H.M.S. VICTORY - 1:350 - Maly Modelarz und noch mehr...

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    • H.M.S. VICTORY - 1:350 - Maly Modelarz und noch mehr...

      moin1 ,

      ein Baubericht über die VICTORY darf doch eigentlich in keinem Modellbauforum fehlen? Und der kommt hier nun ausgerechnet von mir, der jahrelang niemals auch nur in Erwägung gezogen hat, das schon zig.mal gesehene Schiff als Modell zu bauen!

      Aus verschiedenen Gründen habe ich vor drei Jahren dann aber doch Feuer gefangen und mich zunächst an einem Plastikbaukasten versucht. Ich habe versucht, die Revell-VICTORY in 1:220 durch Hinzufügung von Kartonteilen zu bauen. Das gefiel mir dann nicht mehr und ich habe den fertigen Rumpf an einen anderen Modellbauer weiteregegeben. Plastik ist nicht mein Material, und das Schiff wollte ich jetzt aber immer noch gerne bauen. Also dann doch aus papier und Karton. Da ich nicht bei Null anfangen wollte, habe ich mir als Basis den Bogen von Maly Modelarz in 1:200 gewünscht (und die GOLDENE SCHERE hat ihn mir gebracht!).

      Vorgestellt habe ich das gute Stück hier:

      Maly Modelarz 10-11-12/2005 HMS VICTORY


      »Man lernt das Matrosenleben nicht durch Übungen in einer Pfütze« (Franz Kafka)

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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Eigentlich baue ich meine Schiffe im Maßstab 1:250. Das wollte ich bei der VICTORY aber nicht. Da ich schon mal von HMV den kleinen Kreuzer S.M.S. DRESDEN in 1:350 gebaut habe, habe ich den Maßstab gewählt. Und da keins meiner Modelle ohne Bauplan auskommt, passten meine wesentlichen Unterlagen bequem auf A4 Blätter.



      Der Abgleich zwischen Plänen und Bogen ergab, dass der Bogen die Formen und Proportionen des Dreideckers gut wiedergab. Der Bogen ist ganz schön gemacht, für mich war er eine super Basis um mein Modell nach Plänen und Fotos zu erweitern. Die Bauteile in der Verkleinerung sahen dann so aus:



      Ich schreibe in der Vergangenheitsform da mein Modell seit gestern fertig ist! Für alle Interessierten möchte ich hier gerne rückblickend schreiben, wie es zu dem Schiff auf meinem Regal gekommen ist. So folgen nun peu á peu die wichtigsten Bauschritte in knapper Form.

      Fortsetzung folgt also!

      Viele Grüße,
      Klaus
      »Man lernt das Matrosenleben nicht durch Übungen in einer Pfütze« (Franz Kafka)

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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • hallo klaus,

      gene und mit relax sitz ich im erste reihe um dein werftbeicht zu sehen
      habe auch dem bogen deine victory aber .....glaube es ist "noch" eine nummer zu gross fuer mich.

      aber deswegen lehernen kan mann immer.

      gruesse und komplimente fuer deine auch vorige kontruktion.
      marco
    • Servus Klaus,

      finde ich super gut.

      KlabauterKlaus wrote:

      Und der kommt hier nun ausgerechnet von mir, der jahrelang niemals auch nur in Erwägung gezogen hat, das schon zig.mal gesehene Schiff als Modell zu bauen!
      Du motivierst mich doch noch die 1000ste Bismarck zu bauen.

      Man soll einfach bauen, was einem Spaß macht.

      cool1


      Grüße

      Jürgen
      Servus aus der Oberpfalz

      "Bass'd scho" (Lokale philosophische Grundregel)
    • Hallo Klaus,

      endlich zeigst du was von deinem "Geheimprojekt".

      Dann schonmal vorweg einen herzlichen Glückwunsch zur Fertigstellung! Eine Victory in 1:350 ist schon echt eine Ansage oh1
      Nach dem Rumpf der Temeraire war ich damals ganz froh, dass ich die Takelage nicht bauen musste - aber irgendwie reizt mich das auch noch. Eine Firstrate wird es zwar auf absehbare Zeit nicht geben, aber irgendwas größeres "gelbschwarzes" werde ich auch noch bauen!

      Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen auf das, was hier demnächst kommt!
      Viele Grüße
      Ludwig
    • Hallo Klaus,

      damit hast Du ja schon ganz schön lange still gehalten. Wie ist es, hast Du die Wanten geküpft? kratz1 lala1 happy1 Ich schätze, dass Du das in dem Maßstab sicher anders gelöst hast. So viele Konten und alle mt Webleinensteks kann ich mir garnicht vorstellen. Aber irgendwie könnte ich mir die Victory von Shipyard auch mal vorstellen. Wird aber nichts, da ich noch einiges an Segelschiffen und auch noch anderes hier liegen habe, wird es in meinem Alter wohl kein so zeitintensives Schiff mehr geben.

      Viele Grüße
      Fritz
    • Na, da ist ist ja wieder eine schöne Runde zusammengekommen knuddel1
      Es stimmt schon, man soll bauen was- und wie man es will. Bei meinem Revell-Versuch habe ich mich durch allzuviel Recherche selber ins Aus geschossen. Daher der Entschluss, die VICTORY zu bauen wie sie seit 1922 in Portsmouth im Trochendock liegt. Genauer der Zustand der 1960er Jahre. So schreibt es mein Buch aus der "Blauen Reihe" vom Delius-Klasing-Verlag vor:



      Für den Band habe ich damals, Anfang 1983, 27,50 DM vom Taschengeld abgedrückt. Nun freue ich mich das Buch noch zu besitzen und es endlich aktiv einsetzen zu können! Die im Buch enthaltenen Risse – gezeichnet von Wolfgang Hölzel – habe ich auf meinen Maßstab gebracht. Diese Risse sollen mir im Festlegen von Größen und Positionen von Details helfen. Der Buchinhalt ist eigentlich eine Bauanleitung für ein Airfix-Modell. In der deutschen-, damals in der DDR redigierten und im Westen herausgebrachten Ausgabe, wurden die Hinweise auf den Plastikbaukasten entfernt und durch Schritte für einen Bau nach Plan ersetzt. So ein bißchen eierig zu lesen ist das Ganze schon, ich bin dennoch froh den Band als Hilfe zu haben. Nach einigen Jahrzehnten kommt er jetzt endlich mal zum Zuge!

      Ich war übrigens als Zwölfjähriger so kühn, gleich mit den beigefügten 1:100-Plänen eine Modell bauen zu wollen. Ich kam natürlich nicht weit. Kann aber mitreden was es heißt, als Anfänger sich sofort auf einen ganz dicken Fisch zu stürzen... schwitz1
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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Angefangen habe ich .... hinten! Ich habe mir gedacht, am Anfang ist die Motivation hoch und mit viel Sorgfalt lassen sich jetzt Dinge bauen, die man später vielleicht nur noch so lala macht um einfach nur fertig zu werden. Und die Taktik hat funktioniert! Beim takeln hätte ich nämlich absolut keine Lust mehr gehabt, auch nach Boote zu bauen oder Rahen anzufertigen. Oder gar Anker ganz am Ende...So war alles schon da und konnte verbaut werden.

      Begonnen habe ich also mit den Marsen und Untermasten. Auf den Fotos seht Ihr mein Vorgehen: Die Bauteile vom Bogen als Basis genommen und selber ausgebaut (Also ein Profil um die Marse gezogen, die Trittlatten aufgesetzt und die Salinge darunter ausgebaut. Die vierkantigen Toppen sind wieder vom Bogen, auf Passende Holzspieße aufgeleimt und mit Revell-Aqua-Color bemalt. Ocker und Panzergrau (und dunkler Grauton).

      Die Rahen und Stengen haben alle einen Kern aus Federstahldraht welcher mit Papier umwickelt wurde. Die Rahen derart, dass die Vorbildgerechten Verdickungen entstanden.

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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • So kam dann ein Teil zum nächsten. Die Belohnung war dann der Rumpfbau für mich. Der Rumpf folgte, als die Plastikkiste mit Booten, Rahen, Spieren, Heckspiegel, Seitengalerien und so weiter gefüllt war. Wer schon mal einen Kreuzer oder ein Frachtschiff gebaut hat, wird über die Anzahl der Teile nur lächeln. Viel ist es nicht.

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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Ein weiterer Buchgrundstein war

      John McKay, The 100-gun ship VICTORY, Conway Maritime Press Ltd




      Was soll ich sagen? Den Band aus der Reihe »Anatomy of the ship« wird sicher vielen bekannt sein. Mehr als 300 technische Zeichnungen die das Schiff im heutigen, restaurierten Zustand präsentieren. Zum Verständnis des Schiffbaus und zur Abnahme von Details eine unverzichtbare Quelle. Auch hier habe ich mir die wichtigsten Zeichnungen auf Maßstab kopiert. Leider fehlt ein Segelplan und eine Zeichnung zum Kupferbeschlag des Unterwasserschiffs.
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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Also gut, das Arsenal an Bauteilen war gefüllt, die Belohnung kam mit dem Spantgerippe! freu1


      Das konnte ich nach der dünnen Bauanleitung rein aus dem skalierten Bogen machen. Ich muss dringend hinzufügen, dass ich den Bogen bei Slavomir gekauft habe und eine aus dem polnischen übersetzte Bauanleitung beilag! Die Anleitung habe ich auf jeden Fall benötigt. Trotz Bücher und Fotos undso!

      In die Grundplatte habe ich zwei Zahnstocher eingebaut. Darauf steht mein gestreifter Brummer nun. Damit sich nichts verzeiht, leigen beidseits zwei Federstahlstücke an.
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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Alle Kartonmodellbaupuristen sollten jetzt schnell wegschauen. Ich habe einen "gefüllten Augsburger" gebaut. Der Begriff ist bei einigen Holzmodellbauern schon ein fester Terminus. EinTop- Modellbauer aus Augsburg propagiert die Methode, die Spantenzwischenräume mit Holz - hier: Balsa - aufzufüllen. Das spart eine Unterbeplankung und bereitet nach dem Schleifen den Rumpf optimal zur Weiterverarbeitung vor.



      Es könnte jetzt auch ein misslungenes Fass werden...
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    • Hallo Klaus,

      der "gefüllte Augsburger" ist eine große Hilfe, die ich bei meiner Granado zum ersten Mal eingesetzt habe. Ich war mehr als zufrieden dabei, habe es aber leider bei der Towaritsch nicht mehr berücksichtigt. In Zukunfe werde ich bei Segelschiffen aber immer wieder zu solch einer Methode greifen, obwohl sie Zeit kostet, doch das Ergebnis belohnt einen dafür!

      Viele Grüße
      Fritz
    • Hallo Klaus

      Klar bin auch ich mit von der Partie, auch wenn ich der Meinung bin, dass es rein von der Optik her schönere Segler gibt.
      Aber Dein Vorhaben, bzw. dein gehabtes Vorhaben (Meine Kinder würden mir jetzt die Zeitform erklären...) finde ich sehr interessant!

      Beste Grüsse
      Peter
      Meine grösste Angst: Dass ich irgendwann erwachsen werde... happy 2

      Aus Leidenschaft: pierresuisse.ch
      Beruf und Hobby vereint: kamoga.ch
      Aus Freude: mein-modellbau.jimdo.com

      Meine versemmelten Werke
    • Die VICTORY war mal ein sehr schönes Schiff! Sie war bei beim Stapellauf 1765 eines der stärksten Kriegsschiffe weltweit. Der elegante Dreidecker war als schneller Segler bei vielen Admiralen beliebt. Wie alle militärischen Gebrauchsgegenstände wurde das Schiff in seiner extrem langen Dienstzeit immer wieder angepasst, modernisiert oder – vor allen nach geschlagenen Schlachten – repariert. Einen sehr schönen Überblick über die wechselvolle Geschichte gibt es hier, von Daniel Fischer geschrieben, zu lesen:

      modellmarine.de/index.php?opti…der-hms-victory&catid=364



      So sah das Schiff 1793 aus. Im zarten Alter von 23 Jahren. Unter anderen Unter anderen mit Lateinerrute am Kreuzmast, offenen Heckgalerien, tiefer liegenden Rüstbrettern und – hier nicht zu sehen – anderem Deckslayout.
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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Weiter im Report:
      Den Rumpf habe ich mit Acrylgel verspachtelt und mehrfach geschliffen. Ein Stück mittleres Batteriedeck, welches man später durch die offene Kuhl sehen kann, kam an seinen Platz.

      Spätestens jetzt wurde es Zeit für eine Grundsatzentscheidung. Nämlich die, die Geschützpforten geschlossen zu zeigen. Sollten sie offen sein, hätte ich im Rumpf die entsprechenden Ausschnitte berücksichtigen müssen. Lediglich die Bereiche der späteren, seitlichen Eingangspforten und die der offen Geschützpforten im oberen Batteriedeck mussten offen bleiben.

      Der 18cm lange und rund 4,5cm hohe Rumpf ruhte zum Trocknen auf zwei Garnrollen.


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    • Hier ist das obere Batteriedeck eingelegt und die Backbord-Bordwand zur Montage der 12-Pfünder Geschütze angeheftet. Die Geschütze stehen überall eingerannt. Ich finde, die Rumpfform kommt so schöner zur Geltung als wenn an einigen Stellen die Geschützrohre aus den Pforten herausragen.

      Um die Position der Kanonen zu finden, benötigte ich die Bordwand zunächst nur provisorisch befestigt.

      Der Sockel des Modells hat sich wieder geändert...

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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Das obere Batteriedeck ist ausgerüstet. Alle Kanonen getakelt, die Niedergänge zum darunter liegenden Deck aus- und eingebaut. Grätings mit Kugelracks eingelegt, die große Beting unter dem Großmast aufgestellt, undsoweiter... Jetzt kommt der Schritt, den wir doch alle lieben, schön den Deckel draufpacken damit keiner mehr etwas von der Arbeit darunter sieht... verlegen1

      Die Steuerbordbordwand liegt zur Montage bereit. So langsam kann man erkennen was es werden soll.

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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Ein weitere Vorteil vom Vorarbeiten aufwändiger Bauteile (oben beschrieben, die Masten, Boote, Kanonen, etc.) ist, dass die Schwelle zum Hinwerfen recht hoch liegt. Die geleistete Arbeit soll ja nicht umsonst sein.

      Der Rumpf hat seine Maly-Modelarz Unterwasserschiff Beplankung bekommen. Die Seitenwände sind dran, der kiel mit Galionsschg drunter. Zeit zum spachteln und schleifen. Immer wieder, bis der Rumpf eine gute Form und gleichmäßige Verläufe der gedachten Linien hat.

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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Moin Klaus,
      ich bin mal gespannt auf Dein Modell. Ich habe 1980 das Original in Portsmouth besichtigt. War beeindruckend. Wenn man überlegte, dass ca. 1000Leute an Bord waren, ist das schon irre, wie die dort untergebracht waren. Bis auf die Offiziere, die hatten Platz. Interessant ist auch, dass die Menschen damals wohl kleiner waren, wenn man die Höhe der Türen beachtet. Auch die Koje von Nelson ist recht klein.
      Gruß aus Flensburg
      Jochen
    • moin1 zusammen,

      einen Besuch auf der VICTORY plane ich für das nächste Jahr. Zum 50. Geburtstag möchte ich endlich gerne auf ihren Planken stehen und mir die Rübe an den Decksbalken stossen.

      Das Leben auf einem Kriegsschiff um 1800 kann für uns heute nur unvorstellbar hart gewesen sein. Die vielen Hundert Männer – und ganz vereinzelt wohl auch ab und zu Frauen – verrichteten ihren Dienst auf den engen, muffigen Decks und völlig ungesichert in der hohen Takelage. Man muss auch bedenken, was dort für ein Volk zusammenkam: Sträflinge, Tagelöhner, unfreiwillig zum Kriegsdienst gepresste Kneipgänger, Berufssoldaten und gepresste Handelsschiffmatrosen. Und das Leben in der Royal Navy war für die meisten immer noch weitaus besser, als in den Slums von London zu vegetrieren. Gab es zumindest regelmäßige Mahlzeiten, ärztliche Versorgung, Unterkunft und Kleidung und Sold. Die berühmten Rumrationen sind dabei bloß nicht zu vergessen! Wobei wir heute jene »Mahlzeiten« im Traum nicht anrühren würden und »ärztliche Versorgung« bedeutete oft, dass irgendein halbgarer Feldscher flott mit der Knochensäge dabei war. Auch die Offiziere hatten sich diesen Umständen zu beugen. Würmer und Schimmel im Brot nahmen auch damals keine Rücksicht auf Rang und Stellung des Essers.

      Ein ausgebildeter und erfahrener Seemann war jedoch wertvoll. So achtlos und geringschätzend, wie man vielleicht oft meint, wurde nicht mit dem Personal umgegangen. Personal war immer knapp, gutes obendrein. Meutereien waren um 1800 herum sogar recht häufig. Berühmt ist jene auf der BOUNTY, zur selben Zeit waren Aufstände und Arbeitsniederlegungen in der britischen Kanalflotte jedoch ein ernsthaftes Thema. Nur durch zähneknirschende Zugeständnisse der Admiralität an die Seemänner konnte der Marinedienst aufrecht gehalten werden.
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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Ahoi Klaus und Moin zusammen,
      na da drängel ich mich doch mal gern in die erste Reihe frech 1 . Die Victory...und dann in diesem kleinen Maßstab. Da bin ich doch gespannt wie ein Flitzebogen. Der Rumpf sieht schon mal genial aus, und die "kleinteilekiste" lässt Großes...äh... erwarten...
      Ich war zuletzt vor 4 Jahren an Deck im historic dockyard und seitdem lässt (aber auch eigentlich schon seit den ersten Hornblower-Romanen, die ich mit 12 entdeckt habe) mich das Thema nicht mehr los. Und ganz persönlich hoffe ich, dass mich die Inspiration durch das, was du hier zeigen wirst, wieder dazu bringt, endlich die letzten drei Kanonenröhrchen der Bellona zu rollen und auch weiterzukommen rotwerd1 ...
      Liebe Grüße
      Nat
    • Hallo Klaus,

      schön wieder von dir zu lesen.

      Vor vielen Jahren habe ich anlässlich eines Besuches in Portsmouth versucht,

      mir auf der Victory NICHT den Kopf zu stoßen...

      Die Mary Rose stand damals noch "unter der Dusche".

      Den "gefüllten Augsburger" (was für ein geiler Ausdruck!) gibt es auch bei den Fliegern, z.B. hier und der folgenden Seite.

      Viel Spaß Joachim.
    • Weiter geht's im Fortsetzungsroman. Heute: Die Kupferung

      Soweit ich weiß, ist die VICTORY in Portsmouth ihre Kupferplatten am Unterwasserschiff los. Wann und warum das geschah weiß ich nicht. Ich kann mir aber vorstellen, dass zur besseren Pflege und Lüftung des Rumpfes die Kupferhaut entfernt wurde.

      1780 wurde das aktive Schiff jedenfalls zum Schutz vor Muschel- und Algenbewuchs gekupfert. Eine sehr kostspieliges, aber effektives Unternehmen. Klar, der Unterhalt eines First-raters brachte einen Staatshaushalt ohnehin schon zum bersten. Daher wurden die Schiffe auch nur so lange wie nötig in Dienst gehalten. Und so ein Wert verdient natürlich, mit Kupfer geschützt zu werden.

      Beim Modell musste jetzt wieder eine Entscheidung her: Nicht kupfern wie beim Schiff in Portsmouth? Kupfern und den Zuestand des Museumsschiffs nicht treffen? Soll das Kupfer dann aussehen wie auf Kirchendächern oder wie bei Schiffen die lange im Salzwasser lagen? Also einfach gesagt: Das UWS braun oder grün?

      Ich habe also gekupfert und das Material versucht so zu zeigen, wie auf Kirchendächern zu sehen. Mein Schiff sieht also aus, wie gerade erst beschlagen. Bei Ludwig @Gnost habe ich mir einiges abgeguckt. Zunächst habe ich mir im Rechner passende Streifen auf hellgrünen Fond ausgedruckt. Dieses Streifen habe ich, mehr oder weniger den gekupferten Gängen der Originalschiffe folgend, auf meinen geschliffenen Rumpf geleimt. Eine meditative Fummelarbeit...

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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Und dann wurde es künstlerisch. Mit Aquarellfarbe, Acrylfarbe (Kupferton), Kreide und Bleistiftabrieb habe ich versucht, auf dem grün-blauen Grundton eine unregelmäßige Kupferfarbe aufzutragen die aus der Ferne aber wiederum regelmäßig aussieht.

      Von mal zu mal veränderte der Rumpf seine Farbe weil ich immer wieder daran ging... Irgendwann fand ich, dass das Ergebnis ganz gut passt.

      Auf dem Foto ist zu sehen, dass auch schon das Überwasserschiff seinen charakteristischen Anstrich bekommen hat.



      In Höhe des Großmastes kamen beidseits von unten noch zwei Bohrungen für die Ausgänge der Ulmenholzpumpfen in den Rumpf (mit den Pumpen wurde Seewasser zum Deckwaschen angesaugt). Und unter den kiel habe ich mit einem Streifen Tonpapier noch den Loskiel dargestellt. Wieder Details, die man später nur noch sieht wenn man sie sucht...
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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Hallo Klaus,

      mir ist zwar bekannt, dass Du Graphiker bist, doch dass ist einfach klasse1 ! Allein die Idee in mahreren Schichten diese unterschidlichen Farben aufzutragen, kann ich nur bewundern. Schon die Färbung des ersten Bildes hat mich fast vom Hocker gerissen. Ich schätze, dass ich, wenn ich eine so geniale Färbung hinbekommen hätte, schon in den höchsten Ebenen gejubelt und das so gelassen. Doch das Endbild gefällt mir ebenso! cool1 beifall 1 beifall 1

      Viele Grüße
      Fritz
    • Jetzt gibt es wieder einen Sprung im Zeitraffer. Der Rumpf ist soweit fertig und geschlossen. Achtern fehlt noch das Poopdeck. Die Barkhölzer sind aufgebracht, die Stückpfortendeckel aufgeklebt, Seitengalerien und der Heckspiegel sind am Platz.

      Aus der Kuhl ragen seitlich die Großhalsen heraus. Die Taue müssen vorm Verschließen des Rumpfes eingefädelt werden, da man später nicht mehr an die Belegunkte im Rumpfinneren heran kommt.





      Es gibt schönere Hecks als den "Glaspalast" der VICTORY. Die klassizistische Ausgestaltung hat aber auch seinen Reiz. Ich darf sagen, dass die Maly-Modelarz Teile gut gegasst haben. Soweit ich das mit Skalierung und Scratchbau bewerten kann. Wer genau hinsieht, sieht unter dem Heckabschluss, der "Gillung", ein paar Knicke. Die hätte man vorab vielleicht durch anpassen der darunterliegenden Spanten verhindern können.
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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Also, die Kupferung war nicht einfach. Ich habe den Rumpf einige Male wieder abgeschliffen und neu beplankt. Es sind solche Sachen, in die ich mich gut hineinsteigern kann und dann nur schwer ein Ende finde. Das kennen sicher die meisten hier, man schaut wie durch ein Zoom ständig auf die eine- oder andere Macke oder unebene Stelle...
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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Hallo Klaus,

      das ist ein rundherum tolles Ergebnis! Habe gestern mal nachgemessen - etwa so groß ist meine Zeven Provincien auch!

      Die geschlossenen Stückpforten ersparen jede Menge Arbeit und der Rumpf kommt besser zur Geltung, da hast du recht!
      Allerdings sieht es mit ausgefahrenen Stücken schon auch super aus...

      Was die Kupferung angeht, war ich bisher eigentlich überrascht, wie einfach das in dem kleinen Maßstab umzusetzen ist. Wenn man die Plattentextur einmal hat, muss man "nur" Streifen schneiden und in den richtigen Bahnverläufen aufkleben. Wichtig ist halt, dass man die Farbe nicht zu dick aufträgt und die gedruckte Plattentextur noch durchscheint, sonst sieht es am Ende nach "Kupferplanken" aus.
      Ich hatte damals überlegt, die Platten alle einzeln aufzukleben, aber das ist völlig überflüssige Arbeit und führt wohl eher zu ungleichmäßigeren Plattengängen..

      Viele Grüße
      Ludwig
    • Mannomammn: ich möchte mich mal herzlich für Euer Interesse und die vielen Likes bedanken verlegen1
      Ich möchte versuchen, im Rückblick recht straff zu erzählen wie ich zu meinem VICTORY-Modell kam und hoffe, einige Tipps und Hinweise für Nachbauer geben zu können. So richtig nach Bogen ist das Modell ja nicht gemacht, ich finde aber schon, dass aus dem Maly-Modelarz Angebot etwas zu machen ist. Näheres dazu steht in der Eingangs erwähnten Bogenvorstellung.

      Vorbild für meine Modelldarstellung mit den geschlossenen Stückporten und iengerannten geschützen war das Longridge-Modell im Londoner Science-Museum:

      diomedia.com/stock-photo-hms-v…on-1805-image5552906.html
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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • Den Rumpf auszurüsten hat richtig Spaß gebracht! Wenn man wieder den Vergleich zu einem Kreuzer ooder Stückgutfrachter macht, ist an Deck nicht viel los. Die Dinge die zu machen sind, haben es aber in sich und sind nicht nur fummelig, sondern auch zahlreich. So zum Beispiel die Knechte rings um das Backdeck und vor der Großluke, der Glockengalgen, die Niedergänge und das doppelte Ruderrad.

      Die Finknetzkästen habe ich geschlossen ausgebildet. Das ist wieder eine Abweichung vom Museumsschiff in Portsmouth wo die Kästen offen sind. Zum einen lassen sich zu die Dinger einfacher bauen, zum anderen betonen die hellgrauen Kästen ganz schön die Decksformen und bringen eine andere Farbe ins Modell. Die Kästen haben einen Kern aus Graupappe der mit der gedruckten Netzstruktur aus dem skalierten Bogen beklebt ist. Darüber liegt Seidenpapier aus dem Schuhkarton, ganz dünn und lasierend mit Farbe bemalt. Die Netzstruktur schimmert sogar noch etwas durch.

      Die Kästen bestehen im Original aus u-förnigen Bügeln in die Netze eingelegt sind. Darin wurden die gezurrten Hängematten der Seemänner verstaut. Vor Wind und Wetter waren die Kästen mit geteertem Segeltuch geschützt. Die Abdeckungen hätten anstatt hellgrau auch ocker oder dunklegrau sein können. Zu Nelsons Zeiten wurden auf die Abdeckungen sogar noch Stückpforten gemalt damit der Feind noch mehr Respekt bekam (1798 hatte vor Abukir die H.M.S. MAJESTIC sowas).

      Der Rumpf ist auch wieder umgezogen. Auf ein Holzbrett mit Falz und Stapelklötzen. Die Stapelklötze sind noch nicht final, ich habe sie später noch verfeinern können.

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      Klaus baut kleine Schiffe:
    • airgoon wrote:

      Du sag mal, die Fenster am Hechspiegel - hast du die ausgestochen...?!?!?
      Ja. Die Fenster sind ausgeschnitten und von hinten mit Brieffensterfolie beklebt. Dahinter liegen die Sprossen aus bemalten und geleimten Serafillgarn. Die Fenster der Seitengalerien und die äusseren Fenster des Spiegels sind immer noch durchsichtig wärend die mittigen Fenster im Beriech des Rumpfes eine Unterlegung aus dunklem, sehr feinem Schleifpapier haben. Das Schleifpapier schluckt Licht und gibt Tiefe.

      Die Geländerstützen sind übrigens mit verdünntem Leim nachgezogen und mit dem flach geführtem Pinsel bemalt. Die Zwischenräume habe ich mit einen spitzen, sehr wichen Bleistift nachgezogen. Alle Elemente des Spiegels habe ich so gemacht damit sie etwas Plastizität bekommen. Die blauen Kasettenteile auf den Stegen der Fenster sind kleine, bemalte Papierstücke.

      Eine einfache Technik, sie könnte aus Deinen legendären "Faulen Tricks" stammen zwinker2

      Die Seitengalerien passten übrigens super! Sie sind halbrung und schließen hinten mit dem Spiegel ab und vorn mit der gerundeten Bordwand. Schaut Euch mal daraufhin VICTORY-Modelle (aus Holz) an. Oft sind die Teile einfach flach aufgestzt und verderben das harmonische Bild in diesem Bereich.
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