HMS Implacable, 1:220, Victory's vergessene Schwester scratch

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    • HMS Implacable, 1:220, Victory's vergessene Schwester scratch

      Moin zusammen,

      nachdem der Bau meines GS2018-Beitrags „USS Olympia“ sich langsam dem Ende neigt, wird es Zeit, mich einem anderen Projekt zuzuwenden, das seit etwa 4 Jahren ein Schattendasein in meiner „Werft der Unvollendeten“ fristet. Und mich dazu mal wieder in den Reihen der Segelschiffsbauer zu bewegen.
      Vorab: So lange „USS Olympia“ noch nicht fertig ist, werden die Baufortschritte hier eher marginaler Natur sein, aber dennoch: geht los!

      Nochmal vorab: was jetzt kommt, ist reichlich Text, dennoch finde ich ihn zum Verständnis dieses Modells essentiell.



      Jacques-Noel Sané und die Téméraire-Klasse

      Ähnlich Sir Thomas Slade in England war Jacques-Noel Sané (1740-1831) DER Schiffbaumeister im royalistischen, revolutionären, republikanischen, kaiserlichen und wiederum royalistischen Frankreich des 18. und 19. Jahrhunderts.



      Auf seine Entwürfe gehen so berühmte Einheiten der französischen Marine zurück wie die BUCENTAURE, REDOUTABLE, L'ORIENT, TONNANT und andere, was ihm den Beinamen „Vauban de la Marine“ einbrachte (Vauban war der Ingenieur, auf den nahezu alle Festungsbauten seit dem 17. Jahrhundert zurück gehen).
      Die erfolgreichste seiner Schiffsklassen war die „Téméraire“, von der zwischen 1782 und 1817 120 Einheiten geplant und davon 107 gebaut wurden; diese teilten sich in 3 Hauptklassen (18 Einheiten Téméraire-Klasse, 46 Einheiten Duquesne-Klasse, 12 Einheiten Borée-Klasse, 13 Einheiten Albanais-Klasse und 26 Einheiten Danube-Klasse) und Sonderklassen (Cassard-2 Schiffe größer, Suffren-3 Schiffe kürzer als Basisentwurf).
      Die Schiffe wurden sämtlich nach einem Standardentwurf auf allen französischen Werften gebaut, ein Maß der Standardisierung, das die Royal Navy nicht erreichte. Durch ihre Bauweise mit V-förmig aufkommenden Unterwasserlinien waren sie im Vergleich schneller (wenn auch etwas luvgieriger) als ihre britischen Pendants, auch waren sie etwas größer und hatten eine größere Wasserverdrängung. Im Kampf hatten sie weiterhin das höhere Breitseitengewicht. Der einzige Grund, warum die französische Marine, abgesehen mal von den Schlachten des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, ziemlich schlecht dastand, lag in der mangelnden Erfahrung ihrer Seeleute und Offiziere. Insbesondere nach 1792, zu Beginn der Koalitionskriege, sorgte auch die Guillotine für eine künstliche Dezimierung des -meist adeligen- Offiziersbestand und die britischen Blockadegeschwader sorgten dafür, dass auf See nur minimale Erfahrungen gesammelt werden konnten.

      Die Eckdaten des Designs „Téméraire“ lauten wie folgt:
      Länge Geschützdeck: 181ft6in
      Breite: 148ft11 5/8in
      Tiefgang: 48ft11in
      Tonnage: 1.896 22/94 tons burthen

      also in Etwa 56m lang, knapp 15m breit und 200 Tonnen mehr Verdrängung als z.B. Nelson's „HMS Vanguard“, ein 74er der „Edgar“ Klasse.

      Die Bewaffnung sah 28 36-Pfünder im Batteriedeck vor, dazu 30 18-Pfünder auf dem Hauptdeck, 12 8-Pfünder auf dem Quarterdeck und 4 weitere auf der Back.

      Le Duguay-Trouin

      Dieses Schiff der Duquesne-Variante wurde im November 1794 auf der Marinewerft in Rochefort auf Kiel gelegt. Es trug den Namen des Freibeuters und Marineoffiziers René Duguay-Trouin, dessen erfolgreiche Fahrten unter Ludwig XIV und Ludwig XV statt fanden. Verantwortlich für den Bau war der Ingenieur Pierre Jacques Nicolas Baron Rolland, ein direkter Schüler Sanés. Bedingt durch den chronischen Mangel an Baustoffen, hier ging es insbesondere um Holz guter Qualität, erfolgte der Stapellauf jedoch erst im Frühjahr 1800. Ein weiterer Grund für die Verzögerungen beim Bau lag in der unsicheren politischen Lage, viele Fachleute desertierten einfach, weil sie keinen Sold bekamen.
      1801 war das Schiff dann endlich einsatzbereit und wurde dem Kommandanten Capitaine Jean-Baptiste Philibert Willaumez unterstellt. 1802 segelte sie im Geschwader von Admiral Louis Thomas Villaret de Joyeuse zusammen mit weiteren 34 Linienschiffen und 21 Fregatten (dabei war sie Teil des Untergeschwaders unter Admiral Latouche-Tréville). Dieser sollte mit seinen Schiffen ein Invasionsheer unter General Charles Emmanuel Leclerc zur Niederschlagung des Aufstands von Toussaint Louverture nach Santo Domingo bringen. „Le Duguay-Trouin“ transportierte 434 Soldaten des Heeres.
      Dabei zeichnete sich Capitaine Willaumez, zum Chef der Südlichen Station Santo Domingos ernannt, insbesondere dadurch aus, dass er sich weigerte, Gefangene zu töten und erwarb sich so den Respekt aller am Konflikt Beteiligten.



      1803 übernahm Willaumez das Kommando über die Fregatte „La Poursuivante“, während Capitaine de vaisseau Pierre L'Hermite die „Duguay-Trouin“ übernahm. Der Militäreinsatz auf Santo Domingo war grandios gescheitert und die Royal Navy tat mit ihrem Erscheinen vor der Insel ihr übriges, um die französischen Schiffe zum Rückzug zu bewegen und trotz mittlerweile aufgetretener Krankheiten und Nahrungsmittelknappheit, den Durchbruch durch die Blockaden der Royal Navy zu wagen. „Le Duguay-Trouin“ segelte zusammen mit „Le Duquesne“ (einer weiteren „Téméraire“) und der 40-Kanonen-Fregatte „Le Guerrière“, wobei es den Briten gelang, die „Duquesne“ aufzubringen. „Le Duguay-Trouin“ wechselte einige Breitseiten mit der sie jagenden Fregatte „HMS Boadicea“ unter Captain John Maitland und erreichte schließlich La Coruna, wo sie überholt und ihrem dritten und letzten französischem Kommandanten unterstellt wurde: Claude Touffet. Ihr nächster Einsatz folgte in der Schlacht von Trafalgar am 21.10.1805.
      Als die Flotte Villeneuves aus Westindien eintraf, integrierte man das Schiff in das Geschwader Konteradmiral Pierre Dumanoir LePelleys (Flaggschiff „Le Formidable“, 80 Geschütze, Tonnant-Klasse), der bei der folgenden Schlacht die Vorhut bilden sollte, welche weiter aus den 74er „Téméraires“ „Le Mont Blanc“ und „Le Scipion“ sowie der „L'Intrepide“ und den spanischen Linienschiffen „Neptuno“, „Rayo“, „San Francisco de Asis“ und „San Agustin“bestand.
      Durch den Angriff der Briten in 2 Stoßkeilen war die Vorhut der (mehr oder minder in Kiellinie segelnden) franko-spanischen Flotte abgeschnitten und LePelley stand vor der Entscheidung, wie er seine 4 Schiffe am besten einsetzen sollte, während hinter ihm die britische Flotte eine wilde Mélée im alliierten Zentrum veranstaltete.
      Zunächst wendete er, steuerte allerdings nicht in die Schlacht hinein sondern hielt sich eine halbe Meile in Luv. Dabei folgten ihm die Spanier (außer „Neptuno“) und die „L'Intrepide“ gar nicht erst. Letztere, unter Capitaine Infernet, der es gar nicht einsah, die Schlacht zu verlassen, hatte sich lieber mit „HMS Africa“ angelegt, einem britischen 64, der, von der Hauptflotte getrennt, aus einer völlig anderen Richtung das Schlachtfeld erreichte und umgehend alles angriff, was in Reichweite war.
      „Formidable“, „Scipion“, „Mont Blanc“ und „Duguay-Trouin“ segelten südwärts ohne ins Gefecht einzugreifen – LePelley hatte angesichts der Schlacht inzwischen beschlossen, seine Schiffe lieber in Sicherheit zu bringen. „Neptuno“ bevorzugte ebenfalls den Kampf und hatte es mit den 74ern „HMS Minotaur“ und „HMS Spartiate“ zu tun. So verblieben 4 Schiffe, die nunmehr versuchten, nach Hause zu segeln.
      Nachdem sie den heftigen Sturm am 22.10. abgeritten hatten, setzte LePelley Kurs auf die französische Küste um Rochefort zu erreichen. Am 2.11. ereilte ihn sein Schicksal in Form der britischen Fregatte „HMS Phoenix“. Diese betrieb, zunächst allein und dann mit den Fregatten „HMS Boadicea“ (nach wie vor unter John Maitland) und „HMS Dryad“ klassische Aufklärungsarbeit, die darin mündete, dass der 80 Geschütze tragende Zweidecker „HMS Caesar“ unter Captain Sir Richard Strachan auf der Bildfläche erschien und mit ihm die 74er „HMS Hero“, „HMS Courageeux“, „HMS Namur“ und „HMS Bellona“, zusammen mit 2 weiteren Fregatten, den HMS „Aeolus“ und „Santa Margarita“.
      Nach langer Jagd wurde Le Pelleys Geschwader schlußendlich in den frühen Morgenstunden des 4.11.1805 zum Kampf gestellt. Am Nachmittag des selben Tages, gegen 15.35h strich „Le Duguay-Trouin“ zusammen mit „Le Mont Blanc“ die Flagge vor den überlegenen HMS „Mars“ und „Caesar“. Ihr Kommandant hatte in der Schlacht sein Leben verloren, insgesamt verzeichnete man 730 Tote und Verwundete auf französischer und 135 auf britischer Seite. Das gesamte französische Geschwader wurde nach England verbracht.
      Damit endete das Dasein der „Le Duguay-Trouin“ unter französischer Flagge. Der 10.11.1805 sah sie in Plymouth, wo sie eingedockt wurde.

      Umbauarbeiten – erste Blicke auf das Modell

      Die Briten verfuhren mit allen gekaperten Schiffen der „Téméraire“-Klasse gleich und verpassten ihnen erst einmal ein paar Umbauten. Schiffe, deren Heck im Kampf zu stark gelitten hatten, bekamen einen typisch englischen Spiegel in Trapezform ohne Galerie. Die anderen durften ihren hufeisenförmigen französischen Spiegel behalten und der Kommandant konnte sich an einer schiffsbreiten Galerie erfreuen, wo er ganz in Ruhe frische Luft schnappen konnte.
      Den Heckumbau habe ich bisher nur bei zwei Schiffen entdecken können: der „Implacable“ und HMS „Donegal“ (ebenfalls eine gekaperte „Téméraire“, die vormalige „Le Barra“). Hier der Originalspiegel der "Implacable":



      Die zweite Änderung betraf die Ruderanlage:
      Während auf französischen Schiffen das Steuerrad hinter dem Kreuzmast stand, fand man es auf britischen Schiffen vor ihm, und die Briten änderten das auch konsequent auf allen französischen Prisen. Warum, entzieht sich meiner Kenntnis.
      Die augenfälligste Änderung an den Schiffen war die Bestückung. Eine „Téméraire fuhr, wie bereits erwähnt, 28 Geschütze im Batteriedeck und 30 im Hauptdeck. Den Briten waren 30 Geschütze im Batteriedeck lieber, zumal die „Téméraires“ dafür ausreichend Platz hatten, also setzten sie noch eine weitere Geschützpforte ganz vorn in den Rumpf.
      Für den Modellbauer heisst das natürlich, dass er auch ein französisches Schiff jener Klasse nach Plänen aus dem National Maritime Museum bauen kann, er muss sich nur klar sein, was von den Briten geändert wurde.
      Als die vormalige „Le Duguay-Trouin“ im Jahre 1806 unter ihrem neuen Namen „HMS Implacable“ in Dienst stellte, fuhr sie folgende Bewaffnung:
      30 32-Pfünder im Batteriedeck
      30 18-Pfünder auf dem Hauptdeck
      2 12-Pfünder und 12 32-Pfünder Karronaden auf dem Quarterdeck
      2 12-Pfünder und 2 32-Pfünder Karronaden auf der Back.
      Ihre Besatzungsstärke betrug 640, erster Kommandant war Captain Henry William Bayntun.

      Meine „Implacable“ ist im Maßstab 1:220 gehalten und soll da Schiff im Jahre 1808 darstellen. Durch die Zeit, die seit dem Bau vergangen ist, hab ich so einiges nicht mehr auf dem Schirm, aber sie ist aus den Originalplänen (mit Photoshop und Co) entstanden und einige kleine Zutaten hat mir die „Bellona“ ausgeliehen.
      Das Modell hat die Zeit ganz gut überstanden; die Kupferung ist schön angelaufen und von den ausgerannten Geschützen des Batteriedecks ist tatsächlich nur ein einziges abgebrochen.
      Das Hauptdeck muss auf jeden Fall neue Grätings bekommen und bei der Gelegenheit vermutlich auch eine komplett neue Plankenlage mit Textur (ich kann mich erinnern, damals keine Farbpatronen mehr gehabt zu haben, deshalb ist das Deck gepinselt).
      Im Prinzip muss ich auch alle Bauunterlagen noch mal sichten und vermessen. Zwar hat das Wetterdeckteil überlebt, aber der Rumpf muss ja noch weiter nach oben wachsen.




      Hier noch ein paar Detailbilder:



      Das nächste Posting wird wieder "historischer Abriss" und die Jahre ab 1806 behandeln. Wann das sein wird, weiß ich noch nicht.
      Leider sind mir seit damals sämtliche Baubilder verschütt gegangen und anscheinend hat sie auch niemand aus dem alten Forum gesichert, also müssen wir mit dem arbeiten, was da ist. Sei's drum, ich freu mich.

      Ach ja: was ich bisher geschrieben habe, ist nicht "mal eben so aus dem Netz". Ich habe eklatante Fehler im englischen Wikipedia-Artikel und auf threedecks gefunden und mir unter anderem auch historische Fachtexte auf Französisch gegönnt. Daneben bediene ich mich beim Bau noch diversen Publikationen von Boudriot und Delacroix.
      Und um's rund zu machen: "Le Vaisseau de 74 Canons" von Boudriot enthält einen Hinweis, dass sich der Autor ausdrücklich nicht der "Téméraire" zuwenden wollte. Vielmehr wollte er zum Ausdruck bringen, dass es noch andere französische 74er gab, die nicht unbeachtet bleiben sollten.
      Dennoch ist sein Werk natürlich eine wertvolle Hilfe.

      Ich geh jetzt plantschen - Euch schon mal ein schickes Wochenende urlaub2


      LG Alex
    • Hallo Alex,
      ich hab ja nach der langen Zeit kaum noch zu hoffen gewagt, dass es mit deiner Implacable mal noch weiter gehen soll. Umso mehr freue ich mich jetzt, dass du es tatsächlich angehen willst. Danke für den historischen Abriss. Ich glaube, deine Implacable ist auch nach so langer Zeit noch eine solide Basis! In welchem Zustand willst du sie eigentlich bauen? Bisher sieht's ja nach full-fighting-trim aus?

      Grüße!
      Ludwig
    • Servus Alex,

      da ist sie wieder!
      Freu mich riesig, daß du dieses Bauvorhaben wieder um Leben erweckst!
      Mich hat das Video auf Youtube von der Versenkung beeindruckt.
      Ich hoffe ich mache da keinen Vorgriff auf einen späteren Beitrag von dir.
      Aber ich möchte den anderen Mitlesern den Link nicht vorenthalten.



      Heute wären die Franzosen glücklich wenigstens eines ihrer Linienschiffe in Brest oder Toulon präsentieren zu können.
      Damals hatten sie kein Interesse daran und auch kein Geld.

      Liebe Grüße

      Wiwo
      In Bau: K.u.k.Tegetthoffklasse, GPM, 1:200 1:250 und 1:400
      Und hier: Alle meine Modelle


      "Es gibt viel zu viele Lautsprecher und viel zuwenig Kopfhörer!"
      Fritz Grünbaum, 1934
    • Moin zusammen,

      @Gnost Klar zum Gefecht ist in der Tat so die Idee... das hier ist zwar nicht zeitgenössisch, aber meine Orientierung:



      @wiwo1961 Ähm ja.. dieses Video hat im alten Forum meinen Bericht eingeleitet. Hier wollte ich es eigentlich ans Ende der historischen Abrisse stellen. Aber macht nichts, zu den Geschehnissen 1949 gibt es nämlich noch so einiges, das die Öffentlichkeit nicht so auf dem Schirm hat, insofern alles gut...

      Ich finde, das Video macht klar, warum dieses Schiff es verdient hat, dass man sich ihm zuwendet. Und es ist mit ein Grund, warum es von der Implacable kein einziges mir bekanntes Modell gibt... aber dazu an anderer Stelle.

      Bis demnächst,

      LG Alex
    • Hallo Alex

      Bin irgendwie erst jetzt über diesen BB gestolpert.
      Klar, dass ich an vorderster Front mit dabei sein werde. Ein hochspannendes Projekt, bei dem ich wohl sehr viel lernen kann. (Wenn ich nur schon den ersten Post durchlese, dann fühle ich mich danach schon fast wie ein gelehrter happy1 )

      Der Rumpf macht schonmal einen hervorragenden Eindruck und wenn man dann noch den Massstab in Betracht zieht....Chapeau!

      Weiterhin viel Spass bei der Wiederaufnahme dieses Projektes!

      Freundliche Grüsse
      Peter
      Meine grösste Angst: Dass ich irgendwann erwachsen werde... happy 2

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      Meine versemmelten Werke
    • Hallo Alex,
      hab gerade mal wieder das traurige Video angeschaut und da stellt sich mir die Frage, was nun wirklich mit dem Heckspiegel passiert ist?
      Auf dem Video hat sie ja bei ihrer Versenkung einen Heckspiegel - wenn auch sehr ramponiert, der genauso aussieht, wie der den sie auf den diversen Hulk-Fotos aufweist.
      Im National Maritime Museum in London ist ihr "Original Heckspiegel" ausgestellt...?
      Der wurde ja wohl kaum vorher abgenommen und der am Schiff durch einen "künstlich gealterten" ersetzt oder?

      Grüße!
      Ludwig
    • Moin zusammen,

      danke für den Einwurf, Ludwig. Ich hab nochmal nachgesehen. Der Spiegel an sich ist tatsächlich eine Replik, aber die komplette Deko stammt vom Originalschiff. Auch die Galionsfigur hat man erhalten.
      Leider ist von der Originalausstattung des Schiffs "as built" in Sachen Dekorationen gar nichts mehr da, dafür haben Strachan's Kanonen ausreichend gesorgt.
      Eigentlich hatte ich seinerzeit ja vor, mich der "Redoutable" zu widmen, aber bei ihr hat man das selbe Problem: Rumpfpläne existieren in rauhen Mengen, man muss noch nicht mal Geld ausgeben. Das Problem sind die Dekorationen und hier insbesondere die Galionsfigur, das betrifft beide Schiffe. Noch nicht mal im Marinemuseum Paris hat man entsprechende Unterlagen.
      Was die Galionsfigur der "Implacable" angeht, ist sie quasi von Geheimnissen umgeben:



      Ihr seht hier eine Art vom Medusa mit vergoldeten Schlangen auf dem Kopf und um den Hals. Wenn Ihr genau hinseht, erkennt Ihr eine kleine französische Lilie vorn mittig.
      Laut National Maritime Museum, und hier wird's jetzt interessant, gibt es keinerlei Beweise für einen Austausch der Figur. Im Umkehrschluss gibt es auch keinen Beweis für die Weiterverwendung der originalen Figur.
      Das Schiff war benannt nach einem Offizier der Bourbonen, was die Lilie durchaus erklären würde.

      Mir stellt sich zusätzlich jetzt die Frage, ob die Originalfigur wirklich "nur" eine Büste war? Und wieso die Franzosen ihren Helden als Medusa darstellen sollten?
      Meine Theorie: Es ist das Original und ein fähiger englischer Holzkünstler hat den Hut/die Perücke des Herrn Duguay-Trouin nachträglich in Schlangen umgeschnitzt.
      Man könnte sicherlich anhand einer dendrochronologischen Untersuchung die Herkunft ermitteln, aber meines Wissens nach wurde eine solche nie durchgeführt.

      Ich möchte an dieser Stelle einmal wiwos Steilvorlage aufgreifen:

      scuttled.jpg

      Der "Fall HMS Implacable" ist den Briten immer noch unglaublich peinlich. Weder sieht man Modelle von ihr, noch wäre mir bekannt, dass sich jemand in Form einer Monographie diesem Schiff gewidmet hat.
      Während man 1831 noch ernsthaft in Erwägung zog, HMS Victory zu Kleinholz zu machen, wurde HMS Implacable noch 1840 zu einem ernsthaften Kriegseinsatz herangezogen, dem Bombardement von Accra im Ägyptisch-Ottomainschen Krieg, und bereiste ein Jahr lang das Mittelmeer.
      Die Planung hinsichtlich "HMS Victory" wurde gekippt, weil der Aufschrei in der Öffentlichkeit zu groß war (Nelson's Flaggschiff bla bla).
      Die "Implacable" hingegen wurde 1842 für nicht mehr seetüchtig befunden und erst einmal eingedockt (als lebenserhaltende Maßnahme).
      1844 wurde sie außer Dienst gestellt, 1855 jedoch als Schulschiff auf dem Hamoaze wieder eingesetzt.
      Als solches gammelte sie sich durch die Jahrzehnte. 1908 geriet sie in den Focus von König Edward VII, der versuchte, Gelder für die Restaurierung zu sammeln. Restauriert wurde auch fleißig in den 1920er und 1930er Jahren, aber mehr als Flickwerk kann das nicht gewesen sein, denn das Schiff diente als Herberge, Ferienschiff, und sogar (zusammen mit der heute ebenfalls restaurierten "HMS Trincomalee") als Kohlenhulk (beide Schiffe unter dem Namen "Foudroyant").



      Ein Versuch, die "Implacable" 1947 an Frankreich zu verkaufen, scheiterte am Geld, wie immer.
      So entschied sich die Admiralität für die Versenkung des Schiffs.
      Die Öffentlichkeit wertete dies (wie immer zu spät) als "kriminelle Aktion gegen die britische Marinegeschichte".

      Und um die Öffentlichkeit zu beruhigen und wieder auf Kurs zu kuscheln, wanderten Gelder, die man ebensogut für die "Implacable" hätte verwenden können, in die Restaurierung und den Erhalt eines hübschen, schnellen Lastesels: Der "Cutty Sark".

      Dennoch, man kann durchaus sagen, im Rigg des Klippers schwebt das Gespenst eines ungeliebten Linienschiffs....

      Nachdenkliche Grüße

      Alex
    • Moin zusammen,

      nun ist die Olympia fertig und HMS Implacable hat meine volle Aufmerksamkeit. Es wird allerdings nicht so schnell vorangehen, da ich die nächsten Wochen arbeitsbedingt nicht jeden Tag zum Bauen komme. Macht aber nix, ich hab ja Zeit.

      Heute schaute ich mir das Deck an und dachte so bei mir "nee. So lasse ich das nicht". Auch HMS Implacable sollte ein schickes "Holz"deck bekommen. Außerdem passten mir die ganzen Spanten in meinem Machwerk nicht, denn ich bin auf den perfiden Plan verfallen, das Schiff gefechtsklar darzustellen.
      Das heißt, ich benötige zunächst einmal offene Niedergänge. Bei denen habe ich eh Mist gebaut, weil ich die Standorte für die beiden Gangspills völlig übersehen und eine Gräting dort gebaut hatte, wo eigentlich ein Spill hin sollte.
      Weiterhin war es damals so, dass bei einem sich anbahnenden Gefecht sämtliche Zwischenwände zu den Wohnräumen von Kommandant und Offizieren entfernt worden sind, um die Splitterwirkung bei einem Kugeleinschlag möglichst minimal zu halten. Das betraf auch alles Mobiliar. Die Geschützdecks waren im Gefecht also lange, niedrige Hallen.
      Nun habe ich vor, meine Heckfenster transparent zu gestalten. Wäre also ein ganz nettes Gimmick, wenn man durch sie hindurch dann einen Blick ins Geschützdeck werfen könnte.
      Natürlich waren dann auch die angedeuteten Spanten, die ich gebaut hatte, gegen Knie auszutauschen, auf denen dann später die Decksbalken zu liegen kommen. Auf weitere konstruktive Details der Decks werde ich verzichten, die sähe man eh nicht.

      Also kam ( @KlabauterKlaus kennt das ) erstmal die Abrißbirne zum Einsatz:



      An dieser Stelle der Arbeiten hoffte ich noch, einfach ein neues Deck aufsetzen zu können. War aber nix. Also Schritt 2 der Zerstörung:



      In den Längsträger habe ich noch Plätze für die Niedergänge geschnitten, anschließend mit 135g/m² Holztextur auf 300g/m² Unterbau geplankt. Die Innenbordwände haben nach Entfernung der Spanten eine Schicht Karton als Auflage bekommen. Zwar drücken die Reste der ehemaligen Spanten noch durch, das ist aber nicht weiter wild, denn an diese Stellen kommen später die Knie. Die Innenbeplankung war dennoch wichtig, weil ich mit ihrer Hilfe eine recht homogene, schlüssige Beplankung hinbekommen habe.

      Historisch ist sie übrigens nicht ganz korrekt; eigentlich müssten die Planken vorn und achtern eine Neigung zur Mittellinie des Schiffs aufweisen und teilweise ineinander verzahnt gebaut werden, aber wir reden auch hier von Stellen, die am Schluss unsichtbar sein werden.

      Auch das vordere Backschott ist am Platz. Interessanterweise weisen französische Schiffe hier keine Rundhäuser auf. In Ermangelung von evidenten Bildern habe ich das Schott einfach mit 2 Türen versehen; die Jungs sollen nicht erst über die Back klettern müssen, wenn sie mal müssen...

      So. Bauzustand aktuell:






      Schätze, die OP hat sich gelohnt, oder?

      LG Alex
    • Hallo Alex,

      na da gehts ja gut los!
      Was das "Durchschauen" des Rumpfes betrifft, habe ich da bei meinen letzten Modellen viel Mühe reigesteckt. Sowohl bei der Temeraire, als auch bei der Zeven Provincien kann man durch die Stückpforten durch den Rumpf hindurchschauen. Man kann natürlich keine Details erkennen, also ist eigentlich jeder Aufwand unter Deck überflüssig, aber alleine der Effekt, dass man das Licht durch die gegenüberliegenden Stückpforten sehen kann ist schon cool und gibt dem Modell eine tolle Wirkung (auch wenn es meist keiner mitkriegt, der sich das Schiff nicht intensiv anschaut). Bei geöffneten Stückpforten werde ich auch weiterhin den extra Aufwand betreiben und die Längs- und Querwände in den Decks entfernen, damit man hindurch schauen kann!

      Viel Spaß wünsche ich dir mit deinem Segler!
      Ludwig
    • Moin zusammen,

      @Gnost mal sehn, ich mach mir jedenfalls ein wenig mehr Arbeit als ich müsste. Auch wenn man's dann teils nicht sieht, gibt es ja noch diesen Baubericht.

      Und weiter geht's, zu einer für mich eher ungewöhnlichen Zeit, aber man nimmt, was man kriegen kann...
      Gewidmet hab ich mich heute den ersten beiden Niedergängen. Sprich, Treppen und Grätings gebaut. Sieht deutlich filigraner aus als vorher, finde ich:



      Schlagartig hatte ich dann aber auch keine Lust mehr auf Grätings und habe mich der Kombüse gewidmet. Den Ofen wollte ich auf jeden Fall bauen, und habe mir mal einen Vergleich der Örtlichkeiten auf HMS Bellona (anhand Anatomy) und HMS Implacable gegönnt.
      Schaut mal, links die Bellona, rechts die Implacable:



      Ziemlich identisch, das Ganze, also habe ich mir den Ofen ebenfalls aus der "Bellona" Anatomy gemopst. Diese Dinger waren sowieso einheitlich; ich gehe stark davon aus, dass der originale Franzose einem englischen Modell weichen musste.
      Ausgesehen hat das Teil wie folgt:



      Meine Version kommt dem schon recht nahe:






      Die beiden Klappen oben drauf sind übrigens Deckel für Heißwasserbehälter. diese liegen darunter und lassen sich mit dem an der Frontseite befindlichen Hähnen entleeren. Feuer gemacht wurde von den Seiten, und von hinten hatte dieses Ding so eine Art Grillfunktion. Trotzdem finde ich es wirklich beachtlich, wie man mit so einem Gerät eine komplette Linienschiffsbesatzung befüttern konnte.

      Der Schornstein ist natürlich noch nicht drauf; ihm widme ich mich, wenn es an die darüber liegenden Decks geht. Angepinselt wird er auch noch, bevor ich ihn installiere. Und dann ist noch die Frage offen, ob das vorlich vom Ofen liegende Kombüsenräumchen bei "Gefechtsklar" ebenfalls weichen musste.

      Nach achtern raus werde ich die Grätings und Luken nicht gar so detailliert darstellen, denke ich. Aber schaun wir mal.

      Euch allen einen charmanten Samstagabend,

      LG Alex
    • Hallo Alex

      Der Ofen. DANKE!!!!!
      Du fragst Dich jetzt wohl, wofür ich mich bedanke?
      Ich habe das Teil meiner Frau gezeigt, worauf sie nur meinte, dass es da offensichtlich noch Leute gebe, die noch mehr einen an der Waffel hätten als ich happy1 happy1 happy1
      Und nun noch meineMeinung:







      ...mir fehlen die Worte, einfach fantastisch!

      LG
      Peter
      Meine grösste Angst: Dass ich irgendwann erwachsen werde... happy 2

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    • Servus Alex,

      die Anmerkung von Peters' Frau würde ich persönlich als absolut großes Kompliment auffassen. Wenn du das mal bekommst, weißt du dass du gut bist.

      Wenn man die ersten Blder mit dem jetzigen Stand vergleicht, sind da Welten dazwischen. Da kann man deine Arbeit nur respektieren.

      Aber:

      Alex wrote:

      Nach achtern raus werde ich die Grätings und Luken nicht gar so detailliert darstellen, denke ich. Aber schaun wir mal.
      Bitte baue so weiter wie bis jetzt. Auch wenn es anstrengend wird. Das Modell ist es wert es genauestens zu modellieren.

      Grüße
      Da Norbert
      Das hab ich Euch schon angetan:
      Titanic - 1:200 Taschen-Verlag
      Kurenas Fischerkahn - 1:50 WAK-Verlag


      Und das müsst Ihr noch durchhalten:
      Potsdam - 1:250 cfm-Verlag
    • Moin zusammen,

      @Peter_H Lieben Gruß an die geneigte Gattin: es gibt immer irgendwo eine Steigerung. Kannst ihr ja mal diesen Link: "Eisenbahn aus dem Bleistift" zeigen. Im Übrigen denke ich nicht mal im Traum daran, die Kochlöffel auch noch zu bauen... oder ... kratz1

      @Scorpion1963 Ich hatte eh schon beschlossen, alle Geschütze mit Takelung auszustatten, da fallen ein paar Grätings mehr oder weniger bestimmt nicht ins modellbauerische Gewicht. Außerdem bekomme ich langsam aber sicher immer mehr Spaß am Projekt.

      @AnobiumPunctatum Ich baue nach Möglichkeit "Lowest Budget". Und ich bin Jäger und Sammler. Das Deck mache ich folgendermaßen:

      1. Ich nehme eine schicke Holztextur aus meinem Bestand, in diesem Fall die selbe, die ich auch schon bei der USS Olympia genommen habe, da sie einfach schön ist. Gefunden habe ich sie im Netz; dazu einfach mal "Texturen" oder "textures" googlen, Du wirst Dich wundern, was es da alles gibt. Bei HMS Implacable ist es diese hier, dabei handelt es sich um Bambus. Sie gefällt mir besonders wegen der Farbverläufe:



      2. Diese Textur bringe ich mittels Photoshop ein wenig in Form, das Original ist nämlich deutlich größer, und drucke sie auf 135g/m² aus; es geht auch auf dünnerem Material, aber ich rate vom normalen 80g-Papier ab. "Mein" Papier gibt es bei Realkauf für 1,99€ als Skizzenblock in der Schreibwarenecke.

      3. Der Unterbau des Decks besteht aus 300g/m² Tonkarton, mittlerweile mein Liebling im Scratchbau. Auf diesen drucke ich mein Deck, damit ich hinterher auch weiß, wo die Luken und Mastöffnungen sind.
      Entsprechend drehe ich ihn um , nehme also die weiße Seite nach oben.

      4. Ich nehme Alulineal und Skalpell zur Hand und schneide schmale Streifchen (ca 1mm) aus meinem Bogen mit der Holztextur. Das mach ich mittlerweile nach Augenmaß.
      Tipp: wenn Augenmaß Dir zu unsicher ist, zieh Dir aus dem Netz Millimeterpapier (auch das gibt's als freien Download) und druck es auf die Rückseite des Texturbogens.

      5. Die Streifchen klebe ich auf meinen Decksunterbau. Dazu nehme ich Weißleim (wasserfest), den ich mit einem Zahnstocher auftrage. Den ersten Texturstreifen klebe ich genau auf die Mittellinie des Decks, dann folgen abwechselnd rechts und links, bis das Deck komplett beklebt ist. Dabei achte ich auch auf die Farbverläufe der einzelnen Streifen; es sieht ziemlich genial aus, wenn Du immer mal wieder dunkel und hell nebeneinander kombinierst. Sollten Querfugen gewünscht sein, kannst Du sie nachträglich einritzen.

      6. Da das fertige Deck zum Verziehen neigt, empfehle ich einen Ausflug unter einen Bücherstapel, bis es trocken ist.

      7. Nun kommt das Finish: von einem möglichst weichen Bleistift (ich nehme Stärke 6B) rasple ich mit Schleifpapier Graphitstaub ab, nehme ihn mit einem Küchenkrepp oder einem Papiertaschentuch auf und reibe ihn vorsichtig quer der Fugen auf das Deck. Wenn es ein Kriegsschiff ist, ist weniger mehr, bei einem Arbeitschiff kann man auch mal großzügig damit umgehen, um Dreck und Weathering darzustellen.

      8. Zum Schluss, ganz wichtig, sprühst Du die Geschichte mit "Fixativ" ein. Dieses Zeug dient normalerweise dazu, Kohle- und Bleistiftzeichnungen vorm Verwischen zu schützen. Netter Nebeneffekt ist, dass es die Farbe der Textur nochmal rausholt. Eine Lackierung ist somit unnötig.

      9. Bei meiner 1:220 PINTA habe ich komplett nur mit Textur und ohne Farbe gearbeitet; ein Beispiel für eine verwitterte Plankentextur zeig ich mal anhand eines meiner unfertigen Werke:



      Du siehst, es geht auch mit einfachen Mitteln (das macht für mich einen Teil des Reizes aus).

      Sooo und was nun meinen Maßstab 1:200/1:220 angeht: Ich bin totaler Fan von Donald McNarry. Und ich bekenne mich zu der Ansicht, dass Größe nicht in Metern oder Zentimetern messbar ist. Schließlich war der große Nelson auch nur gute 1,55 hoch. Im Endeffekt zählt die Qualität des Baus.

      Mal sehen, ob ich heute noch was schaffe. Euch einen schicken Sonntag.

      LG Alex
    • Hallo Alex,
      vielen Dank für die ausführliche Beschreibung. Jetzt muss ich mal schauen, wo ich entsprechende Texturen finde. Evtl. kann ich auch einige Brettchen aus meinem Holzllager fotografieren.
      tschö1 Christian

      "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."
    • Servus Alex,

      eigentlich hätte ich von selber draufkommen müssen, daß du ein Mc Narry-Fan bist. ja 2
      Der Irre (sorry, aber gegen ihn sind wir alle Nasenbohrer, grade Gnost und du können da mithalten) mit seinen Dockyard-Modellen in Dioramen, schade, daß er nicht mehr unter uns ist.

      Liebe Grüße

      Wiwo
      In Bau: K.u.k.Tegetthoffklasse, GPM, 1:200 1:250 und 1:400
      Und hier: Alle meine Modelle


      "Es gibt viel zu viele Lautsprecher und viel zuwenig Kopfhörer!"
      Fritz Grünbaum, 1934
    • Hallo Wiwo,

      vergessen wir mal nicht unseren Klabauter, der ist nämlich auch verdammt weit vorne. Ich hab auf Facebook noch einen Amerikaner gefunden, der sich auch der Extrem-Miniatur verschrieben hat. Wasserlinienmodelle von Handelsseglern, mitunter auch mal ein Dampfer dazwischen, alles selbst geklöppelt mit Plastik und Holz.
      Aber für mich stellt McNarry immer noch die ultimative Benchmark dar...

      LG Alex
    • Hallo Alex,

      heißer Ofen! Und ein tolles Detail, das man einfach nicht weglassen kann. Und mir gings damals wie dir..man sieht das später zwar alles nicht, aber es gibts Fotos und man weiß, dass es da ist! Irgendwer hat hier mal eine Endoskopkamera vorgestellt..mit sowas könnte man dann mal Galeriebilder machen daumen1

      Viel Spaß weiterhin!
      Ludwig
    • Moin moin zusammen,

      häppchenweise geht es auf dem kleinen, großen Schiff weiter. Ich habe beschlossen, das Hauptdeck komplett zu detaillieren; dies schließt hauptsächlich die 30 18-Pfünder ein, was reine Fleißarbeit ist. Einen davon hab ich schon mal fertig gestellt; ich gebe zu, dass ich bei den Geschützen und den Gangspills jeweils "Anleihen" bei HMS Bellona gemacht habe - wieso soll ich das Rad neu erfinden, wenn das schon jemand getan hat?

      Hier schon mal ein fast fertiger 18-Pfünder und eins der beiden Spills:



      Das Deck bot tatsächlich auch für mich alten Hasen noch die eine oder andere Überraschung, die Gegend um den Großmast herum betreffend:



      Bei den beiden Belegbänken und diesen schwarzen Profilen habe ich mich lange gefragt, was das soll, da sich über dieser Stelle ja später das Quarterdeck befinden wird. Die Lösung fand ich im "Vaisseau" sowie den Plänen zur "Commerce de Marseille": Die schwarzen Dinger sind die oberen Abschlüsse der Pumpenrohre. Kurz ausgeholt: Englische Schiffe fuhren schon seit 1771 mit Pumpen des Systems "Cole", diese Dinger sahen etwa so aus (Quelle Anatomy Bellona):



      Frankreich hingegen baute Balancierpumpen ein; diese scheint man auf HMS Implacable an Ort und Stelle belassen zu haben:



      Die Belegbänke sind in der Tat exklusiv für Teile des laufenden Guts des Großmarssegels; die eine dient den Großmarssegelschoten, die andere den Großmarsrahfallen. Ich finde, das wirft ein bezeichnendes Licht auf die Rolle des Großmarssegels im Gesamtgefüge des Riggs.

      Auch zu den Spills gibt's noch was zu sagen: Man baute 1805/6 nämlich die vorhandenen Spills aus und ersetzte sie durch englische Modelle, diesem Umstand ist es zu verdanken, dass noch eins der Originale überlebt hat:



      Soo ... ansonsten hab ich den Ofen gepinselt und aufgeklebt und die restlichen Luken und Grätings fertiggestellt.



      Das war's für heute,

      LG Alex
    • Hallo Alex,

      hast Du auch die Pumpeneinlässe beidseits des Kiels unter dem Schiff eingebohrt? Zwei kleine Bohrungen an den entsprechenden Stellen sollten als Imitation reichen. Wenn das Schiff schonmal kopfüber liegt, könnte man auch den Loskiel aufkleben (wenn nicht schon längst geschehen...).

      Hier die Ansicht bei der berühmten Schwester in Plastik:



      Klaus
    • Hallo Alex!

      Soso...also die volle Detailsvielfalt! Na dann viel Spaß, es wird sich sicher lohnen!
      Bei deinem Ofen hoffe ich, dass du den noch nicht festgeklebt hast, denn da gehört meiner Meinung nach noch eine Schicht Ziegel drunter. Der Ofen stand ziemlich sicher nicht auf den blanken Planken...hihi blanke Planke frech 1

      Grüße!
      Ludwig
    • Moin zusammen,

      @KlabauterKlaus Pumpeneinlässe ... bau ich nicht, weil gab es nicht. Jedenfalls nicht auf 74ern des 18. Jahrhunderts oder ganz allgemein auf britischen oder französischen Kriegsschiffen des 18. Jahrhunderts.

      Du hast mich mal wieder zum Recherchieren herausgefordert holmes1 .

      Anzubieten habe ich die Anatomy Of The Ship der HMS Victory, der HMS Bellona und der HMS Pandora, die ich hier mal als Referenz nutze.
      Die Hauptpumpen haben ausschließlich den Zweck, das Schiff von eindringendem Wasser zu befreien.
      Für Feuerlöschzwecke waren sie auf Grund des zu geringen Drucks nicht geeignet. Hier hätten wir einmal die Zeichnung der Kettenpumpe auf HMS Pandora. Der Pumpenbrunnen endet zwischen den Floor Timbers:



      Wie auch auf dem Plan der französischen Pumpe (der übrigens Boudriots "Vaisseau de 74 Canons" entnommen ist), befindet sich unten rum keine weitere Öffnung, kein Seeventil oder Ähnliches.

      Hingegen berichtet Boudriot in Band 2, dass es eine weitere Lenzpumpe beim Kreuzmast gab, die sogar bronzene Griffe hatte (wegen der Nähe zu den Offizieren, kein Witz), aber selten bis nie und nur im absoluten Notfall genutzt wurde.
      Weiter berichtet er von einer kleinen Handpumpe, deren Rohr am Vorsteven ins Wasser führte, und die den Zweck hatte, die Klos zu spülen (und gelegentlich eine Pütz Seewasser zu zapfen).
      Zum Thema "Feuer löschen" berichtet er von einem Bronzekessel, der allerdings erst manuell zu befüllen war, und verwöhnt uns mit diesem Bild zeitgenössischen französischen Equipments (das aber bei weitem nicht Serienausstattung war):



      Also so Leid's mir tut, ich sehe keinen Anlass, meine Implacable anzubohren, nun interessiert es mich aber brennend, wo Du Deine Information her hast denk1

      LG Alex
    • Alex wrote:

      (...)
      Also so Leid's mir tut, ich sehe keinen Anlass, meine Implacable anzubohren, nun interessiert es mich aber brennend, wo Du Deine Information her hast denk1

      LG Alex
      Hallo Alex,

      eine beeindruckende und schlüssige Recherche hast Du da! daumen1
      Meine Information habe ich aus dem Baubericht von Daniel Fischer (»To VICTORY an beyond«) welcher in einigen Foren läuft. Und da der Mann jeden Nagel mit Vornamen kennt und sich seine immensen Erkenntnisse mit meinem Halbwissen decken, baue ich ihm viele Sachen gerne nach die mir plausibel sind. Hier der Screenshot mit dem entsprechenden Schritt:



      Es geht um die beiden seitlich versetzten Ulmenholzpumpen. Vielleicht hatten die Einrichtungen nur die großen Dreidecker? Die Pumpen zogen durch ein Sieb unter dem Schiff Wasser ein um es durch ein Rohr aus Ulmenholz als Waschwasser auf den Decks zu verwenden. Damit wurde u.a. die Ankertrosse nach dem Ankerlichten abgespritzt oder es wurde zum Deckschrubben benutzt. Im Naotfall kam das Wasser natürlich auch der Brandbekämpfung zugute. Die Bilge konnte damit nicht leergepumpt werden (oder liege ich falsch?).

      Wasser drang durch den Einlass und stand dann stets auf dem Schiff zur Verfügung. Irgendwie musste es ja ins Schiff kommen, die Einlässe unterm Schiff sind für mich nur logisch (sie funktionieren ähnlich wie ein »Bünn« bei Fischereifahrzeugen) Im Forum »Segelschiffmodellbau.com« läuft mein Baubericht zu meiner VICTORY. Dort wurde meine Bohr-Maßnahme jedenfalls als richtig bewertet (bzw. hat dort niemand das Detail in Frage gestellt)

      Deine ATOS-Zeichnungen kenne ich. Die Pumpenansätze ziehen das Wasser aus der Bilge? Einen Einlass aussenbords sehe ich dort jedenfalls nicht, da hast Du schon Recht. Sprechen wir denn von zwei Pumpensystemen? Was auf der VICTORY richtig ist, muß auf einen Franzosen natürlich nicht automatisch auch gelten.

      Ich schaue mal zuhause nach. Ich habe ein illustriertes Buch von Steven Beasty in dem – meine ich – der Pumpeinlass zu sehen ist.

      Es ist zwar »nur« ein Jugendbuch, muss sich in Detailfragen aber absolut vor nichts verstecken. Hier Cover und eine Beispiel-Doppelseite (ohne Pumpe!)



      Klasse, hier wird wieder richtig geforscht und gefachsimpelt! daumen1

      I like it! freu 2
    • Moin @KlabauterKlaus ...

      Tja, da haben wir doch mal eben im Vorbeigehen das Pumpenproblem in den Griff bekommen. Ich leg noch einen Lavery oben drauf, nämlich "Construction And Fitting Of An English Man O'War":



      Das nämliche Konstrukt ist diese ganz normal-billige Handpumpe, die so ziemlich in jedem Modellbaubogen zu sehen ist, den ich kenne. Der richtige Terminus ist "Elm-Tree-Pump". Und die diente tatsächlich zum Löschen, Waschen etc.

      Womit sich mir jetzt die Frage stellt, wie HMS Implacable bzw. eine "Téméraire" generell mit diesen Dingern bestückt war. Eine weitere Möglichkeit wäre nämlich das "Zisternen-System", das Boudriot kurz anspricht. Bei diesem System befände sich eine Zisterne ziemlich mittschiffs unterhalb der Wasserlinie, die aus 2 Leitungen an den Schiffsseiten befüllt wird:



      Tja ... also Löcher ja, durchaus, aber wo?

      Zumindest geht's ab morgen/übermorgen wieder weiter in der Werft - ich sagte ja, dieses Modell wird sich ziehen.

      LG Alex
    • Moin zusammen,

      ich hab mich heute entschlossen, doch mal wieder ein wenig Fleißarbeit auf HMS Implacable zu erledigen.
      Statt alle 30 Geschütze des Hauptdecks "in einem Rutsch" anzufertigen, entschied ich mich dafür, sie in 3 Chargen zu je 10 Geschützen zu machen und eine Charge jeweils erst komplett einzubauen, bevor es dann an die nächste geht.
      Komplett einbauen heißt in diesem Fall Geschütze, Brooktaue, Zurrings, Bedienung, dann noch Knie und Deckbalken.

      Heute habe ich zumindest 10 fertige Geschütze zu verzeichnen, das Innenschanzkleid ist im Bereich der vorderen 10 Pforten rot gepönt, ebenso wie die Gangspills, denen ich die selbe Farbe gegeben habe, bevor ich sie fest einbaute.
      Wie gesagt, reine Fleißarbeit.






      Meinem Ofen habe ich, wie Ihr seht, mit ein paar Steinfliesen eingefasst, die ich bei Wordsworth heruntergeladen und dann skaliert hab.
      Meine Hoffnung geht dahin, dass ich in nächster Zeit den Strippenkram in Angriff nehmen kann.

      LG Alex
    • Sieht klasse aus. Ich bin immer noch fasziniert, wie klein ihr in Papier bauen könnt. Mir ist 1/72 bei den Wagen und den kleinen Fässern schon fast zu klein.
      tschö1 Christian

      "Behandle jedes Bauteil, als ob es ein eigenes Modell ist; auf diese Weise wirst Du mehr Modelle an einem Tag als andere in ihrem Leben fertig stellen."
    • Ahoi Alex,

      wird Zeit, dass ich mich hier auch mal zu Wort melde. Ein tolles Projekt, an dem du hier arbeitest! Als ich in deinem ersten Posting "historischer Abriss" gelesen habe, hatte ich für einen kurzen Augenblick nicht auf dem Schirm, dass es NICHT um das Abreißen irgendwelcher Teile geht - abrissgeschädigt, wie ich bei meiner Mercury nun mal bin. grins 2
      Aber ein paar Beiträge weiter stimmte ja dann meine Welt wieder. happy1

      Auf jeden Fall viel Erfolg mit diesem schönen Schiff - ich bleibe hier auf jeden Fall in der ersten Reihe sitzen. Gern erinnere mich dabei daran zurück, wie ich vor knapp 10 Jahren im NMM vor diesem gewaltigen Heckspiegel stand. staun1

      Gruß,

      Bonden

      Im Bau: HMS Mercury
      Für eure Schnippel- und Klebepausen: www.karton-im-wind.de welcome1
    • Moin Klaus,

      in der Tat hab ich die Templates von der "Bellona" gemopst und skaliert, dann gerollt. Vorn noch ein Papierkringel drum und hinten hab ich ein Hütchen aus einem ausgestanzten Papierstück geformt (ein Viertel ausgeschnitten). Material ist normales Druckerpapier.
      Wichtig ist, dass man bei dem kleinen Maßstab nur die bedruckten Templates nimmt und ein schmales Stück Papier als Verbundstück nimmt; doppelt man das Papier, wie es vorgesehen ist, wird's zu steif.

      Ich mach bei der nächsten Rutsche Geschütze mal ein paar Bilder, bin momentan ein wenig zeitlos ...

      LG Alex