Widder bzw. Rammbock / Swiat z kartonu / 1:25

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    • Widder bzw. Rammbock / Swiat z kartonu / 1:25

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      Hallo Freunde des Kartonmodellbaus,

      nach Volksmarine und Ringflügler haben wir mal einen Ausflug in die Vergangenheit gemacht und zwar doch recht weit zurück – ins Mittelalter ging es, natürlich dem Nibelung gemäß zu einem Waffensystem der damaligen Zeit. grins 2

      Der oben genannte polnische Verlag hat ja einige z.T. sehr eindrucksvolle Modelle über die damalige Kriegs- und Belagerungstechnik geschaffen – nach der Belagerungsarmbrust, die ich ca. vor 2 Jahren fabriziert hatte, sollte jetzt das nächste Projekt realisiert werden, nämlich eine Ramme, auch unter dem Begriff „Widder“ bekannt. Gebaut habe ich an dem Modell mit der Bau-Nummer 207 von 29.03.21 bis 14.04.21; verbaut wurden 177 Teile, davon 24 nicht vom Bogen.

      Macht's gut und bleibt gesund!
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      Die Poliorketik, die Belagerungskunst, war ja etwas, was insbesondere die Römer schon sehr weit entwickelt hatten und was vor allem durch die Zeit der Völkerwanderung in Westeuropa so ziemlich in Vergessenheit geraten war. Unsere Vorfahren waren eben relativ einfach gestrickt, was den Krieg betraf – wild brüllend auf den Gegner einzustürmen, das war zumeist das einzige, was sie zu Wege brachten. Mochte dies bei einem überraschten und wenig geschulten Gegner auch oft erfolgreich gewesen sein, so war es dann doch meist mit der „Herrlichkeit“ zu Ende, wenn es um die Belagerung eines festen Ortes ging…..




      Das stabile Innenleben der Ramme...
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      So musste vieles, was noch die Römer wussten, erst nach und nach wieder entdeckt und neu entwickelt werden – insbesondere die Erfahrungen, die von den Kreuzrittern bei ihren Begegnungen mit byzantinischen, armenischen und sarazenischen Belagerungsspezialisten gemacht wurden, trugen auch dazu bei. Zudem hatten die lombardischen und genuesischen Ingenieure die Traditionen des römischen Heeres bewahrt und auch noch verbessert.

      Deshalb konnten sich in Westeuropa während des frühen Mittelalters auch manche Lehnsherren ziemlich sicher hinter ihren Mauern fühlen, denn eine einfache Belagerung dauerte seinerzeit oft zu lange, weil bei dem damaligen Feudalwesen die Aushebung von Truppen auf durchschnittlich 40 Tage im Jahr begrenzt war (stehende Heere gab es ja damals nicht).



      Der Rammbalken liegt bereit zum Einbau.
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      Erst die Wiederentdeckung alter Belagerungsmaschinen half dann dabei, eine Belagerung öfter erfolgreich abzuschließen. Eine dieser Maschinen war der Rammbock, der „Widder“.

      Der Widder (lat. aries) bestand aus einem fahrbaren Holzgestell, an dessen Firstbalken ein waagerechter starker Baumstamm oder Balken an Stricken oder Ketten hing. Das vordere Ende des Balkens war mit Eisen beschlagen. Dieser Eisenkopf, der häufig die Form eines Widderkopfes hatte, gab der Ramme ihren Namen.



      Er ist eingehängt - eine Nachbildung der Aufhängung durch Ketten habe ich mir erspart, da man ohnehin kaum was davon mehr sehen wird...
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      Der schwere Balken konnte bis zu 30 Meter lang sein. Er wurde von einer vielköpfigen Bedienungsmannschaft schwungvoll in einem kontinuierlichen Rhythmus gegen einen bestimmten Punkt der Burgmauer oder des Tores geschwungen, um sie zum Einsturz zu bringen.
      Rammböcke arbeiteten sehr effektiv, da man mit der steten Erschütterung fast jede Mauer zum Einsturz bringen konnte. Eine ähnlich präzise und erfolgreiche Wirkung konnte man mit den großen Wurfmaschinen kaum erzielen.



      Das System ist durch dicke Bretter geschlossen.
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      Die Verteidiger auf der Mauer sahen natürlich diesem Unterfangen der Belagerer in aller Regel nicht tatenlos zu, sondern versuchten mit Pfeilen, Speeren, Steinen, flüssigem Pech usw. die Feinde von der Zerstörung der Mauer abzuhalten.

      Dies wiederum brachte die Angreifer dazu, die ganze Konstruktion durch ein Schutzdach zu sichern, um die Mannschaft zu decken. Auf Grund dieses Schutzhauses wurde dieKonstruktion manchmal auch „Katze“ (lat. cata) genannt.


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      Die Verteidiger waren dann bemüht, die ganze Konstruktion mit Brandpfeilen usw. in Brand zu setzen, was die Belagerer wiederum zu verhindern suchten, in dem sie das Schutzdach bei einer flacheren Neigung mit Grassoden und sogar Mist bedeckten, bei steileren Neigungen mit Häuten frisch geschlachteter Tiere, die ebenfalls nicht leicht entzündlich waren.

      Das Modell stellt auch diese „Kuhhautdekoration“ dar…

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      Zum Modell:

      Im Großen und Ganzen gut und passgenau konstruiert, zeigt das Modell alles, was einen „Widder“ so ausgemacht hat.

      Zwei Kritikpunkte habe ich nur anzubringen:

      - Zum einen Farbgebung und Textur der inneren Holzkonstruktion, die das Dach trägt – sie wirkt ziemlich unrealistisch; das hätte man unbedingt besser machen müssen (siehe Bilder oben)

      - Zum zweiten die „Kuhhäute“ – wenn man schon dieses Gimmick beilegt, um eine Brandschutzabdeckung des Geräts zu simulieren, dann dürfte man nicht nur 7 Häute beilegen. Allein für die eine Seite, die ich mit Häuten bedeckt habe, wurden mehr als 20 dieser Teile verarbeitet (hier war Scannen und Ausdrucken notwendig). Außerdem wäre es – so gut die Ausgestaltung der einzelnen Kuhhaut auch ist – doch wesentlich realistischer gewesen, wenn man einzelne Häute mit verschiedener Größe und vor allem abweichender Farbgebung versehen hätte!

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      Diese „Kuhhaut“ war ja gut gemeint – aber wir wissen alle: Gut gemeint ist normalerweise das Gegenteil von gut.

      Wenn ich mir den Widder so ansehe, sieht er mit den „Kuhhäuten“ irgendwie aus wie ein Lebkuchenhaus; aber entfernen lassen sich die angeklebten Dinger jetzt auch nicht mehr, also bleibt es so (und wir hoffen, dass die Verteidiger ob des Lebkuchenhauses vor Lachen von der Mauer fallen…. grins 2 ).

      Macht's gut und bleibt gesund!
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      Und zum Abschluss noch ein Vergleich zu dem anderen Belagerungsgerät, das bisher bei mir entstanden ist, der großen Belagerungsarmbrust.

      Dieser Vergleich zeigt, dass so ein fahrbarer „Widder“ schon recht groß war und irgendwie an einen Panzer erinnert…..




      So, das war's von diesem alten Waffensystem - als nächstes wird sich der Nibelung nochmals in die Lüfte begeben (nein, nicht "in die Luft gehen", obwohl man das bei der aktuellen Situation und all denen, die kräftig dabei sind, diese noch zu verschlimmern oder zu verharmlosen, auch könnte...) - wir wollen uns nochmal einen frühen Jet aus den späten 50ern vornehmen, einen Silberfisch sozusagen.... grins 2

      Servus
      hvt
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      @Didibuch
      Vielen Dank, Dieter - auch für die Daumen! freu 2
      Ja, da hast Du wohl recht, aber welcher "Arbeitsplatz" war bei einer Belagerung schon angenehm - selbst in der "Etappe" außerhalb der Reichweite von Bogen- oder Armbrustschützen war man nicht sicher, wie die schweren "Geschütze" wie Steinschleudern und Belagerungsarmbrüste gezeigt haben...

      Und bevor ich auf einer Sturmleiter die Mauer hoch muss, stehe ich schon lieber unter dem Schutzdach eines Widders und schwinge den Baumstamm... zwinker2


      @J.G.Christoph
      Vielen Dank für die Daumen! danke 2

      Servus
      hvt
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      Servus HvT,

      da hat sich der Nibelung zurück zu seinen waffentechnischen Wurzeln begeben! grins 2

      Ein gelungenes Modell!
      Aber wie du geschrieben hast, bei den Kuhhäuten hätte sich der Verlag ruhig etwas anstrengen können.

      Liebe Grüße

      Wiwo
      In Bau: K.u.k.Tegetthoffklasse, GPM, 1:200 1:250 und 1:400
      Und hier: Alle meine Modelle


      "Es gibt viel zu viele Lautsprecher und viel zuwenig Kopfhörer!"
      Fritz Grünbaum, 1934
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      @Flens

      Petra hat sich köstlich amüsiert, als sie den Beitrag gelesen hat... grins 2
      Nein, bisher musste ich noch nicht zu solchen Gewaltmethoden greifen, da hat immer noch das Winken mit der nächsten Kreuzfahrt-Anmeldung ausgereicht.... grins 2


      @wiwo1961
      Danke, Wiwo! freu 2
      Bei den Häuten hatte ich ein paar so lose aufgelegt, da ist mir das noch gar nicht aufgefallen. Wenn ich das eher gemerkt hätte, dass das Gesamtbild darunter leidet, dann hätte ich versucht, am Rechner ein paar zu ändern - einscannen musste ich sie ja sowieso, den mit 7 Häuten war da ja nicht viel anzufangen.... denk1

      @Classic

      Ja, da wären die Wikinger schon etwas schneller gewesen als dieses hölzerne Monstrum! Aber wehe, wenn sie sich in einer Burg verschanzt hätten... haue 1 happy1


      @Juergen
      Ja, man war auch damals schon sehr erfinderisch, wenn es darum ging, seinen Nächsten ins Jenseits zu befördern. lala1
      Die Häute haben mit der Zeit vermutlich auch etwas Odeur abgegeben grins 2 - ob allerdings die Mistversion da angenehmer war? grins 2

      Servus
      hvt
      Macht's gut und bleibt gesund!