Die ersten Panzer der Moderne: K-Wagen

  • In Fortsetzung meiner Serie „Die ersten Panzer der Moderne – Serie Erster Weltkrieg“ nun also zum nächsten Baubericht: Der zehnte und letzte Panzer ist der deutsche K-Wagen. Das Modell ist wie so oft in diesem Metier ein polnisches, in diesem Fall mein erstes von ORLIK, ebenfalls in meinem „Sammlermaßstab“ 1:25. Gemeinsam bestellt beim Kartonmodellshop mit einem gewaltigen Lasercut-Satz – ein „echtes Pfund“ wäre glatt untertrieben! ;-)))


    Es fällt auf, dass dieser „Spantensatz“ keinerlei Kettenglieder enthält und es auch einen zumeist üblichen „Kettensatz“ nicht gibt und auch von ORLIK nicht geben wird, wie Slawomir Wojcik vom Kartonmodellshop freundlicherweise dort erfragt hat. Man ahnt bereits, was hier auf den „Bauherren“ und seine Nerven zukommt, wenn es an die Ketten geht!


    Dafür ist dieser pfundschwere Spantensatz offenbar eher etwas für Puzzle-Freunde, die zufällig noch Kartonmodelle bauen: Nahezu sämtliche Teile sind in x-facher Anzahl im Paket, mal mit einigen Markierungslinien, zumeist aber ohne. Eine Nummerierung gemäß Baubogen gibt es überhaupt nicht, was erhebliche Konsequenzen hat, wie wir noch sehen werden. Außerdem fällt auf, dass die Schlitze in den Bauteilen zumeist deutlich breiter sind als die Dicke der einzufügenden Teile – auch dazu später mehr!



    Die wie üblich polnische Bauanleitung ist überraschend kurz und sehr schnell wie gewohnt gescannt und mit Google gut verständlich ins Deutsche übersetzt. Ebenfalls überraschend, dass lediglich zwei Seiten mit 3D-Skizzen als Erläuterung vorhanden sind, wird das wirklich so einfach sein?




    Nachdem schon einige kommende Probleme kurz angedeutet wurden, werfen wir nun einen weiteren Blick in den Baubogen und kommen damit zum ersten Problem, das ich hier ausführlich ansprechen möchte und mich in Kürze zu einem Baustopp bis zur Klärung führen wird.


    Man blättert den Bogen durch und stößt auf grelle „Tarnfarben“, die eher für den Setzkasten geeignet scheinen als für mein späteres Modell: Dieser „Buntfarbenanstrich“ wie er später bei der Reichswehr und der frühen Wehrmacht bei Beginn von WK II üblich war, ist in ähnlicher Form beim anderen Weltkriegsende-Prototyp LKII zu sehen, der im Panzermuseum Munster steht.



    Da bekannt ist, dass lediglich ein einziger K-Wagen nahezu fertiggestellt und offenbar auf Anordnung der Alliierten noch im Werk demontiert wurde, erscheint die Farbgebung des Modells unrealistisch.


    Wie Slawomir Wojcik ebenfalls bei ORLIK erfragte, wurde die Bemalung des Panzers von einem Plastikmodell und von Abbildungen auf russischen Internetseiten übernommen. Wie vermutet ist diese Gestaltung also auf keinerlei fundierte Recherchen gestützt und somit für meine aktuelle Sammlung nicht zu verwenden.


    Außerdem kann ich dieses Modell ebenfalls nicht so einschmutzen wie meine anderen „echten“ Teilnehmer am WKI oder die zumindest in etlichen Exemplaren gebauten und gefahrenen beiden anderen „Kriegsende-Monster“ (siehe obigen Beitrag).


    Nach dem weiteren Bau bis zur Außengestaltung muss ich deshalb erst einmal unterbrechen, bis hierzu eine Klärung und Entscheidung über die Art und Weise des Weiterbaus erfolgt ist. In diesem Fall also die erste Frage und Bitte an die interessierten „Panzerexperten“ in diesem Forum: Habt ihr irgendeine Kenntnis von einem Foto des originalen K-Wagens außerhalb der Fabrik, so wie er auf folgendem Bild zu sehen ist? Für jeden entsprechenden Hinweis bin ich dankbar, auch auf russischen Webseiten konnte bisher nichts gefunden werden:



    Nun aber zum weiteren Bau wie möglich ohne diese Infos!


    Ich komme zurück zum nicht gerade erfreulichen Spantensatz: Das Puzzle hier besteht darin, aus x-fach identischen oder fast identischen die richtigen Teile herauszufinden, indem man nach denjenigen sucht, die Markierungen wie im Baubogen zeigen: Ein echtes Geduldsspiel, da leider keinerlei Nummerierung entsprechend dem Baubogen wie bei anderen Verlagen üblich spendiert wurde – wäre wohl zu einfach gewesen! ;-((


    Da Spanten in der Länge von fast 50 cm erforderlich sind und diese die Breite des Bausatzes überschreitet, muss man außerdem jeden Spant aus zwei Teilen fertigen und diese mit eigenen Verbindungsstücken zusammenkleben – ebenfalls ganz schön aufwändig!



  • Der Spantensatz wird zum Ärgernis: Die viel zu breiten Schlitze führen dazu, dass man für ein stabiles Kartongerüst eine Vielzahl eigener Eckwinkel einbauen muss, damit das Ganze überhaupt zusammenhält bei der Verklebung!



    Mit ungewohntem Aufwand für ein Lasercut-Spantengerüst geht es weiter: Wenigstens kann man dabei endlich mal wieder mit UHU rumsauen, was ja ansonsten nie in Frage kommt (zumindest bei mir, der längst was anderes machen würde, wenn es kein Kittifix oder meinen fast noch besseren Architektenklebstoff gäbe! ;-))




    Ebenso aufwändig geht es weiter mit den überbreiten Seitenteilen des K-Wagens, wobei wieder die Längsspanten aus 2 Teilen zusammengesetzt werden müssen sowie zusätzliche Ecken für den stabilen Aufbau erforderlich sind.



    Nachdem die Seitenteile für die Kasematten und die Kettenführung zusammen gepuzzled sind, heißt es zunächst mal zu überlegen, wie es weitergeht …


  • Ich bin jetzt bevor es zur Fertigstellung des gesamten Außengerüstes kommt bereits an meinem ersten Problem angelangt: Schon nach diesem Bauabschnitt ist man gezwungen, die Kanonen einzubauen, bevor es weitergehen kann. Und die haben bereits – die wohl falsche Farbgebung, denn schon jetzt muss man die farbigen Teile des Baubogens verwenden.


    Also an dieser Stelle ist also erstmal Feierabend! ;-((



    Was kann ich tun bis zur Klärung der Außengestaltung? Na klar, meiner Lieblingsbeschäftigung schon mal nachgehen, der „hochgradig-manuellen“ Kettenfertigung! Schön alles auf die massenhaft vorhandenen Kartonreste kleben und liebevoll ausschneiden. Jedes einzelne Kettenglied besteht aus 9 (!) Einzelteilen. Für den „Verbindungsdraht“ mit der richtigen Stärke zwischen den Gliedern hatte ich gerade nur goldenen (was sonst?), aber was soll´s: Auch der wird ja später wieder mitgestrichen!! ;-)))



    Was die netten ORLIKs wohl nicht erwähnen wollten, um die wahren Puzzle- und Scherenfreunde nicht zu verprellen: Die beiden Stege jedes Kettengliedes kann man zum Glück aus den unzähligen Kartonresten ganz einfach zurechtschneiden,da es hier auch Stücke mit genau der richtigen Breite gibt! Haben die vielleicht deshalb auf einen Lasercut-Kettensatz verzichtet, weil sie auf die pfiffigen ORLIK-Fans setzten?? ;-))



    Nun, ich werde jetzt also erst einmal in Ruhe so ein paar Hundert Teile oder so basteln und dabei weiter über die Außengestaltung nachdenken. Bis dahin wartet das Teil so wie hier auf den Weiterbau.



    Und wie gesagt: Ich freue mich über jede Info zum tatsächlichen Aussehen des einzigen „fertiggestellten“ K-Wagens!! Möglichweise hat er ja sogar die Fabrik einmal kurz verlassen für ein Hin- und Herrollen davor … aber sicherlich nicht mit dem Fantasieanstrich dieses Modells, vermutlich noch in einem schönen metallgrau …!??

  • Ein interessantes Projekt - denke aber mal so wie Du, dass die Farbgebung nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss ist bei diesem Modell.


    Ein einfaches Grau (so wie in Wiki angedeutet) käme dem Panzer als Prototyp sicherlich deutlich näher als die Tarnmusterung auf dem Bogen. Bilder vom Original werden wohl ziemlich rar sein...


    Servus
    hvt

  • Hallo Hagen,


    danke für deine Meinung zum Problem!.Zum Glück habe ich ja meine "Russisch-Expertin", die schon in Sachen Schneider CA1 bei den Russen erfolgreich war. Aber auch die hat schlicht gar nix dazu gefunden. Bin aber auch der Meinung, dass das Fabrikgrau richtig wäre.


    Allerdings ist das aber auch nicht so richtig leicht umzusetzen: Soll ich da etwa Airbrushen? Geht aber nicht so einfach, da die Kanten mit den Nietenmarkierung erhalten bleiben müssen - die kann ich nicht auf allen - zuerst ausgeschnittenen Teilen des Bogens - dann vollständig einsprühen. Und tupfen mit Farbe? Heftiges Nachdenken war bisher schon angesagt. Aber leider bis heute recht erfolglos! heul2


    Dehalb gilt: Her mit guten Ideen! ;-))


    Bis bald wieder!
    Grüße Jürgen

  • Kleines Update: Mittlerweile wurde ein zweiter Baubogen dieses K-Wagens zum Experimentieren bestellt und ist angekommen.


    Sollte sich auch aus der Diskussion mit Slawomir über einen neuen Lasercut-Nietensatz etwas ergeben (siehe dazu Bericht zum CHAR 2C), könnte man vielleicht wie folgt vorgehen: Sämtliche "Falschfarbenteile" ausschneiden und mit Lasercut-Nieten an den richtigen Stellen ausstatten, und anschließend in der "richtigen" Farbe airbrushen. Ein gezieltes stellenweises "Nachfärben" bzw. "Fabrik-Geringverschmutzen" wäre danach auch an den richtigen Stellen möglich.


    Wäre allerdings natürlich ein extrem aufwändiges Verfahren!
    Vielleicht aber auch ein besseres / einfacheres / anderes Verfahren sinnvoll?


    Auf jeden Fall aber kein "Setzkasten-Fantasiemodell"! ach1

  • Hallo Jürgen,


    da hast Du recht - bei dem einfachen Graumalen gingen viele Details verloren...


    Aber nach einigem Nachdenken frage ich mich, warum nicht so bauen, wie er ist? So nach dem Motto "Was wäre gewesen, wenn?" denk1
    Wenn der K-Wagen frontreif geworden wäre, hätte man ihn sicherlich entsprechend bemalt - und die vom Verlag vorgegebene Farbvariante ist jetzt nicht unbedingt unwahrscheinlich, meine ich.


    In einem meiner Büchlein ("Deutsche Kampfwagen im 1. Weltkrieg" vom Podzun-Pallas Verlag) sind beispielsweise 2 A7V-Kampfwagen aus dem Oktober 1918 mit eben dieser Farbgebung Ocker/Grün/Rotbraun dargestellt. Auch auf einigen Schwarz-Weiß-Fotos in diesem Heft sind A7V-Wagen erkennbar, die offenbar mit einer "wilden" Bemalung versehen waren.


    Also so ganz von der Hand zu weisen ist die vom Verlag gewählte Bemalung jetzt nicht - schließlich lässt ja auch das "Was wäre wenn?" viele Optionen offen...


    Servus
    hvt

  • Hallo Jürgen,
    Nieten könnte man durch Leimtropfen darstellen. Dann wäre die graue Lackierung wohl möglich.Ansonsten hat die von Hagen vorgeschlagene Lösung durchaus ihren Reiz.
    LG
    Kurt

    32907-die-kartonmodellbauer-signatur-1-jpg
    Meine Untaten


    Der König sei der bess're Mann

    Sonst sei der bess're König!

    ( Matthias Claudius)

  • Hi Jürgen,
    bei einem Panzer darf ich nicht fehlen, vor allem, wenn es sich um so einen interessanten Vertreter dieser Gattung handelt. Die Probleme mit dem Spantensatz sind schon sehr ärgerlich, gerade, weil es den ja nicht umsonst gibt. Zur Farbwahl kann ich dir nichts raten, das Tarnmuster
    des Bogens begeistert mich nicht so sehr. kratz1
    ich bin gespannt wie es weitergeht.
    Viele Grüße
    Gerd

  • Hallo liebe "Mitdenker",


    danke für eure Ideen und Anregungen!


    @Hagen von Tronje
    Mit deiner Überlegung "Was wäre gewesen, wenn?" hast du einen Punkt getroffen, über den ich auch nachgedacht habe. Und das mit der Farbgebung von A7V-Panzern stimmt sicherlich auch. Außerdem sieht ja mein eigener A7V farblich auch nicht so ganz anders aus ... aber so einer ist halt tatsächlich rumgefahren!
    Ich werde noch ein wenig weiter überlegen, aber vielleicht mache ich dann doch auch etwas mit dem Originalbogen - wäre auch erheblich weniger aufwändig. Also sehen wir mal. Vielleicht lässt sich ja auch dabei die Farbgebung etwas abschwächen so wie bisher überall.


    @Kurt
    Das mit den Leimtröpfchen wälze ich auch schon seit einiger Zeit, traue aber dem Ganzen noch nicht so recht, wenn ich mir so meine bisherigen "Nieten" anschaue. Grillo sprach das ja auch schon mal an und zeigte ganz passable Ergebnisse. Aber seitdem er angekündigt hat, das bei seinem aktuellen Panzer mal zu versuchen, hat man nichts mehr von ihm gehört. Ich hoffe, es hat nicht damit zu tun! kratz1


    @Gerd
    Das mit dem Spantensatz ist wirklich ärgerlich, ich habe jetzt noch ein Kilo Pappe rumliegen mit lauter identischen Teilen. Dafür darf ich jetzt 100 Kettenglieder manuell basteln. Die Ungenauigkeit der Schlitze hat viel Aufwand erzeugt und jetzt die Farbgebung? Ich hoffe nur, dass ich am Ende bei dem 10. Panzer nicht sagen muss: Von Orlik habe ich gleich dreimal ein Modell gebaut: Das erste Mal, das letzte Mal und nie mehr wieder! zwinker2


    Grüße Jürgen!

  • Ciao Jürgen


    Verfolge deinen Bericht als Panzerbegeisterter natürlich auch! Also ich würde mich da der "was wäre wenn..." - Fraktion anschliessen. Da der K-Wagen nie lackiert die Werkshallen verliess, ist jede Spekulation über die Farbe die Richtige. Kommt immer auf die Betrachtungsweise an.
    Wegen den Nieten: Kann dich beruhigen. Meine Leimtröpfchen-Methode hat funktioniert. Braucht zwar noch etwas Übung - nicht alle wurden perfekt - aber die Methode hat mich überzeugt. Da du bestimmt der geübtere Kartonist wie ich bist, wird dein Nietenresultat bestimmt noch überzeugender als meines.
    Stelle jetzt gleich bei meinem Baubericht noch ein Foto rein.


    Gruss, Mario

  • Ein kleiner Zwischenbericht, damit niemand auf die Idee kommt, das Projekt „K-Wagen“ wurde still und heimlich beerdigt (hinterher fliegt man noch irrtümlich raus bei der Forums-Neugestaltung! ;-)))


    Nein, nach wie vor sind die Bauarbeiten am 10. und (vermutlich) letzten Panzer dieser Serie weitgehend unterbrochen, nachdem die Vorgänger eigentlich alle immer ziemlich zügig bearbeitet wurden.


    Leider ist dieses Modell aber wirklich ein harter Brocken, denn nach wie vor konnte ich mich immer noch nicht entschließen, dem sicherlich gut gemeinten Rat der „Was-wäre-Wenn-Version“ zu folgen und das Teil so zu bauen wie Orlik das vorsieht. Bisher gibt es in der Serie eben noch keine "Star-Wars"-Fantasy-Modelle! happy 2


    Mehr denn je bin ich stattdessen der Meinung, ich müsste es so oder ähnlich bauen wie auf dem Bild unten links, denn weit wird das erste (nahezu) fertige Exemplare wohl kaum aus seiner Fabrik herausgekommen sein, falls überhaupt. Vom Anstrich ganz zu schweigen!


    Nach wie vor sind leider auch keine weiteren Bildquellen über das Original zu finden, von jeder Menge Fantasiebildern mal abgesehen. Und das selbst im russischen Panzer-Internet-Universum!!

    Also sieht das Gebilde derzeit immer noch so aus wie auf dem Bild oben rechts und wird auf keinen Fall verschrottet!


    Für eine andere Farbgestaltung wird noch viel auszuprobieren sein, der zweite Bausatz liegt bereit dafür. Ohne die vorherige Darstellung von Linien auf dem Modell, die die Umfärbung überstehen sind vor allem Nieten erforderlich, die diesmal deshalb vorher angebracht werden müssen – Nieten, das bislang auch noch nicht wirklich gelöste Problem, da Leimtröpfchen für mich nach wie vor auch nicht in Frage kommen.


    In diesem Zusammenhang habe ich aber gute Nachrichten von Slawomir vom Kartonmodellshop erhalten, die aber wie vereinbart hier erst später ein Thema sein sollen.


    Bis dahin konnte man also erst einmal relativ unabhängig von all diesen Fragen weiter an den rund 100 Kettengliedern puzzeln, die mittlerweile fertiggestellt sind. Aufgrund der Formung und der Art dieser Kettenglieder mussten leider viel mehr als beim Char 2C einzeln bleiben und auch so angestrichen werden – größere vorgefertigte Bauteile konnten bis auf ein paar Sechsergruppen, die alle auf der Unterseite des Panzers angebracht werden sollen, leider nicht erstellt werden.


    So sehen die Teile deshalb vor und nach dem Anstrich aus wie unten auf den Bildern zu sehen. Ein ganz wenig Dreck darf ja so auch ein fabrikneues Exemplar mal an sich haben - vielleicht sind die ja doch mal damit rausgerollt auf den schmutzigen Vorplatz - und ansonsten gilt ja für das einmalige Rausrollen: Was wäre wenn!




    Ich hoffe, dass in den nächsten Tagen endlich die Entscheidung fällt, wie es weitergeht. Mal sehen, was sich dazu in Kürze ergibt!

  • Mittlerweile ist einige Zeit ins Land gegangen mit vielen Überlegungen zu einem Modell, das mehr oder weniger ein Phantom zeigt: Ein oder zwei Bilder eines unfertigen Panzers in der Fabrik scheinen lediglich die einzigen zu sein, die heutzutage im Umlauf sind. Infos dazu, dass einer der beiden Panzer im Bau so gut wie fertig war und dass die Alliierten bei Kriegsende nach Besichtigung des Monsters dessen sofortige Verschrottung anordneten – kein Test dieses Fahrzeuges sollte offenbar noch erlaubt oder gar bekannt werden …


    Zu dieser diffusen Geschichte passt die Gestaltung des Orlik-Modells: Eine schrille Tarnbemalung, die laut Erkundigungen von Slawomir Wojcik (kartonmodellshop.de) bei Orlik bereits existierenden Plastikmodellen nachempfunden sein soll und an einen deutschen Panzer wie den A7V in unserer Sammlung erinnert. Dazu ein Modell, das auf derart unklaren Vorgaben beruht, dass man offenbar diesem z.B. nicht mal Einstiegsluken der Besatzung spendieren konnte – weiß heutzutage niemand mehr, wo die eigentlich waren?


    Was ist mit einem solchen Modell zu tun? Ihm die scheußliche Gestaltung des Verlags belassen und eine „Was wäre wenn“-Überlegung anstellen wie hier im Forum z.T. geraten wurde? Danke für das Mitdenken in diesem Fall, aber leider dann doch für mich nicht machbar neben den anderen insgesamt 9 Modellen der Serie, die inzwischen fertig sind und sich an der Realität orientieren. Was also tun, das Modell so fertigstellen und sich später über ein „StarWars“-Teil ärgern? Nein!


    Plötzlich tauchte doch noch eine Erzählung auf, die sich genauer mit dem Schicksal des K-Wagens befasste und tatsächlich mehr Material zu diesem Panzer lieferte: flüstern1


    „Er war im Endstadium tatsächlich so gut wie fertig, trug die Nummer 2 der beiden Prototypen und die Bezeichnung „Thor“. Bei der letzten Erprobung war er in der Fabrik noch dunkelgrau wie bei der Fertigung mit einer Ausnahme: Zur ersten Präsentation vor der Obersten Heeresleitung (OHL) sollte er schon etwas attraktiver gestaltet werden, so dass man sich im Werk entschloss, zumindest die beiden Kasematten, die auf jeder Seite insgesamt 4 Geschütztürme trugen, bereits mit der späteren Tarnbemalung auszustatten. Sowohl Geschütze als auch MGs des monströsen Panzers sollten dagegen noch fabrikgrau bleiben wie bei den ersten Tests. Weitere Farbtupfer würden lediglich die rötlichmetallene Auspuffanlage auf der Oberseite des Fahrzeugs bilden.


    Es sollte nicht mehr viel Zeit nach der Besichtigung des nahezu fertigen Prototyps vergehen: Schon bald darauf erreichte die Meldung vom Kriegsende das Werk und der Besuch eines alliierten Kommandos wurde angekündigt. Als diese Herren eintrafen und feststellten, was für ein Ungeheuer im Jahr 1919 die gegnerischen Schützengräben bekämpfen sollte, das zu Recht die Bezeichnung „rollende Festung“ trug, sahen sie nur die Möglichkeit einer einzigen Entscheidung: Diese „Festung“ musste noch im Werk sofort zerstört werden, eine Verschrottung, die man problemlos mit dem gewaltigen Bedarf an Metallen und Werkstoffen bei Kriegsende begründen konnte – und schon kurz nach dieser Entscheidung wurden die Abbrucharbeiten im Werk begonnen …“


    Zugegeben, für diese spannende Geschichte konnte man keine glaubwürdigen Quellen finden, so dass die Bezeichnung „Fake-Story“ schnell die Runde machte. Aber es konnte auch keinerlei Beweis dafür gefunden werden, dass es sich seinerzeit so nicht zugetragen hat … frech 1


    Aber mit dieser Geschichte war die Entscheidung natürlich nun so gut wie gefallen: Dieser K-Wagen sollte überwiegend grau gestrichen werden, lediglich die Kasematten auf beiden Seiten würden die vorgesehene Tarnbemalung tragen – in einer solchen Ausstattung würde man diesem Modell auch in der damit beendeten Serie ansehen, dass es mit diesem Fahrzeug im Gegensatz zu allen anderen etwas Besonderes auf sich hat – und das sollte auch dem kritischen Modellbauer reichen, oder? Also nun endlich frisch ans Werk! freu1


    Man muss nun noch wissen, dass in der Zwischenzeit Gespräche mit Slawomir liefen zu Herstellung künftiger neuer Lasercut-Nieten: Diese würden die Anforderungen an selbst zu bemalende und leicht abtrennbare Lasercuts erfüllen und in den Größen von 0,8 / 1,0 / 1,2 / 1,5 mm gefertigt werden. Und die gute Nachricht: Sie sind inzwischen im kartonmodellshop zu haben.


    Dank an Slawomir für diesen hervorragenden Einsatz!


    Da die großen Nieten anfangs noch nicht vorlagen, mussten diese wie bereits bei früheren Modellen der Serie selbst erstellt werden und kamen schließlich erst bei den zuletzt montierten Kasematten in Originalbemalung zum Einsatz, wie wir später sehen werden.


    Während der Bedenkzeit über die Gestaltung dieses Modells konnten schon viele andere Teile vorbereitet werden: Geschütztürme, Kommandoturm, Auspuffanlage, zusätzliche Lüftungsgitter usw.







    Leider fiel auch bei den weiteren Arbeiten wieder der Spantensatz des Modells unangenehm auf: Sehr vieles musste teilweise durch Schleifen passend gemacht werden etc. und es gab Ungenauigkeiten, die bisher bei keinem anderen Verlag so festzustellen waren.



    Lediglich die Kasematten würden später bis auf die grauen Ober- und Unterseiten zumindest seitlich wie original verbleiben, ausgerüstet dann zuletzt mit Slawomirs 1,0 mm Nieten. Die anderen Teile würden später grau gestrichen und vorab mit großen selbsterstellten Nieten ausgestattet.




  • Und nun beginnt einer, der früher mal u.a. wegen sowas von Plastik- zu Kartonmodellen gekommen ist, mit dem neuen Anstrich! ;-))


    Die grauen Oberseiten der Kasematten können nun bereits gestrichen werden, ebenso die Ketten-Zwischenstücke auf beiden Seiten, die nach dem Grauanstrich nun schon fertiggestellt werden können.




    So ungefähr könnte ein Seitenteil später mal aussehen!



    Mittlerweile sind auch neuen Nieten von Slawomir eingetroffen, die werden gleich mal beim Kommandoturm getestet, ansonsten geht nun auch der andere Anstrich voran – jetzt, wo ich weiß, wo es hin soll! happy 2




  • Hallo Jürgen,
    schön, dass es bei der rollenden Festung weitergeht. Die Nieten geben dem Ganzen ein sehr schön realistisches aussehen.
    Viele Grüße
    Gerd

  • Danke für die positiven Rückmeldungen, nun kann es weitergehen! happy 2


    Die jetzt fertigen Seitenteile mit ihren Ketten sind mit Nieten versehen, grau mit Revellfarbe gestrichen und müssen nun mit dem Rumpfteil verbunden werden, dessen Unterseite ebenfalls grau gestrichen wurde. Für den richtigen Pressdruck über Nacht zur Verbindung der Seitenteile mit dem Rumpf sorgen wieder die von mir gesammelten Gläser, die man je nach Bedarf auftürmen kann.



    Nach zwei Tagen einschließlich Trocknen ist das Mittelteil des K-Wagens fertig. Der graue Anstrich über den Nieten macht sich gut, die noch fehlenden seitlichen Kasematten sind ein eigenes Thema.




    Auch die Oberseite des Mittelteils wird grau zu streichen sein, weshalb zuerst wieder sämtliche Nieten angebracht werden müssen. Der graue Kommandoturm kann bereits aufgeklebt werden, ebenfalls die runden Lüftungsöffnungen, die wie diejenigen auf den Kasematten natürlich wieder mit Drahtgittern „gesupert“ werden.


    Probleme machen das runde Heck sowie der runde Bug: Das Spantengerüst ist auch in diesem Fall ziemlich ungeeignet, einen glatten, runden Verlauf zu gewährleisten, so dass ich froh bin, zu Testzwecken seinerzeit einen zweiten Bogen bestellt zu haben. Und deshalb ist es mir möglich, über die runzlig gewordenen Vorder- und Rückteile eine zweite Schicht aus dem anderen Bogen aufzuziehen: Und die bringt dann die gewünschte Glätte. Trotzdem: Ein kleiner Schock ist es, als ich plötzlich feststellen muss, dass sich ausgerechnet am Bug vorn rechts eine Schräge gebildet hat, die eine Lücke mit sich bringt. Was also tun? Nun, die Erfahrung beruhigt wieder: Auch in diesem Fall hilft Holzspachtel, der jetzt zum Einsatz kommt, später glattgeschliffen wird und nach dem folgenden Anstrich so gut wie nicht mehr sichtbar sein wird.



  • Bei den beiden Seitenteilen der Kasematten muss ich vorsichtig sein, denn die sollen (getreu unserer Fantasiegeschichte!) ja bereits den „richtigen“ Tarnanstrich haben. Da muss man ja der OHL-Inspektion richtig dankbar sein, dass der Panzer deshalb nicht mehr komplett werksgrau und vielleicht langweilig wirken muss! daumen1


    Deshalb gilt es nun, die neuen Slawomir-1,0 mm Nieten, die zum Anmalen bestimmt sind, gezielt vorzubereiten und auf den Außenseiten der Kasematten anzubringen. Erst danach kann man daran denken, die beiden Außenteile mit dem Rumpf zu verbinden, was noch Kopfzerbrechen bereiten wird.


    Die Nieten bewähren sich an den Kasematten, auf dem Rumpfteil verwende ich sie lediglich auf den Querstreben, die übrigen (größeren) Nieten entstammen der eigenen Lochzangen-Fertigung, da die 1,5 mm Nieten, die ich dafür bevorzugt hätte, beim kartonmodellshop zu diesem Zeitpunkt noch nicht bestellbar waren - jetzt hätte ich selbstverständlich diese auch am Rumpf des Mittelteils verwendet.





    Nach Fertigstellung der Kasematten sind diese bereit zum Verbinden mit dem Mittelteil, der auch die Ketten umfasst.


    Lediglich die erste Kasematten-Seite lässt sich ohne weitere Vorkehrungen anbringen, noch kann das Modell problemlos auf einer geraden Seite aufliegen. Lediglich vorsichtig muss ich beim Verschieben und dem Untergrund sein, denn die seitlichen Nieten sollen bei diesem Prozess ja nicht abgeschert werden! Eine Kasematte ist somit befestigt und schon bald kann der „halbe“ K-Wagen bereits auf eigenen Füßen (Ketten) stehen …



    Das größere Problem wartet am nächsten Tag: Eine spezielle Auflage ist erforderlich, um die zweite Kasematte (mit gewissem Druck und Geduld) anzubringen, denn eine Auflage bietet die andere Seite mit ihren geschwungenen Geschütztürmen und den empfindlichen Kanonenrohren wirklich nicht!


    Aber wieder mit Gläsern, sonstigen Unterlagen und Geduld ist auch das zu schaffen und das gesamte Modell darf nun in senkrechter Schräglage übernachten! happy 2


  • Wir kommen zum Endspurt!


    Die Kasematten sind nun fest auf beiden Seiten montiert und Verbindungsabdeckungen werden aufgeklebt, die an dieser Stelle wohl nicht vorgesehen waren, hier aber nötig sind, da das Riesentrum doch gewisse Verwindungen hat. Gemessen und gewogen wird das inzwischen kiloschwere „Kartonmodell“ aber erst zum hoffentlich guten Schluss! Nachdem auch die Verbinder zu den Kasematten montiert sind, kann ein erstes „Einstreichen“ im gewählten Revell-Grau begonnen werden …



    Das hat funktioniert: Nachdem auch die Bereiche rund um die Auspuffanlage gestrichen und diese „Schornsteine“ aufgeklebt sind, kann die Oberseite des Panzers einschließlich Vorder- und Rückseite nun komplett gestrichen werden – die Würfel sind gefallen, es gibt keinen Weg mehr zurück!


    Auch die sechs MGs können abschließend in ihre Scharten eingebaut werden – die erste Probeausfahrt kann beginnen! daumen1







    Das letzte „Kriegsende-Monster“ der Sammlung ist somit fertig und kann sich jetzt in die Reihe der anderen einfügen – zweifellos das größte Monster von allen! Die Serie besteht nun also aus insgesamt 10 Modellen der 6 wichtigsten im WK I eingesetzten Tanks sowie der 3 wesentlichen Kriegsende-Modelle, die vermutlich zum Glück für viele damalige Beteiligte nicht mehr zum Einsatz kamen. Insgesamt 10 Panzer sind es, weil vom Renault FT gleich zwei gebaut wurden, immerhin stellte dieser ja wohl auch den erfolgreichsten „Schwarm“ der frühen Panzer. Und er zeigte (ganz im Gegensatz zu den konzeptionell vollständig überholten „Kriegsende-Monstern“), wohin der künftige Weg der Panzerentwicklung gehen würde ...



    Damit ist nun Schluss mit meiner Serie, allerdings mit vermutlich noch einer Fortsetzung: Was nun noch fehlt, ist das geplante Diorama, wo zwei der damaligen „Aktiven“ Bestandteil sein werden – aber das wird noch eine Weile dauern bis zur Vorstellung im Forum.


    Bis zum nächsten Beitrag vielen Dank für euren Zuspruch & bis bald wieder! knuddel1
    Gruß Jürgen

  • This threads contains 3 more posts that have been hidden for guests, please register yourself or log-in to continue reading.