Römischer Zenturio, Schreiber, 1:9, gesupert

  • Servus, Klebefreunde!


    Vor kurzem habe ich versprochen, einen neuen Baubericht zu starten. Nun ist es soweit.


    Mein kartonales Erstlingswerk nach dem Wiedereinstieg vor neun Jahren, war der römische Legionär von Schreiber (siehe hier ). Nun soll ihm sein "Hauptmann", der Zenturio, folgen.

    Allerdings dient mir der Bogen nur als Grundlage. Ich werde den Bogen voll supern und versuchen, historisch so exakt wie möglich zu bauen. Wie manche von euch wissen, gehört Geschichte zu meinen Steckenpferden und daher haben Nachforschung, Vergleiche und Suche sehr viel Zeit beansprucht. Es soll aber doch der Bogen als Grundlage erkennbar bleiben, was natürlich einige Kompromisse nach sich zog. Ich nehme auch nicht wissenschaftliche Exaktheit für dies Arbeit in Anspruch, sondern nur hobbymäßige Genauigkeit. streichel1


    Weiters werde ich Erklärungen zu Ausrüstung und Funktionen einfließen lassen. Um den Baubericht nicht unübersichtlich erscheinen zu lassen, mach ich das in eigenen Beiträgen in kursiver Schrift. Dann kann jeder, den das nicht interessiert, es leicht überspringen. hüpf1


    Uppps, ich bemerke gerade, dass ich den Bogen gar nicht fotografiert habe. Das muss ich schnell nachholen.


    Dann starte ich hatlt mit dem Sockel und dem Spantengerüst:


     


     


    Der helle Grasstreifen im Hintergrund wird noch ausgebessert.


    Das Spantengerüst soll den untern Teil der Tunika versteifen.


     

    Herzliche Grüße / Best regards,
    Andreas

    Optimismus ist die Kunst, mit dem Wind zu segeln, den andere machen.
    Alessandro Manzoni (1785 – 1873)


    Buddys Kartonuniversum

  • Servus Andi


    Schön, daß du den Zenturio nun auch hier präsentierst.


    Spoileralarm: Leute, freut euch, ihr werdet was zu sehen bekommen! Ich weiß ja schon, in welche Richtung es geht...


    Herzlichen Gruß

    Robert

  • Nun habe ich den Bogen abgelichtet.



    Er besteht aus obigem Deckblatt mit Bauanleitung und 3 A3 Blättern mit 86 Bauteilen (plus einigen alternativen Bauteilen). Die Schwierigkeit ist auf der Skala von 0-3 mit 2 angegeben.


     


    Wie bei Schreiber üblich, ist auch der für Verstärkungen benötigte Graukarton im Bogen enthalten.


    Nachtrag: Ich habe einen Bogen unterschlagen!

    Es gibt einen weiteren Bogen mit Bauzeichnungen und auf der Rückseite ein historische Erklärung zum Zenturio und eine englische Bauanleitung.


     

    Herzliche Grüße / Best regards,
    Andreas

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  • @ Servus Robert, danke dir für die aufmunternden Worte! daumen1


    Lorica Segmentata - Schienenpanzer


    Da ich die Rüstung plastisch darstellen möchte, muss ich vom Scann arbeiten. Die Schienen überlappen sich, weshalb ich einigen Scanns anschneiden muss. Auch sollen alle Schnallen, Schnaiere und Hakenverschlüsse erhaben ausgeführt werden.


      Teile der rechten Hälfte des Panzers.


      Die linke Seite.


     


    Herzliche Grüße / Best regards,
    Andreas

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  • Lorica Segmentata - Schienen- oder Spangenpanzer


    Die Lorica Segmentata wurde im 1. Jahrhundert n. Chr. entwickelt. Sie wurde bereits in Kalkriese (9 n. Chr.) nachgewiesen und war rund 250 Jahre in Gebrauch. Allerdings konnte sie das vorher übliche und bequemere Kettenhemd (Lorica Hamata) nie ganz verdrängen. Diese bot aber geringeren Schutz gegen Stichwaffen.

    Die einzelnen Schiene waren mittels angenieteten Lederriemen und Schanieren verbunden und wurden mittels Schnürhaken verbunden. Das machte sie sehr beweglich und gut zu tragen. Je nach Materialstärke, brachte die Lorica Segementata 9-14 kg auf die Waage. Die Rüstung anzulegen dauerte aber länger, als ein Kettenhemd überzustreifen, weshalb dieses ab dem Ende des 2. Jarhunderts n. Chr. wieder die Oberhand bekam.


    Obwohl wir in der Regel das Erscheinungsbild des römischen Legionärs mit dem Schienenpanzer verbinden, war dieser in der rund 1200-jährigen Geschichte des Römischen Imperiums nur relativ kurze Zeit in Verwendung. Allerdings war es die frühe Kaiserzeit, besonders ab der 2. Hälfte des 1. Jahrhunders n. Chr.

    Daher darf man sich meinen Zenturio etwa aus diesewr Zeit stammend vorstellen. Es war die Zeit der guten Flavischen Kaiser Vespasian, Titus und Domitian (der erst in seinen späten Jahren an Verfolgunswahn litt und entsprechend handelte).

    Zur Zeit Cäsars, Mitte des 1. Jahrhunderst VOR Chr., sahen die Legionäre völlig anders aus!


    Neben der Lorica Segmentata und der Lorica Hamata war noch die Lorica Squamata, der Schuppenpanzer in Gebrauch. Hier waren fischschuppenartige Metallplättchen auf ein Lederhemd aufgenäht. Wegen der aufwändigen Reparaturmöglichkeit, spiele diese Rüstung bei den Legionären keine große Rolle.


    Der den Stabsoffizieren vorbehaltene Muskelpanzer, war zum einen sehr teuer und bot gegenüber den anderen Rüstungen auch schlechteren Schutz. Er diente mehr der Repräsentation.

    Herzliche Grüße / Best regards,
    Andreas

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  • Moin Andreas,

    treibst Du jetzt auch im Altertum herum.

    Bei meinen Wenden 800 Jahre später war nur wenig aufgeschrieben und wenn ,dann von den Römern.

    Ich bin gespannt was da noch kommt. freundlich1

  • Servus Thomas,

    Geschichte gehört zu meinen großen Interessen. Weniger die politische Historie, als vielmehr das Leben der Menschen, ihr Handwerkszeug und die technischen Möglichkeiten der jeweiligen Zeit. Um das politische Geschehen kommt man sowieso nicht herum.

    Auch die Quellenlage zur römische Geschichte ist im Einzelnen sehr lückenhaft.

    Ich habe an Detailierungen noch einiges vor!


    Danke für deinen Kommentar! freu1

    Herzliche Grüße / Best regards,
    Andreas

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  • Die Schnürung an Brust und Rücken habe mich lange beschäftigt. Die winzigen Schleifen mit dem relativ steifen Faden zu legen und zu kleben war ziemlich nervig.



    Darum für heute auch nicht mehr!

    Herzliche Grüße / Best regards,
    Andreas

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  • Auch die Lederbesschläge sollen plastisch dargestellt werden. Dazu biege ich mit der Rundzange kurze Drahtstücke und klebe sie als Schnallen und Dorne auf die vorgegebenen Stellen. Es ist ziemlich kleinteilig aber ohne Probleme.


     


    Die Tunika aus dem Bogen gefällt mir gar nicht. Einerseits ist sie zu kurz und anderseits zu glatt.



    Ein erster Versuch mit rotem Seidenpapier scheitert kläglich. Das Papier knittert exrem stark und ist beim Legen der Falten einfach zu steif. Das sieht gar nicht gut aus.


     


    Nach mehreren vergeblichen Versuchen, stelle ich um auf Krepppapier. Zuerst mache ich als Stütze die Originaltunika noch etwas länger.


     

    Herzliche Grüße / Best regards,
    Andreas

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  • @Servus Andy, vielen Dank! Ich möchte durch die Superungen ein besonderes Modell bauen. hüpf1


    @Servus Thomas, es freut mich, wenn dir das bisher gebaute gut gefällt. Allerdings wird die Tunika noch einmal sehr verändert, denn das Krepppaier erzeugt eine sehr lebendige Wirkung. daumen1


    Die Tunika MUSS nicht länger werden. Ich meine nur, dass die Militärtunika nach praktischen Gesichtspunkten geschneidert war und deshalb auch eine gewisse Schutzfunktion gehabt hatte (z.B. Wärme und Stoßdämpfung). Auf allen Bildern, die ich kenne, reicht die Tunika bis knapp über die Knie. Im Bogen sieht sie aus wie ein Minirock. Bilder in den nächsten Beiträgen werden das zeigen.

    Obwohl ich nahe am Bogen bauen möchte, will ich doch der historischen Wirklichkeit möglichst nahe kommen. Hier lassen sich natürlich Kompromisse nicht vermeiden.

    Herzliche Grüße / Best regards,
    Andreas

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  • Mit dem Krepppapier scheint die Lösung gefunden.

    Es lässt sich sehr schön in Falten legen, wobei jede Falte einzeln am Gürtelbund verklebt wird. Der Rest der Tunika bleibt lose.

    Der Kreppstreifen überlappt hinten, wird aber nicht geklebt. Es fällt überhaupt nicht auf.


     


    Die Armabschlüsse und die Schulterstücke (sprich: Ärmel) werden ebenfalls mit Krepp verkleidet bzw. gefertigt


    . 


    Ein Vergleich mit dem Legionär zeigt den Unterschied zwischen Bogen und selbstgestrickter Tunika.



    hallo1

    Herzliche Grüße / Best regards,
    Andreas

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  • Die römische Legion Wenn man die römische Militärgeschichte betrachtet, muss man sich im Klaren sein, dass man einen Zeitraum von über 1200 Jahren überblickt (753 v. Chr. – 476 n. Chr.)

    Von Beginn an bis etwa 100 v. Chr. wurden die 4 Legionen (manchmal auch mehr) von den wohlhabenden römischen Bürgern gestellt, die sich die die teure Rüstung leisten konnten.


    Kommandiert wurden sie in der Frühzeit von den Kosulen als Feldherren, den beiden höchsten Staatsbeamten der römischen Republik. Den Oberbefehl über eine Legion hatten 6 Militärtribune (von tribus, der Stamm). Die Zenturien waren damals in Doppelzenturien (sog. Manipel) zusammengefasst und wurden von einem gewählten Zenturio und einem von diesem ernannten Zenturio geführt.

    Es gab drei Arten von Legionären:

    • Hastaten bildeten die vorderste Reihe
    • Principes bildeten die zweite Reihe

    Sie bildeten das Rückgrat der Legion und waren bewaffnet mit Schwert, schwerem und leichtem Pilum, Helm und ovalem Schild.

    • Triarier waren die kampferfahrene Kerntruppe und trugen statt der Wurfspieße einen langen Speer. Sie kamen erst zum Einsatz, wenn der Kampf zum Schlechten stand.
    • Veles Die etwa 1200 Velites, die der Legion beigegeben wurden, waren keine Legionäre im eigentlichen Sinn, sondern Plänkler, die mit 7(!) leichten, kurzen Wurfspießen die generischen Reihen durcheinanderbringen sollten. Sie waren die jüngsten und ärmsten Bürger und zogen sich mit Beginn des Nahkampfes zurück. Neben den Wurfspießen trugen sie einen kleinen, runden Schild und Kappen aus Fellen (gerne Wolfsfelle) und ein Schwert.

    Mit den Germanenkriegen (Kimbern und Teutonen) und der sog. „Heeresreform des Marius“ kam es zu einem tiefgreifenden Wandel:

    • einheitliche Ausrüstung und Besoldung
    • Öffnung auch für arme römische Bürger
    • kleiner Tross, weil die Legionäre ihr Gepäck selbst trugen („Maultiere des Marius“)
    • verbesserte Ausbildung (Gladiatorentrainer) und hartes Training (Läufe, Dauermärsche, ...)
    • 16-jährige Dienstzeit
    • Zusammenfassung in 10 Kohorten zu je etwa 480 Mann
    • neues Pilum (schwere Wurflanze)
    • Einführung des Legionsadler zur Stärkung des Korpsgeistes
    • Veles verschwanden

    Diese Entwicklung ging neuerer Forschung zufolge aber fließend und über mehrere Jahrzehnte vonstatten.


    Zur Zeit Julius Cäsars (+ 44 v. Chr.) und des ersten Kaisers Augustus (+14 n. Chr.) sahen die Legionäre noch völlig anders aus, als wir sie uns als „typisch römisch“ vorstellen.

    Die Helme hatten eine ganz andere Form (Montefortino-Helm, ähnlich den heutigen Reiterkappen, nur mit dem Schirm als Nackenschutz und Wangenklappen)) und einen schweifartigen Helmbusch an der Oberseite und oft auch mit langen Federn, dazu ein Kettenhemd, zwei gekreuzte Waffengurte für Schwert und Dolch, ovaler Schild und schweres und leichtes Pilum.


      


    Ein detailliertere Darstellung der Legionen in der Republik würde den Rahmen sprengen.

    Herzliche Grüße / Best regards,
    Andreas

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  • Cingulum und Pertyges


    Der Militärgürtel der Legionäre, das Cingulum, war nicht nur Waffenträger sondern auch Statussymol. Der mit Metallplätchen beschlagene Gürtel durfte ausschließlich von Soldaten getragen werden. Sie waren als solche auch ohne Rüstung, nur rmit der Tunika bekleidet, erkennbar.


    Die Pertyges, die schmalen Lederstreifen, die vorne am Gürtel hingen, sind in ihrer Funktion etwas rätselhaft. Ein vermuteter Unterleibsschutz wird wohl angesichts der vielen Stichwaffen kaum gegeben sein. Eher schon die Einschüchterung des Gegner, der durch das rhythmische Geklippere einer aufmarschierenden Legion vielleicht nervös wurde.

    Übrigens hießen so auch die Leder- oder Stoffstreifen an den Schultern und über der Tunika, falls solche grtagen wurden.



    Auch am Gürtel trage ich die einzelnen Metallplättchen und die Verzierungen einzeln auf, um einen plastischen Effekt zu erzielen.



    Die Pertyges des Zenturio sind reich verziert und ich mache mir die Mühe, alle Einzelteile zu doppeln und zu rillen. Am Ende werden es 109 (!) Teile.


     



     


    In diesem Bauzustand belasse ich es für jetzt. Der Gürtel wird später noch abgeändert und der historischen Wirklichkeit angepasst.

    Herzliche Grüße / Best regards,
    Andreas

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  • Hallo Andreas,


    ja, diese Ausrüstungen sind wirklich eine Geschichte für sich. Aber ist es nicht genau das, was an Archäologie so fasziniert? Ich war schon öfters in Kalkriese und da gab es ja letztes Jahr auch was Neues zum Thema Schienenpanzer.


    Dein Modell könnte sich dort direkt in die Legionen von Varus einreihen happy 2 Wieder ein Bogen, der auf meine Wunschliste gesetzt ist.


    LG Barbara

    Die Klügere gibt solange nach, bis sie die Dumme ist.

  • Moin Barbara,

    ich selbst habe den vermuteten Ort ,der Varusschlacht besuchen dürfen.Das Museum ist wirklich sehr ansprechen gestaltet

    und gibt interessante Einblicke auf das römische Leben,zur jener Zeit.

    In Deinem Link zum Artikel wird berichtet,das der Träger der Rüstung gefesselt war.Das ist sehr interessant,denn so eine Rüstung ist sicherlich sehr

    wertvoll gewesen und mich wundert das der Gefangene seinen Panzer behalten durfte.

  • @ Bisher habe ich es verabsäumt, mich für die vielen Likes zu bedanken, was ich hiermit mit großer Freude nachhole!

    Vielen Dank euch allen! Es motiviert sehr, den Baubericht ansprechend zu gestalten.


    danke1 freu 2 knuddel1


    @Servus Barbara, herzlichen Dank für dein Lob zu meinem Modell! Es freut mich, wenn es gut ankommt! hüpf1

    Danke auch für den Link zur Ausgrabung in Kalkriese. Ich habe zwar gewusst, dass am Ort der Varusschlacht einer der ersten Schienenpanzer überhaupt gefunden wurde, aber dass er so gut und fast vollständig erhalten ist, war mir nicht bekannt.

    Es gäbe so viel zu berichten über die Entwicklung der Rüstungen, aber es fehlt einfach der Platz, um ausführlich das Thema zu behandeln. Dazu kommt, dass ich wegen des Urheberrechts keine Bilder aus Büchern oder dem Netz einstellen kann. Ein anschauliches Bild würde ganze Absätze an Text ersetzen. Schade! ach1

    Ich kann daher nur sehr oberflächlich und überblicksmäßig die historischen Fakten erfassen.


    @Servus Thomas, wenn Arminius´ Germanen 3 römische Legionen verklopft haben, wird es ihnen auf eine Rüstung nicht angekommen sein. nein1

    Herzliche Grüße / Best regards,
    Andreas

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  • Caligae - Militärsandalen

    Die Caligae (Betonung auf der ersten Silbe) waren die über lange Zeit fast unverändert veränderten Soldatensandalen. Sie bestanden aus einem Stück Leder, aus dem die Brandsohle und die Schnürriemen herausgeschnitten wurden. Dazu kam eine dicke,steife Laufsohle in die Nägel mit kantigen Köpfen eingeschlagen und dann mit dem Oberleder vernäht wurden. Die Genagelte Sohle erhöhte die Lebensdauer des Schuhwerks enorm und gaben zusätzlich besonderen Halt. Die Legionäre bekamen zusätzlich zum Sold auch einige Reservenägel pro Monat für die Reparatur, der Sandalen.

    In archäeologischen Versuchen wurde festgestellt, dass sie sehr bequem zu tragen sind und es kaum Blasenbildung gibt, weil der Fuß schnell tocknen kann und viel Luft an die Haut kommt. Natürlich gab es auch in kühleren Gegenden geschlossen Formen. Offiziere trugen natürlich oft Schuhwerk, das den modischen Gegebenheiten ihrer Zeit folgte.


    Der dritte Kaiser Gaius Caesar Augustus Germanicus, genannt "Caligula", hat seinen Namen von diesen Militärschuhen. Seine Jugend verbrachte er in Colonia Agrippina/Köln,wo er schon als Kind in Uniform gekleidet wurde und bei den Soldaten sehr beliebt war. Sie gaben ihm den Spitznamen "Caligula"/Stiefelchen.


    Begonnen habe ich die Caligae mit der Laufsohle. Diese habe ich aus Graukarton geschnitten und die Ränder mit der Kombizange aufgebogen.



    Die Suche nach einem geeigenten Schnittmuster hat mich lange beschäftigt. Im Netz findet man eine Unzahl an Formen, die unmöglich ein Legionär je getragen hätte. Schnell war mir klar, dass nur eine Form mit sehr schmalen Riemen in Frage kommt. Schließlich wurde ich doch fündig.


    Nun ging es ans Aussticheln des Musters.



    Wie auf dem Bild zu sehen ist, klafft die Form der Sohle mit jener des Modells weit auseinander. Also musste ich diese erneut machen.



    Am Modellfuß sind die ursprünglichen Caligae aufgedruckt. Diese musste ich übermalen, wobei ich den Zehenbereich soweit wie möglich erhalten wollte.


    Jetzt ging es ans Anpassen der Riemenkonstruktion an den Modellfuß. Beginnend bei der Ferse und über die Achillessehne, habe ich das Geflecht nach vorne über den Fuß gezogen. Ein erster Versuch ging kläglich schief!


    Meine zurechtgeschnittene Sohle war viel zu breit. Also habe ich die Sohle des Geflechts einfach geteilt und wieder von hinten beginnend den Sohlenrand an den Fuß angepasst.


     


     


     


    Dann kamen die Laufsohle und die Schnürung dazu. Der linke Fuß ist soweit fertig.

    Herzliche Grüße / Best regards,
    Andreas

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    Buddys Kartonuniversum

  • @ ja 2 ja 2 ja 2 Danke, danke, danke für die vielen Likes! Das freut mich sehr!



    Ich betrachte hier die Legion in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts.

    Zu dieser Zeit gab es einige Umstellungen.


    Bisher bestand eine Legion aus 10 Kohorten zu je 3 Manipel (1 Manipel = 2 Zenturien, d.s. 60 Zenturien), die von 6 Tribunen geführt wurden (Normstärke 4200 Mann + gleich Anzahl Bundesgenossen + Reiterei).


    Die römische Legion

    Nun wurde die 1. Kohorte auf 800 Mann aufgestockt und in 5 Zenturien (je 160 Mann) untergliedert.

    Die Kohorten 2 bis 10 bestanden weiterhin aus je rund 500 Mann in je 6 Zenturien (je 80 Mann).

    Die kleinste Einheit in der Legion war die Zeltgemeinschaft aus 8 Legionären (Contubernium).


    Die Reiterei war in der Legion schwach besetzt. Es waren etwa 120 Reiter, die in 4 Schwärmen (Mz. Turmae) untergliedert war. Sie dienten als Kundschafter und Meldereiter.


    Insgesamt bestand die römische Legion aus etwa 5500 Mann.


    Die Hilfstruppen

    Dazu kamen Hilfstruppen (Auxilia) der Bundesgenossen in ähnlicher Truppenstärke wie die Legion. Sie hatten oft Sonderaufgaben wie Bogenschützen, Schleuderer oder leichte Infanterie. Sie wurden von einem Präfekten und Zenturionen kommandiert.


    Hier war auch die kampfkräftige Reiterei (Ala) von etwa 500 Reitern (bei Bedarf bis zu 1000 verstärkt) zu finden.


    Wie wurde die Legion geführt?

    1 Legat (Gesandter, Unterfeldherr) kommandierte die Legion als Vertreter des Feldherrn. Er war meist ein erfahrener Soldat aus dem Senatorenstand.

    (Anm.: Seit 367 v. Chr. stand den Plebejern (Nichtadelige / Wohlhabende bilden den Ritterstand) das Recht zu, im Senat auch Konsuln (das höchste Staatsamt) zu stellen. Seither ist die Unterscheidung in Adelige (Patrizier) und Nichtadelige (Plebejer) politisch hinfällig. Diesbezüglich wird bis heute viel Unsinn verbreitet!)


    1 Tribunus laticlavius (Militärtribun „mit breitem Purpursteifen“ auf der Tunika), war Stellvertreter des Legaten und aus dem Senatorenstand, der seinen Militärdienst und die erste Stufe der Ämterlaufbahn („cursus honorum“) bei der Legion für 2-3 Jahre absolvierte.


    1 Praefectus castrorum, (Lagerpräfekt). Er war der 3. in der Rangordnung der Legion. Meist kam er aus dem Zenturionenstand und war vorher „Primus Pilus“ (siehe unten). An den Lagerpräfekten wurden hohe logistische und verwaltungstechnische Anforderungen gestellt. Im feststehenden Lager/Castrum hatte er das Kommando.


    5 Tribuni angusticlavii (Militärtribunen „mit schmalem Purpurstreifen“) aus dem Ritterstand (equites). Sie bekleideten Verwaltungsämter in der Legion und führten die Kohorten im Einsatz. Auch sie bereiteten sich auf den niederen Verwaltungsdienst in Rom vor.


    1 Primus Pilus („Erster Speer“). Er war der ranghöchste Zenturio der Legion und Kommandant der ersten Zenturie der ersten Kohorte. Seine Kohorte war für den Schutz den Legionsadlers zuständig.

    Zum einen waren diese Männer in höchstem Maße kampferfahren und zum anderen setzte der Posten beträchtliche Bildung und administratives Können voraus. Man konnte das Amt nur 1 Jahr innehaben. Danach ging der Zenturio in den Ruhestand oder stieg weiter auf zum Lagerpräfekten. Die Primi pili bildeten auch für den Kaiser ein Sammelbecken für erfahren Verwaltungsbeamte, die nicht in Rom korrumpiert wurden.


    59 Zenturionen bildenten das Rückgrat der Legion (dazu später mehr)


    4 Dekurios („Zehnschaftsführer“) waren die Kommandanten von jeweils einer der 4 Reiter-Turmae (Turma = Schwarm)


    Principales, gewählte Offiziere die den Zenturionen untergeordnet waren:

    • Optio ("optare" = "wünschen", "gewünschter Assistent") , Stellvertreter des Zenturio innerhalb der Zenturie und von diesem ernannt. Sein Rangabzeichen war der längs getragene Helmbusch und die Hastile, eine etwa 2 Meter lange Stange mit Kugelknauf.
      Sein Platz war hinter der letzten Reihe der Zenturie, wo er für die Einhaltung der Kampfordnung sorgte.
      Für die mannigfaltigen Aufgaben der Optiones gab es vielfältige Rangbezeichnung.
    • Aquilifer (Adlerträger); einer je Legion und zur 1. Kohorte gehörig
      Er trug ein Tierfell (Wolf, Bär, Wildschein, Löwe, …) am Helm
    • Signifer (Feldzeicheträger), einer je Zenturie und Kassier und Geldverwalter seiner Einheit.
      Er trug ein Tierfell am Helm.
      .
    • Tesserarius („Tafelträger“; tessera = Täfelchen, Marke, Parole, Losung); er war der Wachhabende der Zenturie, zuständig für die Wacheinteilung und -berichte und Ausgabe der Parole..
      Auch er trug ein Tierfell am Helm

    • Cornicen (Hornist); ebenfalls mit Tierfell am Helm

    Weiters gab es Principales mit Sonderaufgaben (Polizeiaufgaben, Verwaltung, Ordonanzen,...)


    Eine Vorstellung, wie groß eine Legion war und welche militärische Kraft sie entwickeln konnte, vermitteln vielleicht folgende Bilder. Sie wurden von mir auf der Landesausstellung 2018 in der Stadt Enns in Oberösterreich aufgenommen. Enns ist die älteste Stadt Österreichs.


    Enns (Lauriacum) war das Hauptlager der "Legio II Italica pia fidelis" (2. Italische Legion, die fromme und treue).Sie wurde 165 n. Chr. von Kaiser Marcus Aurelius aufgestellt und war ab 171 n. Chr. bis Mitte des 5. Jh. für die Sicherung des Donaulimes und die Verwaltung der Provinz Ufernoricum (Noricum nödlich der Alpen) zuständig. Ihr Legat war zugleich Statthalter der Provinz. Ihr Wappentier war die "Kapitolinische Wölfin".

    Enns liegt an der Mündung des gleichnamigen Flusses in die Donau.


    Die Legio II Italica pia fidelis in Paradeaufstellung


    Die Reiterei der Legion (4 Turmae)


     


    Die erste Kohorte mit dem Führungsstab


    Eine Zenturie


    Das Lager der Legio II hat bis heute seine Spuren im Stadtbild hinterlassen. Lagerstraßen, Umriss und sogar ein Teil des Lagergrabens sind noch immer zu erkennen.

    Der nordliche Teil des Lagers wird durch eine Eisenbahnlinie vom Rest abgeschnitten. Dort befindet sich heute ein Feld und der Graben.



    Der Lagergraben


     


    les 3 hallo1

    Herzliche Grüße / Best regards,
    Andreas

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