Flugzeugträgers Glorious. Anschließend nach Torpedotreffer Rückkehr nach Kiel zur Reparatur.
      - Dezember 1940: Erster Durchbruchsversuch in den Atlantik zusammen mit Scharnhorst, abgebrochen wegen Seeschäden
      - Unternehmen „Berlin“ im Januar 1941: Durchbruch in den Atlantik zusammen mit Scharnhorst zum Handelskrieg. Erfolge der GU: 11 Schiffe versenkt und 3 als Prisen aufgebracht (insgesamt ca. 66.500 BRT).

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    • - März 1941 bis Februar 1942: Liegezeit in Brest, dabei diverse Bomben- und Torpedoschäden
      - Unternehmen „Cerberus“ im Februar 1942: Zusammen mit Scharnhorst und Prinz Eugen Rückmarsch durch den Kanal; dabei Grundminentreffer erhalten und nach Kiel zur Reparatur.
      - 26./27. Februar: Eingedockt in Kiel von Bombe im Vorschiff getroffen, die auf Grund der nicht von Bord gegebenen Munitionsbestände verheerende Folgen hatte: Heiße Detonationsgase und Splitter drangen durch Entlüftungen in die Pulverkammern von Turm Anton ein; die Kartuschen der Bereitschaftsmunition entzündeten sich stichflammenartig, zerstörte Turm Anton und glühte das Vorschiff aus. 112 Mann der Besatzung fanden dabei den Tod.
      - In der Folge waren der Anbau eines neuen, längeren Vorschiffs und die Umrüstung auf 6 x 38 cm Geschütze geplant; die Arbeiten kamen aber nur noch wenig über das Anfangsstadium hinaus. Nach der endgültigen Einstellung aller Reparatur- und Umbauarbeiten im Januar 1943 wurden die verbliebenen beiden 28 cm-Türme abgebaut und nach Bergen bzw. Trondheim gebracht (dort ist Turm „Cäsar“ noch heute zu besichtigen); die 15er wurden in Dänemark und Holland zur Küstenverteidigung eingebaut.
      - 27. März 1945: Der abgerüstete Rumpf des Schlachtschiffes wurde in der Hafeneinfahrt von Gotenhafen (Gdingen) gesprengt und als Blockschiff versenkt.
      - Nach dem Krieg erfolgte der Abbruch des Wracks in Polen; der restliche Schiffskörper wurde ab 12.09.1951 gehoben und im Anschluss abgebrochen.

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    • Als Flottenflaggschiff erlebte die "Gneisenau" auch verschiedene Flottenchefs: Admiral Boehm von 11/38 bis 10/39, Admiral Marschall von 10/39 bis offiziell 07/40; und Admiral Lütjens zuerst als Vertretung für den „erkrankten“ Admiral Marschall von 03/40 bis 07/40, dann offiziell von 07/40 bis 03/41. Dabei gab es sowohl bei Boehm als auch bei Marschall erhebliche Differenzen mit der Seekriegsleitung (SKL), die partout nicht einsehen wollte, dass ein Befehlshaber in See nun mal den besseren Überblick hat als die Herren daheim am grünen Tisch und deshalb auch eine gewisse Entscheidungsfreiheit braucht (bei den Briten durchaus üblich).So geschehen z.B. beim Unternehmen „Juno“, als die SKL die Kampfgruppe auf Häfen in Norwegen ansetzen wollte, Marschall aber die Meldung eines Aufklärungsflugzeugs mithörte, das die Zielhäfen leer meldete, und deshalb richtig erkannte, dass die Engländer sich aus Norwegen absetzten und versuchte, in die Absetzbewegung hineinzustoßen, was auch u.a. mit dem großen Erfolg gegen die "Glorious" endete. Er wurde auf Grund seiner eigenmächtigen Änderung des Einsatzplans schwer gerügt, ihm wurde trotz der erfolgreichen Führung der Flotte das Ritterkreuz versagt und schließlich wurde er nach langen und schweren Diskussionen mit Raeder abgelöst. So fiel nach Admiral Boehm innerhalb kurzer Zeit schon der zweite fähige Flottenchef in Ungnade.

      Als Nachfolger wurde Lütjens bestimmt, ein obrigkeitshöriger Offizier, der sich buchstäblich an die gegebenen Befehle zu halten pflegte. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Meinung von ehemaligen Besatzungsmitgliedern der "Gneisenau", die Marschall verehrten, aber an Lütjens kein gutes Haar ließen (Original-Interviews sind z.B. auf den im Handel erhältlichen DVD’s über das Schlachtschiff "Gneisenau" zu sehen); ähnlich negativ über Lütjens äußerten sich übrigens auch Überlebende der "Bismarck" (z.B. zu sehen bei dem Bericht über die Tauchfahrt von James Cameron zum Wrack der "Bismarck").

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    • Hier ein Vergleich mit der "Goeben", einem der Schlachtkreuzer der kaiserlichen Marine mit einer vergleichbaren Armierung (10 x 28 cm). Was hier bei diesem Foto auch auffällt, das ist der Unterschied zwischen dem geradezu aufgeräumt wirkenden Deck der "Goeben" und dem voll gepackten Deck der "Gneisenau", typisch für die deutschen Einheiten der Kriegsmarine vom Schweren Kreuzer bis hin zum Schlachtschiff.

      Auch das Missverhältnis zwischen der Armierung der "Gneisenau" und ihrer Größe wird hier deutlich; schließlich war sie voll ausgerüstet ca. 10.000 t schwerer als die "Goeben" bei vergleichbarer Artillerieausstattung nach Kaliber und Anzahl (natürlich ohne Berücksichtigung der moderneren Ausführung der Geschütze).

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    • Und eine Auswahl der verwendeten Literatur. Dazu kommen u.a. noch für die Geschichte des Schiffes Kähler, "Schlachtschiff Gneisenau", und Hildebrand/Röhr/Steinmetz, "ie Schiffe der deutschen Marinen" sowie die beiden DVD’s über die "Gneisenau".

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    • Und zum Abschluss das "Action-Foto" (das gab's früher mal bei jedem meiner Bauberichte, aber manche "Abenteuer" in anderen Foren haben mir dies schließlich verleidet).

      Frühsommer 1939. Das Flottenflaggschiff "Gneisenau" läuft aus zu einer Ausbildungsfahrt. Ein Unwetter zieht auf – ein Omen?

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    • Und das Ganze nochmal in Schwarz-Weiß.

      Das war’s von der "Gneisenau" - mit mehr als 2600 Teilen ist sie mein bisher größtes Modell gewesen (auch was die Abmessungen betrifft) und mit 5 Monaten Bauzeit nahe an der Grenze dessen, was ich eigentlich so für ein Modell investieren möchte (schließlich will ich ja in den verbleibenden Jahren noch meinen Stapel von 400 Kartonmodellbögen ein wenig abbauen), deshalb habe ich in der Folge zumeist "kleinere Brötchen" gebacken - Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel…. lach 2



      Servus
      hvt
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    • Hallo Karl Heinz,

      vielen Dank für deine Aufnahmen und vor allem deinen Bericht mit vielen interessanten Details.
      Viele Grüße,

      Hans-Jürgen

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      Früher oder später, aber gewiss immer wird sich die Natur an allem Tun der Menschen rächen, das wider sie selbst ist. (Johann Heinrich Pestalozzi)
    • @Hardy
      Danke für Deinen Daumen!

      @Hans Joachim
      Vielen Dank, Hans Joachim!
      Ja, vor vielen Jahren baute ich auch die "Scharnhorst" - war wohl irgendwann im Laufe der späten 60er; aber sie hat nicht überlebt. Eigentlich schade, denn es wäre wirklich interessant gewesen, mein "Machwerk" von damals mit der GU von "heute" zu vergleichen...

      Servus
      hvt
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    • Hallo hvt

      Das Modell gefällt mir sehr gut. Das Geschriebene aus der Geschichte des Schiffes finde ich nicht schlecht, aber man kann alles mehr oder weniger im Internet nachlesen. Was mich mehr interessieren würde sind Details des Modells und der Konstruktion. z.B. Wer hat den Bogen konstruiert? Oder Detailfotos.
      Kannst Du da ein wenig nachliefern?

      Grüße
      Peter
    • @Millpet

      Hallo Peter,

      wer das Modell konstruiert hat, weiß ich nicht - das geht aus dem Uraltbogen von WHV auch nicht hervor. Wenn Du Details zum Bau bzw. ggf. zur Konstruktion nachlesen willst, dann schau doch bitte mal HIER in dem dazugehörigen Baubericht nach, den ich im April 2018 wieder hergestellt habe. In meinen Galerieberichten steht grundsätzlich wenig zum Bogen, sondern mehr zum großen Vorbild (wobei meine Infos nicht aus WIki stammen, sondern aus diversen Büchern, die ich im Normalfall dafür zur Verfügung habe).

      @petcarli

      Vielen Dank, Fritz!

      Servus
      hvt
      Der brüllende Mensch möchte gefährkich wirken, der schweigende Mensch kann gefährlich sein - also Vorsicht, wenn ich mal gar nichts mehr sage..... grins 3